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Marburg, Sonnabend, 15. November 1884.
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DaS politische Programm beider Parteien unterscheidet sich nur wenig von einander; auch wurde während der Wahlkampagne weniger davon gesprochen, da man sich eben mehr mit gegenseitigen persönlichen Anschuldigungen und den Versuchen, diese zu entkräfttgen, beschäftigte. Bekannt ist, daß Blaine ein äußerster Schutzzöllner, exklusiver Amerikaner und enragierter Vertreter der Monroe-Doktrin ist. Er will keine fremde Kontrolle in Panama dulden, wirft seine Blicke nach Kuba und Kanada und schwärmt für die Idee, alle Schwesterrepubliken beider Amerikas zu einem Offensiv und Defensivbündnis gegen ganz Europa zu vereinigen. ClevelandS Programm ist in zwei Worten gesagt. Er stellt Modifikationen der Zolltariffe in Aussicht und fordert radikale Reform der öffentlichen Verwaltung. Beide Parteien reklamieren gleichmäßig den Schutz der nationalen Arbeit und die Erhaltung der Löhne.
Die wirtschaftlichen Jntereffen der ausgedehnten Gebiete der Union stehen in einzelnen Fragen ost diametral gegenüber, und es wird immer eine schwierige Aufgabe der amerikanischen Staatskunst bleiben, dieselben einigermaßen auszugleichen. Der „solide- Süden, der ackerbautreibende Nordwesten mit seinen Rtesenfarmen und jungfräulichem Pratrieboden, der tndustriereiche Osten mit seinen ausgedehnten Ackerflächen werden immer verschiedene und oft entgegengesetzte Prinzipien der volkswirtschaftlichen Politik bei sich in Anwendung gebracht fehen wollen. Der Schwerpunkt der Regierung liegt im Kongreß und der Präsident hat darauf zu achten, daß hier das harmonische Gleichgewicht der verschiedenen Faktoren erhalten bleibt. Wenn Cleveland die Beseitigung der unerhörten Mißbräuche bei der Ausübung jener gesetzgebenden Funktionen und der Korruption im komplizierten BerwattungSbetriebe anstreben würde, so setzt er nur daS Werk Hayes' und Garfields fort, das auch ihm nur dann gelingen kann, wenn er stch der selbstlosen Mitarbeit der Mehrzahl seiner Anhänger erfreuen wird. Auch hier kann eine gründliche Wendung zur Befferung nur dann stattfinden, wenn eine Regeneration der VolkSbewußtsetnS vorangegangen ist. So lange man freilich den Diebstahl an öffentlichem Gute für einen er» laubtcn politischen Kunstgriff hält, wird man auch den Kultus des goldenen Kalbes jedem anderen vorziehen. Erst wenn die Besten und Edelsten der Nation den Anfang gemacht haben, die Schande mutvoll bei ihrem wirklichen Namen zu nennen und von ihrem abschreckenden Antlitz den gleißenden Aufputz hinwegzureißen, dann pflegt daS Gewissen des Volkes zu erwachen und dieses anzutreiben, seine Götzen in Trümmer zu schlagen. Die Hebung des moralischen Rechtsgefühls schafft den wirksamen Boden, auf welchem allein heilbrinaende Reformen gedeihen können. (Rb.)
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Nordamerikas mit dem Namen Grant gebrandmarkt, unter deffen Schatten seine Jünger, die Belknap und Blaine bis heute den Raub am Gemeinwesen fortgesetzt haben.
Nach Grant gelangte HayeS zur Präsidentschaft, der eine unbescholtene Vergangenheit mit gutem Willen zu Reformen verband. Ihm fehlte indeffen Thatkraft und Ent» schloffenheit, zwei Eigenschaften, die in seinem Nachfolger Garfield desto glänzender vorhanden waren. Dieser schien berufen, Ordnung und Ehrlichkeit zurückzubringen, aber seine heldenmütige Thätigkeit wurde durch das Attentat vom 2. Juli 1881 unterbrochen, dem er später, strangulatus pro re publica, zum Opfer fiel. An Garfields Stelle trat der Vizepräsident Arthur, eine der Kreaturen GrantS, der nunmehr dem neugewählten Cleveland Platz machen wird.
Im Grunde genommen trug der Kampf zwischen den Anhängern der Wahl ClevelandS und der seines Gegenkandidaten Blaine einen mehr persönlichen als politischen Charakter. Die Ehrlichkeitsfrage war zum Pivot des Wahlkampfes geworden, und deshalb verließen viele Republikaner ihr politisches Lager und gaben schließlich den Ausschlag für den demokratischen Kandidaten. ClevelandS Vergangenheit erfreut stch des besten Rufes und als Gouverneur des Staates Newyork hat er eine so musterhafte Verwaltung geführt, daß diese die allgemeine Au merksamkeit auf sich lenkte. Sein Aeußeres macht im Gegensatz zu BlaineS lebhafter und glänzender Persönlichkeit den Eindruck einer zurückhaltenden und kaltverständigen Ehrlichkeit. Während Blaine die Vereinigten Staaten von Nord nach Süd, von West nach Ost durchzog, um Stimmen zu werben und Reklame zu machen; während er mit liebenswürdiger Gewandtheit alle Anschuldigungen zurückwies, selbst wenn diese durch unwiderlegbare Beweise mit seinen eigenen NamenS- unterschriften versehen, erhärtet waren; während er der allbekannten Thatsache seiner unzähligen Bestechungen seine freche Stirn entgegenbot und kaum ein Geheimnis daraus machte, daß er in allen seinen Aemtern als Staatssekretär oder Speaker der Repräsentantevkammer die Konzessionen der Eisenbahnen und Bergwerke, die Stellen und Aemter verkauft habe, blieb Cleveland klug daheim und lag in peinlicher Pflichterfüllung den Funktionen seiner Stellung ob. Er ließ vie Thatsachen für sich sprechen und zur Au'klärung und Richtigstellung verselben sorgte eine Schar von Freun den, die zu gleicher Zeit Anhänger der guten Sache der Ehrlichke tsreform waren. So gewann der Prediger Brecher Brooklyn und New-Jersey für ihn. Der Vize-Präsident Hendricks brachte seinen Staat Indiana herüber. Unter Anführung von Karl Schurz stimmten alle Deutsche in Wisconsin für Cleveland. Die Senatoren Thurman, Bayard, der Gouverneur Hoadley, Carlisle, der Präsident (Speaker) des Repräsentantenhauses und hundert andere machten lebhafte Propaganda, die nun auch vom siegreichen Erfolge gekrönt worden ist.
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zu Mutter und Bruder, zu Freundinnen und Bekannten, — ich habe zwar einen großen UmgangLkreiS, aber darin Niemand, der mir so lieb ist, wie Sie, und mein Haus steht mich öde unb verlassen an. Komme ich aus der Redaktion heim, dann schläft mein Paul schon, und ich kann ihn nur in seinem Bettchen auf die geschloffenen Augen küffen. Vor dem praffelnden Kamiofeuer sitzt freilich die gute, alte Tante Clementine mit ihrem Strickftrumpf und begrüßt mich freundlich, aber auf dem Platz saß früher weine Frau, und der Unterschied ist schmerzlich!"
Sie sah ihn teilnehmend au.
„Ich glaube es Ihnen, — aber ich kann mir nicht denken, daß Sie mich mehr entbehren »erben, als ich Sie! Meine liebste Freundin kommt noch nicht zurück, mein Bruder verläßr uns in kurzer Zeit und tritt eine neue Stelle in Köln an,--und selbst, wenn er bliebe —
—,,glauben Sie, ich kann mit Mutter und Bruder, obgleich ich ste lieb habe und gut mit ihnen lebe, alle die Dinge besprechen, die ich mst Ihnen durchgeredet habe? Sie haben für vieles einen ganz anderen Maßstab, unsere Anschauungen gehen oft weit auseinander, in manchen wichtigen Punkt«« verstehen wir uns sogar so wenig, daß wir sie aus stillschweigendes Uebereinkowwen nie mehr berühren. Sie ober unb ich, amico, wir sind Gesinnungsgenossen in allen Hauptfragen deS Lebens, Sie haben mich jedesmal verstanden, auch da, wo Ste mich nicht billigen konnten, Sie tragen meiner Eigenart Rechnung und gerade das können die Meinigen gar nicht. Ich werde mich schweren Herzens wieder daran gewöhnen müffen, oft und oft zu schweigen, während ich mich zu Ihnen über alle« jederzeit ungescheut aussprechen durfte l" (Fortsetzung folgt.)
Grover Clevelaud, Her «eue Präsident der Ber- etuigteu Staate».
Nach einem Wahlkampf ohnegleichen hat sich endlich daS Los der Stimmen für den Kandidaten der „ehrlichen Leute" entschieden, der von den Demokraten im Verein mit den unabhängigen Republikanern auf den Schild erhoben war. Am 4. März wird nun Cleveland seinen Einzug in das Weiße Haus halten und den jetzigen Präsidenten Chester Arthur ablösen.
Im Jahre 1861 waren mit Lincoln die Republikaner ans Ruder gekommen, welche durch ihr Auftreten gegen den sklavenhaltenden demokratischen Süden den Bürgerkrieg zum Ausbruch brachten und ihn zum endlichen Siege der republikanischen Partei des Nordens durchführten. Seit der Zeit umschwebte die letztere des Nimbus, die Union gerettet und das Staatsschiff durch die stürmische Brandung des Krieges in sicheren Hasen gelenkt zu haben. Zu Anfang schien man auch die Grundsätze der Loyalität und Rechtschaffenheit, welche in den vergangenen Verwaltungen noch anerkannt wurden, aufrecht erhalte« zu wollen. Aber nachdem der Krieg beendet war und stch die Republikaner als Herren der Lage fühlten, wandten sie das Spiel um und verwandelten die Bundesverwaltung von der höchsten bis zur niedrigsten Stufe, vom ersten Staatssekretär bis zum untersten Postbeamten, in eine undurchdringliche Höhle von Spitzbuben. Gleichzeitig ruinierten ste den Süden unter dem Vorwande, einigen Millionen Schwarzen die Freiheit zu geben, die man nachher vor Hunger sterben ließ. Louisiana, Alabama, Florida und die benachbarten Staaten überlieferte man den übelberufensten Politikern. Und ermutigt wurde diese Korruption durch die Mitschuld des großen Mannes, der die Union gerettet und nach zweimaliger Wahl 8 Jahre lang den Prästventenstuhl eingenommen halte.
UlyffeS Grant war unstreitig daS größte Genie, welches Nordamerika feit George Washington hervorgebracht hatte. Aber wenn er letzteren vielleicht an Fähigkeiten und Talenten übertroffen haben mag, so waren ihm doch keine von jenen Tugenden zu teil geworden, die den großen Bürger, den Gründer der Union, zierten. ES scheint, daß über dem Sumpfe deS krassen Kapitalismus selbst die Schwingen des Genius erlahmen müffen. Grant begnügte stch nicht mit der unsterblichen Hinterlassenschast, welche hm sein siegreiches Schwert und seine Verdienste um das Vaterland gesichert hatten; von dem Goldfieber seines Zeitalter an gesteckt, stürzte er stch In den Strudel der Finanzgeschäfte und sank von Stufe zu Stufe bis zum gemeinen Betrüger herab. Höher als Jiuljm und Ehre schätzte er den Besitz des schnöden Mammons, den zu verachten doch das ausschließliche Merkmal eines großen Geistes und eine« aufrichtigen Charakters ist. Viktor Hugo rief damals aus: Die Menschheit fühlt stch erniedrigt, wenn ein berühmter Mann fällt, und die Geschichte hat die KorruplivnSpeüv.e
Deutsches Reich.
Berti», 13. Nov. Zum besten deS für Karl Maria von Weber in seiner Geburtsstadt Eutin zu errichtenden,
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beschä tigie, — ihr kindliches Wesen reifte rasch und glücklich zur schönsten Blüte heran, und die ersten Kinderjahre unseres Knaben hätten ste vollen s zur Entfaltung gebracht, sie wäre ihm eine in jed«r H» sicht vortt ffliche Mwier geworden. Nun ste mir so früh genommen ist, muß ich daraus denken, meinem fünfjährigen Sohn, der sehr begabt und, wie wohl alle einzigen Kinder geistig sehr entwickelt ist, eine Mutter zu geben, die, selbstständig, und selbstgewiß in ihren Grundsätzen, dennoch mit mir so eines Sinnes ist, daß unsere Wege über seine Erziehung uns niemals auseinanderführev. Sie muß das Kind lieben und mich verstehen" ....
„Und nicht auch Sie lieben?" unterbrach ihn Elsa, die ihm aufmerksam zugehört hatte. „Verzeihen Sie mir, lieber Freund, aber die Schilderung dieser Ihrer bereinigen zweiten Ehe klingt verzweifelt verftandskühU Mir scheint, Sie wollen nur eine Mutter für Ihren Sohn haben, — wünschen Sie be^n nicht dne tiebence unb geliebte Gattin für stch selbst?"
„Zch kann mir von einer solchen kein rechtes Bild machen", warf er sinnend hin. „So oft ich an eine liebende unb geliebte G-ttin denke, trägt sie unverkennbar Pauia's Züge." —
Sie waren mittlerweile auf der Waldwiese angelangt, wo ste schon deS öfter« Rast gemacht hatten. Der Tag war sehr heiß, bie kurze Wanderung hatte sie doch ein wenig ermüdet. So würbe, wie immer, Elsas dunkler Plaid über eine Bodenanschwellung unter einer schattenspendenden Linde gebreitet, ste setzten sich nebeneinander und blickten still in die Landschaft hinaus.
„Ich möchte wisien, ob Sie mich so vermissen werden, wie ich Siel* sagte Mrecht endlich. „Sie kehr« heim
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Alluftrirte« Sonntagsblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2* 1/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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DaS dachte ich mir! W r, wie Sie, fast beständig die Feder in der Hand halten muß, kann zu Privalbriefen schwerlich Lust übrig behalten."
„Um Ihretwillen werde ich mir bann und wann einen Aufschwung geben! sagte er mit dem warmen, herzlichen Ton seiner tiefe« Stimme. „Ich wüßte ja nicht, wie ich e« anfangen sollte, ohne Nachricht vo« Ihnen zu sein!"
„Unb doch sind Briefe nur ein kümmerlicher Notbehelf! Auch ich, ... . Sie werben vielleicht denken, ich schreibe gern viele und lange Briefe, wie es die meisten Damen thun, — ober da irren Siel Meistens wird es mir sehr schwer, daS zu Papier zu bringen, was mich innerlich beschäftigt. Natürlich werde Ich es thun, — aber Sie müssen mit auj) getreulich Bericht erst >lleu, mnuitltb wenn Sie stch rokotr oe'bdrabn. Zu mö^te genau wiff n, wie Ihre zweite Frau sein wirr!"
„Ich au !" s gte er ernsth.f'. „Glauben Sie nicht, daß iw ein Evcnbtl Pauta's Heimführen wir e 1 Abgesehen davin, da« iCb nicht ..taube, eS könnte ei» solches Wesen
existier «>, — st wir en miw cadn verliehen!---
D e zweite Kian, cie so fm-nter meines Knaben, muß ander« geartet sein, aiS Paula e« war. Sie war weich, schmiegsam, biloungS- unb entwicklungsfähig, wie ein Kind, Wach« in meiner Hand, so vertrauensvoll und hingebend, baß chre reine Seele mir oft wie ein klarer Spiegel erschien, ben nie ein Hauch getrübt. Sie so unschuldig zu erhalten, «ar meine Aufgabe, ich habe sie sehr geliebt, unb eben weil ich das that, verstand ich es auch, ihren Charakter zu bilben, sie für alle» empfänglich zu mache«, was mich anging unb
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