Marburg, Donnerstag, 6 November 1884.
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Der Weg zum Herze«. Novelle von Bernh. Frei.
Andererseits freute er st- oessm, freute sich auch, daß ste nicht die vielen kleinen Dienste und Galanterien von ihm beanspruchte, auf die die meisten Mäcchen soviel Wert legen, unv für ote ec sich, bet aller höflichen Aufmerksamkeit gegen ste, mit seinen stedenunvoretßtg Zähren schon zu alt vorkam.---
So hatte sich ein ungebunden freundschaftlicher Ton und Verkehr zwischen ihnen entwickelt, der beiden Teilen gleiches Behagen bot. Auch die italienischen Lektionen machten ihnen Freude, obgleich eS so gekommen war, wie Elsa prophezeiht hatte: ihr neuer Freuns hatte ste bald überholt, unv war aus dem Lernenden der Lehrende geworden, wennschon in so diskreter Manier, daß ste nicht viel davon merkte, — ste studierten zusammen, holten stch EtneS vom Anderen Rat und fahndeten mit einem Eifer auf Fehler bet einander, wie ehrgeizige Schulkinder.
Wenn Elsa dann herzlich lachte und munter plauderte, freute stch Albrecht darüber, er wachte über ihre Gesundheit, warnte ste vor Uederanstrengung und setzte ihr eine genaue Tageseinteilung auf, die ste ohne weiteres acceptierte. „Ich bin wie ein guter Vater zu Ihnen!" halte er einmal gesagt, worauf ste freundlich erwiderte: „Da haben Sie Recht, amico mio!" Denn so nannte ste ihn fast immer. —
Ihre Nerven kräftigten stch stchtlich, ste wurde nicht mehr so leicht müde, und ihr feines Gesichtchen mit den grauen A gen, die in der Erregung so dunkel wurden, zeigte zuweilen einen leichten Hauch von Röte. Die Aehn- Uchkeit mit dem Defreggerschen Stu ienkopf blieb ab« dte-
guie Freunde, die ste durch dreiwöchentliches unausgesetztes Beisammensein auch geworden waren. Albrecht fiel es nicht ein, daß er Elsa wie irgend eine andere junge Dame unterhalten müfie, und ihr kam keinen Augenblick der Gedanke, dies Schweigen könne unhöflich sein. —
Drüben stand heute der Wald ganz schwarz unter der fahlen Beleuchtung; die Sonne kämpfte schon schwer mit erstickendem Gewölk, und die Goldstreifen, die sie auf die weiten GraSflächen legte, wechselten jeden Augenblick mit tiefen Schatten. Unstät schoflen die Vögel dicht am Boden hin, — über der ganzen Landschaft lag bange Erwartung.
Elsa seufzte tief auf, als wollte ste eine Beklemmung abwälzcn, und fragte endlich, als sei das das sicherste Mittel:
„Was schreibt Ihnen Tante Klementine heute? Wie geht eS Paul?"
„O, ich danke Ihnen, die Nachrichten lauten gut, wie immer. Er hat ein Kinderfest in Charlottenburg mitge- macht und ist, nach Aussage der zärtlichen Tante, von allen Jungen In dem Alter weitaus der hübscheste und klügste gewesen!"
„Er gleicht Ihrer verstorbenen Frau, nicht wahr?"
„Leider nein, — ich Hobe eS mir so sehr gewünscht, aber er ist ganz mein Ebenbild, — übrigens ein lebhaftes, liebenswürdiges Bürschchen, das ich ganz in mein väterliches Herz geschloflen habe. Wir beide vertragen unS sehr gut, ich verstehe eS schön, mit ihm zu spielen, — der arme kleine Kerl dauert mich gor zu sehr, — mit der Mutterliebe entbehrt er doch daS beste, waS ihm jetzt zu teil werden konnte l"
„Sie haben gewiß zu Ihrer eigenen Mutter sehr innig gestanden, amico!" (Fortsetzung folgt.)
die Vertreter der beteiligten Kreise, namentlich auch die Vertreter deS Aeltesten-KollegiumS der Berliner Kaufmannschaft, zugezogen werden. — Mit ter Berufszählung vom 5. Juni 1882 war bekanntlich eine Aufnahme verbunden, dir das Material zur Herstellung einer landwirtschaftlichen Betriebsstatistik liefern sollte. Die Ergebnisse dieser Aufnahme werden jetzt, vorläufig iür das Reich im ganzen, im Septemberheft 1884 der „Monatshefte zur Stilistik des Deutschen Reichs" veröffentlicht. Die in demselben gebotenen Nachweisungen beziehen sich auf 1. die Zahl und die Flächengrößen der landwirtschaftlichen Betriebe, 2 die Nutzviehhaltung in den Haushaltungen mit landwirtschaftlichem Betriebe, 3. die Benutzung von Maschinen in den landwirtschaftlichen Betrieben, 4. dir Verbindung der Landwirtschaft mit anderen Berufen, Diesen Nachweisungen zufolge gab es zur ZählungSzeit im Reiche 5276344 landwirtschaftliche Betriebe, welche ihre bewirtscha'tete Fläche in Summa auf 40178681 ha, d. i. durchschnittlich 7,6 ha für einen Betrieb, angegeben hatten. Von diesen Betrieben hielten 4441903 Nutzvieh, während 834441 oder 15,8 Prozent aller Betriebe ohne solches wirtschafteten. 2255887 Betriebe hielten Großvieh (Pferde und Rindvieh); Schafe wurden in 749217, Schweine in 2 950 588, Ziegen in 1505357 Betrieben gehalten. Die Benutzung von Maschinen ist dann nachgewiesen, wenn eS stch um Dampfflüge-, Säe-, Mäh-, Dampsdresch- und andere Dreschmaschinen, sowie um Lokomobilien und stehende Dampfkessel mit und ohne Triebwerk handelte. Derartige Maschinen wurden benutzt von 391746 Betrieben, das heißt 7,4 Prozent der Gesamtzahl. Die Hauptrolle spielen dabei die Drefchmaschinen; es hatten nämlich Dampf - Dreschmaschinen 75690, andere Dresch-Maschinen 298367 Betriebe in Anwendung gebracht. Diesen zunächst stehen die Betriebe mit Säemaschinen, deren Zahl stch auf 63842 belief. Am seltensten, nämlich nur von 836 Betrieben, waren Dampsflüge in Gebrauch genommen worden. Bezüglich der Verbindung der Landwirtschaft mit anderen Berufszweigen hat die Aufnahme ergeben, daß 3222275 selbständig Landwirtschaft treibende Personen außer dieser noch eine oder mehrere ErwerbSthätigkeiten (im Hauptoder Nebenberuf) auSübten. Besonders häufig wird Tagelöhnerei, nämlich landwirtschaftliche in 871947, sonstige in 110489 Fällen, getrieben, sodann ein selbständiges, industrielles, Handels- oder Verkehrsgewerbe ohne Gehülfen in 712668 und HülfSarbeit in der Industrie in 626547 Fällen. Wir erwähnen noch, daß die obigen und sonstige die landwirtschaftlichen Betriebe charakterisierenden Ttzat- sachen sowohl für die Gesamtzahl der Betriebe, als auch für jede ree 14 Größenklassen, in welche sie nach dem Umfange ihrer bewirifchafteten Flächen eingeteilt sind, in der bezeichneren Publikation geboten werden. — Die Mitglieder deS braunschweigischen Regentschaftsrats, Graf Görtz und v. Veltheim, haben hier, wie nachträglich bekannt wird,
Deutsches Reich.
Berti«, 4. Nvo. Der Kaiser hat den JagdauSflug nach Wernigerode ausgegeben, da er sich durch AuSgl tten im Z'rnmer eine leichle Anschwellung an der Schulter zugezogen hat. Der Kaiser brachte die Mittagsstunden wie gewöhnlich in seinem Arbeitszimmer zu. — DaS „Deutsche Tageblatt" veröffentlicht heute nachstehenden intereflanten Bries, welchen der Kaiser als Prinzregent zur Jubelfeier des KouststortalratS Wunster zu B ceslau 1857 geschrieben hat: Schloß Babelsberg bei Potsdam. Zum 26. Juli 1857. Mil dem Gefühl Der innigsten uns herzlichsten Teilnahme ergreife ich die Feder, um Ihnen am heutigen Festtage nahe zu fein! Eme seltene Feier vergönnt Ihnen die allgütige Vorsehung! Wie mutz der Rückblick auf Ihre schöne Laufbahn Jhuen roch ein so tröstlicher sein, da ja grade Ihr Stand eS ist, der Die Menschen zu Dem einzigen wahren peil leitet! Uno mit welcher Liebe, mit welcher Wärme Sie Ihrem Berufe stch unterzogen, davon weiß mein Herz Kunde zu geben; nächst Ehrenberg verdanke ich ja Ihnen einen großen Teil meiner religiösen Bildung unv von Ihnen noch dazu in jener Denkwürdigen Zeit der Wiedergeburt deö Vaterlanses, wo Sie eö ja auch waren, der mich mit segnenden Worten entließ, als ich vom König berufen ward, ins Feld zu ziehen. Möchten aller Herzen, die sich gleich mir Ihrer Leitung erfreuten, Ihnen heute gleich dankbar wie daS meinige eutgegenfchlasen! Wenn wir alle wohl nicht daS Ziel erreicht haben mögen, zu welchem Sie unS mit so vieler Wärme leiten wollten, so wird Ihre Milde die Fehlenden deshalb nicht verwerfen; möchte dies mein Fall vor Ihnen fein! Sollte ich so glücklich sein, dem Baterlande zu nützen, und der Sinn, in welchem ich zu wirken suche, Anerkennung finden, so möge meine Versicherung, daß dies mit Ihr Werk ist, Ihnen den heutigen Tag wenigstens nicht tifibe» und mein dankerfülltes Herz stch Ihnen vergegenwärtigen. Wie freute es mich, aus Ihrem Schreiben zu erjehen, baß Sie jüngst erst die schöne Rheingegenv besuchten, die auch wir bald nach Ihnen wieder- sahen. Aber leid rhut eS mir sehr, daß Sie mich nicht besuchten bei Ihrem kurzen Aufenthalt in Berlin. Wenn Sie von meinem Palais Lobendes hörten, so wird die 93er« stcherung, daß zu demselben alles im Jnlande gefertigt ist, demselben einen doppelten Wert in jeoeS Preußen Augen geben und somit auch die Summe, die eS kostete, eine wohltätige Zirkulation in der arbeitenden Klasse verursacht haben. Mö^e der Friede des Herrn ans dem Hause und seinen Bewohnern rügen! Hoffentlich wird Der heutige Tag Ihnen beweisen, daß ich Ihre Einlage richtig za meiner ätlesten Schwester Händen beförderte. So leben Sie denn wohl, kräftig und lücht'g und gesegnet nach wie vor in Ihrem Amte. Dazu sende Ihnen der Herr seinen Segen! W Wilhelm. — Am 13. November findet eine vom Minister der öffenttichen Arbeiten veranlaßte Konferenz behufs Neuregelung des staatlichen VerbindnagSwefenS statt, wozu
felbe, ja, ste wurde noch erhöht, wenn Eifa zum Schutz gegen die Abendkühle einen schwarzen Spitzenshawl über ihr Haar legte und ihn unter dem Kinn zusammenknotcte. Sie konnte jetzt oft sehr reizend anösehen, und Albrecht hatte sein Vergnügen daran, er hatte seine Lieblinge unter ihren geschmackvollen Toiletten, und eS machte ihm Scherz, zu beobachten, wie die Menschen ihr oft bewundernd uach- schauten. Sie bemerkte es nicht, sie war wirklich gar nicht eitel, und er fragte stch oft innerlich, ob ste immer so gewesen sei, wie jetzt.
Daß sie eine wirkt che erschütternde Leidenschaft empfunden Haden sollte, konnte er sich nicht denken, er meinte oft, durch ihre klaren, vertrauensvoll zu ihm aufgeschlagenen Augen bis in den Grund ihrer Seele zu sehen,--von
einer Untiefe war nichts darin zu lesen. ----
An einem schwülen Juliabend war eS, und am Himmel stand ein Gewitter; noch rührte sich kein Lüftchen, aber eS lastete wie ein bleierner Druck auf der Natur, alles sehnte sich nach einem erfrischenden Regen. Meinhardt und Elsa Dörnbach saßen auf der Terrasse, Da man selbstverständlich von einem Waldspaziergang heute Abstand genommen hatte, und die italienische Grammatik sowie die UebungShefte lagen zugeklappt neben ihnen, — bei dieser Gewitterluft könne man unmöglich lernen, hatte Elsa gesagt, und er hatte ihr beigestimmt. Sie saßen allein, denn die meisten Jnsaflen deS Hotels, unter ihnen Herr Säusel, hatten eine Vergnügungspartie für den ganzen Tag unternommen, und die übrigen weilten auf ihrm Zimmern und den dazu gehörigen Balkons. —
Die beiden hatten kürzere Zeit geschwiegen, denn sie lietzen sich im Verkehr mit einander ungefcheut gehen, wie
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition b. Blattes, sowie b.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undVogler in Frankfurt a M. Ham- bürg, Magdeburgu. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M., Berlin, München und Köln; G- L Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
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sehr eingehend mit dem Fürsten Bismarck konferiert. Man wird, wie der „Magdeb. Ztg." versichert wird, nicht irren, wenn man annimmt, daß der Regentschaftsrat ungestört seine Geschäfte in Gemäßheit der Festsetzungen des verstorbenen Herzogs fortführen wird und daß die Wahl eines Regenten kaum vor Jahresfrist erfolgen werde. Daß die Vermutung betreffs des Prinzen Wilhelm von Preußen stch als eine durchaus irrige erweist, wird jetzt von allen Seiten bestätigt. — Zur Duell - Affaire Schweninger ist verschieden hiesigen Zeitungen von der einen Seite folgende gleichlautende Erklärung zugegangen: „Professor Schweninger hatte, nachdem er zu seiner hiesigen amtlichen Stellung berufen war, in Erfüllung einer allgemein anerkannten gesellschaftlichen Anstandspflicht allen Professoren der medizinischen Fakultät, und darunter auch dem Geh. Rat Dubois, einen Besuch gemacht. Geheimrat Dubois hatte darauf die Karten deS Profeflors Schweninger demselben mit dem Vermerk: „Zurück von Geheimrat Dubois" remittiert. Profeflor Schweninger schickte infolge dieser ihm angethanen grundlosen Beleidigung einen Bekannten zu Geh. Rat Dubois, welcher an den letzteren namens deS ProfeflorS Schweninger zunächst folgendes zwiefache Ersuchen stellte: Erstens den Besuch des Professors Schweninger zu erwidern, zweitens ihm eine schriftliche Erklärung zu geben, worin Geh. Rat Dubois fein Vorgehen bedauert mit dem Hinzufügen, daß ihm die Absicht, den Prof. Schweninger zu beleidigen, fern gelegen habe. Nachdem Geheimrat Dubois es abgelehnt hatte, diesem zwiefachen Ersuchen zu entsprechen, wurde ihm seitens des Beauftragten deS ProfeflorS Schweninger die Frage gestellt, ob er Genugthunng auf dem in solchen Fällen üblichen Wege zu geben bereit wäre. Auch dies lehnte Geheimrat DubolS ab. Auf die Frage, welche Gründe ihn dazu bewögen, bemerkte er, daß et in seinem Alter und seiner Stellung keine Veranlassung habe, sich einem Duell auSzusetzen. Darauf gab der Beauftragte namens des Profeflors Schweninger eine Erklärung gegen Geheimrat DubolS ab, deren Wiedergabe durch die Presse beanstandet wird. Als der Beauftragte des ProseflorS Schweninger stch zum Weggehen anschickte, richtete Geheimrat Dubois an denselben noch die Frage: „Ich darf wohl annehmen, daß Sie die Ansicht des Professors Schweninger teilen?" worauf der Beauftragte erwiderte, er würde hier nicht erschienen sein, wenn er nicht Professor Schweninger für einen Ehrenmann hielte." Bon der anderen ©eilte geht der „Nal.-Ztg." auf Grund bester Informationen folgende Mitteilung zu: „Herr Profeflor Schweninger hätte stch den Affront, daß ihm feine Karten von Herrn DubolS mit der Post zurückgefchickt wurden, erspart, wenn er auf den Versuch verzichtet hätte, In Beziehungen zu den Familien seiner neuen Kollegen zu treten. Gegen einen offiziellen Besuch des Herrn Schweninger hätte Herr Dubois auch beim besten Willen nichts einwenden können; wenn Herr Schweninger aber auch der Gemahlin
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Anzeigen nitWmt entgt die Expeditio 9 b. yf ‘9e»- sowie d.A nno>':8n-T„"^' Jägersche Buchhandr^^k Frankfurt o. M.; § ermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg;
- Invalidendank in Berlin; A Dresden und Leipzig; ~ I. Barck u. Co. in Halle;
W. Thienes in Elberfeld
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