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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vontzaasenstein undBogler in Frankfurt a M. Hamburg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Mosie in Frankfurt a M., Berlin, München und Mn: ®. L Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
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Konservativer Wahlsieg.
Nicht allein in unserem Wahlkreise, sondern im ganzen hessischen Lande haben die Konservative« einen glänzenden Wahlsieg errungen. Von den 7 Reichstagswahlkreisen (einer, Fulda-Gersfeld, ist ausschließlich katholisch und hat oen Grafen Droste gewählt) haben drei konservative Abgeordnete in den Reichstag gewählt, in zweien, Kasiel und Hanau, stehen konservative Kandidaten zur Stichwahl mit Sozialdemokraten und in einem mit dem Zentrum und haben die günstigsten Aussichten. Das bedeutet einen Steg der Konservativen im ganzen Lande, wie er noch nicht da gewesen, wir haben alle Berechtigung, ohne uns zu überheben, unsere volle Freude darüber auszusprechen. Fragen wir »ach den Gründen, welche dieses günstige Ergebnis der Wahlen herbeigeführt, so muffen wir in erster Linie hervorheben, daß die Mehrzahl unserer Bevölkerung eine ackerbautreibende ist una die landwirtschaftlichen Jnteresien eine bedeutsame Rolle nicht allein für die bäuerliche Bevölkerung, sondern auch für die zahlreichen Städte spielen. Unser Volk ist zugleich durchweg christlich und kirchlich gesinnt und wenig zugänglich den Einflüssen des modernen Unglaubens. Treu und hingebend, wie es Jahrhunderte lang seinem angestammten Fürstenhause angehängt, so hat es |eine volle Loy ililät auf das neue Herrscherhaus übertragen und erkennt Gottes Fügung darin, die ihm den König Wilhelm zum Herrscher gegeben. Eine überwiegend ländliche, christliche, loyale Bevölkerung—sie findet den natürlichen Ausdruck in konservativen Wahlen. Wenn noch 1866 die Liberalen in Hessen allmächtig schienen und die Wahlen beherrschten, so hatte das seinen Grund vorzugsweise darin, daß die konservative Bevölkerung sich den neuen Verhältnissen gegenüber zurückhaltend verhielt und erst nach dem Siege mit Frankreich allmählich auf den Schauplatz trat. Das Verhalten der Liberalen, ihr Uebermut gegen die Konjeroativen, die persönliche Art, wie sie den Kampf führten, war der erste große Fehler, daß daS Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen unseres Volkes sich ihnen nicht anschloß in dem verhängnisvollen Jahre 1877, der zweite große Fehler und damit war tyr Schicksal besiegelt. Unsere konservative hessische Bevölkerung mit klarem Blicke und fester Hand durch die schweren Stürme der Neugestaltung hinübergeführt zu haben auf die Seite der Kämpfer für die Kaiserl. Botschaft, die Gefahren, in unfruchtbare Opposition zu verfallen oder in den politischen Schmollwinkel sich zurückzuziehen, von unserem Volke fern gehalten zu Haven, daS danken wir den treuen konservativen Männern, die ohne persönlichen Ehrgeiz, die unbekümmert um Gunst oder Ungunst von Oben, unbeirrt durch Spott und Zorn der Gegner daS Ziel verfolgt haben, daS sie für recht und wahr erkannt, welches jetzt zum Siege geführt hat. — Vergessen wollen wir auch nicht, daß der oberhesstsche Wahlkreis es war, der daS konservative Panier
7 Der Weg z a m Herze«.
Novelle von Beruh. Frei.
Herr Albert Säusel rauchte auf seinem Zimmer eine Zigarette und war sehr nachdenklich. DteS war bet ihm ein gänzlich ungewohnter Zustand, — die Zigarette natürlich nicht, aber das Nachdenken; denn im allgemeinen ging er von dem Grundsatz aus, daß man die Dinge von außen her an sich kommen lasten una lediglich mit Thatsacheu rechnen müsse. Tiefgehende Emotionen blieben ihm ans diese Weise allerdings erspart, uns daS gerade wollte er, denn es war ihm darum zu thun, ein langes Leben zu führen und feinen Mitmenschen seine kostbare Persönlichkeit dauerns zu erhalten. WaS nicht zur Firma Hartleben und Säusel gehörte, was man nicht esten, trinken oder anziehen konnte, erfreute sich nur einer untergeordneten Bedeutang in feinen Augen, — daher dürfen wir mit Recht fein Nach- flnnen als einen höchst ungewöhnlichen Zustand bezeichnen.
Zunächst wunderte er sich, daß er gerade nach Schwarzburg hatte kommen müsten, — „ich hätte ebensogut anderswo hingehen können", sagte er sich, „Sommerfrische ist Sommerfrische, und Wald ist Wals, ob er In Thüringen oder in Schlesien steht, das ist ganz dasselbe l Und auch der „weiße Hirsch" reiner Zufall, — daS erste beste andere Gasthaus hätte eS ebenso gut gethan. Ob es am Ende gar Bestimmung ist? — Ach, UnsimtU —"
Philosophische Grübeleien waren nicht Herrn Säusel'S Geschmack, — er wandte sich darum lieber den Thal- fachen zu.---Uno eS war eine Thatsache, daS er
sich vor zwei Jahren bedeutend in Frankfurt in Elsa Dornbach verliebt hatte, was sie damals gar nicht wahrzunehmen schien, — au« Berechnung natürlich, er war eine gesuchte Partie I Und als er da« Mädchen neulich wieder gesehen
zuerst aufgepflanzt und mutig vorangetragen hat — mit Gott für Kaiser und Reichl
Deutsches Reich.
Berlin, 1. Nov. Der Kaiser konferierte heute mit dem Reichskanzler und empfing darauf die beiden braunschweigischen Regentschaftsräte; bett Grafen Görtz und von Veltheim. — Der Kronprinz wohnte mehrere Stunden lang den heutigen Sitzungen der Abteilungen 4 und 7 des Staatsrates bei. — Die Eröffnung ber Kongo-Konferenz dürfte am 15 November erfolgen. — In bet am Montag stattgehabten Sitzung beS BnnbeSratS, in welcher „blc Thronerledigung in Braunschweig" zur Verhanblung gelangte, hat nach Mitteilung bet „B. P. N." Reuß älterer Linie sich ber Abstimmung enthalten unb ber Vertreter des Fürstentums die nachstehenbe Erklärung zu Protokoll gegeben: „Die fürstliche Regierung steht auf dem Standpunkte des monarchisch - legitimtstischen Prinzips, gemäß deffen dem nach den betreffenden Ordnungen berufenen legitimen Thronfolger des Souveräns einer erblichen Monarchie die Regie- rungSrechte mit dem Ableben desselben von selbst zufallen. So erwünscht der fürstlichen Regierung die Beteiligung ber Herzog!, braunschweigischen Bevollmächtigten an ben Verhanblungen des Bundesrates erscheint, vermag sie doch an einer Abstimmung nicht teilzunehmen, bk ihres Erachtens ein Abweichen von betn eingenommenen Standpunkte involvieren würbe." — Der braunschweigische Minister Graf WtiSbetg und ber Landtagöptästdent Veltheim, beide Mitglieder des Regent- schaftSrates, sind hier eingetroffen. DaS „Atmee-Vetotd- nungsblatt" veröffentlicht eine KabinettSordre, wonach die Offiziere des Magdebutgischen Husaren-RegimentS Nr. 10, deffen Chef der Herzog wat, eine 14tägige Trauer anzulegen haben. — Die „Krz.-Ztg." schreibt: „Die tiefe Anteilnahme, welche ber K iser dem Leiben seiner erlauchten Gemahlin widmete, gab sich nicht allein in bet innigen Ftenve übet die Genesung bet Kaiserin kund, fonbern äußerte sich auch in ber Form, wie ter hohe Herr allen mit bet Pflege seiner erlauchten Gemahlin Betrauten seine Dankbarkeit bekundete. An einem bet letzten Augusttage hatte sich die Kaiserin ihrem Gemahle als von ihrem zweijährigen Krankenlager erstanden gezeigt. Am 2. September erschien die erlauchte Frau wieder aufrecht gehend am Arme des Kronprinzen vor den auf das Schloß geladenen Gästen des Kaisers. Zum Andenken an diese beiden Tage ließ der Kaiser ein weißes Marmorkreuz, etwa einen Meter hoch, anfettigen und auf den Sockel in Gold die Worte: „August, September" eingraben. Dieses ganz einfach auS- geführte Syubol überstandener Leiden verehrte er seiner erlauchten Gemahlin als Geschenk. Seine Anerkennung und Dankbarkeit erstreckte sich aber auch auf alle diejenigen Personen, welche Teil an der Pflege der Kaiserin hatten, namentlich auch auf deren Kammerdamen, kie wertvolle
httti, so ganz unverhofft, da hatte sich wunderbatetweise die alte Empfindung wiedetgefunden, trotzdem er sich sagen mußte, daß sie sehr verändert war. Auch daß ihre Ver- mögenSverhältniffe nicht mehr dieselben waren, wußte et: der alte Dörnbach hatte für einen Millionär gegolten, nach seinem Tode stand die Sache aber anders! Da« ansehnliche Vermögen, das bet Witwe und den beiden Kindern blieb, sicherte ihnen ein angenehmes Dasein, unb Elsa hatte eine gute Aussteuer zu erwarten, ... von ber fürstlichen Mitgtft aber, bie man zu Lebzeiten ihre« Vaters bei ihr votaussetzen bürste, konnte keine Rebe mehr sein. Unb doch, — und doch! Herr Albert Säusel fand, daß daS Herz ein äußerst gefühlvoller Muskel sei und gewiffen verständigen Kalkulationen durchaus unzugänglich, — denn Elsa Dornbach hatte eS ihm trotz älledem angethan, uns er ging ernstlich mit ber Frage um, sich mit ihr zu verloben. —
Nun wollte eS ihm aber durchaus nicht gefallen, daß das Mädchen seiner Herzenswahl seit einiget Zeit in diesen seltsam vertraulichen Verkehr mit dem Berliner Journalisten Doktor Meinhardt, hineingeraten wat. Gegen den Mann ließ sich nichts sagen, — er sollte gut situiert sein, nahm eint geachtete Stellung ein, trat wie ein Gentleman auf unb sah gut aus, — Herr Säusel fanb sich selbst hübschet, aber immerhin wat ber Andere nicht zu übersehen. Anfangs hatte ihn der Trauring beruhigt, aber inzwischen hatte er erfahren, daß der Mann Witwer watl Sie trieben zusammen italienisch, — der junge Fabrikant ärgerte sich, daß er nicht zuerst darauf verfallen war, e« war ein so gutes AuSkunftSmittel, — freilich hatte er weder Talent noch Lust zu fremden Sprachen, aber das »ar ja Nebensache, mit Ernst wurde es ja hier sich« auch nicht betrieben.
Pretiosen erhielten, in welche die Anerkennung deS Kaisers in einfachen Worten eingraviert war." — ES bestätigt sich, daß bet zum außerordentlichen Professor beförberte Leibarzt deö Reichskanzler, Dr. Schweninger, den Professor Dubois-Reymonb geforcert hat, weil bieser, als Schweninger ihm seine Aufwartung machen wollte, ihm bie Visitenkarte zurückschickte. Dubois - Reymond hat bie Forderung abgelehnt, nach bet einen Version, weil et Herrn Schweninger für nicht satisfaktionsfähig erklärte, nach einer anderen al- prinzipieller Gegner des Duells.
— Der „Hamburgische Korrespondent" erörtert in seiner Morgenausgabe vom 28. Oktober die Aufgaben deS bevorstehenden Reichstages. Der Artikel erscheint uns in seinen patriotischen Ausführungen so beachtenswert, daß wir glauben, ihn In seinem wesentlichen Inhalte rkptoduzieten zu sollen. DaS genannte Blatt schreibt: Sind die Anforderungen, deren gewiffenhafte Förderung oder Erledigung demnächst von den Vertretern deS deutschen Volkes verlangt werden wird, auch groß und schwierig, so ist e« doch ein erhebendes Bewußtsein, daß wir uns nach der in der Hauptsache vollendeten staatsrechtlichen Konstituirung deS deutschen Reiches mit so weittragenden praktischen Dingen beschäftigen können, wie sie unser nationales Jntereffe erfordert und wie sie bie Entwickelung bes Lebens der Neuzeit ans sozialem und wirtschaftlichem Gebiete unumgänglich verlangt. Mit bet Anbahnung einer spezifisch sozialen Gesetzgebung haben wir einen großen unb glücklichen Anfang gemacht, ja wir haben mit ihr einen beneidenswerten Vorsprung vor allen anderen Völkern gewonnen. Damit ist uns indeffen zugleich die Ehrenpflicht auferlegt, diese Gesetzgebung nicht blos zu einem geveihlichen Ende zu führen, sondern auch die praktische Möglichkeit ihrer Anwendung zu erweisen. Für unser wirtschaftliches Leben hat sich ferner, man könnte sagen mit dem Drange einer Naturgewalt, die endliche Inangriffnahme einer entschlossenen überseeischen Politik geltend gemacht, welche ein ganz neues Moment in die Verhandlungen des Reichstages bringt. Legt nun auch ein Arbeitsprogramm, welches sich in der Hauptsache auf so eminente Zielpunkte richtet, das beste Zeugnis für die Gesundheit und Kraft unserer Nation ab, so bleibt nichts destoweniger die Grundforderung bestehen, welche unsere nationale Sicherheit durch bie unantastbare Hochhaltung unserer bewährten militärischen Institutionen an unS stellt. Was diese letztere hochwichtige Angelegenheit betrifft, so sind wir bie Letzten, welche einer sorgfältigen Prüfung aller bk Militärlast betreffenden Einzelnheitm entgegentreten möchten. Gerade weil in Deutschland mehr Verständnis für militärische Dinge herrscht, als in irgend einem anderen Lande, braucht die Reichsrcgierung die Diskussion militärischer Fragen nicht zu scheuen. AuL hat sich die europäische Lage durch die An- näherunz Rußlands an die deutschen Kaisermächte, sowie durch eine g-wifse Besserung unserer Beziehungen zu Frank
Im Walde wurden bei schönem Wetter diese Studien vorgenommen, bei schlechtem im Lesezimmer deS weißen Hirsches, wenn eS von Besuchern frei war! — Freilich schien der Verkehr Doktor Meinhardts mit Fräulein Dornbach selbst dem Sänselschen Späherauge ein harmlos-freundschaftlicher zu sein, — aber ber Schein trügt so oft. „Es ist nicht möglich", sagte sich der Frankfurter Kaufherr als erfahrener Mann, „baß zwei jüngere ungebunbene Leute verschiedenen Geschlechts auf bie Dauer als Freunde mit einander verkehren. Einer von beiden fängt allemal Feuer, das ist ohne Zweifel! Fragt sich nur: welcher von beiden hat e« hier gethan, ober ist im Begriff eS zu thun?" —
Die Frage war schwer zu entscheiden! Denn allerdings schweifte Elsa« Blick, wenn fk, wie gewöhnlich, etwa- spät zur table d’höte kam, jedesmal die Tafel entlang unb wurde erst bann hell unb freundlich, wenn sie den Journalisten entdeckie, dem sie lächelnd zunickte,--und
allerdings wanderten Meinhardts Augen wieder unb wieder zur Thür, wenn sie noch nicht da war, und nach Tisch schüttelte er ihr regelmäßig die Hand und vertiefte sich sofort mit ihr In ein so animiertes unb eingehendes Gespräch, daß jeder Dritte sich überflüffig fühlen mußte,---
aber all' daS geschah so offenkundig, angesichts der Logir- gäste und der Durchreisenden, zeigte so gar nicht bk bekannten Symptome eines tieferen Interesses, daß Herr Albert Säusel an sich unb seinen Erfahrungen ganz irre wurde. Das Auge ber Liebe unb Eifersucht steht scharf, zumal wenn eS durch einen so schönen goldgefaßten Zwicker schaut, wie der Fabrikant einen besaß, — aber er konnte kein beunruhigendes Zeichen konstatieren.
__________ (Fortsetzung folgt.)