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Marburg, Freitag, 31. Oktober 1884.

XIX. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux oonHaasenstein undVogler in Frankfurt a M Ham­burg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a.M., Berlin, München und Mn; G- L. Daube und Co- rn Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

GttMche jfitmig

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Burcaux Jägersche Buchhandlung in Frantfutta. M-; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin;

Dresden und Leipzig;

I. Barck u. Co. in Halle W. ThieneS in Elberfeld;

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker ei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Reklamen die Zeile 25 Pfg. Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

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Für bk Monate November und Dezember nehmen auf die

Oberhessische Zeitung

nebst beten Beiblätter

Amtlicher Anzeiger

für die Kreise Marburg und Kirchhain und

Illustriertes GonutagSblatt

alle Postanstalten Bestellungen entgegen, auf dem Lande auch die Postboten.

In Marburg sind Bestellungen bei der Expedition zu machen.

Die Postsparkaffe«.

(Schluß.)

§ 23. Sind auf ein Buch zehn Jahre hindurch weder Einzahlungen noch Auszahlungen geleistet, so erlischt der Anspruch auf Verzinsung deS Guthabens. Dem Sparer ist in diesem F-lle Mitteilung zu machen; ist der Aufent­halt desselben unbekannt, so erfolgt die Mitteilung durch Einrückung in das zur Veröffentlichung der amtlichen Be­kanntmachungen bestimmte Blatt und in denReichsanzeiger". Sind auch binnen dreißig Jahren vom Ablaufe jener Frist keine Einzahlungen oder Auszahlungen auf das Buch ge­leistet, so erlischt der Anspruch auf Auszahlung des Gut­habens. Durch die Einreichung des Buches zur Prüfung und Zinsengutschrift wird der Lauf der Fristen unterbrochen. Von oer Rückgabe des BucheS ab läuft die Frist von neuem. Im Falle der Unterbrechung der dreißigjährigen Frist wird die Verzinsung mit dem ersten Tage deS folgenden Monats wieder ausgenommen.

§ 24. Das Aufgebot eines abhanden gekommenen oder vernichteten Sparkaffenbuchs kann von dem Sparer bei der in 8 21 bezeichneten Behörde beantragt werden. Der An­tragsteller hat den Verlust des Buches Hub* bk Thatsachen glaubhaft zu machen, von welchen seine Berechtigung ab­hängt, unb sich zur eidesstattlichen Versicherung der Wahr­heit seiner Angaben zu erbieten. Die Behörde erläßt das Aufgebot, welches eie Bezeichnung deS Antragstellers, deS Buchs und die Aujforderung an den Inhaber des Buchs zu enthalten hat, binnen drei Monaten seine Rechte anzu- melden und daS Buch vorzulegen, widrigenfalls die Kraft­lose-klärung desselben erfolgen werde. DaS Aufgebot ist durch Aushang bei der Postanstalt, welche das verlorene Buch ausgestellt hat, und durch Einrückung eines Auszuges In die in 8 23 bezeichneten Blätter zu veröffentlichen. Wird daS Buch nicht vorgelegt, so ist es durch Beschluß der Behörde für kraftlos zu erklären. Vor Erlaffung des Beschlusses kann die eiveSftaatliche Versicherung der Wahr­heit einer Behauptung des Antragstellers angeoronet werden. Der Beschluß wtro in derselben Weise wie daS Aufgebot

5 DerWegzumtzerze«.

Novelle von Beruh. Frei.

Noh hatte sich die Schläferin nicht ermuntert. Erst als der Sänger ganz nahe gekommen war und nun, ihre Buche umgehens, dicht vor ihr stand uns bei ihrem uner­warteten Anblick erschrocken zurückprallte, mitten im Wort adbrtchend, erst da fuhr sie auf und starrte den Wald, die Gebüsche und den fremoen Mann so erstaunt an, als seien sie insgesamt Erschein, ngen aus einer anderen Welt.

.Gnädiges Fräulein, ich bitte, verzeihen Sir mir ich hatte keine Ahnung*

Er hatte sich den Hut vom Kops gerlffeu und sah halb verlegen, halb belustigt aus.

Was hätte ich Ihnen zu verzeihen, mein Herr? Der Thüringer Wald gehört nicht mir!" Sie erkannte ihn jetzt, ihr vis-ä-vis bei Tafel, der stattliche Herr mit dem etwas spöttischen Gesicht, der so starkes dunkelblondes Haar hatte und seinen gut gepflegten Schnurrbart zu beiden Seiten des Mundes lang herabhängend trug, wie ein Muselmann.

Mir gehört er aber ebensowenig!" sagte er jetzt lächelnd.Wer hieß mich, laut singend hier umherzulaufen?*

Und mich auch, hier so ohne weiteres einzuschlafen?*

Sie wollen gütigst die Hälfte meiner Schuld über­nehmen, gnäalgeS Fräulein! Da Ihr Schlaf und mein Gesang unsere Bekanntschaft vermitteln zu wollen scheinen, so gestatten Sie wohl gütigst eine Vorstellung in aller Form: Albrecht Meinhardt Journalist ans Berlin!*

Sie war aufgestanden und verneigte sich höflich:Mein Name ist Elsa Dornbach ich bin aus Bremen!*

bekannt gemacht. Gegen denselben findet die Anfechtungs­klage nach Maßgabe der 88 834, 835 der Zivilprozeß­ordnung statt. An Stelle des für kraftlos erklärten erhält der Sparer ein neues Buch.

8 25. Soweit dies Gesetz nichts Anderes bestimmt, werden von den Sparern Gebühren nicht erhoben. Urkunden, aus denen hervorgeht, daß sie zum ausschließlichen Gebrauch im Postsparkassenverkehr dienen sollen, sind stempelfrei.

8 26. Im Pvst'parkaffenverkehr werden gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen zwischen den Sparern und den Postanstalten, sowie deren vorgesetzten Behörden portofrei befördert, sofern die Eigenschaft der Sendung als Postsparsache auf der Aufschrift erkennbar gemacht worden ist.

8 27. Die Beamten der Postverwaltung haben die Im Postfparkaffendienste zu ihrer Kenntnis gelangenden That­sachen gegen dritte geheim zu halten.

8 28. Soweit das gesamte einem Sparer zustehende Guthaben den Betrag von einhundert Mark nicht übersteigt, kann es nicht abgetreten oder verpfändet werden. Dasselbe gilt für eine P Lndung wegen Geldforderungen mit Aus­nahme der im 8 749 Absatz 4 der Zivilprozeßordnung bezeichneten, sowie mit Ausnahme derjenigen Ansprüche, welche darauf beruhen, daß der Sparer sich durch An­eignung de« eingezahlten Betrages rechtswidrig bereichert habe. Die Uebertraguna, Verpfändung oder Pfändung eines Guthabens kann mit Rechtswirksawkeit gegen dritte nur Aushändigung deS Sparkaffenbuchs erfolgen. Gegenüber der im 8 21 bezeichneten Behörde kann der NachveiS nur durch eine öffentliche oder öffentlich beglaubigte Urkunde unter Einreichung des Sparkaffenbuchs geführt werden. Ist nur In Ansehung eine« Teils des Guthabens die Ueber- tragnng, Verpfändung oder Pfändung erfolgt oder rechts­wirksam, so hat die im § 21 bezeichnete Behörde auf Antrag eines Beteiligten über diesen Teil ein neues Sparkaffenbuch auSzullellen und nach geschehener Abschreibung das alte Buch dem Sparer zurückzineb-n.

8 29. Die Postverwaltungen können einzelne Post- anstal ten vom Sparkaffendienst oder von Teilen di «selben ausschließen.

Die weiteren Paragraphen betreffen die Verwaltung und Kontrolle des aus den Spareinlagen gebildeten besonderen Fonds, deren zinsbare Anl- gung uns Verwaltung des Fonds unter der oberen Leitung des Reichskanzlers unb bet fort­laufenden Aufsicht der Reichsfchulden-Kommission durch die Verwaltung des Reichs JnvalivenfondS erfolgt. Die letztere wird mindestens durch ein vom Kaiser auf Lebenszeit zu ernennendes Mitglied verstärkt.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Okt. Der Kronprinz wohnte vormittags einer mehrstündigen Abteilungssitzung des StaatSraieS bei. Wie verlautet, finden die Plenarsitzungen des Stai-tSrateS künf'ig im Elisabethsaale, die Abikilungssitzungen int GardeS

Sehr erfreut, mir übrigens bereits bekannt durch das Fremdenbuch und Herrn Albert Säusel, Firma Hartleben und Säusel in Frankfurt bet die JnSoiS- kcetion beging, heute irgend Jemanden ein Stück Ihrer LebenSgefLichte ganz unter meinem Fenster zu erzählen!*

Er sah, wie sie die Brannen faltete.

Was kann genannter Herr von meiner Lebensgeschichte wiffen?* fragte sie kurz und ein wenig hochfahrend.

Ganz allgemeine Thatsachen nur, unter einer, wie eS mit schien, seht subjektiven Beleuchtung!*

Ah--ich konnte mit denken 1 Eine Biographie

auS Herrn SänsclS Munde, die Biographie einer wllo» fremden Dame muß Sie sehr intereffirt haben, Herr Meinhardt!*

Sie sagen daS etwas empfindlich, gnädiges Fräulein! Finden Sie es taktlos, daß ick zuhörte? Ich möchte Ihnen bekennen: hätte der olivenfarbene Herr nicht in den allge­meinsten Umrlffen von Ihnen gesprochen, so daß die ganze Welt den Lauscher gespielt haben dürfte, dann wäre ich an da» geöffnete Fenster getreten und und hätte gesagt: Geehrter Herr, suchen Sie sich gütigst für Ihre Konfessio­nen weniger belebte Plätze au«, hier wohnen auch noch Leute! Aber wie gesagt*,--

Schon gut!" nickte sie ihm zu.Ich hielt Sie auch gar nicht einmal für indiskret, sind Sie denn einer ganz fremden Dame Diskretion schuldig?*

Jeder Dame, da« ist ganz sicher!*

Sie hob ihre klugen Äugen zu ihm auf unb sah ihn beistimmend an. Meinhardt hatte sich, während sie zu ihm sprach, über sie gefreut: ihr Wesen stimmte so gut zu ihrem

du Korps-Saale deS königlichen Schlöffe« statt. Kammer- Herr Graf Grote, der Abgesandte des Herzogs von Kumberland, hat nach kurzem Aufenthalte Berlin wieder verlaffen. Der Kaiser soll dem Generalfeldmarschall Moltke, welcher am vergangenen Sonntage, dem 26., fein 84. Lebensjahr vollendet hat Graf Moltke ist am 26. Oktober 1800 geboren ein überaus huldvolles Glückwunschschreiben zu diesem Tage übersandt haben. Der greife Feldmarschall, der sich noch einer bewundernswerten Rüstigkeit erfreut unb sich auf den Wegen, die er zu machen hat, nur selten seine« Fuhrwerks beblent, sondern dieselben größtenteils zu Fuß zurücklegt, ist kein Freund von Ovationen, weshalb er denn auch seinen letzten Geburtstag In möglichster Zurückgezogen­heit begangen hat. Die Besatzung S. M. Brigg Undine" ist gerettet bis auf den Obermatrosen Trebes von der 2. Matrosendlviston.

Berlin, 29. Okt. Bon weiteren Wahlergebniffen liegen vor: Stettin: Broemel (D.-F.) gewählt. Breslau: Erster Wahlbezirk: Stichwahl zwischen Hasenclever, 5805, und Dirichlet (D.-Fr.), 3654. Zweiter Wahlbezirk: Stich­wahl zwischen Kräcker (Soz.) 6170 und Friedländer (D.-F.) 5695. Danzig (Stadt) Rickert gewählt. Königs­berg (Preußen): Stichwahl zwischen Möller (D.-F.) und Godau (Soz.) Allenstein-Röffel. Borowski (C.) ge­wählt. Tilsit. Schlieckmann (K.) gewählt. Gum­binnen. Saro (K.) gewählt. Aachen. Gielen (C.) gewählt. Hannover. Wahrscheinlich Stichwahl zwischen Meister (Soz ) unb Brüel (Welfe). Nürnberg. Grillen- berger (Soz.) gewählt. Leipzig. Trönblin (N. L.) ge­wählt. Zwickau (Sachsen). Stolle (Soz) gewählt. Sttaßburg (Stadt). Kablö gewählt. In Erlangen ist Stichwahl zwischen v. Stanffenberg (D.-F.), der 3713 Stimmen, und Schantz (N.-L.), der 2665 Stimmen er­hielt, nötig. Altona. Frohme (Soz.) 10 226, Karsten (D.-F.) 5065, Witting (N.-L.) 3180 Stimmen. Zittau. Buddeberg (D.-F.) 6159, Löbuer (K.) 5472, Kaiser (Soz.) 1962 Stimmen, somit ist Stichwahl zwischen den beioen Ersteren erforderlich. Glauchau. Leuschner (N.-L.) 8278, Auer (Soz.) 8892 Stimmen. Olden­burg. Slßber erhielten Niehbur (D.-F.) 3434, ForSmann (N. L ) 2931 Stimmen. Duisburg. Hier ist Stich­wahl zwischen Hammacher (N.-L.), der 9100 Stimmen, und v. Schorlemer Alst (C.), der 9335 Stimmen erhalten, In Aussicht. Chemnitz. Geiser (Soz.) Ist mit 14513 Stimmen gewählt, Schreiber (N.-L ) erhielt 5762 Stimmen. Bremen. Meyer (R.-L.) ist mit 10496 Stimmen gewählt, Richter (D.-F.) erhielt 5205, Liebknecht (Soz.) 4880 Stimmen. Hagen. Richter ist mit 9566 Stimmen gewählt, Gersteln (N.-L) erhielt 5947 Stimmen. Mann­heim. Hier ist Stichwahl zwischen Eckhard (N.-L.), der 5750 Stimmen erhielt und Kopser (Dem.) wahrscheinlich. Magdeburg. Stichwahl ist erforderlich zwischen Heine (Soz.) mit 7814 und Büchternann (D.-F.) mit 5420j<Slimmen.

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Aeußern, unb bann hatte sie ein weiches, dunkle« Organ und die korrekte, reine Aussprache der Norddeutschen. Auch ihr Anzug gefiel ihm, sie war nach^neuester Mode ge­kleidet, aber mit sorgfältiger Vermeidung alles Outrierten, Extravaganten, und Meinhardt, der zu Lebzeiten seiner aus­fallend hübschen Frau, stet« Jntereffe für bereu Toilette gezeigt, war ganz der Mann dazu, ein geschmackvolles Kostüm zu würdigen.

Er bückte sich unb hob das Buch von der Erde auf, die Blätter hatten sich beim Fallen umgebogen, und er strich sie zurecht; dabei konnte er nicht umhin, einen Blick in das Buch zu werfen.

Sie treiben Italienisch?* rief er lebhaft unb erstaunt.

Ja, wundert Sie das so sehr?* gab sie zurück; Sie denken gewiß, ich müßte es schon können, »eil e« heutzutage auch Modesache ist, italienisch zu lernen. Aber feit Ich erwachsen bin, hat meine Zelt so ausschließlich der Musik gehört, daß ich zu keinem andern Studium gekom­men bin. Französisch und Englisch spreche Ich wie meine Muttersprache, da wir stets eine Ausländerin im Hause hatten, aber daS Italienische habe ich jetzt ganz auf eigene Hand, al« Autodidakt, begonnen. Sehr weit werde ich es, fürchte ich, damit nicht bringen."

Wenn Sie immer so herrliche Sommertage und eine so schöne Umgebung zu Ihren Studien wählen schwerlich I*

Ja, aber etwas reelle« muß man doch zu thun haben!" Muß man?* lächelte er.Unb Ihr Klavierspiel? Haben Sie e« ganz aufgeben müssen? Sie sollen ja eine bedeutende Pianistin sein, bezugnehmend auf Herrn Säusel« Biographie!" (Fortsetzung folgt.)