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JRotßutg, Mittwoch, 15 Oktober 1884.

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Erzählung von M. Gerhardt.

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sammengehen Frankreichs mit Deutschland auf eine gewisse Zett und zu bestimmten Zwecken ist gewiß noch weit ent­fernt von einem eigentlichen Bündnisse, aber eS darf als wirksames Mittel gelten, die bestehenden Gegensätze abzu­schleifen und die Gedanken von einem Vergeltungskriege in den Hintergrund zu drängen. Wieder, schließt das Wiener offiziöse Blatt seine Betrachtung, schwebte dem Fürsten Bismarck die Arbeit an dem großen allgemeinen europäischen FriedenSwerke bet der Einberufung der Kon­ferenz vor, und soweit desien Pläne und Entwürfe reichen, gehen ste immer von einem Mittelpunkte, von der Sorge um die Erhaltung und Sicherung des allgemeinen Friedens und der neuen Rechtsordnuna Europas aus. Wie weiter verlautet, soll England die Konferenz nur widerwillig be­schicken. Der Berliner Korrespondent desStandard" schreibt ferner:Mr. Stanley, der in kurzem nach Deutsch­land kommt, wird sich zuerst nach Dresden und dann nach Berlin beheben. Der Hauptzweck seiner Reise besteht darin, die Zukunft des neuen Kongo - Staates zu diskutieren. Wahrscheinlich wird er der Kongo-Konferenz persönlich an­wohnen."

DieNordd. Allgem. Ztg." reproduziert folgenden Auszug aus dem Artikel derTimes" über NordfchlcSwig: Obschon die Atmosphäre der dänischen Hauptstadt nicht gerade geeignet ist, die Dimensionen deS administrativen Despotismus der Deutschen zu verkleinern, so sind die Darstellungen unseres Korrespondenten in ihren Hauptzügen doch zu wahrscheinlich, als daß sie keinen Glauben ver­dienen sollten. Die preußischen Beamten in Schleswig sind so geartet, daß ste Auslassungen von Aversion der Bevölkerung gegen ihre Suprematie ahnden und hart be­strafen. Im Hauptquartier zu Kiel würde ihre Härte als nichts Aergercs denn ein Uebermaß von Pflichteifer angesehen werden. In Berlin, wo vielleicht keine Rach­sucht und kein Haß gegen die unterdrückte Bevölkerung NordschleSwigS herrscht, existiert die Ansicht, daß die Akkli­matisierung neuer deutscher Unterthanen gar nicht zu scharf und hart durchgeführt werden könne; die deutsche Beamten­welt und ein überwiegender Teil der Bevölkerung Deutsch­lands sind vollständig davon überzeugt, daß die Annexion für Schleswig eine Wohlthat ist und Schleswigs Willen peremtorisch durchgeführt werden muß. Das ist die deut sche Ansicht, die an und für sich nicht unrichtig ist." Wetter heißt es dann:Das dänische Schleswig hat, wie man uns sagt, im Deutschen Reiche Niemanden, an den eS appellieren könnte. Der einzige Gerichtshof, der seinen Hülferufen offen fielt, ist das Tribunal der öffentlichen Meinung Europas. Die Dänische Rasse ist hart behan­delt worden. Das dänische Registrent ist nicht schuldlos an dem Kriege von 1864 gewesen; dasselbe hat seine Macht im deutschen Holstein und Schleswig in ähnlich demselben Geiste ausgeübt, wie ihn jetzt Preußen im dänischen Schleswig zeigt. Das gesamte unparteiische

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Europa aber würde helfende Hand anlegen, wenn es die Konfiqueuzeu der Qualen, die die verstümmelte dänische Nation erdulden muß, lindern könnte. Niemand jedoch, und selbst nicht die beleidigten Dänen, wird den Wunsch hegen, daß die Sympathieen Europas sich in der Gestalt einer Demonstration mit bewaffneter Macht geltend machen sollen, sondern nur der moralische Einfluß ist es, von dem die Rede sein kann. Doch nicht der moralische Einfluß in aktiver Form darf dies sein, denn ein solcher ist von den Nationen als beinahe so ungeeignet und unwirksam erkannt worden, wie die bewaffnete Intervention: ein Appell an die öffentliche Meinung Europas seitens der Dänen dasjenige ist, was denselben nützlich und förderlich sein könnte. Obgleich Europa nicht daran denkt, deutsche Be­amte auf ihre Pflicht hinzuweiscn, so würde es doch Deutsch­land dankbar sein, wenn dieses sich daran erinnern wollte, daß Dänemark und daS dänische Schleswig mehr durch die Macht der Umstände, als durch eigene Schuld unver­hältnismäßig hart gestraft worden sind. Eine Konzession an Dänemark und das dänische Schleswig würde ein Europa gemachtes Zugeständnis fein. Die Klagen der 200 bis 250000 Dänen im nördlichen Schleswig sind ein Schmerz und ein Leiden (a pain and affliction) für die Ohren Europas. Europa würde es als eine nicht weniger ihm selbst als Dänemark und den dänischen Schleswigern er­wiesene Gunst betrachten, wenn die deutschen Machthaber nach Kräften darüber auö wären, die Neigungen der Nord- schleSwiger zu gewinnen, oder dieselben sreizulaffen. Däne­mark selbst ist nicht ohne die Mittel, seine Sache zu för­dern, ohne deshalb einen Zoll Landes außerhalb feiner verstümmelten (curtailed) Grenzen zu bewegen, wenn der innere Zwist aufhört, unter dem eS seufzt. Möge das Nationalunglück, das den dänischen Reichstag aus feinem alten Quartier vertrieben (der Brand des Schlosses ChristianS- borg) zu einem Segen werden und dahin führen, daß die gesamte Volksvertretung sich an der einmütigen Arbeit zum Segen für Land und Volk beteiligt." Wir berich­tigen zunächst die Thatsache, daß es sich nicht um 250000 dänisch redende Einwohner handelt, sondern nur um 100 bis 150000, denen die entgegengesetzten Jntereffen von 50000, namentlich in den Städten, aber auch auf dem Lande mit der dänischen Bevölkerung untermischt wohnenden Deutschen gegenüberstehen. Im übrigen erlauben wir uns einfach derTimes" den Spiegel vorzuhalten, wie ein analoger Artikel über Irland in deutschen Blättern sich ausnehmen würde. Das Blatt wird uns zugeben, daß dasJoch der Fremdherrschaft" in NordschleSwig ein außerordentlich mildes ist im Vergleich mit dem in Irland notwendig gewordenen, und wenn man dieLeiden der Unterdrückten" nach dem Maße der Reaktion dagegen be­urteilt, so machen wir dieTimes" darauf aufmerksam, daß die Erscheinung argrarischer Mordthaten, der Ermordung von Polizisten und hohen Beamten und alles desien, was unter den

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Deutsches Reich.

Berlin, 13. Ott. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Gedanke, die westafrikanischen Fragen auf einer Kon­ferenz zu regeln, habe wie in Frankreich, so auch unter den übrigen direkt interessierten eingeladenen Mächten bisher bei Belgien, Spanien, Holland, endlich auch unter den Mächten, denen nur eine Mitteilung von der beabsichtigten Konferenz gemacht worden fei, wie bei Oesterreich und Rußland, lebhafte Zustimmung gesunden. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge hat die Reichsregierung vor einiger Zeit in London Schritte gethan, um den deutschen Handels­interessen in dem westlichen steile der Südsee gegenüber den auf Besitzergreifung aller noch freien Gebiete in der Süd- fee gerichteten Bestrebungen Sicherheit zu verschaffen. Die freundschaftlichen Besprechungen hierüber hätten zunächst bezüglich Nen-GuyneaS zur Folge gehabt, daß die englische Regierung beschloffeu habe, nur die Südküste von Neu- Guynea und die in unmittelbarer Nähe dieser Küste be­findlichen Inseln unter britisches Protektorat zu stellen. Insoweit in anderen Punkten die deutschen und die eng­lischen Jntereffen konkurrieren sollten, lasse sich eine weitere Verständigung erhoffen. Für de» Zusammentritt der Kongo-Konferenz ist das Ende des Oktober oder bet Anfang des November in Aussicht genommen. Gegenstände der Beratung sind: 1. die Handelsfreiheit im Becken und an den Mündungen des Kongo; 2. die Arnendierung der Be­stimmungen des Wiener Vertrages, betreffenddie freie Schiffahrt auf internationalen Strömen", auf den Kongo und den Niger; 3. die Definition von Formalitäten, welche nötig sind, damit neue Okkupationen an den afrikanischen Küsten als effektiv können angesehen werden. Uebet die bevorstehende Konferenz und die deutsch - französische Ver­ständigung bringt die Wiener offiziöseMontagsrevue" einen Artikel, in welchem es heißt: Die Zielpunkte der ein« zuderufenden Konferenz Über die Kongofrage sind: volle Handels- und Flaggenfreiheit auf beiden afrikanischen Strömen (Niger und Kongo). Die Einsetzung einer euro­päischen Kommission nach Analogie der bestehenden inter­nationalen Donaukommtsston. Die Formulierung de« inter­nationalen RechtssatzeS, daß die Okkupation überseeischer Gebiete, um anerkannt zu werben, effektiv fein muffe. Ruß­land, Italien unv Oesterreich werben an ben Beratungen zunächst nicht teilnehmen, da vorerst direkte praktische Resul­tate unter ben an ben westafrikanischen Fragen unmittelbar beteiligten Staaten ins Auge gefaßt werben unb das Votum ber Konferenz später den ihr fern gebliebenen Kabinetten unterbreitet werben soll, wenn erst die Formulierung ber neuen Internationalen Maßregeln möglich wird. DaS Ein­vernehmen zwischen Frankreich unb Deutschlanb ist in dieser Frage ein so vollständiges, daß diese Mächte sich schon heute die Kraft zurechnen, einer eventuellen Opposition Englands wirksam begegnen zu können. Ein solches Zu-

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ihre Thür wem ihr beliebt. Daß meine Feinde nicht ihre Freunde fein sollten, habe ich nicht zu verlangen. Aber ein besonderer Umstand zwingt mich, Ihnen eine zweite Frage vorzulegen. Sie sind von dem mir bevorstehenden Duell unterrichtet kennen Sie besten Veranlassung?"

Man sogt, daß Wendheim sich gegen eine Dame Frei­heiten herausgenommen."

Das ist richtig. Ein zweiter Grund, ben nur er unb ich kennen, und ben ich Ihrer Ehre anveriraue, ist folgen« ber: Er hat, wie ich zufällig erfahren, ein Drama, das ich geschrieben, in allen wesentlichen Zügen, bis auf Fein­heiten der Charakteristik, bis auf Entwickelung und Kata­strophe in einer Weise entlehnt, daß ich, bei meiner gespannten Stellung zu der Kritik, nach geschehener Auf­führung des feinigen unter keinen Umständen mit meinem Werk hervortreten könnte, wollte ich nicht selber Gefahr laufen, des lächerlichsten und schamlosesten litterarischen Diebstahls bezichtigt zu werden. Verstehen Sie mich, Leo?"

Vollkommen," erwiderte der junge Offizier. Der Nichtswürdige hat Ihre augenblickliche ungünstige Situation für seine Zwecke auszunutzen verstanden."

«Ja;" sagte Halvm und athmete schwer aus.Es fragt sich nur, wie er Gelegenheit gefunden, mein Manu­skript zu Gesicht zu bekommen, daS ich mit argwöhnischer Sorgfalt geheim hielt, das Niemand, buchstäblich Niemand gesehen und in Händen gehabt hat, als Ihre Frau Mutter, Leo, ber ich es während einiger Wochen anbettraute, unb die später ihre Uebcrrebung auf bot, mich von dem Hervortreten mit meinem Stück zurückzuhalten."

Leo fuhr bleich vnb fassungslos zurück.Nicht mög­lich", stammelte er;meine Mutter*

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllUstrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2V« Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (erd. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt o.SUt.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf vtciner i. Hamburg - Invalidcndank in Berlin!

1 Dresden und Leipzig I. Barck u. Co. in Halle. W. Thienes in Elberfeld-

Halden stand noch in der Nähe ber Thür, als ein Herr, den er durch die Spalte flüchtig aber deutlich sehen konnte, ans dem Salon der Frau von Ostrow in das Entröe kam und rasch durch die Eingangsthür verschwand.

Haidens Blick hastete starr und wie gebannt an der Thürspalte, in ber bie Erscheinung aufgetaucht unb ver- schwunben war. Auch Leo hatte einen raschen Blick auf den fortetlenben Besucher geworfen.

War daS nicht Wendheim?" fragte Halden langsam mit gepreßter Stimme.

Ich glaube er schien eS zu sein," erwiderte Leo, in Verlegenheit und Unmut errötend, indem er der Thür zuschritt.

Bleiben Sie, Leo," sprach Halden, die Thür schließend, und trat mitten im Zimmer dem jungen Mann gegenüber. Ich bitte Sie nur, mir einige Fragen offen zu beantwor­ten. Empfängt Frau von Ostrow diesen Herrn öfters?"

Ich bin ihm elnigemale hier begegnet;" antwortete Leo in großem Unbehagen, aber von der Ueberzengung durch­durchdrungen, daß Halden so zu fragen berechtigt und er verpflichtet sei, zu antworten.Ich glaube, ber Verkehr schreibt sich von EmS her, wo Wendheim sich sehr um den Zutritt zu meiner Mutter bemüht zu haben scheint. DaS ste denselben einem Manne gestattet, ber mit Ihnen ver- fetnbet ist, ist eine Handlungsweise, bie ich selbst nicht zu billigen vermag."

Ich maße mir nicht an, baS Thun und Lasten Ihrer Fran Mutter zu kritisieren;" entgegnete Halben stolz unb kühl.Sie empfängt natürltch, wen ihr behagt unb schließt

Halten Sie es wirklich für unmöglich, Leo?" fragte Halden in tiefem Ernst.Es ist ein schrecklicher Verdacht, unb Sie, ber Sohn der Frau, der ich bis heut so unbe­grenzte Hochachtung, so unbegrenztes Vertrauen gewährt, sollen Richter über mich sein, wenn ich ihr Unrecht ihue."

Leo rang nach Worten. Er war so furchtbar erschüt­tert, daß Halden von Mitgefühl für ihn bewegt ward.

Lasten wir die Sachen ruhen," sagte er mild.ES kann ja sehr wohl sein ja eS ist das einzig Glaubliche, daß der Elende ohne Misten und Willen Ihrer Mutier Mißbrauch mit dem ihr anvertrauten, fremden Eigentum getrieben. Aber Sie begreifen, Leo, daß ich, auch wenn ich keinen Versuch mache, tiefer in dies Rätsel einzudringen, das Vertrauen zu Ihrer Mutter unwiderbringlich verloren habe."

Ich begreife daS," erwiderte Leo dumpf, die Hand auf die Augen drückend.

Ich sage daS zu meiner eigenen Rechtfertigung," fuhr Halden fort.Ihr gegenüber wird eS derselben nicht be­dürfen. Aber von Ihnen, den ich hochachte, will ich nicht falsch beurteilt sein. Ich kam mit der Absicht her, Ihrer Mutter meine Hand anzutragen. ES sind Worte gefallen, die ste berechtigten, einen solchen Schritt von mir zu er­warten. Ich kann ihn aber jetzt nicht thun, Leo."

Nein;" stimmte dieser bet, indem er bie Hand sinken ließ unb Halden fest andlickte.

Dieser reichte ihm die Hand und sagte herzlich:Wir bleiben Freunde, Leo, auch wenn mein Verkehr mit Ihrer Frau Mutter abgebrochen wird. Ich werde mich immer freuen, Sie bei mir zu sehen, unb Ihnen gern Rat unb Beistand leihen, so viel ich vermag.^ (Fortsetzung folgt)

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