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Skr. 9M

JHarfiurg, Sonntag, 12. Oktober 1884.

XIX. Jahrgang.

WWschk Leitung

Deutsches Reich.

ztzhner, jedem Kellner, jedem Spekulanten, ohne bestimmte

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedltion d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a M., Ham­burg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Mofse in Frankfurt a.M., Berlin, München und

Qualitäten, die in naher Beziehung zu den betreffenden SubmisstonSarbeiten stehen, vermöge der freien Konkurrenz gestattet, sich bet den öffentlichen Submissionen um ArbettS- lieferungen zu bewerben, und er wird sie zugeschlagen be­kommen, wenn er der Mindestfordernde ist, und die nötige Kautionssumme zu erlegen im stände ist. Das Arrangement ist alsdann bald gemacht, für niedrigen Lohn findet er arbeitslose Gesellen genug; auf Tüchtigkeit und Solidität, die bei der Qualität vieser Arbeiter wohl viel zu wünschen übrig lasten wird, kommt eS ja nicht so sehr an, denn Handwerkerstolz kann der Unternehmer nicht besitzen, er erntet ja von einem Felde, baß andere besäet habem daß notwendigste ist der äußere Schein, durch den der Sub- mtssionßherr bet der Abnahme der Arbeiten zu täuschen ist, alßdann ist er gesichert. Im übrigen denkt er:Apres nous le delugel*nach unß die Sündflut! , ob die Zeit später die Schaden und die Unsolidität seiner Arbeiten auf­deckt, kann ihm gleichgültig sein! Mit solchen Konkurrenten hat der solide Handwerker zu thun, und gar mancher brave Meister wird auch hier in Marburg Lieferungen aus­führen können, die auf solch- Weise vergeben und zum Schaden deß Staates auch entsprechend ausgefallen sind. Freilich kann der letztere den ungeheueren Schädigungen gegenüber, die sür unser Gewerbe selbst aus dem Sub- misstonßwesen entstehen, gar nicht gerechnet werden.

i Denn waS wird der solide Meister diesen unwürdigen Konkurrenten gegenüber thun? Entweder wird er natürlich nm daß nur diejenigen, die auch sonst Arbeit genug haben, und daß sind blutwenig auf Submissionen prinzipiell verzichten, oder er nimmt Submissionen an, deren niedriger Preis ihn ruiniert, d. h. ihn zwingt, für Schleuder-

I preise gute Arbeit zu liefern', oder ihn ebenfalls zum un-

Berlin, 10. Ott. DerReichs-Anz." veröffentlicht einen Kaiserlichen Erlaß, betreffend die Aufnahme einer Anleihe auf Grund der entsprechenden Gesetze. Der Erlaß lautet in seinem wesentlichen Inhalt: Auf Ihren Bericht vom 24; September d. IS. genehmige Ich, daß auf Grund deS Gesetzes vom 16. Februar 1882, betreffend die Aus­führung des AnschlusteS der freien und Hansestadt Ham­burg an daS deutsche Zollgebiet ein Betrag von 4 000 000 M., auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1883, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen deS ReichSheereS, der Marine und der RcichS-Etsenbahnen ein Betrag von 18192720 Mk, und auf Grund des Gesetze« vom 12. April 1884, betreffend die Feststellung eines Nach­trages zum ReichrhauShaltS-Etat für das Etatsjahr 1884/85 ein Betrag von 18790000 Mk., zusammen also ein Be-

stöln; G. L. Daube und Co- in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

misstonSpreise kann niemand gute Arbeit verlangen. Dem fortwährenden Drängen deS SubmisstonSherrn gegenüber: Möglichst billig" wirs er innerlich nur die eine Antwort haben:Nun ja, aber auch möglichst schlecht!" DieSchädtgungen und die demoralisierenden Wirkungen, die sich solchergestalt unter dem Handwerkerstand geltend machen, liegen auf der Hand; Tüchtigkeit und Kunstfertigkeit deS Handwerks wird nicht mehr daS nächste Erfordernis des Handwerkers sein, er wird eS zunächst lernen müffm, der unsoliden billigen Arbeit einen guten äußeren Schein zu geben, kurz Schwtndel- arbett zu liefern; sodann werden die niedrigen Lohnsätze deS Meisters Herabsetzung deS Lohnes der Gesellen nach sich ziehen, und dies wird gewiß nicht zu organischer Lösung der Arbeiterfrage beitragen.

Will man daS Submisstonswesen beibehalten, so ist eS

beugung aus der Entfernung und blieb, dem Zimmer den Rücken wendend, suchend und blätternd vor dem Bücher­schrank stehen.

Mein teurer Freund!" rief Frau von Ostrow, in großer Auflegung auf Halden zueilend, der ihr mit Herz­lichkeit entgegen kam;verzeihen Sir den Ueberfull, aber ich kann der Sorge um Sie nicht länger gebieten. Ist wahr, was Leo mir mittheilt, daß Sie, daß Ihr Leben"

Still, still!" unterbrach Halden lächelnd, und erhob die Hand mit einem Blick auf seinen Sohn, der aushorchte ohne sich umzuwenden.Leo ist ein Schwätzer; dir Sache ist ohne alle Bedeutung. Sie haben nicht den mindesten Grund, sich zu beunruhigen, liebe Freundin."

Ist daS wahr, Halden?" fragte Sidonie mit zärtlicher Dringlichkeit, indem sie ihre beiden Hände auf den Arm des Dichters legte und ihre fchmachtenden Augen in die feinen senkte.Ist die Sache beigelegt? - Schwören Sie mir, daß Ihr Leben außer Gefahr ist, wenn Sie nicht wollen, daß die Angst um Sie mich tötet!"

Liebe Sidonie!" erwiderte Halden mit einer Innigkeit, die Egbert wie eine Beleidigung traf. Er warf die Thür des Schranks zu und that einige Schritte nach dem Aus­gang, blieb dann aber stehen, den Blick drohend auf seinen Vater geheftet, der, wie seiner Gegenwart zum Trotz, die Hand der Freundin an seine Brust gezogen hatte und in gedämpften Ton zu ihr sprach.

Ich segne diese Gefahr, die ja wohl ernstlicher scheint, als sie ist, weil sie die Gesinnungen der mir Nahstehenden in ihr wahres Licht stellt. Ich weiß jetzt, wo ich allein

wahres Mitgefühl zu suchen habe;" sein Blick fiel auf Egbert, der ihn finster erwiderte.

Und eine friedliche Ausgleichung des Streite- ist un- möglich?" fragte Frau von Ostrow flehend.Halden, wenn meine Bitten das geringste Gewicht bei Ihnen haben, ich beschwöre Sie"

Unmöglich, Sidonie; - ich bitte, sprechen wir von andern Dingen." .

Hartherziger Mann! so sagen Sie mir wenigsten», ob daß Gerücht begründet ist, daß eine Dame, eine junge schöne Dame, Halden! - al» ^Veranlassung de» Duells bezeichnet." ,L

Das sollen Sie später erfahren," antwortete Halden ernst.Die ganze Angelegenheit muß geheim bleiben, ver­stehen Sie."

Ich verstehe," entgegnete Frau von Ostrow mit tiefem Seufzen und gefühlvollem Blick zurücktretrnd.Ach, sieh da, lieber Egbert," wandte sie fich, mit dem Tuch über dir Augen fahrend, an den jungen Manu.Stehen Sie mir bei, Egbert, die Gefahr zu bekämpfen, in die Ihr Vater sich stürzt, sind wir Beide ihm doch die Nächsten, und in Gemeinschaft wollen wir* . , .

Ich habe keine Gemeinschaft mit Ihnen, gnädige Frau, entgegnete der Jüngling schroff,und weiß von keiner Gefahr für meinen Vater, außer der, weiche von Ihnen kommt.

Egbert!" rief Hilden toienbleich,du wagst e» du treibst dir Kühnheit so wett"

Adieu, mein Freund," flüsterte Sidonie, der t» In dem heraufziehenden Orkan entseffelter Leidenschaften schwül zu werden begann.Ich bin hier nicht an meinem Platz."

(Fortsetzung folgt)

33 Bruder««» Schwester.

Erzählung von M- Gerhardt.

Der Eintritt Egberts, der ein Buch aus der Bibliothek feines Vaters zu haben wünschte, durchbrach den Gedanken- gang desselben. Der Jüngling sah blaß und überwacht au», die Hand, die er dem Vater zum Morgengruß bot, war eisig kalt, er zog st- schnell zurück und trat stumm und mit düsterer Miene an den Bücherschrank. Halden, der gerade heut wärmer und lebhafter als sonst seiner ge­dacht, der sich soeben ernstlich mit seiner Zukunft beschäftigt, empfand es bitter und kränkend, das sein einziger Sohn, für den er so viel gethan, in dieser verhängnisvollen Ent- cheidungsstunde kalt und teilnahmslos wie ein Fremder neben ihm stand, und unterdrückte rasch und verstimmt den flüchtig aufsteigenden Wunsch, 'hn in sein Vertrauen zu rieben. - Egbert aber, in dem die Erschütterungen deS gestrigen Tagen noch mächtig fortklangen, dem die bevor­stehende Trennung von der kaum gefundenen Mutter und Schwester schmerzlich auf dem Herzm brannte, mußte sich den bestimmt ausgesprochenen Willen der erstern, über daS Zusammentreffen vorläufig zu schweigen, ihre etndringltchen Bitten gerecht gegen seinen Vater zu sein, ernstlich ver- gegmwärttge?, um diesen seinen tiefen Groll nicht unver­hüllter fühlen zu lasten.

Während so jeder der Beiden fich in unbehaglichem Schweigen der Nähe deS Andern bewußt war, ertönten im Nebenzimmer Schritte und Stimmen. Egbert zuckte zu­sammen, al» Frau von Ostrow schleppenrauschend eintrat sein erster Impuls war, sich sofort zu entfernen, dann blieb er aber doch, au« einer Art verbissenen Widerwillen-,.dieser Frau das Feld zu räumen. Er machte ihr eine steife Per-

J Handwerk «ud Submission.

Lessing hat einmal gesagt:Man dürfe unreines Wasch- waster nicht sortschütten, ehe man wiste, wie man reines bekomme!" Aesthetisch schön ist der Vergleich zwar gerade nicht, aber wahr und treffend ist er, wenn «an ihn aus das Vorgehen des Liberalismus gegen die obligatorischen Innungen anwcndet. Auch der Konservative ist stets bereit, das, was sich überlebt hat, fallen zu lasten, aber daß Gute der alten Institutionen und man nennt die Vergangen­heit oft genug nicht mit Unrecht die gute alte Zett - will er mit Recht bewahrt misten; hätte die Aufgabe der Volksvertreter fein müsten, baß Jnnungßwefen nicht von Grund aus zu zerstören, sondern seine Härten und Unzuträglichkeiten zu mildern, kurz dasselbe auf dem Wege der Gesetzgebung unserer Zeit, die sich durch daß Aufkommen der Maschinen- und Fabrikarbeit so wesentlich verändert hatte, angemessen zu machen. Organische Ausbildung deS JnnungßwesenS auf dem jetzt wüsten, ordnungßlosen Boden der Gewerke, ist ein schöner, idealer Gedanker, der leider nun kaum mehr durchführbar ist; praktisch wird man dem Handwerker erst durch obligatorische Innungen wieder aus­helfen, denn eS wird niemand leugnen können, daß die radikale Gewerbefreiheil nur dem Fabrtkweseu, also unmittel­bar den Groß-Industriellen zu statten kommt, die da« Kapi­tal und Gelegenheit besitzen, um die Arbeitskräfte billig zu kaufen und rationell auszunutzen, und daß bet dieser neuen Phase der Industrie diese erdrückende Konkurrenz deS Fabrik- wesenS den Notstand des Kleingewerbes zur Folge gehabt hat. Aber eS sind auch noch andere Faktoren in unseren staatlichen Institutionen vorhanden, welche von außerordent­lich schädlichem Einfluß für unser Handwerk sind, und dazu Ä ÄÄoÄ5, i< ÄU | sSääÖÄ L obligatorisch gemacht worcen ist.

Kann man sich vom ideal - doktrinären Standpunkte auS im Grunde genommen etwas Gerechteres denken, als diese Einrichtung, die eS dem außführenden Staatsbeamten unmöglich macht, diesen oder jenen Handwerker bei der Ver­gebung von staatlichen Arbeiten zu begünstigen und dem- lelben io au sagen ein Monopol für dieselben zuzustchern, giebt eS eine näherltegende Maßregel gegen Übervorteilungen des Staate», als es der freien Konkurrenz zu überlasten, wer diese oder jene Arbeit erhält? Freie Konkurrenz ist die Seele der Industrie, heißt es immer, und doch haben wir au unserem Schaden den Beweis gehabt, daß nichts im stände ist, schädlicher auf unsere Industrie zu wirken , als gerade sie und jene überaus scharfe Kritik des Professor «ÄÄÄ/tÄÄ wÄZs I °°> Ln Mn,m nwi,. M man tobdttn, Mt an WM- M»; w.n °°n Ort und S,.°-d« Sudmtlflon 8«Ud«rt.m;.*.«nnm.

, auch dort vergiebt, denn eS liegt die Möglichkeit ja aus

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bildung nichts verwendet haben, endlich vielleicht Arbeits­lohn und Material ihnen billiger zu stehen kommt. So- dann ist es notwendig, daß der Arbeitgeber angemessene Mtnimalpreife aufstellt, welche Vergütung des Materials nach ortsüblichem Preise, des Arbeitslohns, der eigenen Arbeit des Meisters und einen Unternehmergewinn ent­halten ; ferner hat der Submisstonsherr, wenn der Mindest­fordernde Preise bietet, unter denen solide Arbeit zu liefern nicht gut denkbar ist, die moralische Verpflichtung, denselben aus- zufordern, durch Aufstellung der Einzelbeträge seine auffallend niedrige Forderung zu begründen. Wo man kann, soll man auch möglichst wenig solche Unternehmer als Submittenten zulassen, die zur Herstellung der Arbeiten Sträflinge be­nutzen, wie denn die Zuchthausarbeit überhaupt im Sommer möglichst auf landwirtschaftliche Thätigkeit zu beschränken ist (die sozialdemokratische Forderung, sie ganz einzustellen, ist natürlich mit der Humanität ebenso wenig zu vereinigen, wie mit der Auffaffung der Strafanstalten als BefferungS- Anstalten). _ ,

Lasten sich aber diese Forderungen bei der Submission praktisch nicht durchführen, dann fort mit der ganzen Sub- misston; ein Auöbeutnvgßsystem der Kapitalübermacht in diesem Falle zunächst deS Staates, aber die großen Privatinstitute bedienen sich ebenfalls schon längst bei ihrm Neuanschaffungen der Submission denen gegenüber, die sich in der Notlage befinden, bleibt da« SubmisstonSwrsm im ganzen doch, denn der Handwerker muß Arbeit haben und muß sie um so billiger annehmen, je mehr ihn die Not drängt. Der Standpunkt LaSkerS aber, der einmal höhnisch ausrief:Der Staat sei nicht dazu da, die Dummen zu schützen!" ist heute längst überwunden, durch die ganze Steuerreform der Gegenwart geht der Zug, die wirtschaft­lich Schwachen vor der erdrückenden Uebermacht deS Kapi­tals zu schützen, und in diesem Sinne gehört die Revision des SubmisstonSwesenS notwendig mit zu derselben.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureauk Jägerfchc Buchhandlung in Franlfurto. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin;

Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thiene» in Elberfeld.

Erscheint täglich außer an den Werltagen nach Sonn- und Feiertagen. «t 50 leM8Xb^.?#-^tfertion8ge"ft*t,für die gespaltene Z«le 10 Psg.