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meist an SkrophulostS leidenden Knaben der Knaben- flation, erstere mit Schleifen im Haar, letztere zum Teil soldatisch gelleidet, die Schwestern und sonstige An­gestellte der Anstalt vor der Thür der Halle im Schwestern- garten Ausstellung genommen. Während seitens der Waisen und Schwestern ein Lied vorgetragen wurde, unter­hielt sich unser Kronprinz in ungezwungenster Weise, trat auch alsbald aus der Halle heraus und nahm einige ihm dargereichte Blumenbouketts huldvoll entgegen. UeberauS wohlthuend berührte eS, als Se. Kaiser!, und König!. Hoheit leutselig einen kleinen skrophulösen Knaben, den siebenten Sohn armer Eltern, ein Patenkind unseres teuren Kaisers, ,us die Arme nahm und denselben einige Minuten mit seinen Orden spielen ließ. Zu einem anderen hier in Pflege befindlichen Knaben gewandt, welcher mit Helm und einem verrosteten Kindersäbel erschienen war, bemerkte er, den Säbel aus der Scheide ziehend, mit freundlichem Lächeln, daß er wohl einSchwert des Friedens" führe. Wetter bestellte der Kronprinz für die Schwestern im Orient, namentlich für diejenigen, welche er auf seiner früheren Orientretse kennen gelernt, Grüße, und erkundigte sich ferner, ob auch Schwestern hier zugegen »vären, welche er alö Kriegsgefährten begrüßen könne. Nach weiteren leutseligen Worten des hohen Herrn glngö in die Apotheke und Küche der Anstalt, dann zu verschiedenen Stationen des Diakonisien- Krankenhauses. Ueberall hatte Se. Kaiser!, und König!. Hoheit einige freundliche Worte für die in den betreffenden Zimmern und Sälen sich aushaltenden Personen. Hierauf nahm er noch verschiedene Tochterhäuser der Diakoniffen- anstalt, wie Paul-Gerhardt-Stift, Seminar und Magdalenen- Stift, in Augenschein und verabschiedete sich dann in huld­reichster Weise, um noch dem katholischen Marien-Hospitale und der katholischen Kirche einen Besuch abzustatten. In letzterer erregte namentlich der goldene Reliqutenschretn mit den Gebeinen des St. SuitbertuS seine Aufmerksamkeit. Nach kurzer Besichtigung der Kaiserpfalz« Ruine erfolgte dann gegen 12^2 Uhr die Rückkehr nach dem Calcumer Bahnhofe, woselbst Se. Kaiser!, und König!. Hoheit den Zug bestieg, um wieder nach Benrath zu fahren.

A«rlm»d.

London, 25. Sept. DieTimes" meldet aus Kon­stantinopel vom 24. Sept.: Die britische Regierung teilte der Pforte die Gründe für die Suspendierung der Amorti­sierung der öffentlichen Schuld in Egypten mit und sprach die Hoffnung aus, die Pforte werde dieselben billigen und den Schritt des Khedtve unterstützen. Die Mitteilung ist erst gestern nachmittag dem Mintsterrate zugegangen.

Brüssel, 25. Sept. In den ersten Abendstunden herrschte gestern einige Erregung, doch blieb es verhältnis­mäßig ruhig. Eine aus nur wenigen Personen bestehende Bande durchzog das Zentrum der Stadt, zerstreute sich aber bald. In der Umgebung des königlichen Palais und der Ministerien kam nichts Bemerkenswertes vor. Um 11 Uhr nachts hatte die Stadt wieder ihr früheres Aussehen ange­nommen. Wegen der Beteiligung von Fremden bei den letzten Unmhen schärfte der Polizeichef den Bürgermeistern der Brüsseler Vororte die Befolgung der Instruktionen der Fremden-Polizet ein.

Petersburg, 25. Sept. DasJournal de St. Peters- bourg" bestätigt, daß sich die russische Regierung dem von den Mächten formulierten Proteste bezüglich der Suspen­dierung der egyptischen StaatSschuldenttlgung angeschloffen habe und bemerkt, die Regierung habe dem Londoner Kabinett ihr Bedauern ausgedrückt, daß die Suspendierung ohne vor­herige Befragung der interessierten Mächte angeordnet worden sei. _ Die Blätter melden, es werde im Domänenmtntsterium der Entwurf eines neuen Regulativs für die ackerbautrei­benden Israeliten ausgearbeitet.

Koustautiuopel, 25. Sept. Der Sanitätsrat beschloß, für Provenienzen auö den von der Cholera infizierten Ländern eine sünfzehntägige, anstatt der zehntägigen, für Provenienzen aus dem Schwarzen Meere und aus Triest eine achttägige anstatt der fünftägigen Quarantäne einzusühren.

Washington, 25. Sept. DerWashington Repu- blikan" meldet, daß der General - Postdirektor Grehsam demissioniert habe und Folger ersetzen werde.

Hessen-Nassau.

Marburg, 26. Sept. Wie uns aus Rüdesheim mit­geteilt wird, wurde gestern daselbst die Nachricht durch Extra­blatt verbreitet, daß bet günstigem Wetter die K a i s e r l i ch e n Majestäten heute auf der Reise nach Baden-Baden daS Ntederwald-Denkmal mittelst der Zahnradbahn zu besuchen beabsichtigen.

Marburg, 26. Sept. Einen für alle GeschäftS- treibende beachtenswerten Beschluß hat vor kurzem die Handelskammer in Leipzig gefaßt, nämlich dahin zu wirken, daß an Stelle des bisher üblichenHerrn" die Worte An die Firma" bei Adressierung von Postsendungen an« gewendet werden. Im Jntereffe des geschäftlichen Verkehr» ist dieser Vorschlag sehr zu empfehlen. Denn sehr ost be­reitet gerade die Adressierung Verlegenheiten und Umstände; es ließen sich dafür genug Beispiele anführen. ES käme daher dem handel- unv gewerbetreibenden Publikum die An­nahme dtefe» Vorschlags als durchaus praktisch empfohlen werden.

Kassel, 25. Sept. Die hiesige konservative Partei hat derHess. Ztg." zufolge den RegterungSrat Dr. Lotz als ReichstagSkandtdaten aufgestellt.

Kassel, 25. Sept. In der Husaren-Kaserne hat sich gestern rin Husar mit seinem Karabiner erschossen. Der­

selbe hatte seine Zeit abgedient und eS ist unbekannt, waS ihn zu dem Schritt veranlaßt hat. In Bettenhausen ist gestern mittag ein 4 jähriger Knabe unter einen Kohlenwagen ge- ratm und von demselben tot gefahren worden.

Schmalkalden, 25. Sept. Mit dem ersten ds. MtS. wurde hier das neu erbaute städtische Schlachthaus geöffnet und die Verwaltung desselben dem Tierarzt von Bochum- DolffS von der Stadtbehörde übergeben. Wie sehr so­wohl im Jntereffe de» fleischkonsumierenden Publikums, al» im Jntereffe gewissenhafter Metzger das Schlachthaus eine Wohlthat ist, mögen ander» Denkende daraus entnehmen, daß in den wenigen Wochen des Betriebs viele Fälle zu verzeichnen sind, wo Telle eines Stückes als ungenießbar konfisziert werden mußten uud am vergangenen Dienstag wurde eine Kuh geschlachtet, deren Fleisch vollkommen un­genießbar befunden und dem Wasenmeister übergeben wurde. (Tgpst.)

Eschwege, 25. Sept. Die Chronik unserer Stadt ist um einen interessanten Fall vermehrt worden, nämlich durch einen circa 4 Wochen andauernden Bierkrawall. Ein hie­siger Gastwirt hatte sich mit einem Inhaber der Dampf- bterbrauerei Bergschlößchen, Otto Brill und Komp, hier überworfen, seinen Bierbezug von dieser Brauerei eingestellt und dieses seinen Gästen damit erklärt, daß er glaube, ge­nanntes Bier wäre nicht rein, daß es möglicherweise mit Glycerin rc. versetzt sei, und das Bier zur amtlichen Unter­suchung fortschicken werde, welches dann auch auf seine Ver­anlassung durch das hiesige Bürgermeisteramt am 23./S. geschah. In ganz kurzer Zeit bildete daS allgemeine Stadt­gespräch, daß das Bier von Otto Brill und Komp, ver­fälscht sei. Die Aufregung war infolge besten unter dem biertrinkenden Publikum aus dem Grunde eine sehr große, weil gerade das Bier aus genannter Brauerei sehr beliebt ist und mancher Biertrinker versagte sich den Genuß diese« Bieres aus Angst vor üblen Folgen. Das vor einigen Tagen vom amtlichen Lebensmittel-Untersuchungsamt Mar­burg eingetroffene Resultat hat indes konstatiert, daß aus allen Zahlen der Untersuchung hervorginge, daß die Zu­sammensetzung des BlereS eine normale sei und daß hier­nach die Anwendung von Malzersatzmitteln, wie Glycerin, Stärkezucker oder sonstiger Zusätze dieser Art nicht statt­gefunden hätten. Die Befriedigung über den Ausfall ist nun ebenso allgemein als daS Bedauern, daß genannter Brauerei eine derartige Situation geschaffen worden ist. Wie man hört, haben die Inhaber der Brauerei die Unter­suchung gegen die Urheber und Verbreiter des Gerüchts eingeleitet und werden dieselben hoffentlich nicht straflos auSgehen.

Fulda, 24. Sept. Nach Ministerialverfügung vom 30. August 1884 ist auf Grund der Art. 6 des Gesetzes vom 14. Juli 1880 gestattet worden, daß in Eckerdroth im Kreise Schlüchtern eine neue Niederlassung der Genosten­schaft der Vincenttnerinnen aus dem hiesigen Mutterhause behufs Ausübung der ambulanten Krankenpflege errichtet werde. Zugleich ist der genannten Genostenschaft wider­ruflich gestattet worden, die Pflege und Unterweisung von Kindern, die sich noch nicht im schulpflichtigen Alter be­finden, in der dortselbst neu zu errichtenden Kleinkinder­bewahranstalt als Nebeuthätigkeit zu übernehmen.

Metzen, 25. Sept. Jedenfalls bei dem Versuche, der tm Ctrcu» Frankloff aufgetretenen Miß Wanda nach­zuahmen und mit dem Kopf Kunststücke zu exekutieren, ist gestern ein junges Menschenleben verloren gegangen. Ein Sattlerlehrltng probierte in einer Chaisen-Remise ein im CircuS gesehenes Kunststück, steckie den Kopf in eine Schlinge und erhängte sich hierbei. Man kann sich lebhaft den Schmerz und Schrecken der Angehörigen denken, als sie Kunde vom Geschehenen erhielten. (G. A.)

Wetzlar, 23. Sept. Ueber den unter dem Verdachte, an einer großen Wechselsälschung in Köln beteiligt gewesen zu sein, verhafteten Buchhalter berichtet derWetzlarer Anzeiger" von heute:Der am verflossenen Freitag Abend verhaftete Buchhalter Kramer ist gestern behufs genauer Feststellung seiner Persönlichkeit und Konfrontation mit dem Personal der betrogenen Bankhäuser nach Köln geführt worden. Wenn sich alle die Angaben und Verdachtsmomente, welche bisher über den Verhafteten umlaufen, als begründet erweisen sollten, so hat man es hier mit einem schon mehrfach vorbe­straften Menschen zu thun, dem es nur mittels gefälschter Zeugnisse gelungen ist, in einem angesehenen HandlnngS- hause von neuern Stellung zu finden.____________________

vermischte«.

Greifswald, 23. Sept. Auf Veranlastung des Kultusministeriums wird hier mit dem Anfänge des Winter­semesters unter Leitung dreier Ordinarien der Juristenfakultät neben dem juristischen Seminar ein Konversatorium über alle Zweige der Rechtswissenschaft ins Leben treten. Dasselbe soll tn einem 7 8 Stunden in der Woche umfastenden Jahreskursus den gesamten Lehrstoff der Jurisprudenz derart umfassen, daß die Teilnehmer fortlaufend examiniert werden und Gelegenheit zum freien Meinungsaustausch mit dem Lehrer sowie zu praktischen Uebungen erhalten. Der Sommerkursu» enthält das Pandektenrecht mit Ausschluß de» Familien- und Erbrechtes, ferner das drutfche Privat- recht und das Handelsrecht. Der Winterkursus begreift die übrigen Gebiete in sich. Jedem der Leiter fällt ein selbständiger Teil zu, so daß auch eine Beteiligung an einzelnen Fächern möglich ist. Die neue Einrichtung verfolgt den Zweck, die Teilnehmer zu ernster, fleißiger Arbeit anzuhoUev, sie daran zu gewöhnen, sich über daS Erlernte mündlich und schriftlich

auszudrückenihnen die praktische Anwendung desselben anschaulich zu machen und ihnen zunächst die Grundlage zu geben, welche für ihren praktischen Beruf wie für jede weitere und höhere wissenschaftliche Thätigkeit erforderlich ist. So wird zugleich dem verderblichen Einpaukerwesen ent­gegengearbeitet und den Wünschen entsprochen, welche von bedeutenden Juristen in der Litteratur und im Parlament vertreten werden.

Mainz, 25. Sept. Bei den hiesigen Behörden be­reiten sich eben Schritte vor, um die Fabrikation künst­licher Mineralwäster und den Handel mit solchen einer gewisten Kontrole in gesundheitlicher Hinsicht zu unter­werfen. ES soll Vorsorge getroffen werden, daß bei Her­stellung solcher Fabrikate nur gutes LeitungSwaster und unschädliche Ingredienzien verwendet werden. Die Ver­anlastung zu diesen Schritten dürfte wohl auf gewisse Vor­fälle zurückzuführen sein, welche bei den hier vorgekommenen TyphuSerkrankungen Gegenstand der amtlichen Untersuchung, wie öffentlichen Diskussion gebildet haben.

(Ein FrtedenSgeschenk.) Der Frieden»- und FreiheitSliga, welche am Sonntag in Genf versammelt war, wurde ein Pflug, geschmiedet au» den Säbeln, welche amerikanische Offiziere während de« Kampfs mit Mexiko und im Kriege mit den Südstaaten geführt hatten, zum Geschenk gemacht.______________________________

Telegraphische Depeschen.

Köln, 25. Sept. Nach Besichtigung der neuen Festungs­werke ist Se. Majestät der Kaiser heute nachmittag 4 Uhr unter enthusiastischen Kundgebungen der Bevölkerung nach Koblenz abgereist.

Koblenz, 25. Sept. Ihre Majestät die Kaiserin traf heute nachmittag 31/2 Uhr mit Gefolge hier ein und nahm im Schloß Wohnung.

Breme«, 25. Sept. Das Gerücht von einem Cholera­fall in Bremerhaven ist unbegründet; ein von Saigon an­gekommenes Schiff, auf welchem bei der Abreise vor 140 Tagen ein Cholerafall vorgekommen, hat bereits im Hasen Anker gelegt. Nach einem derWeserzeitung" mit­geteilten Telegramm aus Buenos AyreS wurde der dortige Hafen von einer furchtbaren Flutwelle heimgesucht, infolge­dessen große Ueberschwemmungen eingetreten sind. Biele Lichterfahrzeuge und Schiffe sind teils gesunken, teils schwer beschädigt.

Wik«, 25. Sept. Nach einer Meldung derPolit. Corr." aus Rom schloß sich Italien der Verwahrung der Mächte gegen die Finanzverfügung der egyptischen Re­gierung an.

Graz, 25. Sept. Der ehemalige Marine-Komman­dant, Admiral Baron Poeck, ist heute hier gestorben.

Rom, 25. Sept. Der preußische Gesandte v. Schlözer ist aus seinem Urlaube hierher zurückgekehrt.

Rom, 25. Sept. In Genua tarnen gestern 9, heute noch Meldung der Blätter 60 Cholerafälle vor.

Madrid, 25. Sept. Gestern gab in ganz Spanien 9 Choleratodesfälle.

London, 25. Sept. Aus Kapstadt wird gemeldet, eine gestern von angesehenen Einwohnern abgehaltene Ver­sammlung habe gegen die Verletzung der TranSvaal-Kon- vention, welche sich die Boern im Betschnanaland hätten zu Schulden kommen lassen, Verwahrung eingelegt, weil die­selbe für die Suprematie Englands in Südafrika von verhängnißvollen Folgen sein könne, gleichzeitig habe man sich für die Unterstützung Englands zur Behauptung der ins Innere führenden Handelsstraße ausgesprochen.

Brüssel, 25. Sept. Die liberale Assoziation hat folgenden von sämtlichen Mitgliedern des Komitees unter­zeichneten Aufruf erlassen: Da« gesetzlich verkündete Schul­gesetz muß respektiert werden. Wir werden damit den Katholiken beweisen, daß wir die faktiöse Opposition nicht nachahmen wollen, die sie bei Verkündigung de» GesetzeS vorn Jahre 1879 gemacht haben. Wir weisen mit Ent­rüstung jede Gemeinschaft mit den Personen zurück, die die herrschende Aufregung benutzen, um unter dem Rufe: eS lebe die Republik I die Grundlagen unserer nationalen In­stitutionen anzugreifen. Wir weisen die verleumderischen Behauptungen der kacholischen Presse zurück, welche für derartige Vorkommnisse die liberale Presse verantwortlich macht.

Brüssel, 25. Sept. Im Verlaufe des Tages wurden die Haussuchungen bei zur republikanischen Liga gehörigen Personen fortgesetzt.Echo du Parlement" behauptet, e» seien dabei Waffen, Munition und anarchistische Schrift­stücke gefunden worden und will von einer Entdeckung eines Komplott gegen die Sicherheit de» Staats und von Verhaftungen wissen.

Warschau, 25. Sept. Die Abreise des Kaiser» und der Kaiserin von Liubochenek erfolgt nächsten Sonnabend oder Sonntag, die Reise geht, ohne Warschau zu berühren, direkt nach Petersburg. Der Kaiser hat in den Waldungen von Liubochenek und Radziz täglich Jagden abgehalten.

Kalkutta, 25. Sept. In dem Gefängnisse tn Mandalay Hai eine Empörung der Strafgefangenen stattgefunden, die nur mit Mühe und unter Anwendung von Waffengewalt unterdrückt werden konnte. Wie e» heißt, wären dabei mehrere Hundert Strafgefangene getötet worden.

«eteorologlfche Etatton «arburg. 26 Sept., 8 Uhr nach«. varomet. 331,80. Riederschlag: . .

Therm- R. 14,3. HimmelSanficht: ziemlich he,ter.

Wiad NW.. Bemal.:

Temperatur bet Lahn .... 10 Grad R.