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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureanx vonHaasenstein unbSBoglet in Frankfurt a M., Hamburg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt e. M., Berlin, Münchenund Mn: G- L Daube und Co in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Marburg, Freitag, 26 September 1884.
XIX. Jahrgang.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie b.Annoncen-Bureaux
Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ♦ Jnvalidendank in Berlin,
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WM- Für das mit dem 1. Oktober beginnende neue Vierteljahrs - Abonnement ersuchen wir die Bestellungen auf die
Oberhesfische Zeitung
nebst wöchentlichen Beiblättern:
Amtlicher Anzeiger
für die Kreise Marburg und Kirchhain und
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Deutsches Reich.
Berlin, 24. Sept. Der „Reichsanzeiger* veröffentlicht die Verleihung des Roten Adlerordens 3. Klaffe an den Grafen Herbert von Bismarck und bringt die von oen Ministern des Innern, der öffentlichen Arbeiten, dem Handelsund dem Finanzminister auf Grunv des § 2 des Sprengstoffgesetzes erlassene Ausführungsverordnung zu diesem Gesetze. —Der „Rordd. Allg. Ztg." zufolge ist der Finanz- Minister v. Scholz von seiner schweren Erkrankung soweit wiederhergestellt, daß er gestern auf Urlaub gehen konnte, um durch die ärztlicherseits erforderlich erachtete Luftveränderung die vollständige Genesung zu erlangen. — Utber die bereits erwähnte Audienz, welcher der Kaiser am Sonntag vor seiner Abreise nach Brühl einer Arbeiter-Deputation in Benrath erteilt hat, berichtet der „Reichs- und Staats- Anzeiger* : „Se. Majestät der Kaiser hatten die Gnade, heule 12V. Uhr eine Deputation der industriellen Arbeiter des Landkreises Düsseldorf in besonderer Audienz zu empfangen. Die Deputation bestand aus drei Arbeitern resp. Meistern der größeren industriellen Etablissements des Kreises, und bezweckte den Dank der Arbeiter für die Allerhöchste Botschaft vom 15. November 1881 und die landesväterliche Fürsorge Sr. Majestät für das Wohl der Arbeiter und deren wirtschaftliche und soziale Lage auSzuspiechen, sowie eine bezügliche Adresse Sr. Majestät zu überreichen. Die Adresse, welche eine einfache, aber sehr geschmackvolle Ausstattung zeigt, trägt die Unterschriften von 3123 industriellen Arbeitern (etwa 75 Prozent der sämtlichen Industriellen Arbeiter des Kreises) und hat folgenden Wortlaut: Allerdurchlauchtigster, Großmächttgster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Die Herzen aller Bewohner des Rheinlandes sind erfüllt von dem Glücke, Ew. Majestät wiederum In ihrer Mitte begrüßen zu dürfen. Jeden drängt eS, den Jubel seines Herzens zu verkünden durch Bezeugung der größten Ehrfurcht und Liebe, durch Versicherung unerschütterlicher Treue
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Erzählung von M. Gerhardt-
Frau Werner hatte sich, während Egbert sprach, erhoben, und mechanisch ihren einfachen Anzug für die Straße ver- vollständigt. , , „
Ich danke Ihnen*, sagte sie tonlos, als Egbert geendigt. „Sie werden noch von mir hören. Jetzt muß ich fort.*
,Jch begleite Sie,' erwiderte er rasch. „Sie wollen Fräulein Else aufsuchen, nicht wahr?'
Einen Versuch machen wenigsten-.
Sie verschloß dir Stubenthür und stieg, von dem Jüngling begleitet, ohne ein weiteres Wort die Treppen hinab. An der nächsten Ecke blieb sie stehen.
„ES Ist nutzlos, daß wir Beide den nämlichen Weg machen. Gehen Sie —' sie nannte ihm die Reihe der Straßen und bezeichnete einen Punkt, wo man sich treffen wollte, auch wenn Else gefunden würde, und den Zeitpunkt, bis zu welchem eins auf das andre zu warten hätte, all das mit scharfsinniger Berechnung der Wahrscheinlichkeiten, die Else in die Irre geführt, und so rasch un° entschlossen, al- hätte die Besorgnis ihre Geisteskräfte erhöht, anstatt sie zu beeinträchtigen.
Schneller als er gedacht traf Egbert, gehorsam die gegebenen Weisungen befolgend, auf dem bezeichneten Punkt mit Frau Werner zusammen. Keines von Beiden hatte Else gefunden.
Ich habe nichts anderes erwartet,* sagte Frau Werner gefaßt „ES hätte ein seltener Zufall sein müssen, der von hundert Möglichkeiten grade die eine« Zusammentreffen- am
und tiefster Unterthänigkeit. Wenn wir, die Arbeiter des Landkreises Düsseldorf, eS wagen, hervorzutreten und Ew. Majestät unseren ehrfurchtsvollsten Gruß zu Füßen zu legen, so treibt uns dazu das Gefühl, daß von den Arbeitern unS, als Mitbewohnern des Kreises, in welchem Ew. Majestät jetzt weilen, die Pflicht obliegt, aus tiefstem Herzen den innigsten Dank für da- große Wohlwollen und dir ernste landesväterliche Fürsorge zu sagen, welche Ew. Majestät zu aller Zeit dem Arbeiterstande gewidmet haben, und von welcher die neuen durch Ew. Majestät Höchsteigenes persönliches Eintreten veranlaßten und inS Leben gerufenen Schöpfungen, das Krankenkassengesetz und die Unfallversicherung, unS wieder den glänzendsten Beweis geben. Der Liebe zu unserem Königlichen Herrn, dem Stolz auf unseren Kaiser, ist das volle Vertrauen auf den Vater des Vaterlandes hinzugesellt, und wenn wir in rauher Arbeit um das Dasein ringen, giebt unS dieses Vertrauen die Kraft und den freudigen Willersmut! Reicheren Lohn, als unsere tiefgefühlten Worte des Dankes, mögen Ew. Majestät dir DankeSthränen der Kranken, die segenflehenden Gebete der Witwen und Waisen gewähren! Gott möge noch lange Jahre Ew. Majestät In ungetrübter Gesundheit dem Königlichen Hause und dem Vaterlande erhalten, uns allen einen geliebten, hochverehrten Kaiser, König und Herrn, uns Arbeitern einen alle Zeit fürsorgenden Vater! (Folgen 3123 Unterschriften.) Se. Majestät waren ersichtlich freudig bewegt durch den Ihm ausgesprochenen Dank der Arbeiter und erwiderten darauf ungefähr folgendes: ES sei dem Monarchen nicht immer vergönnt, Dank zu ernten für seine Bestrebungen zum Wohle des Volkes, um so mehr freue eS Ihn, heute einem solchen Dank zu begegnen aus einem Stande, dem Er in gegenwärtiger Zeit Seine ganz besondere Fürsorge widme, und für dessen Wohl durch die Gesetzgebung schon wichtiges geschehen sei. Er freue Sich auch darüber, daß man anscheinend mit dem eingeschlagenen Wege zufrieden sei. Allen könne auch Er freilich eö nicht recht machen. Se. Majestät unterhielten Sich dann noch längere Zeit mit den einzelnen Mitgliedern der Deputation über ihre persönlichen Verhältnisse, über die Etablissements, in welchen sie beschäftigt seien, erkundigte Sich nach der Lage der betreffenden Industrie, für deren Gedeihen Er das beste hoffe und wünsche. Se. Majestät wieö auch darauf hin, wir Er vor etwa 40 Jahren kurz nach dem Bau der Eisenbahn Oberhausen gesehen, damals noch ein Bahnhof und ein paar Häuser, jetzt eine über 15000 Einwohner zählende Stadt, und wie die rheinisch-westfälische Industrie überhaupt einen so hohen und erfreulichen Aufschwung genommen habe. Zum Schluffe der Audienz reichten Se. Majestät unter wiederholtem Ausdruck Seiner Freude über das Erscheinen und den Zweck der Deputation den einzelnen Mitgliedern derselben huldreichst die Hand.* — Die „Rordd. Allg. Ztg." konstatiert mit Genugthuung, daß der Protest der Großmächte gegen daö eigenmächtige Vorgehen Eng-
rechten Ort und zur rechten Stunde herbeiführte. Dessenungeachtet — wir muffen unsere Nachforschungen weiter auScehnen. Es wird spät; Angst und Unerfahrenheit können Else in schlimme Lage gebracht haben; wir dürfen nichts unversucht lassen, sie daraus zu befreien. Ich will den Park durchstreifen — gehen Sie durch die entlegneren Stadtteile zurück. In dm Hauptstraßen wird meiner Tochter keine Gefahr begegnen, falls sie sich inzwischen zurechtfinden sollte.*
„Sir dürfen nicht so spät allein durch den Park, es treibt sich zuweilen Gesindel dort herum,* wandte Egbert dringend ein. „Lasten Sie mich diesen Weg nehmen.'
„Nein, das kommt mir zu,' entschied Frau Werner. „Was mir zustoßen könnte, kann nicht In Betracht kommen,' fügte sie achselzuckend hinzu. „Wir treffen uns vor meiner Wohnung.*
Ohne ein Zeichen von Ermüdung oder Entmutigung schritt sie rasch vorwärts und Egbert schlug die entgegengesetzte Richtung ein, erfüllt von unwillkürlich ausstetgender ehrfurchtsvoller Bewunderung dieser Frau, die keine weibliche Schwäche zu kennen schien, und voll innerer Befriedigung, daß sie seinen Beistand wie etwas Selbstverständliches annahm.
Es war bereits dunkel, al- er nach langem vergeblichem Strelfzug, müde und in Schweiß gebadet vor dem Hanse der Fran Werner anlangte. Die Fenster ihrer Wohnung waren dunkel; also war weder sie noch Else zurückgekehrt. Er stieg die Treppen hinauf, um sich volle Gewißheit zu verschaffen und läutete an der Thür; aber sie blieb verschlossen.
Zum ersten mal in seinem Leben fühlte Egbert einen
landS in der egyplischen Finanzftage auf die öffentliche Meinung Englands doch Eindruck gemacht habe. Gegenüber der Ausführung der „Times*, die jüngste Finanzkonferenz gleiche der Stambuler Konferenz vor der Beschießung Alexandriens, in beiden Fällen- wünschte England einen europäischen Auftrag, in beiden Fällen wurde derselbe verweigert, wenn Europa die Britten auch der eigenen Verantwortung nicht enthob, habe es ihnen doch Freiheit in Behandlung der egyplischen Angelegenheiten billig zuge- standen, bemerkt das Blatt des Reichskanzlers: „Glaubt das Cityblatt wirklich, die von ihm für England in Anspruch genommene Freiheit in Behandlung egyptischer Angelegenheiten schließe das Privilegium ein, sich in souveräner Nichtachtung über vertragsmäßige Abmachungen Hinwegsetzen zu dürfen?"
— Unter der Ueberschrift: „Frankreich, Bismarck und die Bondsbesitzer' schreibt die „Pall Mall Gazette*: „ Der Kollektiv Protest, welchen Deutschland, Oesterreich und Frankreich Rubar Pascha behändigt haben, erinnert unS zeitig genug daran, daß wir in unseren Anstrengungen, die egyplischen Finanzen auf eine gesunde Basis zu stellen, nur auf spärliche Unterstützung seitens unserer Nachbarn rechnen dürfen. Der längere Besuch, welchen Fürst BiSmarck dem französischen Botschafter in Berlin am Sonnabend abstattete, bildet ein ferneres Anzeichen — wenn wir eines solchen noch bedürfen — daß der Pfad der Pflicht in Egypten für uns nicht von denjenigen geebnet werden wird, die wir in der Konferenz beleidigt haben. Dies dürften wir indes erwartet haben... Ob der Protest der Mächte mehr bedeutet, als einen bloßen Protest, hängt davon ab, ob wir mehr beabsichtigen, als einen bloßen Akt von Bankerott... Fürst Bismarck dürfte argumentieren, daß, so lange diese egyptische Frage offen gehalten wird, eine beständige Kriegsgefahr besteht und er dürfte sehr vernünftig, von feinem Gesichtspunkte auS, sie geschloffen zu sehen wünschen. Entweder ist England verantwortlich für die Regierung, für die Finanzen und für den Frieden Egyptens, ober es ist es nicht. Wenn es ist, dürfte Fürst Bismarck sagen: „ES ist Zeit, daß England sich erkläre. Wenn es nicht verantwortlich ist, mache eS lieber einer anderen Macht Platz, die offen die Verantwortlichkeit übernehmen will und sage uns, woran wir sind." Wir wissen nicht, ob dies seine Politik ist; es ist aber eine sehr wahrscheinliche und eine sehr vernünftige Politik. Wenn eö sich so verhält, dann müssen wir natürlich erwarten, daß er sich Frankreichs dazu bedient, unS zu einer Entscheidung zu zwingen und unter dieser Voraussetzung würde er selbstverständlich sich allen Protesten Frankreichs anschließen, bis diese Proteste uns zur Annahme der Verantwortlichkeit treiben, die zu umgehen unsere Regierung beständig bestrebt gewesen ist. Alsdann dürfen wir er, warten, daß er seine Opposition aufgiebt, denn er würdx beide seine Ziele erreicht haben. Ec würde die egyptische
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Sturm von Besorgnis und Selbstvorwürfen, die ihn in fieberhafte Aufregung versetzten und ihm alle möglichen Schrecknisse vorspiegelten, denen die beiden Frauen auf ihrer einsamen Wanderung ausgesetzt fein könnten. Hafte er doch keinen Begriff davon, zu welchem Grad furchtloser Selbstständigkeit die bittere Notwendigkeit auch Frauen zwingen kann.
Ruhelos wanderte et vor dem Haufe auf und nieder und ein freudiger Schreck durchzuckte ihn, als er endlich beim Umdrehen Frau Werner sah, die kraftlos und dem Zusammenbrechen nahe am Thürpsosten lehnte.
„Gott sei Dank, daß Sie da sind!* rief er aus vollem Herzen. „Ich habe fast mehr Angst um Sie ausgestanden als um Fräulein Else. Aber was nun? — Heimgekehrt ist sie nicht.'
„Nein*, bestätigte Frau Werner tonlos. „Wir müssen die Polizei aufbieten. Wollen Sie mich auf da- Büreau begleiten?*
Sie war schon unterwegs und jetzt nahm ste unaufgefordert den Arm Egberts und lehnte sich auf ihn, und wieder war er erstaunt über die Klarheit und Umsicht, mit der ste auf dem Polizeibürean, trotz ihrer sichtlichen großen Erschöpfung jeden notwendigen Nachweis gab, über die Furchtlosigkeit, mit der sie die schrecklichsten Möglichkeiten ins Auge faßte und zweckmäßige Schritte in Vorschlag brachte, ehe die Polizeibeamten selbst daran gedacht hatten.
„Und was kann ich jetzt thun?' fragte Egbert, als sie sich wieder dem Haufe näherten. „Wo soll ich ste suchen? — Sagen Sie es mit, denn ich bin ratlos *
„Wir suchen nicht weiter;* entschied Frau Werner. „Wir haben gelhan, was in unserer Macht stand. Else