Einzelbild herunterladen
 

Nr. 207

Marburg, Mittwoch, 3 September 1884.

XIX. Jahrgang

Itllllg

14.

; FW

i

urg.

)U )1 )24 )3 )U

)21

>8i n )8% )2V

Mitte le a. 6, M«r

st 1881 ster:

ieiö ebinbai

teitgB l. Dc- [3363

Stammes gekommen, dessen Lieblingsspeise Menschenfleisch ist, in das Gebiet deö Stammes der PapapüpaS. Ich kannte diese schwarzen Teufel schon, ich hatte einmal bei einer früheren Reise den großen Angriff auf ihre Haupt­stadt PopopLpa mitgemacht. DaS war ein furchtbares Gemetzel, fage ich Ihnen! Der König PapopLpo wollte uns nicht durchziehen lasten, weil die Königin Popapüpa Appetit auf unser zartes Fleisch und unsere Uhren hatte. Wir siegten natürlich, doch ich allein war der Ueberlebende, alle Anderen neben mir und vor mir waren gefallen und ich zog mich tapfer zurück nach diesem blutigen Angriff auf PopopLpa. Die PapapöpaS hatten meiner Büchse den NamenRnvera* und der Keule, die ich für den Notfall mit­genommen hatte, den NamenRudirallala* gegeben. Ich will daS nur kurz hier erwähnen.

Wir kamen also wieder in daS Land der PapapöpaS und da ich ihre furchtbare Grausamkeit und Rachelust kannte, war ich bei Tag und Nacht wach und auf der Hut. Aber da ich meine Aufmerksamkeit mehr auf die Ufer als auf den Cvngo richtete, stießen wir plötzlich auf einen, unter dem Wasterspiegel befindlichen Felsen, der Dampfer brach mitten ourch und wir ertranken, da« heißt nur meine drei Begleiter, ich schwamm ohne Beschwerde die paar lumpi­gen Meilen bis zum Ufer und sah mich nun hier in einem Hain von Dumpalmen.

Jetzt kommt erst die eigentliche Geschichte! Lachen Sie nicht, meine Herren, es ist ein furchtbarer Ernst! Es war meine elfte Congoretse, aber von dieser wäre ich fast nicht mehr zurückgekommen. AIS ich nämlich aufsehe, steht drei Schritte vor mir ein baumlanger schwarzer Kerl! Aha, dachte ich sofort, daS ist PapopLpo! Jetzt kommt eS zur Abrechnung von wegen PvpopLpo! Aber ein Mann wie ich, der niemals an einer Retirade teilnahm, der sich mit bei dem großen Angriff auf PopopLpa befand, fürchtet sich

man häufig den Papyrus an, so daß es einem auch nicht an Papier zum Schreiben und Einwickeln fehlt. In finste­ren Nächten kann man sich mit der Oelpalme helfen. Und daS ist was für unseren Apotheker hier neben mir SenneSblätter sind auch da in Hülle und Fülle, auch Indigo, auch Zuckerrohr, wenn man den Kaffee nicht bitter trinken will. Mit dem Fleisch ist es auch nicht so schlimm, bet allen Stimmen trifft man Rindvieh an, auch Schafe und Kameele, man kann da gar nicht verderben, ebensowenig wie bei aus meine Herren, Sie glauben es nicht, aber Ochsen und Schafe giebt es überall. Was aber die Insek­ten betrifft hören Sie, die Termiten sind schlecht, aber die Tsetsefliege na, meine Herren, nehmen Sie ja mit den Wanzen vorlieb, die Wanzen sind arme Waisenkinder gegen die Tsetsefliegen! Kreuzbombenelcment, Ich hatte ein­mal einen Stich fort, aber das war eine Wunde wie von einem Dolchstoß I Scherz bet Seite, meine Herren, Sie wistea, ich übertreibe nie! Ich wollte Ihnen ja aber von meiner Coogofahrt erzählen. Hören Sie, das war eine Reise! Immerfort diese Stromschnellen, diese Felsen! Wir kamen endlich zu einer Stelle, da ging es gar nicht mehr weiter, wir mußten das Schiff aus dem Wasser nehmen und tragen.*

Sie waren doch aber allein, Herr Baron, sagten Sie vorhin,* wandte der Herr Kämmerer Pipenhagen ein.

Ja so! da habe ich wohl ganz zu erwähnen vergestm, daß sich drei Männer zu wir gefunden hatten, die mitreisten! Wir trugen also da» Schiff am Ufer so wett hin, bis die Stromschnellen ein Ende hatten, vier Mann nur waren wir, aber Kerle sage ich Ihnen, Kerle wie ich, von denen immer nur einer auf die Mandel geht! Wir vier Männer trugen den Dampfer solange, bi- die gefährlichen Stellen vorüber waren, dann ließen wir ihn wieder sachte in den Congo gleiten und setzten unsere Reste fort.

Wir »arm da mittler» die in daö Gebiet «ine- wüden

Wie es mir am Congo erging.

Von W. Baron von Löwenmaul, Oberst a. D *).

Meine Herren, Scherz bei Seite, Sie wissen, ich über­treibe nie aber das ist noch garnichts, waö Sie da von den Greuelthateu des Mahdi erzählen! Wir fitzen hier ge­mütlich am Stammtisch imRautenkcanz* bet einander da sollen Sie mal erst am Stammtisch der PapapöpaS gesessen haben!

Sie wiffen, daß ich mit der Erste war, welcher größere Reisen in das Innere Afrikas von der Westküste aus unter­nahm, um das Congozebiet aukzusuchen, jetzt ist das ja etwas Alltägliches de Brazza lag damals noch in den Windeln. Ich hatte mich vortrefflich ausgerüstet und nahm, als ich meine elfte große Entdeckungsreise antrat, nicht einmal eine schwarze oder eine weiße Leibwache mit, garnichts, absolut garnichts!

Ich war auf meinem kleinen Dampfer den Congo einige Hundert Meilen htnausgefahren und hatte unterwegs zahl­reiche Kämpfe mit schwarzen Stämmen zu bestehen. Die Kerle überschütteten einen ordenllich mit Höflichkeiten meinen Sie Gott bewahre! mit vergifteten Pfeilen, aber ich war daran schon gewöhnt. Ein Mann wie ich, meine Herren, der nie in seinem Leben an einer Retirade tellnahm, der sich mit bei dem großen Angriff auf PopopLpa befand, ein solcher Mann kennt überhaupt keine Furcht!

UebrigenS daS Beste bei den Reisen in den zu Koloni­sationszwecken ins Auge gefaßten Ländern Afrikas ist eS noch, daß man wenigstens überall den Affenbrodbaum und den Butterbaum antrifft, hat man einmal nicht gleich Mais, Bananen und Maniok bei der Hand, so hat man doch wenigstens immer Butter und Brod. Im Waffer trifft

*) AuS dem Familien-Journal »Der Stern.* Man beliebe die in heutiger Nummer enthaltene Annonce, daS Familien-Jour­nalDer Stern* betreffend, zu lesen.

Der Krieg in China.

Der erste Teil der französischen Flottenoperationen an der Küste Chinas kann jetzt als beendigt betrachtet werden, da die sämtlichen chinesischen Forts am Mingfluffe von den Franzosen zerstört worden sind und ebenso die auf ihm be­findliche Kriegsflotte der Chinesen vernichtet wordm ist. In Paris feiert man die Erfolge des Admirals Courbet in der den Franzosen eigentümlichen überschwenglichen Manier und stellt seine Leistungen sogar denen der Unionsflotte unter Asmiral Farragut während des amerikanischen Bürger­krieges gleich. Nun, Ehre, wem Ehre gebührt; der fran­zösische Admiral hat in wenigen Tagen ja ganz Respekt- volleS geleistet und eS ist daher begreiflich, daß man in Frankreich feine Thaten als einen glänzenden Beweis der Tüchtigkeit der französischen Kriegsmarine feiert, und die France* meint sogar, die Operation CourbetS sei die er­staunlichste Waffenthat, welche unter gleichen Umständen seit einem halben Jahrhundert vollbracht worden sei. So erstaunlich sind aber die Leistungen der französischen Flotte denn doch wohl nicht Erstlich waren die Mehrzahl der zerstörten chinesischen Kriegsschiffe hölzerne Dschonken, also armierte Küstenfahrzeuge, die durch wenige wohlgezielte Kugeln aus den schweren französischen Schiffskanonen in den Grund gebohrt wurden und dann waren auch die Be­festigungen der Chinesen am Mingfluffe nicht den modernen Anforderungen auf Widerstandskraft entsprechend, trotz ihrer Armierung mit Kruppschen Geschützen, denn sonst wäre die Affaire doch nicht so glatt für die französischen Schiffe ver­laufen.

Jndeffen, vorläufig ist durch den Verlauf der Ope­rationen am Mingfluß den Chinesen doch ihre Inferiorität zur See gegenüber den Franzosen deutlich ad oculos demon­striert worden und eS fragt sich nur, welchen Eindruck diese Thatsache auf die leitenden Staatsmänner des himmlischen Reiches der Mitte machen wird. Da scheint es denn nicht, als ob die Chinesen durch alle ihre Mißerfolge, als welche sich die Zerstörung ihres HauptkrtegShafenS Foutchou, dec Forts am Mingfluffe, die Vernichtung des größten Teiles ihrer Flotte, vielen Kriegsmaterials und schließlich der Verlust einiger Tausend Mann entschieden Herausstellen, entmutigt worden wären. Im Gegenteil deuten verschiedene Anzeichen darauf hin, daß man chinestschersettS nunmehr den Krieg zu Lande um so energischer fortzuführen gedenkt. In den letzten Tagen haben verschiedene wichtige Veränderungen in den höheren Kommandostellen der chinesischen Armee statt­gesunden und heißt es ferner, daß ein chinesisches Heer von angeblich 80000 Mann auf dem Marsche nach Tonktng sei, um hier den Franzosen den GarauS zu machen. Nach den fragwürdigen Leistungen der chinesischen Truppen in den Kämpfen zwischen den Schwarzflaggen und den Fran-

Monarchen-Zusammcnkunft auf nicht-russischem Boden vor sich ginge. Der Berliner Korrespondent desStandard* schreibt seinem Blatte unterm 29. v. MtS.:Ich werde unterrichtet, daß Fürst Bismarck anfangs nächster Woche in Berlin eintreffen wird, um den Kaiser zu den Kaiser­lichen Rendezvous zu begleiten. Mit Bezug auf den jüngsten Besuch deS Grafen Kalnoky in Varzin heißt eS, daß er und der Kanzler sich über die Notwendigkeit ver­ständigten, eine neue internationale Konferenz einzuberufen, welche das Werk verrichten soll, das in London unverrich­tet gelaffen wurde. Es wird folglich erwartet, daß Oester­reich und Deutschland in kurzem Pourparlers über den Gegenstand mit den übrigen Mächten eröffnen werden. Sollte das Ergebnis ermunternd sein, wird in dem Erlaß einer amtlichen Einladung an die verschiedenen Regierungen, Bevollmächtigte nach Berlin zu senden, wenig Verzug ent­stehen. Die Zustimmung Rußlands, Italiens und Frank­reichs wird als gewiß betrachtet, während die Englands als etwas zweifelhaft gilt. Die Gegenstände, welche der Kon­ferenz unterbreitet werden dürften, sind drei an Zahl, und zwar erstens egyptische Angelegenheiten, sanitäre und finan­zielle; zweitens die Kolonisterungssrage, insbesondere was den neuen Kongostaat anbelangt; und drittens eine ver­einigte internationale Aktion gegen die Anarchisten. Man erwartet, daß die drei Kanzler während der Kaiserzusammen­kunst stch bestreben werden, zu einer vollkommenen Ver- stänvigung über diese Fragen zu gelangen.* Die dem- nächstige Entsendung einer Gesandtschaft an den Hof des Schah von Persien ruft die Erinnerung an die frühere Gesandtschaft wieder wach, die schon einmal im Jahre 1859 von Preußen dorthin geschickt wurde. Nachdem Preußen 1857 für sich und die Staaten deö Zollvereins einen Freund- schaftS- und Handelsvertrag mit Persien geschloffen hatte, wurde im Dezember 1859 eine Gffandtschaft nach Teheran geschickt, welcher der Freiherr Jul. v. Minutoli Vorstand, der in den MSrztagen von 1848 als Polizeipräsident von Berlin vergebliche Versuche gemacht hatte, zwischen der Re­volution und dem Königtum zu vermitteln. Beigegeben war der Militär - Attache Grolmann und auch damals schon der Berliner Privatdozent der Altertumskunde Dr. Heinrich Brugsch. Die Expedition ging nach Teheran und machte dann eine siebenmonatliche Rundreise durch Persien, worauf Minutoli im November 1860 in der Nähe von Schiraz dem Klima erlag. Die übrigen Mit­glieder wurden im Frühjahr 1861 zurückberufen. Seitdem bestand ketcie diplomatische regelmäßige Verbindung zwischen beiden Staaten; auch zwischen dem Deutschen Reiche und Persien hat sie bisher nicht bestanden. Letzteres unterhielt eine solche bis vor wenigen Jahren nur mit England, Frank­reich, Rußland, Belgien und der Türkei. Neben vem for-

DeutscheS Reich.

Berit«, 1. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute vormittags von Babelsberg nach Berlin über- gestedelt. Der Kaiser arbeitete mit dem Geh. Rat von Wilmowski und empfing den aus Petersburg von den Manövern zurückgekehrten General von LeSczinski. Um 5 Uhr findet im kaiserlichen Palais kleine Famtltentafel statt, woran auch Prinz Arnulf von Bayern teilnimmt. Die Nachricht, daß Kaiser Wilhelm persönlich der angeblich geplanten Dreikaiserzusammenkunft beiwohnen sollte, wird demDeutschen Montagsblatt* vonguter Seite* als sehr unwahrscheinlich bezeichnet, um so unwahrscheinlicher, wenn die Monarchen-Zusammenkunft auf russischem Boden beab­sichtigt wäre. Allerdings würde in russischen Kreisen schon auS politischen Gründen außerordentlich viel Wert darauf gelegt werden, daß Kaiser Wilhelm als hochgeehrter Gast die russische Grenze überschritte. Aber sowohl Rücksichten auf die Beschwerlichkeiten der Reise, als auch der Wunsch, die Tüchtigkeit der russischen Polizei nicht über die Maßen auf die Probe zu stellen, begründen die gerechtfertigte Aus­sicht, daß Kaiser Wilhelm im Kreise der Seinigen bleibt und einer eventuellen Zusammenkunft der Kaiser Alexander und Franz Josef nur im Geiste als Dritter beiwohnt. Ein anderes Gesicht gewänne freilich die Sache, wenn die

i ßitt ielei« M f itbirxi vuM Pf.

8861 iBmittd ur W .. sofoli |3 1.1 ung w ig lost ,70|

toi

101 10Ä ti

77 ss

zosen zu urteilen, hat jedoch diese Diversion der Chinesen für ihre französischen Gegner nicht viel Gefahrdrohendes an sich und überdies verbietet die in Tonking jetzt herrscbende heiße Witterung den Chinesen wie den Franzosen jede größere Operation von selbst. Der Schwerpunkt der kriegerischen Attionen wird daher nach wie vor an der chinesischen Küste liegen und hier ist die Ueberlegenheit Frankreichs so schlagend zutage getreten, daß man sich nur wundern muß, wie die Chinesen immer noch diesem Faktum keine Rechnung tragen.

Nun, die Franzosen können eS offenbar abwarten, bis den Staatsmännern in Peking eine bessere Einsicht dämmert und die Meldung erscheint daher sehr glaubwürdig, daß erstere beabsichtigen, die Inseln Formosa und Hainan als Faustpfand* zu besetzen und im übrigen mit ihrer Flotte eine abwartende Haltung anzunehmen, nachdem die Zer­störung des Arsenals von Foutchou, der Forts am Ming­fluß und ihrer Flotte den Chinesen den Ernst der Situation gezeigt. Vielleicht wird es China dann doch klar, wie wenig Chancen es trotz seiner 400 Millionen Bewohner im Kampfe mit einer kriegerischen Nation hat, welche seit Jahrhunderten auf allen europäischen Schlachtfeldern ihre Tüchtigkeit er­wiesen, die daneben mit einer Flotte ausgerüstet ist, welche an Bedeutung fast derjenigen Englands gleichkommt und von deren Leistungsfähigkeit China soeben einige sehr ein­dringliche Beweise erhalten hat.

Anrrigrn nimmt entgegen: bie Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein unbSBogler in Frankfurt a M., Ham­burg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, Münchenund Mn: @. L. Daube und Eo. m Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

Anzeigen! nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt o. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,)Huftrtrte6 Sonntagsblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

i3 rA

9'.

9 11*

N«Ä H-. 1 $otir$l - W Mtek ',99^ geweitz

>en. tz 10^ .

ung t

'Wit nnbrch übet it

inbe 5

Fch auStvkif >eik tti entattE oder K| iden. itt nbert, ab, f-Nts wert, gegcki - Föch mBms ebhabki