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scheuen, denn sonst war cS nicht möglich, den gehetzten Hirsch im Auge zu behalten.

In solchen Jagdturnieren war aber der ritterliche König Heinrich in jenen Jahren seines Lebens noch Meister und fast keiner seiner Eveln verstand cS ihm zuvorzuthun, wenn der König auf seinem feurigen Schimmelhengst dahin­brauste, den flüchtigen Hirsch zu ereilen.

Heute hielt König Heinrich mit seinem Gefolge auf einer kleinen Anhöhe und wartete dort, bis die Jäger aus dem nahen Walde einen Hirsch heraus in die freie Ebene getrieben hatten, wo allein die Jagd erfolgreich aufgenommen werden konnte.

Schon vor einer halben Stunde waren die Leibjäger des Königs mit ihren Spürhunden im Walde verschwunden, aber noch immer verkündete kein Ruf, kein Anschlägen der Hunde, daß die Jäger ein Wild aufgespürt hattm und be­müht waren, dasselbe aus dem Walde zu treiben. König Heinrich wurde daher ungeduldig und zeigte große Lust, sich mit seinem Jagdgefolge selbst in den Wald zu begeben und einen Hirsch aufzuspüren; aber Lord Caffolk und einige andere Herren des Gefolges hielten den König von der Aus­führung dieses Borhabens noch ab, indem sie ihm vorstell­ten, daß jeden Augenblick die Jäger mit der Mente aus dem Walde brechen und das erwünschte Jagdtter auf daS freie Feld hetzen könnten. Heinrich willigte in noch länge­res Warten ein, obwohl sein feuriger Hengst den Bode» stampfte und alle Anzeichen seiner Ungeduld kundgab.

Da endlich erklangen in lang verhaltenen Tönen die Hörner der Jäger im Walde und die Hunde schlugen in überlautem Gebell an zum untrüglichen Zeichen, daß daS Wlld aufgeschrucht war und die Hetzjagd begonnen hatte.

(Aottsetzmrg folgt.)

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Marburg, Sonntag, 17. Angust 1884.

XIX. Jahrgang.

die Ernteerträge wurden dadurch nicht vermehrt. Nicht bloß .

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muß, wie für Arbeitslöhne muß der Landmann oft mehr als zwei- und dreifach höhere Preise zahlen als früher. Auch die Güterpreise stiegen aufs Doppelte und Dreifache, aber die hohen Güterpreise nützen dem Landmann nichts; denn er will ja nicht feine Aecker, sondern seine Produkte verkaufen, ste schaden ihm sogar, weil sie seine Verschuldung bei Erbschaftsteilungen mehren und ihn verleiten, die Güter mit immer mehr Schulden zu belasten, zu deren ZtnS-

kosten, die der Landmann auf die Erzielung seiner Ernten verwenden muß. Da aber die Getreidepreise nicht stiegen, sondern sanken, so drückten die hohen Summen, die er in sein Arbeitsvieh und seinen Dünger stecken mußte, seinen Gewinn noch mehr herab. Der Landmaim verbraucht jetzt in seinen Arbeitstieren wie in den teuren Fahr-, Acker- und WirtschaftSgeräten mehr als doppelt und dreimal so viel als in früherer Zeit. Dazu kam dann im Laufe der letzten Jahrzehnte seit Einführung der parlamentarischen Einrich­tungen die große Steigerung der Steuern für Staat, Ge­meinden, Kreise und Provinzen, welche alle vorzugsweise den Grund-, Häuser- und Gewerbebesttz in doppelter und dreifacher Welse belasten, während der Kapitalbesitz kaum einfach besteuert ist.

Daß die Lage der Landwirtschaft eine immer schwierigere und ungünstigere werden mußte, liegt auf der Hand. Er brauchte immer mehr Gelv und die höheren Güterwerte, sowie die Wucherfreiheit machten ihm die Kaffen des Geld- besttzes leichter zugänglich aber dadurch wuchs denn auch seine Verschuldung in immer größerer Progresston. Je größer die Güter, desto höher stieg die Verschuldung, wenn nicht durch industrielle Nebenbetriebe, wie Zucker-, Stärke-, Spiritus- und Backstein-Fabriken oder durch Ge­müsebau in der Nähe großer Städte die Lage etwas ge- beffert wurde.

Man vergegenwärtige sich nun die große Belastung der deutschen Landwirtschaft durch Schulden, Steuern, durch hohe Produktionskosten infolge der ungeheuren Verteuerung alles dessen, was der Landmann kaufen muß und ver­gleiche damit die freihändlerische Zumutung, der deutsche Landmann solle die Konkurrenz aushalten mit der Land­wirtschaft Rußlands, Ungarns und Amerikas, die unter ungleich günstigeren Verhältnissen produzieren, welche Kon­kurrenz ihm der Freihandel und seine Einfuhr ausländischer Produkte auf den Hals ladet. Jedes Kind sieht ein, daß man dadurch der deutschen Landwirtschaft Unmögliches zu­mutet, wobei ste zu Grunde gehen muß. Die Freihändler kommen immer mit ihrem Gemeinplatz: man müsse dem Volke für möglichst billiges Brot und Fleisch sorgen und das geschehe durch die freie Einfuhr von Getreide und Schlachtvieh aus dem AuSlande. Die seit 1878 mit den Getreide- und Biehzöllen gemachte Erfahrung hat bewiesen, daß dieser Vorwand falsch ist. Der Freihandel ist ledig­lich den Händlern und dem AuSlande zu gute gekommen, aber nicht dem deutschen Volke; denn gerade in der Frei­handels-Periode stiegen die Brot-, Fleisch- und sonstigen LebcnSmiitelpreise, ohne daß der Landmann einen ent­sprechenden Vorteil davon hatte, während sie seit Einführung des Schutzzolls nicht gestiegen sind. Aber selbst wenn an diesem Vorwand etwas Wahres wäre, so steht dem gegen­über die zwingende Notwendigkeit, daß der Staat dafür zu sorgen hat, daß die deutsche Landwirtschaft nicht zu Grunde geht, sondern gedeiht, daß sie nicht im Drucke der

Schulden und sonstiger Belastung verarmt, sondern daß in ihr ein allgemeiner Wohlstand sich ausbreite und befestige. Denn der Wohlstand der Landwirtschaft ist die Grund- läge des Wohlstandes der Natton. Wenn die Industrie und das Gewerbe nicht mehr an der großen landwirtschaft­lichen Bevölkerung einen konsum- und zahlungsfähigen Käufer ihrer Produkte hat, dann kann auch ste auf die Dauer nicht gedeihen. Das kann höchstens eine Industrie, wie z. B. die Konfektionsbranche, welche vorzugsweise für den Export arbeitet und der es dann freilich angenehm ist, je mehr arme Leute es giebt, die mit jedem Arbeitslohn für- lieb nehmen müffen, nm nur das nackte Leben zu fristen.

die Waren, Werkzeuge und Arbeitsmittel, sondern auch Vieh, Pferve und Rindvieh, welche der Landmann zur stellung seiner Güter bedarf, stiegen ebenso im Preise, das Heu und St» oh, welches er zur Fütterung und Düngung seiner F.lder bedarf, well ihre Einfuhr aus

Unter diesen bangen Erwartungen und unter mancherlei Sorgen und Kämpfen an der Seite ihres Gemahles ver­flossen für Anna die nächsten Monate, der Sommer des Jahres 1533 neigte sich seinem Ende entgegen und die herbstliche Zeit kam heran, wo König Heinrich mit seinen Herren gern auf die Hirschjagd oder die Fasanenjagd zog.

Gern sah König Heinrich auch stolze Damen hoch zu Roß in seinem Jagdgefolge und am liebsten seine anmutige junge Gemahlin, die es so vorzüglich verstand, ihm den Unmut von der Stirn zu treiben, an seiner Seite; aber die Königin durfte wegen ihres Zustandes jetzt an keiner Jagd teilnehmen, sie blieb zu Hause, um ihre Kräfte und ihre Gesundheit zu schonen und König Heinrich zog mit seinem Gefolge allein in die Wälder und auf die weiten herbst­lichen Triften, wo sich da« Wild aufhielt.

ES war an einem herrlichen Septembertage, wo die Luft und der Horizont weit, weit hin klar und heiter im Lichte der Sonnenstrahlen erglänzten, ohne daß dabei die tropische Hitze der Sommertage sich zeigte, an welchem König Heinrich nach herzlichem Abschiede von seiner Ge­mahlin wiederum mit seinem Gefolge zu Pferde hinauSzog, um daS herrliche Waidwerk zu pflegen.

Nach der Sitte der damaligen Zeit fanden in der Regel Hetzjagden statt, bei denen das weit durch Wald und Fluren unter Jägerrufen und Hörnerklängen dahingejagte Wild endlich von dem vordersten Jäger erreicht und mit dem Spieße erlegt wurde. Bet einer solchen Jagd galt es große Fertigkeit in ritterlichen Uebungen zu zeigen, so schnell wie der fliehende Hirsch auf flinkem Rosse über Gräben und Hecken, durch Wilder und Ebenen zu sausen, selbst einen Sprung in einen Fluß oder über einen Abgrund nicht zu

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Handwerk und Landwirtschaft.

Daß Handwerk und Landwirtschaft in der liberalen Aera, als die neue Gewerbeordnung gemacht wurde, gegenüber der Großindustrie und dem Handel zu kurz gekommen sind, ist jetzt eine allgemein zugestandene Thatsache. Die ganze Gewerbeordnung ist auf die Interessen des kapitalistischen, handelsmäßigen GroßgewcrbebetriebS zugeschnitten. Die so­genannte Gewerbefretheit hatte keinen anderen Zweck, als den, dem Kapital den Weg für jeden Gewerbebetrieb frei zu machen, und die Aktienfreiheit wurde das Mittel, um das nötige Kapital für diese neue Art von Gewerbebetrieb zu beschaffen. Die Freizügigkeit mußte alle örtlichen Schranken beseitigen, damit die Gründungslustigen sich an jedem be­liebigen Orte ohne weiteres nieverlaffen und ohne Hindernis Arbeiter aus aller Welt herbeiziehen konnten. Daß System in der Sache liegt, springt in die Augen. Dem Handel wurde überdies Freihandel gewährt. Ohne Rücksicht auf die nationale Produktion wurden, angeblich um dem Volke billige Waren zu beschaffen, die Produkte des Auslandes massenweise eingeführt und doch stiegen gerade in dieser Zeit alle Preise ungeheuer zum schlagendsten Beweis für die Unwahrheit der Behauptung der Liberalen, daß der Freihandel dem Volke billiges Brot und billige Waren brächte. Billig blieben allein die meisten landwirtschaftlichen Produkte an der Quelle, d. h. in der Hand des Landmannes. Die Getreidepreife stiegen infolge der massenhaften Einfuhr von ausländischen Getreidefrüchten verhältnismäßig wenig oder gar nicht, der Aufschlag kam erst beim Brot und beim Fletsch im Verkaufsladen, also nachdem die Produkte durch die Hände der Zwischenhändler gegangen waren. Wenn man aber erwägt, daß der Wert des Geldes un- gchmer sank und alle gewerblichen Produkte wie alle Ar- deitSpreise ungeheuer stiegen, so war daS Gleichbleiben der Getreidepreise gegen früher in Wahrheit ein ungeheures Sinken derselben. Für Kleider und Schuhe, wie für alle gewerblichen und Handelssachen, welche der Landmann kaufen

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Deutsches Reich.

Berlin, 15. Aug. Bei dem Kaiserlichen Paare auf Schloß Babelsberg findet heute nachmittag ein größeres Diner statt, zu welchem auch Staatssekretär Graf v. Hatz- feldt geladen ist. Eine kaiserliche Ordre vom 12. Aug. ordnet die Bildung zweier Marine-Inspektionen in Kiel und in Wilhelmshaven an, welche in allen Beziehungen dem Kommando der Marinestation der Ostsee, resp. der Nordsee unterstehen und denen die Matrosendiviston, die Werftdiviston, die Freiwilligen, die Schulschiffe, die Maschinistenschulschiffe, die Wachffchlffe und alle in der ersten Reserve stehenden oder mit reduzierter Besatzung in Dienst befindlichen Schiffe unterstellt sind. Der Marine-Inspekteur hat die Rechte und Pflichten eine« Brigade-Kommandeurs in der Armee. Die Stellung der zweiten Admirale geht ein. Der Kontre- admiral Blanc wurde zum Inspekteur der Marineinspektion ernannt, mit den Geschäften der zweiten Marineinspektion wurde Kapitän Kall beauftragt. Ferner wird eine Schiffs- prüfungskommission mit dem Sitze in Kiel gebildet. Der österreichische Minister des Aeußern, Graf Kalnoky, ist heute früh 6 Uhr hier eingetroffen und im »Hotel de Rome" ab- gestlegen und um 8 Uhr 30 Min. nach Barzin weiter ge. reist. Die Ernennung des Herrn Dr. Schwenninger zum außerordentlichen Pryfeffor in der medizinischen Fakultät der Berliner Universität ist in der Presse der Gegenstand viel­facher Kritik geworden, wobei sowohl die wissenschaftliche, als die persönliche Qualifikation des Herrn Dr. Schwen­ninger für das ihm übertragene Amt bestritten wurde. Die Ernennung ist erfolgt, ohne daß die Fakultät um ihre Meinung darüber befragt wordm wäre was allerdings nach dem formellen Rechte auch nicht unerläßlich war, aber dem Gebrauch entsprochen hätte. In dieser Beziehung wird derNat.-Ztg." folgendes mitgeteilt:Erst an demselben Dienstag, den 5. Aug. nachmittags an dem die Ernennung des Herrn Dr. Schwenninger imStaats-Anzeiger" ver. öffentlich! wurde, ging der Fakultät ein Schreiben zu, in dem ihr die Ernennung mitgeteilt wurde. Wohl war der Fakultät vorher das in Berlin verbreitete Gerücht von der bevorstehenden Ernennung zu Ohren gekommen und sie hat im Hinblick auf die Bedeutung der Sache den ungewöhn­

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Beleb» Zahlung ihm aber der höhere Güterwert nichts nützt; Denn

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Auslande sich für den Handel nicht so lohnt, wie die Getreides und es vermehrten sich so die Produktions-

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux oonHaasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Ham­burg, Magdeburg u. Wien: Rudolf Tiefte in Frankfurt a M., Berlin, Münchenund Mn; G- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt oM-; Hermaun- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin,

Dresden und Leipzig;

I. Barck u. Co- in Halle;

________________________________________________________________________ W. ThieneS in Elberfeld.

_____ SA* m der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet

14 Eine unglückliche Königin.

Historische Erzählung von R. Hoffmann.

So schritt Heinrich VIII. von der ungebänvigten Leiden­schaft zu der Willkürherrschaft und von dieser bei seinem ungestümen Charakter nach und nach zur vollständigen Tyrannei, denn jebir Widerspruch, jede Widerspenstigkeit reizten den König furchtbar, sie allein war er schon im Stande mit dem Tode zu bestrasen und eine einfache Meinungs­verschiedenheit zog schon manchem ehemaligen Günstling die Ungnade des Königs zu, der geringste Anlaß, wo er sich nicht als unumschränkter Herr fühlen konnte, brachte Heinrich in Zorn, und schon irgend eine natürliche Täuschung seiner Wünsche konnte ihn rasend machen.

Bel einem solchen Gemahl hatte natürlich Anna viel, viel zu leiden, zu dulden, aber sie ertrug bk schlimmsten Launen Heinrichs mit Sanftmut und zerstreute durch ihre unmutige Liebenswürdigkeit manchen bösen Gedanken ihres Gemahles zum Heile vieler Untertanen.

Auch hatte die Königin Anna eine süße Hoffnung auf röt in einigen Monaten zu erwartendes frohes Ereignis 8'setzt. Anna fühlte sich Mutter und Heinrich, der in feiner rrsten Ehe nur eine Tochter gehabt, wünschte so lebhaft und leidenschaftlich sich einen Sohn und Thronfolger, daß f8 Anna im Stillen und laut vor ihrem Gemahle als ihr höchstes Glück bezeichnete, wenn sie demselben einen Sohn und dem Lande einen Thronfolger schenken könnte. Freilich schauderte auch Anna oft bet dem Gedanken zusammen, daß M eine Prinzessin sein könnte, bk sie In banger Sehnsucht erwartete, bann war es ja nicht nach Heinrichs Willen ge­lungen und er, ba Unbändige, konnte bann leicht zornig

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