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Marburg, Freitag, 8. August 1884.

XIX. Jahrgang.

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««eigen nimmt entgegen: die Ekpedltivn d. Blattes, sowie d.Ännoncen-Bureaux oonHaasenstein undVogler io Frankfurt a M.,Ham- durg, Magdeburg». Wien; »udolf Moffe in Frankfurt a Berlin, Münchenund Mn: G- 2- Daube und So. m Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllUstrirteS TountagSölatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

____________________________ Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoneen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt o. DL ;Hermaun- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnpalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

Ei« landwirtschaftliche Petition

hat daS Komitee der Landwirte der Kreise Mülheim an der Ruhr und Essen aufgestellt, die an den nächsten Reichs­tag gerichtet werden soll. Dieselbe hat folgenden Wortlaut:

.Einem hohen Reichstag erlauben sich die unterzeichneten Landwirte aus den Kreisen Mülheim a. d. Ruhr und Essen die schwierige Lage der Landwirtschaft hiesiger Gegend klar« zustellen und die dringende Bitte an den hohen Reichstag zu richten, zur Gesundung dieses Gewerbes die geeigneten Wege einschlagen zu wollen. Die Ursachen der gegen­wärtigen ungünstigen Lage sind nach unserer Ueberzeugung zu finden: 1. in der durch die vollständig veränderten TranSportverhältnisie erstarkten Konkurrenz des Auslandes, welche durch die bisherigen niedrigen Zölle noch nicht im geringsten gehemmt worden ist, 2. in der Thatsache, daß der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, besonders in den Jndustriegegenden, sich von der einheimischen Pro­duktion so vollständig frei gemacht hat, daß es dem hiesigen Landwirte unmöglich gemacht ist, seine Produkte überhaupt zu einem Preise zu verwerten, welcher seine Selbstkosten deckt, 3. in der außerordentlichen Erhöhung der Kultur- kosten, eine Folge der durch die Industriebetriebe hervor-- gerufenen allgemeinen Lohnerhöhung und der Verteuerung aller dem Landwirte notwendigen Gegenstände, dem gegen« über die hauptsächlichsten landwirtschaftlichen Produkte, die Körner, nicht allein nicht gestiegen, sondern vielfach heute wohlfeiler sind, wie vor 2030 Jahren, 4. in der Doppel­besteuerung, womit die Landwirte belastet sind, indem ihr Einkommen einmal durch die Grundsteuer und dann noch durch die Klaffen- resp. Einkommensteuer getroffen wird, welche beiden Steuerarten jede für sich noch der kommu­nalen Besteuerung zu Grunde gelegt werden. Zu diesen Uebeln, unter welchen die ganze deutsche Landwirtschaft leiret, kommt speziell für die hiesige Gegend noch hinzu, daß dieselbe außer der Konkurrenz des Auslands noch der­jenigen der billiger arbeitenden Gegenden des Inlands aus­gefetzt ist, welche hingegen durch andere schädigende Ur­sachen zu leiden haben. Es ist unsere bestimmte Ueber­zeugung, daß, wenn nicht baldigst ausreichende Abhülfe gewährt wird, die hiesige Landwirtschaft dem vollständigen Ruin entgegen geht. In einer stärkeren Anspannung der Kräfte der Einzelnen kann die Verbefferung der Lagt des landwirtschaftlichen Gewerbes nicht mehr allein gefunden werden, denn bet allem Fleiß, aller Sparsamkeit und aller Intelligenz ist eS dem hiesigen Landwirte unter den heutigen Verhältnissen unmöglich, den Lohn seiner Arbeit zu finden und sein Geschäft mit günstigem Erfolge zu betreiben, wie wir dieses im Einzelnen durch die beigefügte Ertrags­berechnung eines hiesigen Ackergutes mittlerer Größe und Loden Qualität nebst beigefügter Erläuterung nachzuweisen uns erlauben. Nach allem Diesem richten wir an den hohen Reichstag die Bitte, zu erwägen, wie dem Notstände der deutschen Landwirtschaft abzuhelfen sei und erlauben

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6 Eine unglückliche Königin.

Historische Erzählung von R. Hoffmann.

Bei den letzten mit höchster Leidenschaftlichkeit gespro­chenen Worten, hatte König Heinrich ein Knie vor Anna Boleyn gebeugt, deren rechte Hand ergriffen und stürmisch an seine Lippen gepreßt.

Anna Boleyn sand lange keine Antwort, doch ihr zittern­der Körper, ihre bebenden Lippen zeigten, daß sie nach Fas­sung und Kraft rang um diesen schwärmerischen LiebeSbe- werbungen Heinrichs zu entgehen.

«Mein teurer und gnädigster König,' sagte sie dann mit der rührendsten Stimme von der Welt uno indem eine lhräne ihren schönen Augen entfloß,es darf nicht sein, niemals darf Anna Boleyn Ew. Majestät Geliebte werden, Ew. Majestät Herz und Hand gehört bereits unserer Köni­gin, der erlauchten Prinzessin Katharina von Aragonien, der Tochter eines Königs und der Tante des mächtigen Kaisers Karl V. Wie kann ein einfaches Hoffräulein n>agen, die Nebenbuhlerin einer solchen Königin zu werden? Zudem verbietet Gott mir und Ew. Majestät diese sträf. üche Liebe, denn auch ich gehöre mit Herz und Hand einem Andern, bin die Braut des edlen Lord Percy, der sich vor Königen Monaten unter Ew. Majestät Zustimmung um mtint Hand beworben."

Diese herbe Enttäuschung, welche dem Könige durch «nna Boleyn'S Antwort zu teil wurde, brachte ihn fast in Zorn, aber die Thränen Anna's und seine leidenschaftliche verhinderten wiederum einen ZorneSauSbruch versuchte eS abermals mit seiner UeberredungS-

««be zu ihr, und Heinrich kunst:

uns als Mittel und Wege hierzu vorzuschlagen: Erhöhung der Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugniffe, wenigstens in dem Maße, daß die Grundsteuer durch diese Erhöhung ge­deckt und erlassen werden kann. Sollte dieses Ziel vor der Hand nicht voll und ganz zu erreichen sein, so wolle der hohe Reichstag vorab dahin wirken, daß die Grund­steuer sofort von allen Zuschlägen für Kommunal-, Schul-, Kirchen- u. s. w. Zwecke entlastet werde."

Zur Begründung der Klagen ist der Petition die genau spezialisierte Ertragsberechnung eines Hofes in der Größe von 23 Hektaren mit einem Grundsteuer-Reinerträge von 1447 Mark beigefügt. Die Berechnung, welcher wir die nachstehenden Angaben entnehmen, beruht auf dem Durch­schnitt der Jahre 1881/83.

Der Hof hat

12,5 Hekt. Ackerland 2. und 3. Klaffe

6 4. und 5.

2,5 Weide und Wiesen 3., 4. und 5.

2 Wald 2., 4. und 6.

Der Viehstand setzt sich aus 12 Kühen, 1 Stier, 3 Rindern und 46 Schweinen zusammen.

Außer dem Wirt und seiner Frau arbeiten 2 Knechte, 1 Pferdejunge und 3 Mägde.

Die Einnahmen betrugen:

Aus dem Anbau von Körnerfrüchten (Acker­

land) ...........Mk. 5075,47

Ueberschuß aus der Viehhaltung ... 1633

Wohnung anperechnet....... 200

Verschiedene Einnahmen (Obst, Hühner) . 180

zusammen Mk. 7088,47

Dem gegenüber gestalten sich die Ausgaben: Gesinde und Arbeitslohn für die Bewirtschaf­

tung ......

Pferdehaltung . . . .

Saatgut......

Künstlicher Dünger. . .

Versicherung.....

Steuern......

Reparaturen.....

Amortisation der Gebäude

Zinsen deS Betriebskapitals

ff

234 430- 287,25 352,80

Mk. 3440,50 1506,68 620,30

1027/40 . 150

zusammen Mk. 8040,53 so daß die Ausgaben Mk. 962,60 mehr betragen als die Einnahmen.

Die Wirtschaft«- und Wohngebäude sind einfach und in Fachwerk aufgeführt, auf 28 000 Mk. geschätzt, der Hektar wird in dortiger Gegend durchschnittlich auf 1500 Mk. geschätzt, so daß 42000 Mk. der Wert deS Grund und BodeuS beträgt, dazu kommt das Inventar im Gesamt­beträge von ca. 12000 Mk., so daß ein Kapitalswert von 82000 Mk. nicht nur keine Rente, sondern ein jährliches Minus von ca. 1000 Mk. ergiebt. Dabei ist die Arbeit

Lord Percy's Liebe werden Sie schon verschmerzen und vergeffen," erwiderte Heinrich im besänftigenden Tone,wenn Sie Ihr König auf den Händen trägt und Lord Percy wird sich trösten müffen, daß ein Mächtigerer als er ihm die schönste aller Bräute raubte. Dann sorgen Sie wegen unserer erlauchten Gemahlin, der Königin Katharina. Ja, wahrhaftig, sie ist eine ebele Prinzessin, die Tochter eines Königs und die Tante deS mächtigen Königs Karl V., aber trotzdem besitzt sie meine Liebe nicht, denn über unserer Ver­mählung hat ein Unstern gewaltet. Als ich noch ein Knabe war, wurde ich nach dem strengen Willen meines Vaters, König Heinrichs VII., bereits mit dieser um fast zehn Jahre älteren Prinzessin verlobt, weil es die HauSpolitik meines Vaters so verlangte, und alle Welt wird wohl begreifen, daß der Königin wohl meine Hand, aber niemals mein Herz unter diesen Umständen gehören konnte. Daffelbe gehört Ihnen, meiner heißgeliebten Anna, und ich verlange Gegenliebe."

Wieder zog König Heinrich die Hand deS HoffräulelnS an feine Lippen, aber Anna Boleyn entriß ihm jetzt ihre Hand und erwiderte erregt:

Trotz alledem darf und will ich nicht meines gnädigsten Königs Geliebte werden, well eS mir meine Ehre und Pflicht verbietet."

Diese fast mit Entrüstung gesprochenen Worte entflamm­ten Heinrichs Zorn und er sagte streng:

Armseliges, thörichte« Mädchen, wiffen Sie denn nicht, daß Ihr König auch ungnädig sein kann, wenn Sie hals­starrig werden sollten."

Diese Drohung Heinrichs verfehlte indessen auf Anna Boleyn vollständig ihre Wirkung, denn sie fühlte sich nicht

deS Besitzers und seiner Angehörigen nicht einmal in.Rech­nung gezogen.

Nicht ein theoretisches Exempel liegt vor uns, sondern ein mitten au« dem Leben.gegriffenes Beispiel, welches bester als alle Gründe die neulich an dieser Stelle geschll- bertc Mißlage der Landwirtschaft beleuchtet. Es ist deshalb zu verwundern, wenn derHamburger Korrespondent" die von uns gegebene Darstellung über den Getreidezoll und besten Verhältnis zur Grundsteuer mißbilligt. Das Blatt erachtet eine Ereiferung für die Erhöhung des Getreide­zolles für unnütz, da die große Mehrzahl der Bevölkerung eine solche ablehne, und bezeichnet die Berührung diese« Themas vor den Wahlen als ungeschickt.DieN. A. Z.", so bemerkt derH. Kortesp.",muß doch selber zugestehen, daß dem armen Manne durch den Getreidezoll das Brot verteuert wird." Das gedachte Blatt wird sich inzwischen von seiner irrtümlichen Bemerkung überzeugt haben. Im übrigen wird derH. Korresp." an der vorstehenden Be­rechnung prüfen können, ob unsere Schilderung eine über­triebene war, und sich jedenfalls überzeugen, daß der Ge­treidezoll, wenn er dem Besitzer der vorgedachten 28 Hektare zu gute kommt, nicht etwa einenReichen" berührt. Wie sich die Mehrzahl der Wähler zu Hefei Frage stellen wird, das zu erraten, fehlt uns die prophetische Gabe; doch glauben wir, daß eine 28 Millionen betragende Ackerbaubevölkerung Gewicht genug haben sollte, um nicht so leichtfertig als Gegner bei den Wahlen behandelt zu werden, wie man dies aus der Aeußerung desH. K." fast schließen möchte.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Ang. Herr von Schlözer ist nachmittags aus Rom eingetroffen. Außer der abgedruckten, dem Reichskanzler durch den Generalleutenant z. D. v. Loebell übersandten Petition aus Hannover, worin der Reichs­kanzler ersucht wird, seinen Einfluß dafür geltend zu machen; daß der von dem Reichstage angenommene Antrag Pes Abg. Ackermann und Genoffen wegen Ergänzung des § lOOe der Gewerbeordnung zum Gesetze erhoben werde, sind dem Reichskanzler noch zahlreiche weitere Eingaben zugegangen, welche zumeist in Uebereinstimmung mit den in der hannover­schen Petition dargelegten Gesichtspunkten ebenfalls ln dringender Weise um Annahme des gedachten ReichstagS- beschluffeS durch den Bundesrat bitten. Insbesondere sind Eingaben dieser Art eingegangen von den Obermeistern von 37 Innungen in Dresden, sowie von den VorMiden des provisorischen JnnungSausschuffeS in Hamburg und des SchleSw^-Holsteinischen Provinzial-Gewerbeverbandes, der Baugewerks-Jnnungen zu Potsdam, Fürstenwalde, Rathenow, Frankfurt a. O., Templin, Eberswalde - Freienwalde und Kottbus, der Innungen des Bundes der Maurer- und Zimmermeister deS Kreises Sorau und der Stadt Sommer­feld, und zu Brandenburg. Für den 1. Septbr. d. I. ist eine internationale Vereinskonferenz de« roten Kreuzes

im Geringsten dadurch eingeschüchtert, im Gegenteil wachte sie ihre sittliche Entrüstung stark und mit hochaufgerichtetem Haupte und dem König fest ins Antlitz schauend, entgegnete sie in feierlichem Tone:

Ew. Majestät, der Gebieter über Kriegsheere und Leib­truppen und der unumschränkte Herr von England, tönnen die atme Anna Boleyn wohl vorn Hofe verstoßen oder können sie elnkerketn, ja martern und töten lassen, aber niemals wirb Anna Boleyn darin willigen, in ein sträfliches Verhältnis zu Ew. Majestät zu treten."

Diese mutvollen Worte beS HoffräulelnS wachten einen sittlichen Eindruck auf König Heinrich, es wurde ihm mehr und mehr klar, daß er sich in dem Charakter Anna BoleynS vollständig geirrt hatte und da fein Herz von heißer Liebe für Anna erfüllt war, verschmähte er jede fernere Drohung und schritt erregt in dem Zimmer auf und ab, daS Host fräulein bangend und erwartungsvoll vor sich stehen lastend.

So schön, so liebreizend und so groß und erhaben wie Anna Boleyn, war Heinrich noch kein weibliches Wesen be­gegnet und et, bet selbstherrliche König, der stets gewohnt war, seinen Willen in Thaien umzuwandeln, glaubte Anna Boleyn, die ihm als die Krone aller Frauen erschien, um jeden Preis besitzen zu müssen, doch fand et lange keinen Weg zu diesem Ziele und immer lief er noch unruhig auf und ab.

Endlich hatte Heinrichs Geist einen tollkühnen Plan ge­faßt und plötzlich vor Anna Boleyn auf ein Knie sinkend und leidenschaftlich ihre Hän^e erfaßend, rief der König in leidenschaftlichem To«:Ich muß Dich besitzen, teuerste Anna, mag eS kosten, was e« wolle und mögen Jahre ver­gehen, ehe Du mein eigen wirst." (Fortsetzung folgt.)