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Mr. 182
Marburg, Dienstag, 5. August 1884.
xix. Jahrgang.
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, i,wie d.Annoncen-Bureaux öonHaasenstein undVogler in Frankfurt a M., Hamburg, Magdeburg u. Men; Rudolf Moffe in Frankfurt a. R., Berlin, Münchenund Mn: G- L Daube und §o. m Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux JSgersche Buchhandlung in FranIsurlo.M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ♦ Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; D. ThieneS in Elberfeld.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrtrteS SnnntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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Sine deutsche reformierte Kirchen-Koufereuz.
Von Männern der reformierten Kirche, Geistlichen und Gemeindegliedein, unter denen wir Konsistorialrat Dr. Ebrard zu Erlangen, Pastor Calaminuö zu Elberfeld und Pastor vr. Brandes zu Göttingen nennen, ist eine Konferenz von reformierten Pastoren, Nettesten und Gemeindegliedern zum 20. d. M. nach Marburg ausgeschrieben worden, um dort die Angelegenheiten dieser Kirche zu beraten und namentlich den Versuch zu machen, ob zwischen den im deutschen Reiche zkrstreut wohnenden reformierten Gemeinden und Kirchen picht ein engeres Band, und zwar auf dem Wege einer freien Konföderation, herzustellen sei. Reformierten Kirchen und Gemeinden begegnet man wohl in den meisten Gegenden des Reiches, aber es besteht keine geordnete Verbindung unter ihnen, und bet manchen ist es sogar so, daß sie überhaupt ganz isoliert dastehen, außerhalb deS Verbandes mit irgend einer anderen Kirche überhaupt, und daß daS ein Mißstand ist, der mancherlei üble Folgm nach sich ziehen muß, liegt zu sehr auf der Hand, als daß darüber noch etwas gesagt zu werden brauchte. Auch ist dieser Mißstand von treuen Gliedern der reformierten Kirche längst gefühlt, und abzuändern würde derselbe ja auf dem oben bezeichneten Wege sein, ohne daß dadurch die sonstigen Verhältnisse, in denen die einzelnen Kirchen und Kirchengruppen leben, z. B. das zu dem landesherrlichen Kirchenregimente und zur Union, berührt zu werden brauchte. Möglich aber sollte eine engere Vereinigung zwischen den Reformierten Deutschlands vor allen Dingen doch auch deshalb sein, well jetzt ja eine Einigung deS Reiches selbst wieder hergestellt worden ist. Die Veranstalter der Konferenz rechnen deshalb darauf, daß auch aus den Gebieten der Union Teilnehmer in Marburg erscheinen werden, und ganz besonders haben sie von vornherein betont, daß ihre Zwecke in keiner Weise gegen die Union gerichtet seien. Union heißt ja überhaupt nicht Adsorption, und wenn daS besondere Bekenntnis die Union nicht hindert, so hindert doch auch die Union daS besondere Bekenntnis nicht, vielmehr muß es auch innerhalb der Union darum zu thun sein, das christliche Leben in den Gemeinden auf Grund ihres Bekenntnisses zu pflegen und zu fördern, das Gegenteil könnte doch stets nur dem JndifferentiSmuS Vorschub leisten. Auch bieten die Veranstalter in ihren Personen wohl Bürgschaft genug, daß eS sich in Marburg nicht um ein Sturmlaufen gegen die Gemeinschaft reformierter Kirchen mit der lutherischen handeln soll, stehen sie doch entweder selbst innerhalb der Union oder sind sie doch wenigstens ausgesprochene Freunde derselben, wie denn die Absicht überhaupt nicht auf ein Zerstreuen und Auflöfen, sondern auf ein Sammeln um Erhalten gerichtet ist. AuS dem Programm teilen wir mit, daß Dr. Ebrard die Eröffnungsrede halten wird, während Pastor Calaminuö eS übernommen hat, über die Lage der reformierten Kirche in Deutschland zu berichten und Pastor Dr. Brandes einen Bericht über daS Belforter Konzil zu
3 Eine unglückliche Königin.
Historische Erzählung von R. Hoffmann.
Doch statt deS Liebesbriefe» bringt Lord Caffolk da» zerisfene Billet deS Königs und die stolze und ablehnende Antwort Anna Boleyn'S.
Heinrich VIII. ergreift die Wuth und er fängt an zu toben und zu rasen.
„Man verhafte sie, man bringe sie in den Tower!" schrett er und dienstfertig bringt Lord Caffolk Feder und Papier herbei und bittet um den königlichm BrrhaftSbefehl, der Heinrich» Unterschrift tragen muß, wenn er Geltung haben soll.
Doch der König wirft da» Schreibzeug zu Boden und sagt in hämischem Tone:
»Sie sind ein Tölpel oder ein schlechter Kerl, Lord Caffolk! Wie können Sie mir raten, die süße Anna, diese» herrliche Kind, wegen dieser Narrheit in den Tower zu sperren? Sie scheinen Weiberherzen schlecht zu kennen, hättenS Sffcheidter anfangen müffen, mir diese» Täubchen zu kirren. Sie wird ihren Sinn schon noch ändern."
»Halten zu Gnaden, Majestät," erwidert Lord Caffolk schüchtern, ,e» war Miß Anna Bolryn» vollster Ernst, als str Ew. Majestät Billet zerriß und mir sagte, sie sei Lord Percy'» Braut und ein ehrliche» Mädchen."
De» König» Anllitz verdüsterte sich bei diesen Worten wieder, aber er hält e» doch nicht für möglich, daß Anna Bvleyn seine LiebeSwerbuug rundweg abschlagen kann und sagt daher:
»E» ist zu spät heute, Mylord, um Miß Anna noch
geben gedenkt, an welchem derselbe teilgenommen hat Außerdem sollen auch Einzelberichte aus den verschiedenen reformierten Kirchen deS Reiches erstattet werden. Möge eS gelingen, die mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, die da entgegen stehen I In unseren Tagen muß vor allen Dingen die Mahnung gelten, zu hatten, was man hat, und sich zusammenzuschließen zur Pflege deS christlichen Lebens im Schoße der Gemeinden.
Deutsches Reich.
Berlin, 2. Aug. Die „Nordd. Allgem. Ztg." sagt gegenüber der Agitation der freisinnigen und freihänd- lerischen Blätter, insbesondere auch gegenüber der Agitation deS fortschritllichen BauernagitatorS Wiffer gegen den Getreidezoll: „Wenn der Schutzzoll unbestreitbar bezweckt, Sonne und Wind gerecht zwischen den auswärtigen und einheimischen Produzenten zu verteilen, so hat der Getrride- zoll dieses Ziel auch noch nicht einmal annähernd erreicht." Die „Nordv. Allgem. Ztg." weist zur Begründung dieser Behauptung auf die zahlreichen, die einheimische Getreide- Produktion belastenden Steuern, insbesondere auf die Grundsteuer hin und meint: „Folgerichtig hat der inländische Bauer das Recht, zu verlangen, daß ein gleich hoher Steuerbetrag, wie der ist, den er in Sorgen und Not zusammenscharen muß, auch von dem fremden eingeführten Getreide getragen werde." Indem nun die „Nordd. Allgem. Ztg." bestreitet, daß der Amerikaner und der Ruffe Steuern von gleich hohem Betrage für seinen Getreidezoll zahlen müffe, schließt sie folgendermaßen: „Der Niedergang der Landwirtschaft und die steigende Vermehrung der Auswanderung finden darin ihre nur zu genügende Erklärung. Auch daß dem armen Marine sein Brot sehr verteuert wird, können wir leider nicht bestreiten, aber diese Verteuerung liegt nicht an dem Getreidezolle an der Grenze, sondern in dem Getreidezolle, der in Gestalt der Grundsteuer im Innern des Landes erhoben wird." — Die „Nordd. Allg. Ztg." macht auf die von Moskauer Blättern gebrachte Nachricht aufmerksam, wonach in Regierungskreisen die Frage erwogen wird, ob in Betracht des Umstandes, daß ein großer Teil der türkischen, rumänischen und österreichischen Kavallerie ihren Remontebedarf aus Rußland bezieht, eS nicht angezeigt erscheinen dürfe, die Pferde-AuSsuhr mit einer Abgabe von 10—25 Rubel nach Maßgabe deS Wertes des Pferdes zu belegen. — Der Justizminister bringt durch allgemeine Verfügung auS Ems vom 21. vor. Monats die GefchäftSergebniffe der preußischen Justizbehörden aus dem Jahre 1883 zur öffentlichen Kenntnis. Während die von den Gerichten für das Reichsjustizamt anzufertigende Ueberstcht die Geschäfte ohne Rücksicht auf die Grenzen der Bundesstaaten nach OberlandeSgerichtS- bezirken zur Darstellung bringen wird, umfaffen die jetzigen Zusammenstellungen nur di: preußischen uno waldeckischen Justizbehörden. Die Zusammenstellungen vertragen nicht
hierher zu bestellen, sie wird schon in den Gemächern der Königin sein, aber morgen soll sie un» Rede und Antwort stehen und wir werden dann erfahren, ob dieses Täubchen ganz spröde und nur für Lord Percy da ist, oder ob nur die Ungeschicklichkeit Eurer Lordschaft Miß Anna widerspenstig gemacht hat."
Am Nachmittage deS TageS nach dem Ballfcste saß Luna Boleyn betrübt an dem hohen Bog! nfenster eines Gemaches im Königsschloffe zu Windsor. Sie dachte darüber nach, wie sie am sichersten Lord Percy, ihren Bräutigam, versöhnen könnte, denn die ganze Liebe Anna's hatte bis jetzt dem jungen Lord gehört, der seit dem gestrigen Balle in Schloß Windsor mißtrauisch gegen seine Braut geworden war und, wie eS schien, den ernsten Entschluß gefaßt hatte sich von ihr abzuwenden.
Nach längerem Nachsinnen schrieb Anna Boleyn an ihrem Bräutigam folgenden Brief:
„Teurer Richard und edler Lord!
Du glaubst nicht, wie unendlich peinlich e» für mich war, am Arme des Königs gestern fast das ganze Ballfest zu verbringen und wie froh und glücklich ich in dem Augenblicke wurde, al» ich an meines teuren Richards Seite eilen konnte. Doch durchbohrten Deine Blicke mein Herz wie rin Pfeil und zu meinem Entsetzen sah ich, daß mit einem Schlage Dein Vertrauen und Deine Liebe zu mir vernichtet Wen. Und au» welchem Grunde? — Weil ich drei Stunden mit dem Könige getanzt Habel — Wissen Ew. Lordschast nicht, daß man deS Königs Befehlen Folge leisten muß, zumal wenn man sich in königlichen Diensten befindet, wir ich als Dame de» Hofe»? König Heinrich
füglich einen Auszug, weshalb wir uns auf die Zahl der Beamten bei den Amtsgerichten und den Landgerichten beschränken. Bei ersteren ist die Zahl der etatSmäßig gewährten Stellen: 2544 Richter, 2618 Gerichtsschreiber, darunter 172 Dolmetscher, 855 etatsmäßige Gerichts« schreibergehülfen, darunter 47 Dolmetscher, 373 diätarisch« Gerichtsschreiber, darunter 47 Dolmetscher, 14 Calkulatoren, 1578 Gerichtsdiener und Kastellane, 43 ständige HülfS- gerichtSviener; 1470 Notare wohnen in den Bezirken der Amtsgerichte und die Zahl der Gerichtsvollzieher ohne HülfSgerichtsvollzieher beträgt 1740, worunter 105 kraft Auftrags. Bei den Landgerichten sind 91 Präsidenten, 179 Direktoren, 849 Richter, 400 Gerichtsschreiber, darunter 33 Dolmetscher, 139 Gei ichtSschreibergehülfen, darunter 12 Dolmetscher, 64 diätarische GerichtSschreibergehülfen, darunter 1 Dolmetsch, 328 Kanzlisten, 149 Kanzleiviätare, 425 GerichtSdiener und Kastellane, 6 ständige HülfSge- richtsi lener. Bei den Staatsanwaltschaften der Landgerichte sind 91 Erste Staatsanwälte, 152 Staatsanwälte, 96 Rechnungsrevisoren, 191 Sekretäre, 81 etatsmäßige Assistenten, 40 diätarische Assistenten, 34 Gerichtsdiener und 3 ständige HülfsgerichtSdiener. — Daß die Ausweisungen russischer Unterthanen aus Berlin in Uebereinstimmung mit der russischen Regierung erfolgen, war wohl von Anfang an nicht zweifelhaft. Die „Nat.-Ztg." bemerk heute: „ES ist höchst wahrscheinlich, daß die erwähnten Maßregeln in Uebereinstimmung mit der russischen Regierung, wenn nicht sogar auf deren Wunsch ergriffen worden sind. Um so absurder ist eS, wenn in Petersburger Blättern, beispielsweise im „Herold", dagegen als gegen eine Beleidigung Rußlands gelärmt wird, die man mit Maßregeln gegen die in Petersburg lebenden Deutschen erwidern müsse. Schon um diese Poffe nicht weiter spielen zu lasten, sollte die Regierung über Grund, Zweck und Umfang der hier ergriffenen Maßnahmen alSbald authentischen Austchluß geben." Gleichzeitig wird aus Petersburg gemeldet, daß die „Nowosti", die an Stelle deS unterdrückten „GoloS" getreten sind, sich in demselben Sinne äußern. DaS Blatt erklärt in kurzer Bemerkung den patriotischen Uebereifrr deS „St. Petersburger Herold", der sich bezüglich der Berliner Ausweisungen höchst injuriöS über das Polizeipräsidium geäußert hatte, für unpastend und unmotiviert, „da die Maßregel offenbar nach vorauSgegangener Vereinbarung mit der russischen Regierung erfolgte." — Die „Germania" wendet sich gegen den von den meisten Blätter reproduzierten Artikel des „Hamburger Korrespondent" über ein Jnterviev deS Herrn v. Schlözer, in welchem dieser unter anderem gesagtj haben soll, eine baldige Erledigung deS klrchenpolitischen ZwisteS sei nicht zu hoffen, weil der Kurie gar nichts daran liege, dieselbe und den Kirchenzwist überhaupt zu beseitigen. Leiste der Letztere doch den Jntriguen Vorschub, welche gegen da» deutsche Reich und besten Regierung in der päpstlichen Residenz fort
wollte eS so und ich durfte nicht wagen zu widersprechen. Aber während meine Hand in derjenigen deS Königs ruhte, war mein Herz bei meinem Bräutigam und nicht mit einem Gedanken wurde ich Ew. Lordschaft Liebe untreu, und wenn ich meinen Bräutigam betrübte, so geschah eS sehr wiver meinen Willen. Ich wünsche daher eben sobald die Stunde herbei, wo ich mich mit meinem teueren Richard aussöhnen kann wie den Tag, wo ich ftöhlichen Herzen» au» dem Dienste der Königin scheide, um al» Gemahlin Lord Richard Percy'S diesem dahin zu folgen, wo er will."
Mit herzlicher Lieb- Anna Boleyn.
In einer nahezu andächtigen und hoffnungsvollen Stimmung faltete Anna diesen Bries zusammm, versiegelte ihn und ließ ihn durch einen flchcren Boten nach dem Schlosse de» Grafen von Northumberland, wo Lord Percy sich zur Zeit aufhielt, tragen und Anna glaubte zuversichllich, daß durch diesen Brief ihre vollständige Aussöhnung mit Lord Percy herbeigeführt werden würde. Sie gab sich wieder einer heitern Stimmung hin und dachte nicht an den bösen Zwischenfall mit Lord Caffolk und daö zerrissene Billet de« König». _
Aus ihrem frohen Sinnen und Träumen wurde Anna, Boleyn aber noch am selbigen Nachmittage jähling» aufgeschreckt, als ihre Kammerzofe in das Gemach trat und für Lord Caffolk Eintritt begehrte. Bei dieser Nachricht überkam eS Anna wie eine böse Ahnung, aber sie, daSHoffräu- lein, konnte unmöglich sich einem Kavalier de» König» gegeuüber verleugnen, Anna faßte daher Mut und ließ Lord Caffolk eintreten. (Fortsetzung folgt.)