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Re. 181
Marburg, Sonntag, 3. August 1884.
XIX. Jahrgang.
Anzeigen nimmt entgegen: die Srpedltion d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux »onHaasenstein undVogler in Frankfurt a M., Hamburg, Magdeburg». Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. W-, Berlin, Münchenund Köln: G- L Daube und tzo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
AttliHscht Jeitmig
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ter* Für die Monate August und September nehmen auf die
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Nthst deren Beiblätter
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Illustrierte« Sonutagsblatt
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In Marburg sind Bestellungen bei der Expedition zu machen.__________________________________
Neber die Belastung der arbeitende» Klasse» durch die indirekten Steuern bringt die „Echtes. Ztg." einen beachtenswerten Artikel ihres Pariser Korrespondenten. Da bekanntlich unsere Oppositionsparteien immer wieder und oft leider mit Erfolg die Meinungen über die Wirkungen der indirekten Besteuerung auf die arbeitenden Klassen zu verwirren bestrebt sind und die Behauptung aufstellest, diese Bevölkerungsfchichten würden durch die fragliche Be- steuerungSform ungebührlich belastet, können sie sich in diesem Artikel in betreff der französischen Berhältniffe vom Gegen- teil überzeugen und ihn auch auf unsere deutschen Verhältnisse anwenven. Derselbe lautet:
Als eines der gewichtigsten Argumente gegen da« in» direkte Steuersystem wird von den französischen wie von den deutschen Gegnern desselben die als unanfechtbar hingestellte Behauptung geltend gemacht, daß die indirekten Steuern die ärmeren Volkeklasien, namentlich die Arbeiter, in der ungebührlichsten Weife überlasten. An der Hand dieser Behauptung haben diejenigen, welche sich um die Gunst der Maffen bewarben, zahlreiche Wahlsiege errungen. Auf dem Gebiete der praktischen Politik aber haben diese Volksbeglücker Abhilfe nicht zu schaffen vermocht. Frankreich deckt den weitaus größten Teil seiner ungeheuren SlaatSauSgaben durch den Ertrag der indirekten Steuern; die letzteren sind hier höher als in irgend einem ankeren Lande. Hätte also das indirekte Steuersystem in Wirklichkeit den erwähnten Uebelstand zur Folge, so müßte sich dieser vor allem in Frankreich Nachweisen lassen. Die vorliegenden amtlichen Berichte, aus denen der Anteil der einzelnen BolkSllassen an der Steuerlast hervorgeht, lasten indes auf das direkte Gegenteil jener Behauptung schließen.
Nach der letzten, im Jahre 1879 erfolgten amtlichen Feststellung beträgt der steuerbare Reinertrag deS landwirtschaftlichen Grundbesitze« in Frankreich rund 26451/2 Mill. Franks oder 2,89 Prozent des auf 91584 Millionen ermittelten Wertes. An Steuern hat der Grundbesitz zu entrichten: 288 Millionen Franks Grundsteuer nebst Zu-
2 Eine unglückliche Königin.
Historische Erzählung von R. Hoffmann.
König Heinrich tmzte in einem kleinen Nehrnsaale, wo et den Augen der klatschsüchtigen Hofgesellschaft nicht fortwährend ausgesetzt ist, mit Anna Boleyn unv noch einigen auserwählten Paaren Quadrille und schon seit einer Stunde und zwar nur mit Anna Boleyn und kümmert sich nicht um seine Gäste, er, der so ritterliche König, der lieben»» würdigste Gentleman.
„WaS hat das zu bedeuten?" flüstert man sich mit spöttischem Mienen zu. „Ist Majestät schon so vollständig in die kleine blonde Elfe vernarrt, daß er alle Rücksichten auf seine Gäste und auf Lord Percy, den Bräutigam Anna BoleyuS, vergißt?"
Bitterer Argwohn steigt in den Herzen der Hofgesellschaft auf, doch man unterdrückt ihn, Mil eS die Etikette so verlangt und tanzt weiter. Da endlich öffnet sich die Thüre deS kleinen Saales und heraus tritt der stattliche König, der galant die zauberhaft schöne Anna Boleyn, die sittsam und verlegen die blauen Augensterne senkt, am Arme führt, gefolgt von noch drei Lord», deS Königs Günstlingen und ihren Damen. Und nun begrüßen alle den König und dieser, immer noch Anna Boleyn, mit der er fortwährend plaudert und scherzt, am Arme führend, eröffnet die Polonaise, den langen Zug der tanzenden Paare an den Thronfesseln vorbetführend, wo die Königin Katharina sitzt und unbefangen lächelnd die Huldigung ihre» Gemahl» am Anne deS schönen Hoffräulein« entgegennimmt.
Dann endlich verändert sich da» Bild, welche« die Hof- gäste so sehr in Aufregung gebracht hat. Der erst tanz« ktsrige, ritterlich schöne König entläßt mit einer tiefen Bn«
schlägen, 25 Millionen Thür- und Fenstersteuer, 31/» Mill. Taxe der toten Hand, 45 Millionen Personal- und Miet«» steuer, 51 Millionen Frohnden für Wegebau rc., 295 Mill. Stempel- und Besttzwechselsteuer, zusammen 706V» Mill. Die staatliche Steuer beträgt also 25 (genau 24,83) Proz. des Reinertrages. Bon den Gemeindesteuern des Grundbesitzes^ welche den französischen Landgemeinden zusammen freilich noch keine 100 Millionen einbringen, ist hierbei ganz abgesehen.
Der steuerbare Ertrag des städtischen Grundbesitzes ist nach- den Angaben der Steuerbehörde mit der enormen Swnme von 2000 Millionen Franks keineswegs zu hoch angesetzt. Die Steuerlast beträgt 3401/2 Millionen, und zwar 79 Millionen Grundsteuer, 47 Millionen Thür- und Fenstersteuer, IV2 Millionen Steuer der toten Hand, 73 Millionen Personal- und Mietssteuer, 140 Millionen Stempel- und Besttzwechselsteuer. Tie Belastung macht also 17 Proz. aus.
Der Ertrag des beweglichen Vermögens der französischen Nation besteht aus: 1350 Millionen Staatsrenten (laut Staatshaushalt 1884), welche ein Kapital von nahezu 30 Milliarden darstellen; 45 Millionen Zinsen der 1500 Millionen Sparkassen- und Depositengelder; 840 Millionen Zinsertrag der etwa 15 Milliarden betragenden ausländischen Staatspaptere (dieser Schätzung liegt die erhobene Stempelsteuer zu Grunde); 750 Millionen Zinsen von 16 Milliarden Hypotheken (mit Ausschluß der 1500 Mill, anderweitig besteuerter Pfandbriefe des Crödit Foncier und der 4500 Millionen Familienhypotheken, welche keine Zinsen tragen); 1000 Milliarden Ertrag der 20 Milliarden persönlicher und geschäftlicher Schulden. Zufammen 3985 Mill. Ertrag aus ausgelegtem Gelde, aus beweglichem Besitze. Ans diesem Ertrag bezieht die Staatskasse 110 Millionen Franks Besitzwechsel- und 50 Millionen Stempelsteuer, also etwa 4 Proz. Eine allgemeine Einkommensteuer und eine Kapitalreuten-Steuer existieren nicht.
Daö Einkommen des Gewerbe» und Handelsstandes wird, auf Grund eines Umschlages von 176 Milliarden, zu 2640 Millionen angenommen. Darin sind 1600 Mill. Ertrag der Aktien rc. einbegriffen, welche einer Extrasteuer von 3 Prozent unterliegen. Die Steuern bestehen in: 156V* Millionen Gewerbe- und 21/» Millionen Bergwerkssteuer; 13 Millionen Frohnden, 4»/« Millionen Gewichtsund Maßsteuer, 81 Millionen Besitzwechselsteuer, 52 Mill. Stempelsteuer, 48 Millionen 3 Prozent. Ertragssteuer der Aktien rc, zusammen 358 Millionen oder 13 Prozent des Reinertrages.
Das aus Ackerbau, städtischen Grundbesitz, beweglichem Besitz, Gewerbe und Handel fließende Einkommen beläuft sich demnach auf 11 Milliarden und 290 Millionen und hat zusammen eine Steuerlast von 1565 Millionen zu tragen. Diese 11290 Millionen Franks bedeuten indes nur zwei Drittel aller persönlichen Einkommen. Die be-
beugung die vierundzwanzigjährige, im Glanze ihrer Jugend- schönheit prangende Anna Boleyn und begiebt sich zu der gealterten, fast fünfzigjährigen Königin, um ihr den Rest deS Ballfestes zu widmen. Und Anna Boleyn, von der Hand des König» wie von einem bösen Banne befreit, eilt aufathmend durch die Räume des Schlosses, um ihren — Bräutigam, Lord Percy, aufzusuchen. Aber in ihren großen blauen Augen schimmert eS wie eine Thräne, sie steht den Bräutigam nicht, obwohl sie einen Saal nach dem andern durcheilt.
Endlich findet sie ihn, wie er starr und in sich versunken in einer Fensternische lehnt Ihr sanfter Arm und Ihre herzliche Stimme wecken den Bräutigam wie au» einem Todesschlaf. Er springt elastisch auf, aber wie er Anna Boleyn erblickt, durchzuckt fein Antlitz ein ZorneSblitz und er will der Braut einen heftigen Vorwurf entgegenschleudern. Doch diese ergreift zärtlich seine Hand und sagt mit bittender Stimme:
„Nicht doch, mein teurer Richard, ich bin unschuldig an der Vernachlässigung, die Dir heute Abend widerfuhr, ich will Dir Alles erklären . . . .*
Aber ein eisiger Blick Lord Percy'» trifft seine Braut und ihre Hand abwehrend, kehrt er Ihr den Rücken, so daß Anna Boleyn vor Schmerz und Schreck laut auffchreien möchte. Doch sie beherrscht sich, kehrt aber nicht zu den Tänzern in den großen Saal zurück, sondern begiebt sich in ein fern liegende» Zimmer, wo sie mit ihrem Schmerze um den drohenden Verlust des Bräuttgam» allein fein kann. Dort sammelt sie sich bald wieder und hofft morgen dem Lord Percy Alle» aufkliren und seine Liebe wieder gewinnen zu können.
währtesten Volkswirte Frankreich«, Le Tresor de la Roque (dem wir hier in der Hauptsache folgen), Foville, Leroy Beaulieu, berechnen, daß landwirtschaftliche und gewerbliche Arbeiter, Handwerker und Angestellte aller Art, Dienstboten, Staat«» und Gemeindebeamten, Richter, Offiziere und Sol baten, Künstler, Schriftsteller und Gelehrte zufammen 15 Milliarden an Lohn, Gehalt, Sold, Pension und Honorar erhalten. Alle Franzosen ohne Ausnahme würden also ein Einkommen von rund 25 Milliarden Franks haben, nach anderen sogar von 30 Milliarden; letztere Summer erscheint uns zu hoch gegriffen.
Die zuletzt aufgezählten Berufsstände, welche die f. g. fixierten Existenzen umfaffeu, haben im wesentlichen nur diejenigen indirekten Abgaben mit zu tragen, welche die ganze Bevölkerung treffen. Diese Abgaben stnd: Zölle 281 Millionen, Salzsteuer 33 Millionen, Getränkesteuer 406, Zuckersteuer 140, Fracht- und Fahrpreissteuer 78, sonstige indireckte Abgaben 82, Tabak 363, Pulver 14, Post- und Telegraphen 153, verschiedene Taxen 12, städtische Verzehrsteuer 280, besondere Gemeindeabgaben (außer den in den direkten Steuern inbegriffenen Zuschlägen und außer der Berzehrsteuer) 100 Millionen, zusammen 1941 Millionen. Auf das Gesamteinkommen der Franzosen verteilt, macht dies 7,76 Proz. desselben aus. Rechnet man diesen aus den indirekten Steuern sich ergebenden Anteil zu den oben aufg-zLhlten besonderen Stenern hinzu, so er» flieht sich für den landwirtschaftlichen Besitz eine Gefamt- besteuerung von 32,76 Proz. deö Einkommens, für den städtischen Grundbesitz eine solche von 24,76, für den beweglichen Besitz von 11,76, für den Gewerbe» und HandelS- staod von 20,7 Proz. des Einkommens.
Diejenigen, welche zu den oben berechneten 1565 Mill, direkter Steuern gar nichts beitragen, haben nur die 7,76 Proz. indirekter Steuern zu entrichten. Es sind dies vor allem die Arbeiter und die von geringem Lohn, Sold ober Gehalt lebenden Angestellten. Im allgemeinen kann man die Einkommen bis zu 2000 Franks als frei von jeder direkten Steuer betrachten, doch variiert die Grenze in den verschiedenen Orten ganz bedeutend. In Paris, wo alle Wohnungen unter 400 (thatsächlich unter 500—600) Frank« Miethe von der Wohnsteuer frei sind, stnd alle Einkommen unter 4000 Franks lediglich mit jenen 7,76 Proz. belastet. Zn diesen mehr ober weniger beizutragen steht dem Arbeiter, Angestellten rc. insofern vollständig frei, als er sich in dem Konsum hochbesteuerter Verbrauchsartikel, «le der geistigen Getränke, des Tabaks, de« Zuckers rc., mehr ober weniger einschränken kann. UebrigenS wird außerdem der Höhe der indirekten Steuern durch die Bemessung der Löhne wesentlich Rücksicht getragen. So stnd beispielsweise in Parts, welches die höchstnormierten Verbrauchssteuern hat — dieselben betragen fast das Dreifache derjenigen der anderen großen Städte Frankreichs — die Löhne um 50 bis 70 Proz. höher al« anderswo. Der
Mit dieser Hoffnung kehrte Anna Boleyn in die Festräume zurück, wohin sie ihre Pflichten als Hoffräulein rufen. Aber auf dem langen Korridor, den sie durcheilt, vertritt ihr plötzlich Lord Caffolk, ein Kavalier Heinrich« VIII.; den Weg und überreicht ihr ein Billet de« Königs.
Anna empfängt e« zitternd und öffnete es bebend. DaS Billet enthält eine in den zärtlichsten Worten abgefaßte Liebeserklärung de« König« und dessen Bitte, feine süße Anna bald In feinen Armen zu sehen.
Anna Boleyn wird todesblaß, sie ringt die Hände und jammert verzweifttt, so daß Lord Caffolk, der Vertraute de« Königs, heftig erschrickt. Dann zerreißt Anna plötzlich da« Billet, stellt sich zornig und mit fliegendem Äthern vor Lord Caffolk und spricht mit bebender Stimme:
„Sagen Sie Sr. Majestät, ich sei die Braut Lord Percy'« und ein ehrliche« Mädchen l" —
Dann fliegt Anna Boleyn wie ein gehetzte« Wild davon und läßt Lorv Caffolk allein stehen.
Der Bote des König« Ist ganz betäubt und fürchtet den Zorn Heinrichs VIIL wegen seiner Ungeschicklichkeit, ein Stelldichein mit dem Hoffräulein vereitelt zu haben. Aber wenn auch Lord Caffolk den Zorn Heinrich« fürchtet, so freut er sich doch auf die Rache und Strafe, die da« hochmütige Hoffräulein, die einen eigenhändigen Brief des König« zerriß, erreichen wird, denn Lord Caffolk gehörte auch einst zu den Verehrern Anna Boleyn'« und hatte von ihr einen Korb erhalten.
Sorgfältig liest daher Lord Caffolk die am Boden liegenden Stücke de« zerrissenen Briefe« zusammen und begiebt .sich zu dem König, der In einem einsamen Gemache sehnsüchtig Lord Caffolk mit einem zärtlichen Briefe Anna Boleyn'« zurück erwartet (Fortsetzung folgt.)