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Kr. 178

Marburg, Donnerstag, 31 Juli 1884

xix. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undVogler in Frankfurt a M. Ham­burg, Magdeburg u. Wien; giubolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, Münchenuud Mn: ® L Daube und Co. tn Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.

GklMchc J fituiiß

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie b.Annoncen-Bureaux ISgersche Buchhandlung in Frankfurt oM.; Hermann scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin,

Dresden und Leipzig; I. Barck n. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteö SonntagStlatt" durch die Expedition (Koch sche Buchdruckerei) bezogen 2A Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

_________________________ Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

öflT* Für die Monate August und September nehmen auf die

Oberhesfische Zeitung

nebst deren Beiblätter

Amtlicher Anzeiger

für die Kreise Marburg und Kirchhain

und

Illustrierte» Louutagrblatt

alle Postanstalten Bestellungen entgegen, auf dem Lande auch die Postboten.

In Marburg sind Bestellungen bet der Expedition zu machen._______________________________________________

Deutsches Reich.

Berit«, 29. Juli. Unser Kaiser hat als Gabe für die durch die diesjährigen Ueberschwemmungen der Weichsel und Nogatniederungen heimgesuchten NieverungSbewohner der Provinz Posen den Betrag von dreitausendMark dem Zentralunterstützungökomitee tn Danzig überweisen lassen. Der HandelSmintster hat die brteiligtm Behörden und Beamten davon in Kenntnis setzen lassen, daß für das Jahr 1884 die Einsendung der Nachweisungen über die Ergebnisse der gewerblichen Unterstützungskassen unterbleiben kann und über die künftige Einreichung dieser Nachweisungen besondere Verfügung ergehen wird. Den Steuerbehörden ist amüich ein Erkenntnis des Reichs­gerichts mitgetetlt worden, wonach durch Zusetzen von Zucker­stoff zu bereits abgegorenem Bier beim Avfüllen auf Flaschen eine Brausteuer-Defraudation begangen wird. Die An­träge ausRevision" der Gewerbeordnung versprechen sobald noch kein Ende zu nehmen. Seit einigen Jahren macht man von sritm des Zentralvereins deutscher Zahnärzte Ver­suche, die RegierungSkreise für die Aufsaflung zu gewinnen, daß die freie Gewerbeausführung der fog.Zahntechniker" eineGefährdung der Gesundheit der Bevölkerung" tn sich berge. Bis jetzt scheint man an maßgebender Stelle sich davon noch nicht überzeugt zu haben, aber das statistische Material über die einschlägigen Verhältnisse ist gesammelt worden und zwar soll sich daraus ergeben, daß die Zahl der praktizierendenZahntechniker" die dermedizinisch ge­bildeten Zahnärzte" um daS Doppelte übersteigt. Vielleicht sind tn vielen Fällen die hohen Preise der Zahnärzte schuld gewesen, daß sich diese Konkurrenz der Zahntechniker heraus gebildet hat. Hin und wieder begegnet man bereit- An­gaben über die Gestaltung des nächstjährigen Reichsetats, namentlich insoweit die Bedürfnisse der Heeresverwaltung in Betracht kommen. ES dürste aber doch kaum schon an der Zeit sein, mit genaueren Mittellungen in dieser Hinsicht hervortreten zu können. Als im allgemeinen feststehend kann nur daS Eine gellen, daß der KriegSmintster bestrebt

4 M« mißlungener Scherz.

Rovellette von L. Salm.

.Ich glaube, e« kommt schon heute zwischen ihnen zur Erklärung," sagte Edgar, die Zweige der Laube, tn welcher er sich mit Tante Margarethe befand, auSeinanver biegend, und mit seinen Blicken daS Paar verfolgend, daS im trau­lichen Gespräch den breiten Gartenweg hinab wanderte. Ihre weiße Hand lag auf seinem Arm, ihre Augen hingen au seinen Lippen. Edgar konnte sich das leise Unbehagen nicht verhehlen, da» er dabei empfand.

Ich fürchte, Edgar," hob die Tante bedenklich an, der Scherz wird übel ablaufm; man soll nie zu übermütig sein! Gteb Acht, Du wirst eS bereueu."

Ist eS meine Schuld, wenn Leo die Sache zu wett treibt?" verteidigte er sich heftig, und fest, Auge haftete noch immer an den beiden, bis sie hiutrr einem dichten Ge­büsch verschwunden waren.

Adelheid hielt ihren Schritt an, als st« sich außer dem Bereich von Edgars Beobachtungen wußte. Str schaute mit einem allerliebsten Errötm zu ihrem Begleiter auf, dann fentte sie wieder verwirrt die Blicke nieder."

Sie sprachm gestern," begann sie stockend,rin «in böse« Wort war es ihr Ernst?"

Er verstand ste sofort. Seine Züge umdüsterten sich.

Leider, mein Fräulein," sprach er mit tief schmerzlicher Stimm-,leider ruht ein dunkle- Berhängniß mll schwerer Hand auf mir und fordert, ohne Rückflcht auf meinen Willen, daß ich nie rin Weib mein nennen darf."

Aber vielleicht einen Mann," sagte ste kurz. In ihren

sein wird, keine bedeutenderen Mehrforderungen zu stellen. Daß der Militäretat an und für sich die Tendenz zu einem langsamen, und wie e- scheint, unabänderlichen Steigen hat, wird Herr v. Bronsart freilich ebenso wenig, wie Herr v. Kameke verhindern können. Völlig ungewiß.ist zur Zeit, inwieweit die Reorganisation de- Artilleriewesens sich im nächstjährigen Etat ziffernmäßig bemerkbar machen wird. Man hat den Eindruck, al- ob das letzte Wort in dieser Frage noch keineswegs gesprochen ist und als ob der Kaiser die bisher ihm vorgelegten militärischen Gutachten nicht für eine genügende Grundlage gehalten, um seine Entscheidung zu treffen. Die Nachricht, daß Geheimrat Koch den französischen Orden der Ehrenlegion erhalten hat, ist bisher weder bestätigt, noch dementiert worden. Namentlich in der französischen Presse sucht man vergeblich nach einem Worte der Aufklärung über die merkwürdige Meldung. Hier ist man noch immer überwiegend der Meinung, daß e- ge­raten sein dürfte, bi- dahin, wo da- PariserJournal officiel" die Verleihung de- Orden- amtlich gemeldet hat, an der angeblichen Thatsache der Dekorierung zu zweifeln. Schon seit längerer Zeit macht sich bet der Kavallerie der Notschrei bemerkbar:Mehr Futter weniger Gewicht!" Da- Gewicht zu vermindern, ist, wie ein bekannter StabS- oWrr und einer der schneidigsten Reiter der preußischen Kavallerie schon mehrfach betont hat, geradezu eine Lebens­frage und jede Sorgfalt sollte darauf verwendet werden, da- Gepäck de- Kavalleristen so weit nur angänglich zu beschränken. So finden sich mancherlei Gegenstände, die ohne weitere Schädigung leicht in Wegfall kommen könnten. ES ist deshalb folgende- in Vorschlag gebracht: 1. Kleinere Packtaschen mit vermindertem Inhalt (zweites Paar Stiefeln rc.); 2. statt vier Hufeisen zwei (ein hin­teres und ein vorderes); 3. statt 50 scharfer Patronen nur 30 (in der zu vergrößernden Patrontasche unterzu­bringen); 4. statt 32 Hufeisennägel nur 16 (in der Huf­eisentasche) ; 5. Schabracken, Karabinerfutteral, Umlauf­riemen in Wegfall (Karabiner über den Rücken); 6. leichtere Säbel, Steigbügel u. s. w. Hierdurch meint man eine Ge> Wichtserleichterung von mindestens 46 Pfund zu erzielen. DaS im telegraphischen Auszug schon mitgeteilte, vom Aus­schuß der Gesellschaft für deutsche Kolonisation an die Freunde und Förderer de- KolonisationSgedankenS gerichtete Anschreiben hat folgenden Wortlaut:Auf Anregung des Ausschusses der Gesellschaft für deutsche Kolonisation ist eine Anzahl von Herren zusammengetreten, welche ent- schlosien ist, in engster Verbindung mit der genannten Ge­sellschaft gegen Mitte September d. I. in Südafrika größere Länderstrecken anzukaufen, und auf diese Weise mit der Anlegung einer deutschen Ackerbau- und Handelskolonie vorzugehen. Diejenigen, welche geneigt sind, sür sich oder ihre Angehörigen oder für sonstige Zwecke an dem ersten Landankauf mit einem Betrage von mindestens 5000 Mk. zu beteiligen, werden aufgefordert, sich zu einer auf den

Augen zuckten schalkhafte Dämonen, ihre Mundwinkel beb­ten von verhaltenem Lachen.

Er schaute sie bestürzt an. Endlich brach er tn Lachen aus, in da- ste fröhlich einstimmte.

Sie geben sich dazu her, Mädchen betrügen zu helfen?" sagte ste plötzlich ernsthaft.Bemühen Sie sich doch nicht vergebens, und stehen Sie mir lieber bei, mich an meinem boshaften Vetter zu rächen."

Sie hielt ihm ihre Hand hin und er legte die seine hinein. Ein leichtes Geräusch ließ sie aufblicken Edgar stand am anderen Ende des Ganges. Seine Blicke schie­nen zu flammen, als er die verschlungenen Hände sah.

Adelheid, die Tante mft Dich," sprach er rauh.

Ich gehe schon," antwortete ste, folgsamer al« ge­wöhnlich und eilte davon.

Edgar trat rasch auf seinen Freund zu.WaS soll daS?" fragte er verdrießlich. «Du verlobtest Dich doch nicht gar mit ihr? Blamirt soll sie nicht werden, nur ein wenig geneckt."

Aha, beginnt bereits di« Eifersucht Dich zu quälen? Brennt Dich jetzt selbst daS Feuer, daß Du schadenfroh angezündet hast?"

Wo denkst Du hin? Ich eifersüchtig? Hätte ich dann wohl einen solch gefährlichen Nebenbuhler mir mitge­bracht?" Er lächelte.Sie ließ sich nicht irren."

Wer weiß!" antwortete ste kopfschüttelnd.Des Mm- schm Herz im allgemetnm ist ein trotziges und verzagtes Ding und des Verliebten Herz im besonderen."

Ich möchte bersten vor Freude, wenn ich mir denke, waS für ein verdutztes Gesicht sie machen wird, wenn sie

19. August in Berlin anberaumten Zusammenkunft ein­zufinden und sich zu diesem Zweck mit dem Ausschuß der Gesellschaft für deutsche Kolonisation baldigst tn Verbin­dung zu setzen. ES würde ihnen hier Gelegenheit geboten werden, über daS vom Ausschuß nach reiflicher Erwägung zur Durchführung ausersehene Projekt sowie über alle tn betracht kommenden Einzelfragen Auskunft zu erhalten. Schon vorher aber würde der Ausschuß der Gesellschaft auf Verlangen bereit sein, Jntereffenten die Namen der­jenigen mitzuteilen, welche bereit- jetzt fest gewillt sind, aus eigenen Mitteln da- patriotische Unternehmm zur Aus­führung zu bringen. Dr. Karl Peters, Berlin W., Dennr- witzstraße 23, Graf Behr-Bandelin, Gützkow bei Bandelin (Neu-Vorpommern), Dr. jur. Jühlke, Sanssouci (Potsdam). Da uns über die Verhältnisie dieser Gesellschaft und der leitenden Personen nichts näheres bekannt ist, so be­schränken wir uns auf den Abdruck dieser Aufforderung. Wer Lust hat der Sache näher zu treten, dem wird eS ja nicht an Gelegenheit fehlen, Erkundigungen einzuziehen. Kultusminister v. Goßler wird am Freitag Berlin verlassen und seinen längeren Sommerurlaub antreten. Zunächst begibt sich derselbe nach TaraSp. Vor seiner Abreise wird Herr v. Goßler wahrscl einlich noch dm preußischen Ge­sandten bei der Kurie hier sehm und sprechm. Der be- kannte ReichötagSabgeordnete Dr. Perrot hat soeben in Frvnkfurt a. M. ein Schnittwarengeschäft eröffnet.

Lieguitz, 27. Juli. Der Jahresbericht der hiefigm Handelskammer macht über das JnnungSwefen des Bezirk- folgende Mitteilungen: Das hiesige JnnungSwesm war, sowohl was die Thätigkeit im JnnungSverband, al- in dm einzelnen Innungen betrifft, recht lebendig; namentlich wurde vom JnnungSverbande, wie schon seit einer Reihe von Vorjahren, so auch im Jahre 1883, eine öffentliche Ausstellung von Handwerker-LehrlingS-Arbeiten veranstaltet, die wiederum von recht guten Resultaten begleitet war. Auf Antrag der hiesigen Schuhmacher-Innung hat der Herr Regierung-«Präsident Hierselbst in Gemäßheit de- Artikels 1 des Gesetze- vom 18. Juli 1881, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, bezw. de- § lOOe der Gewerbeordnung für da- Deutsche Reich in der Fasiung vom 1. Juli 1883, nach Anhörung de- hiesigen Magi­strats als Aufsichtsbehörde der Schuhmacher-Innung, für den Bezirk der letzteren bestimmt:1. Streitigkeiten aus den Lehrverhältniffen der im § 120a der Gewerbeordnung bezeichneten Art von Personen, welche das Schuhmacher­gewerbe selbständig betreiben, mit ihren Arbeitern stad auf Ausrufen eine- der streitenden Teile von dem Schiedsgericht der Schuhmacher*Innung auch dann zu entscheiden, wenn der Arbeitgeber, obwohl er zu Aufnahme in die Innung fähig sein würde, gleichwohl der Schuhmacher-Innung nicht angehört. 2. Die von der Schuhmacher-Innung bisher erlaffenen Vorschriften über die Regelung der Lehrverhält- niffe, sowie über die AuSbUdung und Prüfung der Lehr-

beim Eintritt hier die Gesellschaft wahrnimmt," sagte Edgar, im Zimmer auf und ab schreitend und jetzt vor einer auf dem Sopha ruhenden jungen Dame stehen bleibend.

Sie war von hoher, imponierender Gestalt. In reicher Fülle umrahmten die dunkelblonden Locken ein fein ge­schrittenes, regelmäßiges Antlitz, die tiefblauen Augen hatten einen schwärmerischen Ausdruck und schienen ein Uebermaß von Heiterkeit verbergen zu wollen.

Du hast Deine Rolle nicht übel gespielt, Schwester­chen, aber hast Du auch schon darüber nachgedacht, wie Du Dich mit Adelheid versöhnen willst, wenn sie die Heber» raschung wahrnimmt, die wir ihr hier bereitet haben?"

Devke Du nur darüber nach," mahnte die Tante, die mit nicht eben zufriedener Miene in .ihrem Lehnstuhl saß, nach meinem Ermeffm droht Dir ein schwerere- Un­gewitter al- Leonie."

Und wenn ich recht urtheile, ist ihm bei diesem Gedan­ken nicht wohl zu Mut," spottete die junge Dame.Aber ich fürchte auch," sagte sie plötzlich ernst und mit einem leisen Seufzer hinzu,daß die Sache kein gute- Ende neh. men werde. Man soll einen Scherz niemals zu weit treiben."

So seid Ihr Frauen," brummte Edgar ärgerlich, vorher seid Ihr mit Leib und Seele dabei, wenn e« gilt, einen Streich auszuführen; aber wenn es zur Entscheidung kommt, dann verläßt Euch der Mut, und Ihr fangt an zu bedenken und zu fürchten."

Ein Diener trat ein und überreichte Edgar einen Brief, dessen Couvert er hastig zerriß. Die Aufschrift war von Adelheid- Hand. (Aortsetzung folgt.)