Marburg, Mittwoch, 30. Juli 1884.
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Oberhesfische Zeitung
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Illustrierter Sonntagsblatt
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Zur Lage »er Reichspostbeamte».
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Die Verhältnisse der Post-
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beffernng ihrer Besoldung in Aussicht stelle, mehr glaubten; die Postsekretäre hätten nicht einmal das Gehalt wie die preußischen GerichtSsekretäre; die Stimmung gegen den Staatssekretär Dr. Stephan sei eine sehr bittere. Auch auS früheren Zuschriften erhielten wir den Eindruck, als sei die Postverwaltung hauptsächlich darauf aus, große Ueberschüfse aus der Postverwaltung zu erzielen und werde deshalb an dem Beamtenpersonal, namentlich durch Verwendung nicht voll bezahlter Arbeitskräfte, allzu sehr gespart. In einer heutigen Zuschrift wird unö mitgeteilt, daß eS in den Kreisen der Postbeamten sehr unangenehm berührt hat, daß aus der Kaiser-Wilhelmsstiftung zur Unterstützung armer Postbeamter und ihrer Hinterbliebenen große Summen (4800 Mk.) zu Reisestipendien für Postbeamte verwendet worden sind; man sagt sich, daß solche Stipendien zu Studienreisen, die im Interesse des Dienstes geschehen, aus den Mitteln des Etat« genommen werden und die noch geringen Mittel der Wilhelmsstiftung für die Notstände der Beamten und ihrer Witwen und Kinder reserviert bleiben sollten. Wenn in Nr. 20 des Amtsblattes des Reichspostamts verzeichnet ist, daß 93 Beamte aus der Kasse 7940 Mk., und dann, daß ein einziger Beamter zu einem Reisestipendium 2400 Mk. erhalten hat, so ist da» aller« dings ein etwas starker Kontrast und man begreift die verstimmende Wirkung einer solchen Maßregel. Klagen von Beamten sind ja nichts Neues, aber in keinem Ressort kommen ste so häufig, so anhaltend und so dringend
beamten müsien deshalb doch wohl in ganz besonderer Weise ungünstig liegen. Es wäre deshalb dringend zu wünschen, daß höheren OrtS eine gründliche Untersuchung angeordnet und die Mißstände, welche sich wirklich vorfinden, abgestellt würden. In der unS vorliegenden Zuschrift heißt es, die Stimmung in den Kreisen der Postbeamten sei eine derartig verstimmte, daß zu befürchten wäre, der größte TeU derselben würde bei den Wahlen den Freisinnigen und Sozialdemokraten zufallen. Wir wollen hoffen, daß diese Anschauung zu pesstmistisch ist; allein, wenn ste nur halb wahr wäre, so wäre das gerade genug, um die Aufmerksamkeit der Regierung mit allem Ernste auf diese Zustände zu richten; denn was soll daraus werden, wenn erst unter dem Beamtentum des Staate« infolge der Behandlung desselben sich eine solche Stimmung festsetzt, welche nur noch Hilfe erwartet von der Unterstützung der Feinde der Regierung und des Staates. In welche abschreckenden Tiefen läßt das blicken — und gerade jetzt, wo daS Heer der Staatsbeamten sich gegen früher ungeheuer ausgedehnt hat. ES ist also aller Grund vorhanden, die Klagen der Postbeamten nicht leicht zu nehmen, und die höchste Staatsleitung hat alle Ursache, darauf zu sehen, daß nicht im Interesse einer falschen Sparsamkeit die Lage der Beamten eine bedrückte wird.
Sozialdemokratische Neigungen waren bekanntlich auch
.Adelheid lauschte mit zurückgebeugtem Haupt den mei- .Spiel und ein eigentümlicher Ausdruck lag dabei ' ’?ren; Zügen. Niemand sprach ein Wort.
^,3etzt Endete das Spiel mit einem rauschenden Accord, ‘ schlanke Gestalt trat in die Tür.
^»Herrlich, magnifique!" rief ihm Edgar entgegen, In« 8 "delh^d einige Worte des Dankes flüsterte und wieder
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Ein mißlungener Scherz.
Novellette von L. Salm.
»Die Liebe beginnt in ihrem Herzen Wurzel zu fchla- V dachte Edgar und wunderte sich, daß die Schaden- ude, die er dabei empfand, rin so wenig angenehmes !Rl war.
, .Ich glaube, ste verlieben sich gegenseittg in einander," ""erte er der Tante zu.
, .Taugenichts," war die mit einem vielsagenden Lächeln ^ieilete Antwort. —
*
schon vor einigen Jahren in den Kreisen des niederen Beamtentums nicht selten. Aus Hannover wird uns berichtet, daß ein Regierungsbaumeister Keßler aus Berlin vor einigen Tagen daselbst vor einer großen Bauhandwerkerversammlung eine Rede in völlig sozialdemokratischem Stile gehalten hat, so daß ihm von der Polizei daS Wort entzogen und die Versammlung auf Grund veS Sozialistengesetzes aufgelöst werden mußte, was zu sehr tumultuarischen Scenen führte. In seiner Rede wendete sich Herr Keßler auch gegen die Kirche und gab ste dem brüllenden Hohnlachen seiner sozialdemokratischen Zuhörer in völlig Mostscher Manier preis. Wir teilen nach dem „Hamiov. Tageblatt" folgenden PaffuS feiner Rede wörtlich mit, um zu zeigen, auf welchem niedrigen und frivolen Niveau dieser Mann sich bewegte, wie ihm auch jede Spur von Verständnis der großen segensvollen Wirkung der christlichen Weltanschauung für die sozialen Verhältnisie abgeht und in welcher wahrhaft gemeinen Weise er die Arbeiter gegen daS, was allein ihnen Freiheit und Menschenwürde gebracht und garantiert, aufzuhetzen versuchte. Er sagte:
„M. H.I Erwarten Sie von anderer Seite nichts. Man sagt, die Kirche könne Ihnen Helsen. (Große Heiterkeit.) E« ist wahr, ste könnte Ihnen helfen, die Möglichkeit wäre vorhanden. Wenn die Kirche uns alle zu dem naiven Glauben zurücksühren kann, wie er im Mittelalter war und in manchen Schichten der Bevölkerung noch heute existiert, daß, je mehr ein Mensch auf der Erde hungert, je mehr eö ihm schlecht geht, desto höher sein Platz in der ewigen Seltgkett sein werbe (Heiterkeit), wenn wir dafür uns begeistern können, dann wäre die soziale Frage sehr leicht gelöst. Wir zögen in die Wüste, lebten von Wurzeln und Honig und fühlten uns als Vegetarier oder dergleichen daselbst wohl. (Stürmischer Beifall.) Diese Zeiten sind aber unwiderbringlich vorbei und nicht wieder zurückzu- brtngen. Mag es Windthorst oder Stöcker sein, aus diese Hilfe müsien wir leider verzichten."
Diese Stelle aus der Rede eines „Regierungsbau- meisterS" ist ein bemerkenswertes Zeichen der Zeit, daS man nicht übersehen sollte, well eS viele Verhältnisse grell beleuchtet; denn schwerlich ist Herr Keßler der einzige Mann seines Zeichens, der so denkt. Aber auch für dir Kirche ist eö rin Wink, ihre Hände nicht müßig in den Schoß zu legen, weil ja der Staat die Sozialrrform in die Hand genommen habe! (R.-B.)
rief Leo von Rheden aus. „Höchstens mag Edgar sehen, wie er fertig wird, aber für Sie sorge ich mit Ihrer Er- laubniß."
Er hatte bei den letzten Worten mit flinker, geschickter Hand die Blätter übergossen und reichte, mit einem schalkhaften Seitenblick auf Edgar, der alten Dame die gefüllte Tasse. Edgar machte sich nun mit einiger Verlegenheit daran, auch seine Tasse zu füllen; doch geriet dieselbe in so bedenkliches Schwanken, daß ste gewiß niedergefallen und zerbrochen wäre, hätte sie ihm Leo nicht mit schnellem Griff aus der Hand gerissen.
Adelheid ließ, statt des bisherigen zeitweisen WimmemS, jetzt ein leises Kichern hören. Edgar biß sich auf die Lippen.
„In der That, Leo," rief er boshaft, „wenn Du erst verheiratet bist und Deine Frau abgehalten sein sollte, so wirst Du ste recht gut am Theetisch ersetzen können."
.Welch' unpassender Scherz!" entgegnete Leo mit schnell verdüsterten Mienen und einem melancholischen Blick nach Adelheid. „Du weißt doch —*
.Daß Du daS Gelübde gethan hast, nie ein weiblicher Wesen mit Deiner Hand zu beglücken — allerdings, ja, aber man ändert zuweilen seine Ansichten. Und führe un« nicht ht Versuchung." Er machte mit dem Kopfe eine sprechende Bewegung nach Adelheids Seite hin.
Adelheid verließ mit einiger Ostentatton daS Freie.
.Die hat genug gehört," lachte Edgar, sehr befriedigt in dem Bewußtsein, daß Andere sich ebenso gut wie er geärgert hätten. lFortsetzuug folgt.)
Amtlicher Anzeiger
für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Deutsches Reich.
Berlin, 28. Juli. Im September dieses Jahres sollen auf Anregung des Ausschusses für die deutsche Kolonisation in Südafrika von einer Anzahl Herren größere Landstrecken behufs Gründung von Ackerbaukolonieen angekauft werden. Personen, welche sich mit einem Betrage von mindestens 5000 Mark an dem ersten Landankaufe betelligen wollen, werden aufgefordert, sich zu einer auf den 19. August nach
.„„inen nimmt entgegen: Spedition b. Blattes, 7wied.Annoncen-Bureaux ^HaasensteinundVogler ,$ranlfurt a M. Ham» ” a Magdeburg u. Wien; vd-lfMffe ^Frankfurt m Berlin, Münchenund L(- ■ @. L. Daube und $ in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover». Paris.
ihren eigentümlich durchdringenden Blick in sein Antlitz versenkte.
Die Tante rief zum Abendbrot), Adelheid flog zum Theetisch, um das gewohnte aromatische Getränk zu bereiten, indeß die beiden Freunde noch einen Augenblick neben einander stehen blieben. Plötzlich ließ ein schmerzlicher Aufschrei sie jäh herumfahren. Adelheid taumelte und drückte schmerzlich stöhnend ihr Taschentuch gegen den weißen Arm. Die beiden Männer waren im Nu an ihrer Seite, Edgar war es, der sie mit starkem Arm auffing. Sie lehnte einen Moment an seinem pochenden Herzen. •
„Um Gottes Willen, Cousinchen — theuerstes Kind — Fräulein Adelheid — was giebt eS?" tönten die Fragen ringS um sie her.
„Das heiße Wasser — mein Arm — ich habe mich verbrüht," lispelte sie, „oh, oh".
„Verbrüht? Ach, du lieber Gott, ich habe gar nichts bemerkt 1" rief die Tante entsetzt. „Komm, mein süßes Kind, daß ich Dich zu Bett bringe."
„Nicht doch, liebes Tantchen," entgegnet« Adelheid, die sich merklich zu erholen begann und dabei heftig au« Ed- dar« stützenden Armen aufgerichtet hatte, „ich werde draußen bleiben, die ftifche Luft wird mir wohlthun. Nur müßt Ihr sehen, wie Ihr jetzt allein fertig werdet."
Sie nahm, daS Taschentuch um den verletzten Arm gewickelt, in einiger Entfernung vom Tische Platz.
„Nun, da wird wohl Jeder für sich selbst sorgen müssen," meinte die Tante und machte Miene, selbst den Thee zu bereiten.
„Nicht doch, gnädige Frau, da« gebe ich nimmer zu!"
Iben mehr zu. Wir meinten, es fei besser geworden. DaS scheint aber doch nicht der Fall zu sein. Die Berliner ; MaatSbürger-Zeitung" brachte dies« Frage in einem Arische ikel, in welchem die Unzufriedenheit der Postbeamten In n em« chr grellen Farben geschildert wird, zur Sprache; eS habe uf hch h in den Kreisen der Postbeamten geradezu ein Geist des gcsch MauenS gegen die Regierung festgesetzt, der sich immer (295 »eiter entwickle und der sich einerseits in Unlust zur Arbeit, ~ 7" mbttetfelt« in Heuchelei und Strebertum zu äußern pflege, (ptm 3« dem Artikel wird ferner ausgesprochen, die Regierung nfifle sich volle Klarheit verschaffen, z. B. durch Abforderung lten Iller Akten über die sämtlichen in den letzten drei Jahren irzcll« »rgekommenen Bestrafungen, Uebergehungen bet Beförde- - u. M Mgm rc. Wenn die Lage der Postbeamten sich nicht bald ibfowpbtre, so würde die Regierung schon bei den nächsten ) u.; «ichstagSwahlen die Folgen sehen rc. Aehnliche AuS- ^bus» ifiungen finden wir in anderen Blättern. In einer Zu- (1» Hilst, die uns zugeht, wird un« versichert, die Schilderung Tf »Staatsbürger - Zeitung" sei nicht übertrieben, sondern litt wWndig wahr; die Postbeamten seien dahin gekommen, ----- sie keiner offiziösen Nachricht, welche ihnen eine Auf-
i, M panisi wolle« en bild
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes» sowie d.Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt o. M-; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; L. Thienes in Elberfeld.
gjg- Für die Monate August und September li issX^men auf die
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes SountagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2Vt Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu etteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-
tttA 16 Avancement der festangestellten Postbeamten so sehr Uly «rzögert würde und eigentlich nur wenige daS ihnen ge- icatcffa ^tenbe Besoldungsmaximum erreichten u. s. w. ES sind »hum Klagen früher wiederholt im „Reichsboten" zum Aus- * ruck gekommen. Seit einiger Zelt kommen un« keine der-
4 war Abend. Wieder dufteten die Blumen, wieder Unierte das Mondenlicht durch die dichten Baumkronen, - J vor einem Monat, und wie vor einem Monat standen - *7« und Adelheid auf der Treppe neben einander und Id kL l^rem gewohnten Platz faß Tante Margarethe. Aus L Gartensalon drangen durch die geöffnete Tür leise 10) ta8enbt« melodische Töne. — Leo v. Rheden saß drinnen < ? Klavierl' und seine weißen, mädchenhaft Heinen Hände rwD mit anmutiger Gewandtheit über die Tasten. Ed- Ä 8h, r&R’ty ttesfinnend zur Erde nieder, um das spöttische 'ln zu verbergen, da« seine Mundwinkel urnzuckte.
c 1.8 tHe Postanstalten Bestellungen entgegen, auf dem Lande ich die Postboten.
In Marburg sind Bestellungen bei der Expedition iu machen.
. . Wenn matt den Staatssekretär Dr. Stephan im RelchS- agt reden hört, dann meint man, die Postbeamten seien ~e" it bestgestellten Beamten und hätten durchaus keine Ver- inU «laffung zur Klage. Hört man dagegen die Postbeamten, I Gch »it Ausnahme der wenigen hochgestellten, bann stellt sich in ein ie Sache ganz anders dar. Von den verschickensten Post- yorM tarnten aus den verschiedensten Gegenden sind uns ganz ;n sr” itfelben Klagen seit Jahren zugekommen über ArbeitS-
(295 ibnbürdung, über allzugroße Ausdehnung der auf geringe ------ Dföten gestellten Hilfsarbeiter und Stellvertreter, wodurch