Skr. 17»
Marburg, Sonnabend, 26 Juli 1884.
XIX. Jahrgang.
«mtigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasensteinundVogler in Frankfurt a M., Ham. kurg, Magdeburgu. Wien; «udvlf Moffe in Frankfurt e M., Berlin, Münchenund «öln; ®- L- Daube und Eo. t» Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. (Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrtrte» SonntagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie dAnnoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner t. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
E" Mr die Monate August und September nehmen auf die
Oberhesfische Zeitung
nebst deren Beiblätter
Amtlicher Anzeiger für die Kreise Marburg und Kirchhain und
Illustrierter Souutagrblatt
alle Postanftalten Bestellungen entgegen, auf dem Lande auch die Postboten.
In Marburg sind Bestellungen bei der Expedition zu machen._________________________________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Juli. Der „Reichs-Anzeiger" publiziert das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren. — Die nach Spanien und Portugal bestimmten Briessendungen jeder Art, auch eingeschriebene und Wertbriefe, werden nach den in Spanien zum Schutze gegen die Einschleppung der Cholera au« Frankreich bestehenden Quarantäne-Vorschriften behufs der Durchräucherung mit einem scharfen Instrument durchstoßen. ES läßt sich hierbei nicht vermeiden, daß in die Sendungen eingelegte wertvolle Gegenstände, wie Wertpapiere, Photographieen, Bücher, wissenschaftliche Zeitschriften rc. mit durchschnitten bezw. beschädigt werden. Den Absendern solcher Gegenstände, welche Beschädigungen an letzteren vermieden zu sehen wünschen, kann daher nur angeraten werden, die Versendung mit der Briespost nach den bezeichneten Ländern bis zur Aufhebung der Quarantäne-Maßregel auszusetzen oder auf einen anderen Weg der Uebermittelung Bedacht zu nehmen. — Graf Herbert Bismarck, der neue Kaiserliche Gesandte im Haag, wird dem Könige der Niederlande erst anfangs September seine Akkreditive überreichen. Augenblicklich weilt derselbe inVarztn; er wird den Reichskanzler begleiten, falls derselbe eine Badereise antreten wird. Es ist auffallend, daß Graf Herbert Bismarck feinen neuen Posten alsbald wieder verlassen hat, während doch binnen kurzem die wichtigen Verhandlungen der Generalstaaten über die Regentschaft und über die eventuelle fernere Regelung der holländischen Thronfolge beginnen werden. Man jnimmt, wie der „Magd. Ztg." berichtet wird, in hiesigen diplomatischen Kreisen an, daß gerade im Hinblick auf riese Verhandlungen der neue Kaiserliche Gesandte im Haag angewiesen worden ist, Holland zu verlaffen, damit auch der Schein einer Beein- fluffung von deutscher Seite in bezug aus diese wichtigen Fragen vermieden werde. — In den Listen der zum Dienst- auSzeichnungökreuze in Vorschlag zu bringenden Osfiziere und Sanitäls-Osfiziere ist nach Anordnung deS Kriegs- Ministeriums vom 11. d. Mts. eine den Personalbogen
betreffende neue Rubrik aufzunehmen. Gleichzeitig wird bestimmt, daß abkommandierie Osfiziere stets von demjenigen Truppenteile in Vorschlag gebracht werden, bei welchem sie Dienste leisten. Die SanitätS-Offizlere sind dagegen wie bisher ausschließlich vom Generalstabsärzte deS Heeres vorzuschlagen. — Nach einem von dem Krlegsmintsterium mitgeteilten Verzeichniffe befreit ein einjähriger Besuch folgender berg-, forstwirtschaftlichen und technischen Lehranstalten nach 8 11 der Verordnung vom 11. März 1880 über die Ergänzung der Offiziere des Friedensstandes junge Leute, welche im Besitz deS Abiturienten-ZeugniffeS auf Beförderung zum Offizier in das Heer eintreten, von dem Zwangsbesuche einer Kriegsschule vor abzulegcnder Prüfung. ES find dies folgende Anstalten: in Preußen: die technischen Hochschulen in Berlin, Hannover, Aachen, die Bergakademien in Berlin und Clausthal, die Forstakademieen in Eberswalde und Mündm; in Baiern: die technische Hochschule in München; in Sachsen: daS Polytechnikum in Dresden, die Bergakademie in Freiberg, die Fcrstakademie in Tharandt; in Württemberg: das Polytechnikum in Stuttgart; in Baden: die polytechnische Schule in Karlsruhe; in Heffen: die technische Hochschule in Darmstadt; in Braunschweig: die technische Hochschule Carola Wilhel- mina in Braunschweig. — Die Afrikanische Gesellschaft in Deutschland hat der „K. Ztg." zufolge eine neue Expedition ausgerüstet, um das südliche Congobecken gründlich zu erforschen. Leiter der Expedition ist der Premierleutnant vom 47. Regiment, E. Schulze. Ihm werden sich zwei Osfiziere deS 17. Regiments, darunter als Topograph Premicrleutnant Kund in Neu-Breisach, sowie der Assistenz- Arzt Dr. Wolff in Britz bei Berlin als Arzt und Anthropologe, sowie der Realgymnasiallehrer Dr. Büttner in Potsdam als Botaniker, Zoologe und Mineraloge anschließen. Die Abreise wird Ende d. MtS. von Hamburg aus mit dem Dampfer „Wörmann" erfolgen. Heute mittag gab der Generalsikretär der Afrikanischen Gesellschaft, Konsul Annecke Hierselbst, der Expedition ein AbschiedSeffen. — Der hiesige ständige Korrespondent des „Newyork Herald" giebt bekannt, daß weder er, noch sein Vertreter die Notiz über den „Verein mit dem langen Namen" am 5. Juli an das genannte Newyorker Blatt telegraphiert hat und daß er derselben vollständig fern steht. Der Inhalt der dem „Newyork Herald" telegraphierten Nachricht ist schon dementiert worden. Wie die merkwürdige Mitteilung ihren Weg nach dem „Newyork Herald" gefunden, bleibt mithin vorläufig unaufgeklärt.
Haauover, 23. Juli. Heute abend wurde hier eine Arbeiterversammlung aufgelöst, in welcher Baumeister Weßler aus Berlin über „die Notlage der Bauhandwerker und über die Abhilfe derselben" sprach rcsp. sprechen wollte. Der Redner erkannte an, daß nicht nur die Frage, waS ein Meister geben wollte, sondern auch diejenige, waS er geben könne, den Lohn bestimme. DaS Maß deS Könnens er
klärte er mit abhängig von dem Submissionswesen, gegen welches er sich nun wandte. Eben wollte er den Stand- punkte der Regierung und einiger Mitglieder der Aristokratie zu diesen Fragen beleuchten, da erklärte der beaufsichtigende Polizeikommiffär auf Grund des Sozialistengesetze« die Versammlung für aufgelöst. — Die Ftnanzverhältnifle der Hermannsburger Mission sind leider wenig erfreuliche. Wie aus dem Jahresberichte ihrer Hauptkaffe hervorgeht, beläuft sich ihre Schuldenlast, ganz abgesehen von den auf den auswärtigen Besitzungen lastenden Schulden, auf 86,745 Mark, die um so schwerer abzutragen sind, als die weite Verzweigung der Mission trotz einer vielleicht zu großen Sparsamkeit, die man den Missionaren gegenüber walten läßt, alljährlich erhebliche Geldmittel erheischt und an eine Einschränkung der Missionsthätigkeit seitens de» Pastors Harms nicht gedacht wird. Diese Verhältnisse haben denn daö hiesige Oberprästdium, welches eine Kontrolle über die Hermannsburger Finanzen auözuüben berechtigt ist, dazu veranlaßt, der Missionsleitung eine fernere Kontrahierung von Schulden ohne zuvor eingeholte Genehmigung zu untersagen. UebrigenS muß die Opferwilligkeit des verhältnismäßig kleinen Kreises, welcher Gaben für die Hermannsburger Mission einsendet, rühmend anerkannt werden. Hat doch die Einnahme der Mission in den 7 Monaten vom 1. Juli bis 31. Dezember 1888 nicht weniger als 166,883 M. betragen. Wie weit die Reformen vorgeschritten sind, welche Pastor HarmS ins Werk zu fetzen bestrebt ist, darüber verlautet noch wenig. Nur so viel erfährt man, daß 6 Miffionare in Afrika, deren Verhalten zu bedeutenden Ausstellungen Anlaß gegeben hat, ihres Amtes entsetzt sind. Es kann daS nicht verfehlen, einen guten Eindruck aus diejenigen zu machen, welche e6 mit großem Kummer ansahen, daß bislang gar manche« bei der Hermannsburger Misstonsleitung im argen lag.
Weimar, 22. Juli. Der Grobherzog wird in diesen Tagen aus den Niederlanden in WilhelmSthal zurückerwartet. Die Großherzogin beabsichtigt, am 31. Juli oder 1. August sich über Wien nach Gastein zu begeben, nachdem sie in Wien der Taufe der Tochter deS Prinzen Reuß beigewohnt hat. — Präsident Dr. Fries, der infolge feiner Ernennung zum Präsidenten des hiesigen Landgerichts fein Mandat zum Landtage niederlegte, ist in feinem Wahlkreise Jena vor einigen Tagen wiedergewählt worden. — Vor etwas mehr als Jahresfrist erfolgte die Einführung eines neuen Gesangbuches für die Gemeinden des Großherzog- tumS. Obwohl von jeder Zwangsmaßregel Abstand genommen wurde, hat die Einführung einen recht schnellen Verlauf genommen. In fast zwei Dritteln der Gemeinden ist dasselbe bereit« im ausschließlichen Gebrauch während bisher nicht weniger als 13 verschiedene Gesangbücher zulässig waren,
Darmstadt, 23. Juli. Die „Mainzer Zeitung" dementiert die Scheivung des GroßherzogS von Heffen in
Die mittlere Zeit «ud die «ach dieser gehende« Uhre«.
(Schluß.)
Um zu jeder beliebigen Zett stets die mittlere Zeit angegeben zu erhalten, hat man ein Kunstwerk erdacht, welches gewiß zu den sinnreichsten Schöpfungen de» Menfchen gehört. ES ist dies die Uhr, welche uns gestattet, die Zeit bis zu den kleinsten Teilen zu meffen und welche es uns ermöglicht, den Raum in Zeit zu verwandeln, um die Fernen des Himmels einer Meffung zu unterziehen, insoweit diese überhaupt in den Bereich unseres VerftändntsseS gezogen werden können.
Die Uhren sind gewiffermaßen die Zeit; mit jedem Pendelschlage verschwindet das Jetzt unv fällt der Vergangenheit zu. Gehen wir nun etwas genauer auf die Beschaffenheit der Uhren über. Bei jeder Uhr kommt eS auf deren Gang und Stand an. Der Gang einer Uhr besteht darin, daß die von derfelben angegebene Zeit stets gleich bleibt mit derjenigen, welche von dem Eintreten des Mittelpunktes der mittleren Sonne in den Mittagskreis an gerechnet bis zu dem unmittelbar darauf «folgenden gleichen gedachten Eintreten vnflißt oder, wie man dies anderwärts angegeben findet: „der Gang der Uhr ist der Unterschied, welcher zwischen ein;r, durch die Uhr gegebenen, gewissen Zeitdauer unv der nämlichen, durch die wirklich mittlere Sonnenzeit gegebene Zeitdauer sich angiebt". Die Uhr muß innerhalb 24 Stunden eine gleichdauernde, gleichförmige Bewegung zeigen. Innerhalb dieses Zeitraumes müffen der große Zeiger 24 mal und der kleine Zeiger 2 mal den Umkreis bt» Zifferblattes durchlaufen. Ist die« der Fall, dann hat die Uhr einen richtigen Gang; bei jeder Abweichung hier- d»n geht die Uhr entweder zu langsam oder zu schnell.
Als Anfangspunkt der vorqedachten Zeit, nämlich der zwischen dem ununterbrochenen zweimaligen Vorhandensein deS Mittelpunktes der mittleren Sonne in dem MittagS- kreise, wird der Augenblick angenommen, wo der gedachte Sonnenmittelpunkt genau in dem Mittagskreise steht. Von diesem Augenblicke an haben die Zeiger einer Uhr ihre Thätigkeit zu beginnen, um den S t a n d derselben anzugeben, dessen Begriff sich hiernach ergiebt. Anderwärts finden wir dies so angegeben: „der Stand der Uhr ist der Unterschied, welcher zwischen einer, durch die Uhr gegebenen, Zeitepoche und der nämlichen, durch die wirkliche mittlere Sonnenzeit angegebenen Zeitepoche sich ergiebt". Diese beiden anderweiten Bestimmungen über den Gang und den Stand der Uhren finden sich in G. A. JahnS Abhandlung über die Uhren.
Den Stand der Uhr giebt der Sternkundige an, während es Aufgabe deS Uhrmachers ist, der Uhr den richtigen Gang zu geben. Der Stand der Uhr wird durch deren Zeiger angegeben und wird durch jede Verrückung derselben geändert. Wenn gesagt wird: eine Uhr geht so viel vor oder noch, dann bedeutet die» nichts weiter, als daß der Stand dieser Uhr ein anderer ist im Vergleiche zu einer weiteren Uhr, drückt aber keineswegs aus, daß der Gang der Uhr ein unrichtiger sei. Aus dem Stande der Uhr ergiebt sich, ob sie zu viel oder zu wenig zeigt.
Werfen wir hiernach einen Blick auf die Marburger öffentlichen Schlaguhren, zu baten wir auch die in dem neuen Postgebäude angebrachte rechnen, die wegen ihre« fehr Hellen reinen Glockentones vielfach „daS Kinderstimmchen" genannt worden, so ist im allgemeinen der Gang dieser Uhren als ein guter zu bezeichnen, was vorzugsweise von
der sogenannten Elisabethenuhr und der gedachten Postuhr gilt. Aber der Stand dieser Marburger Uhren ist beinahe stet« ein verschiedener, der oft um mehrere Minuten von einander abweicht und der, nach den deshalb angestellten Beobachtungen der Sonnenhöhen vormittags und nachmittags, nur selten als der richtige sich darstellt. — Wenn nun auch solche Abweichungen von einigen MInutm auf das bürgerliche Leben keinen besondern nachteiligen Einfluß äußern dürften, so muß es doch in einer Universitätsstadt mit einer Sternwaite auffallend erscheinen, daß auch nicht eine öffentliche Uhr sich hier befindet, welche regelmäßig die mittlere Zeit angiebt. Nicht jeder Uhrmacher ist in der Lage, die richtige mittlere Zeit anzugeben, wenn er nicht gerade im Besitze eines solchen Uhrwerks ist, das die mittlere Zeit stets auf eine gewiffe Dauer richtig angiebt. Aber auch diese Uhrwerke bedürfen von Zeit zu Zeit ihrer Berichtigung. AIS Auskunftsmittel, felbst zur Stellung eines solchen befferen Uhrwerks, wird gewöhnlich eine Mittags- link gezogen oder eine Sonnenuhr benutzt, mit Anwendung der Zeitgleichung. Es ist aber bekannt, daß hiermit nur annähernd die richtige mittlere Zeit erhalten werden kann, was wir hier wegen Mangels an Raum nicht weiter aus« führen können. An den Orten, wo sich Sternwarten befinden, wird meistens von diesen die mtttlne Zeit an eine bestimmte öffentliche Uhr abgegeben, welche bann als bk Richtuhr für alle anbereu öffentlichen Uhren an biefem Orte gilt. Sollte dies nicht auch in Marburg zu bewerkstelligen fein? Wir zweifeln nicht daran, daß der gegenwärtige Inhaber der hiesigen sogenannten Sternwarte sich g ru bereit finden laffen wird, irgend einem hiesigen Uhrmacher, welchem die Fürsorge einer hiesigen öffentlichen