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Marburg, Sonnabend, 12. Juli 1884.

XIX. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d Annonren-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a M , Ham­burg, Magdeburg u. Men; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, Rtünchen und jköln; G L. Daube und So. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover u. Pari-.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ♦ Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. jPreiS für dar Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerei) bezogen 3V« Kett, durch die Postämter de- Deutschen Reiche- 3 Mark 50 Pfg (erd. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet

Deutsche» Reich.

Berlin, 10. Juli. In der unter dem Borsitz deS Staats-Minister» von Bötticher am 9. Juli abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurden die Beschlüsie des Reichstages vom 24. und 28. Juni d. I., betreffend eine Petition wegen Gewährung von Entschädigung für Verluste, welche aus dem 1870 stattgehabten Abschluß von Holzankaufssteschäften mit der deutschen Ztvilverwaltung in Nancy erwachsen sind, sowie betreffend Abänderungen deS amtlichen Warenverzeichnisses zum Zolltarif« dem Reichs­kanzler überwiesen. Den Beschluß deS Reichstags vom 28. Juni d. I. zu der Petition, brtr. die Zollbehandlung fichtener Eisenbahnschwellen, überwies die Versammlung den zuständigen Ausschüssen zur Vorberatung. Wegen deS Sr. Majestät dem Kaiser vorzulegenden Vorschlages in betreff der Ernennung des Vorsitzenden des ReichS-BerstcherungS- amtS wurde von der Versammlung Beschluß gefaßt. Als nichtständige, aus der Mitte des Bundesrats zu wählende Mitglieder des Reichs - Versicherungsamts wurden für die Zeit bis zum 1. Juli 1888 gewählt: der Königlich baye­rische Bevollmächtigte, Ministerialrat Herrmann; der Königl. sächsische Bevollmächtigte, Geheime RegierungSrat Böttcher; der Großherzoglich badische Bevollmächtigte, StaatSrat Dr. Herrwart. Eine bei einer DiSziplinarkammer erledigte Mit« gliedsstelle gelangte zur Wiederbesetzung. Mehreren Steuer­leuten wurde die Zulassung zur Schifferprüfung auf große Fahrt ausnahmsweise bewilligt, auch einem Matrosen die Führung eines Schiffes auf einer bestimmten Fahrtstrecke aus­nahmsweise gestattet. Der Antrag Mecklenburg-Schwerin-, betreffend die Aenderung der Gehaltssätze für Assistenten und Einnehmer in dem Etat der ZollverwattungSkosten, wurde genehmigt, der Antrag Preußens wegen Aufnahme der elektrischen Beleuchtungsanlagen in das Verzeichnis der nach § 16 der Gewerbeordnung genehmigungspflichtigen Gewerbeanlagen zur nochmaligen Vorberatung an den zu­ständigen Ausschuß zurückverwiesen. Schließlich machte der Vorsitzende Mitteilung von der auf Grund früherer Be­schlüsse an die Ausschüsse stattgehabten Ueberweisung mehrerer Eingaben von Privaten. — Die „Berliner politischen Nach­richten" schreiben: Durch das Reichsamt des Innern sind im Laufe des heutigen Tages diejenigen Maßnahmen ge­troffen worden, welche von feiten der Cholera-Kommission behufs Abwehr der Ausbreitung der Cholera im deutschen Reiche in Vorschlag gebracht worden sind. Die vorbereiten­den Schritte waren schon vor einiger Zeit geschehen, so daß beim Eintreffen des ersten Berichts des Geh. Rats Dr. Koch unverzüglich vorgegangen werden konnte. In diesem vom 5. Juli datierten Berichte erklärt Herr Dr. Koch, haß man es in Toulon unzweifelhaft mit der echten astatischen Cholera zu thu» habe und daß, wenn die Touloner Aerzte von einer milderen Form der Krankheit sprechen, dies wohl daher rühre, daß verschiedentlich starke Diarrhöen als Cho-

i7 Heimkehr.

Erzählung von H anS War ring.

Dieser Brief kam aus einem Seebade und enthielt die Bitte, er mög die Gelegenheit eines Wiedersehens nicht vorübergehen lassen. Sie habe nicht in ihn dringen wollen, nach Dftau zu kommen, da er eine so entschiedene Abneigung dagegen offenbart habe. Aber jetzt erlaube ein günstiger Zufall den Geschwistern, auf neutralem Gebiete zusammen zu kommen, — er möge nicht säumen, ihn zu benutzen. Justizrat Cramer und Hanna, mit benen sie die Reise ge­macht, pflegten alljährlich sechs Wochen in dem kleinen stillen Badeorte zu verleben, und wären dieser Gewohnheit auch in liefern Jahre treu geblieben, obgleich der Ort auf­gehört habe, still zu sein. Vor ein paar Jahren habe eine Prinzessin hier gebadet und seftdem sei die große Welt auf dieses ungemein reizend gelegene Oertchen aufmerksam ge­worden. Nun gebe eS hier wie anderSwo Bälle, Soireen, Konzerte und Liebhabertheater, — kurz, Thilo »erde von seinen gewohnten Genüssen nichts vermissen, wenn er käme. Zudem seien ein paar Familien aus der Ostauer Gegend da, mit deren Sühnen er, wie sie gehört, eng befreundet sei. Für gesellige Anknüpfungspunkte sei also gesorgt, — und was hoffentlich den Ausschlag geben werde, so sehne sie sich so sehr, ihn nach langer, kantiger Trennung einmal wiederzusehen. Auch ihm wurde eS warm umS Herz als er diese Worte la». Er fühlte, wa» schon Tausmde vor ihm gefühlt, daß e» doch etwas eigene» sei, um die Bande des Blutes, — daß sie stark genug seien, Trmnung und Zwiespalt zu überdaueru. Die einzige Schwester Wieder­sehen l Da« holde, liebliche Kind in seinen Armen halten,

lera behandelt wurden. In Wirklichkeit trete die Seuche heftig auf und mache rapide Fortschritte. Wenn die Cholera bisher eine intensive Verbreitung in der Umgegend von Toulon nicht gefunden habe, so sei die» auf den gebirgigen Charakter dieser Umgebung zurückzuführen, welche auch bei früheren Choleraepidemieen in Toulon weniger stark und rasch in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Infolge dieses Berichtes sind seitens des Reichsamts des Innern sofort die notwendigen Schritte geschehen, um die Bundesregierungen von dem Stande der Angelegenheit in Kenntnis zu setzen und dieselben zur Durchführung der für diesen Fall vorauS- gesehenen Maßregeln zu veranlassen. ES betreffen diese Maß­regeln daS Revisionssystem bezüglich der Untersuchung der aus dem Westen kommenden Eisenbahnzüge, Desinfektion, Einsetzung von Lokalkomitees, welche die Aufgabe haben, die sanitären Zustände der einzelnen Orte zu prüfen und die Beobachtung der sonitätSpolizeilichen Vorschriften zu überwachen. Dir Einrichtung von Choleralazarett-Stationen u. s. w., ferner Sperrmaßregeln sind nicht beabsichtigt. Die diesbezüglichen Vorschriften werden unverweilt bekannt ge­macht werden. — Im „Reichsanzeiger" wird folgendes be» könnt gemacht: Unter Bezugnahme auf die von den Re­gierungen der BundeSseestaaten betreffs der gefundheitS- polizeilichen Kontrolle der einen deutschen Hafen anlaufenden Seeschiffe erlassenen Vorichriften bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, daß die französischen Hafenplätze des MittelmeereS al» der Cholera verdächtig anzusehen sind. Berlin, bett 9. Juli 1884. Der Reichskanzler. In Vertretung: Eck.— Im Kultus - Ministerium soll man muerbingS den Plan einer Reform de» MediztnalwesenS wieder ausgenommen haben. Es wird u a. beabsichtigt, Ortö - Gesundheitsräte und Provinzial-Aerztekammern zu errichten, welchen letzteren in Bezug auf die öffentliche Gesundheitspflege eine hervor­ragende Mitwirkung gewährt werden soll. Man darf ins­besondere gespannt darauf sein, ob folgender seitens der Berliner medizinischen Gesellschaft nach eingehenden Be- ratungm im Februar d. I. angenommenen Resolution Rechnung getragen werden wird: „Eine disziplinäre Beauf­sichtigung der Aerzte seitens deS Staats liegt weder im Interesse deS Publikums, noch in unserem Wunsche. So freudig wir eine staatlich anerkannte Vertretung des ärzt­lichen Standes begrüßen würden, müssen wir uns doch mit aller Entschiedenheit gegen den Erlaß von Bestim­mungen aussprechen, wie sie durch die Verordnung vom 6. Dezember 1883 für Baden eingeführt sind." — Dem Vernehmen nach ist die Vorbereitung der einzelnen Posi­tionen des landwirtschaftlichen Ministeriums pro 1885 bis 1886 bereits insoweit in Angriff genommen worden, als seitlns dieses Ministeriums Vorkehrungen getroffen sind, um die Ansprüche an den zur Subvention der land­wirtschaftlichen Vereine bestimmten Dispositionsfonds fest- zustellen. Hierbei wird namentlich die Höhe der Ausgaben für die Hauptzwecke de« Vereins in Betracht gezogen, so

da» er nie ohne eine Regung stolzer Zärtlichkeit hatte be­trachten können I Zu welchem herrlichen Frauenbilde mochte sie erblüht sein I — ES wurde ihm nicht schwer, Urlaub zu erlangen, und schon an einem der nächsten Tage machte er sich auf den Weg.

Der Badeort, wo er Gabriele treffen sollte, liegt auf einer der größeren unweit der Küste NordfrieSlands in der Westsee gelegenen Inseln. Justizrat Cramer war einer der ersten Badegäste gewesen, deren sich daS Oertchen hatte rühmen können. Seit länger als fünfzehn Jahren war er ihm treu geblieben, trotz mancher Mängel in Verbindung mit dem Festlande, die erst ht neuester Zeit beseitigt worden waren. Auch seine Wohnung hatte er im Laufe dieser Zeit nicht gewechselt, — noch immer bewohnte er dasselbe kleine weiße Häuschen mit den grünen Fensterläden und der Laube von wildem Wein, da» et gewählt, als er zum erstenmal den Fuß auf die Insel gesetzt. Am andern Ende deS Dorfes hatte sich seitdem vieles verändert. Da waren Lnstwäldchm und Promenaden angelegt, — da erhoben sich in den geraden breiten Straßen elegante Logierhäuser und Hotels. Auf der Uferpromtnabe wogte ein rege» Leben, und ht ben Sälen deS großen Kurhauses auf dem Hörnumer Berge tanzte allabendlich eine elegante Gesellschaft nach ben Klängen eine» wohlgeschulteu Orchester». Die Saison stand gerade auf dem Höhepunkte ihres Glanze«, al» Thilo anlangte. Schon während des Anlegen« de« Dampfbootes, dessen An­kunft die ganze Badegefellschast auf der Uferhöhe versammelt hatte, wurde er von bekannten Gesichtern begrüßt. Alte und junge Freunde streckten ihm die Hände entgegen. Da« sei eine gute Idee, daß er an« der heißen staubigen Stadt sich ebenfalls in die frische Kühle de« Seebade» geflüchtet

die Ausgaben für landwirtschaftliche Mittelschulen, Acker­bauschulen, Winterschulen, Fortbildungsschulen, Versuchs­stationen, Wanderlehrer, Fischzucht-Anstalten, Förderung des Obstbaues, Prämiierung von Pferden, Rindvieh rc., ferner die Koste» für Ausstellungen, Genossenschaftsbildungen rc.

Kiel, 10. Juli. Prinz Heim ich ist auf der „Hansa" um 81/2 Uhr morgen« hier eingetrvffen.

Göttingen, 8. Juli. Gestern fand eine von 3 bis 400 Personen besuchte Versammlung statt, welche sich zu gunsten der Dampfer-Subvention aussprach. Hauptredner war Professor Dr. Wagner, der besonders die Bedeutung subventionierter Dampferlinien für Hebung der Waren­ausfuhr hervorhob. Nachdem noch die Professoren Reinke, Dove und der Vorsitzende Rechtsanwalt Eckels sich in gleichem Sinne ausgesprochen hatten, wurde eine Adresse an den Kanzler beschlossen, in welcher um Wtedervorlage des Entwurfs gebeten wird.

Hamburg, 10. Juli. Bei der Beratung des dring­lichen Antrags des Senats, betreffend die Erbauung einer Epidemie Abteilung auf dem Platze für das neue Kranken­haus, nahm die Bürgerschaft den Antrag des Dr. Levy mit 58 gegen 50 Stimmen an, wonach zum Zwecke der Ergreifung von Maßregeln gegen eine etwa eintretende Cholera-Epidemie 150 000 Mark bewilligt werben. Eine zweite Lesung des Antrags ist notwendig. Die nächste Sitzung ist auf morgen festgesetzt.

Darmstadt, 9. Juli. Das Oberlandesgericht hat gestern die Trennung der morganatischen Ehe des Groß- hetzogs von Hessen mit der Frau von Kolemine auf Grund gegenseitiger Einwilligung ausgesprochen. Vertreter des Großherzogs war Herr Lotheissen, Vertreter der Frau von Kolemine Herr Justtzral Dr. Horwitz. Der Gerichtshof war zusammengesetzt auS den beiden Präsidenten Dr.Görz und Dr. Müller, sowie aus den Herren Ober -Land eSge- richtSräten Königer, v. Hesse und v. Ricou. Auf welchen sittlichen und Rechtsgrund hin die Scheidung ausgesprochen wurde, ist noch nicht bekannt geworden. Im hessischen Recht sind nur Ehebruch und demselben gleichbedeutende bösliche Berlassung zulässige EhescheidungSgründe. — Es wäre sehr zu beklagen, wenn diese Affaire, die mit der Beiseitesetzung der christlich-sittlichen Anschauung von dem heiligen Ehestände begann, in einer Weise beendigt würde, welche geeignet wäre, für den sittlichen Charakter des staat­lichen Eherecht- bedenkliche Konsequenzen zu haben. Wie aber auch die traurige Episode beseitigt ist: Die russische Dame trägt ans ihrem Roman die „deutsche Gräfin" und ihre Rente von 20,000 Mark weg, die sie nun, wie es heißt, in Paris verzehren wird. Aber das ist noch nicht das Schlimmste; viel mehr zu beklagen und kaum wieder gut zu machen ist die sittliche Verwirrung, insbesondere der Schaden, welchen dadurch die fürstliche Autorität erlitten hat. Allein auf der anderen Seite hat die Sache doch auch den erfreulichen Beweis geliefert, daß das sittliche

habe, meinte man. ES lebe sich hier ganz behaglich, — gutes Bad, — vortreffliche Küche, — und die beste Gesell­schaft! Und dabei könne man sich zwanglos unb ungeniert bewegen, — eS gehe doch nichts über ein solch erfrischendes Badeleben während der heißen Sommerzeit! — Man hatte während diese« Gespräches die Parkanlagen erreicht unb bie Gesellschaft zerstreute sich in bk verschiedenen Wege. Thilo hielt sich zur Seite eines Ostauer Nachbarn, des alten Grafen von Hoche, eines altbewährten Freundes seiner Familie. Der alte Herr hatte ihm stets ein freundliche« Wohlwollen gezeigt, — es that Thilo sehr wohl, daß er ihm auch jetzt eine Art väterlicher Vorsorge zu Teil werden ließ.

Wenn er noch nicht anders über sich bestimmt habe, sagte der Graf, so möchte er ihm den Vorschlag machen, dasselbe Hotel zu wählen, daS er mit seiner Familie be­wohne : daS Rantumer Wappen. Er getraue es sich, ihm noch ein Zimmer zu verschaffen, obgleich da« Haus schon bis unter da« Dach gefüllt sei. Freilich werde er sich an­fänglich etwas behelfen müssen, — aber in nächster Woche gehe der Urlaub seines Sohne« zu Ende, und dann stehe ihm dessen Wohnung zu Diensten. — Im übrigen sei eö ihm lieb, daß er endlich einmal Gelegenheit finde, ihn zu sprechen.

Er sei ein zu alter Freund seines Hauses, um nicht da« ernsteste Interesse an seinem und seiner Schwester Ergehen zu nehmen, und daher werde er eS erklärlich und verzeihlich finden, daß er gleich im ersten Augenblicke de« Wiedersehens ihm seine Freude ansspreche übet die günstige Wendung, welche daheim eingetreten sei. (Fortsetzung folgt.)