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JRarfiurg, Freitag, 11. Juli 1884.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a M, Ham­burg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München und Mn; G L. Daube und Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris-

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jügersche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i-Hamburg; Jnvalidendanl in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

Erscheint- täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. |PreiS für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageZllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'schc Buch drucke re l) bezogen 2Vt Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet

Die russische Westgreuze.

Es ist noch nicht so lange her, daß der politische Himmel zwischen Deutschland und Rußland verschiedene dunkle Punkte" auszuwcisen schien und ängstliche Gemüter sahen uns schon in einen furchtbaren Krieg mit dem Czaren- reiche verwickelt. Zu verwundern war eS daher n'cht, wenn zu jener Zeit die absonderlichsten allarmierenden Gerüchte auslauchten und namentlich brachte da fast jeder Tag über die militärischen Vorkehrungen Rußlands die beunruhigend­sten Nachrichten. Eine Hauptrolle in letzteren spielten neben den angeblichen Truppevzusammenziehungen in Kon­greßpolen die starken Befestigungen, welche die russische Re­gierung längs der Westgrenze angelegt haben sollte und über dieses Befestigungssystem wurden in manchen deutschen Blättern so umfassende Aufschlüsse und Einzelheiten ver­öffentlicht, daß man zu dem Glauben gelangen mußte, die betreffenden Berichte feien an Ort und Stelle von Per­sonen geschrieben, welche in der Lage waren, sich in die auf die neuen Befestigungen bezüglichen Studien und Pläne einen genauen Einblick zu verschaffen. Wer indes aus Er­fahrung weiß, wie schwierig, ja persönlich gefährlich es in Rußland ist, solche und ähnliche Berichte deutschen oder sonst ähnlichen Zeitungen zugehen zu lassen, der vermochte den erwähnten Mitteilungen über das neue russische Be- festigungSsyftem kaum eine allzu große Wichtigkeit beizu- meffen. Es gewann aus diesen Gründen vielmehr den An­schein, daß j ne Berichte nicht an Ort und Stelle, ja vielleicht nicht einmal in Rußland, entstanden und mehr taS Ergebnis ganz allgemeiner Betrachtungen gewesen sein mochten, bei denen auch die Phantasie der betreffenden Be­richterstatter nicht leer ousgegangen sein dürfte. Seit nun in Petersburg eine entschieden friedliche Schwenkung stattgcfunden hat und das gute Einvernehmen mit Deutsch­land wieder hergestellt ist, sind alle jene mehr oder minder kriegerisch gefärbten Gerüchte und Nachrichten plötzlich ver­stummt. Russische der Regierung nahestehende Blätter ver­sicherten erst unlängst, daß die in Polen und Lithauen stehenden Truppen keineswegs vermehrt worden und ihr Stand nur ein den normalen Verhältnissen angemessener sei; was die längs der deutschen Grenze befindlichen russischen Garnisonen betreffe, hieß es weiter, so seien diese so unbedeutend, daß sie un­möglich irgend eine Besorgnis einflößen könnte. Diese beruhigenden Versicherungen der russischen Blätter werden auch wirklich von allen Personen bestätigt, welche seit einiger Zeit aus dem Königreich Polen kommen oder Gelegenheit hatten, die deutsch russischen Grenzstriche zu bereisen. Wie steht es aber mit dem erwähnten neuen, so großartig an« gekündigten russischen Befestigungssystem? Auch in dieser Beziehung finken wir in der russischen Militärzeitschrist RuSki Invalid" einen bemerkenswerten Artikel, welcher alle bisherigen Nachrichten bezüglich der schleunigen Errich­tung neuer und starker Befestigungen in Polen und Lithauen als absichtlich entstellt oder geradezu übertrieben bezeichnet.

16 Heimkehr.

Erzählung von Hans Warring.

Die Trennung von seiner Schwester empfand Thilo schmerzlich, und eS verging in der ersten Zeit kaum eine Woche, daß er die Notwendigkeit einmal htnüberzufahrcn, um nach ihr zu sehen, sich nicht vor Augen gestellt hätte. Bei dieser Gelegenheit hatte er ferner gemeint, könne er der Baronin dann zeigen, nicht durch Worte, denn daS wäre eines GentlemannS unwürdig gewesen, wohl aber durch sein Wesen, durch das er selbst die feinste Nüance seines Empfindens auszudrücken sich getraute, daß der Riß zwischen ihnen unheilbar sei, und daß er nach wie vor sie für die einzige Ursache der ihm zugefügten Kränkung halte. Aber er konnte eS sich doch nicht verhehlen, daß eS eine peinliche Sache sein würde, dieser Frau gegenüber, dieser Empfindung Ausdruck zu geben. Und so hatte er die Reise in die Heimat verschoben und wieder verschoben, bis ihm endlich eie Ueberzeugung gekommen, - ein Briefwechsel mit der Schwester genügend fei, einer Entfremdung vorzu­beugen. So pflegten die Geschwister in regelmäßigen Zwischenräumen Briefe zu wechseln und sich ihre äußeren Erlebnisse witzuteilev, in Denken und Fühlen aber wurden sie sich fremd, wie eS zu gefchehen pflegt, wenn nicht hin und wieder eine persönliche Zwiesprache dem Briejf- weehsel zu Hilfe kommt. Drei Jahre waren auf diese Weise dahingegangen. Die Zeit nahte, da Thilo dm Be­sitz des väterlichen Gutes antreten sollte, eine Zeit, der er nun roch mit einiger Sorge entgegensah. Denn obgleich die Baronin ihm unverkürzt das reiche Jahrgeld ausgezahlt hatte, das er zu Lebzeiten seines Vater« bezogen, hatte e«

Im allgemeinen kann man sich den Ausführungen des genannten russischen BlatteS nur anschließen. An dem westlichen Grenzstriche Rußlands giebt es keine nennens­werten natürlichen Hinderniffe und waS den fortifikatorischen Schutz der Westgrenze betrifft, so kann dieser im Hinblicke auf die Ausdehnung der letzteren als nur wenig ausreichend bezeichnet werden. Für die erfolgreiche Verteidigung Ruß­lands scheinen noch immer die ungeheuer räumlichen, kul­turellen und klimatischen Verhältniffe maßgebend zu sein, denen auch Napoleon I. im Jahre 1812 erlegen ist. Gewiß ist jedenfalls, daß diese eigenartigen Verhältniffe Rußlands den Einmarsch und die Operationen eines feindlichen Heeres auch noch gegenwärtig erschweren. In Polen ist die mitt­lere Weichsel als ein Annäherungshindernis für eine von der deutschen Grenze her anrückende Armee zu betrachten. Diese Linie wird noch überdies durch drei feste Plätze Nowa GeorgiewSk, Iwangorod und Brest Litowski verstärkt, welche ein unregelmäßiges Dreieck bilden, deffen Spitze den schwer zugänglichen Rokitnosümpfen zugekehrt ist. Nördlich decken Bug und Narew diese Stellung, während sie südlich eine Strecke lang an die sumpfigen Ufer des Wieprz stößt. Diese befestigte Linie ist als eine starke Verteidigungsposition zu betrachten, die sich aber zu einem angriffsweisen Vor­gehen weniger eignet, weil die Weichsel nicht genügend über­brückt und die Eisenbahnverbindung in jener Gegend noch nicht gehörig entwickelt ist. UeberdieS sind die genannten festen Plätze, föwie die Citadelle deS strategisch wichtigen Warschau noch nach dem alten fortifikatorischen System er­baut, da« dem heutigen Geschützwesen nicht mehr gewachsen ist. AuS diesem Grunde hat man auch im Laufe der jüngstm Jahre die erwähnten drei Festungen, sowie Warschau mit einer Reihe FortS verstärkt, welche der modernen Ar« tillcriewaffe Widerstand zu leisten vermögen. Es ist auch kürzlich davon gebrochen worden, die lithauische Stadt Kowno am Riemen zu befestigen, allein auch diese Absicht könnte nur einen defensiven Charakter trägen. Diese Vervoll­ständigungsarbeiten und Pläne scheinen namentlich mili­tärisch Unkundige zu jenen übertriebenen Mitteilungen und Alarmnachrichten veranlaßt zu haben, welche wir im Ein­gang unseres vorliegenden Artikels erwähnten.

Deutsche» Reich.

Berlin, 9. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers an den Sekretär der Akademie der Wissenschaften, Profeffor AuwerS, welcher demselben für feine Verdienste bei der Expedition zur Beobachtung deS Venusdurchgangs, wobei die deutsche Wiffenschaft in hohem Maße Erfolg und Würdigung errungen, ingleichen allen Mitwirkenden Anerkennung ausspricht und für die Hilfe und Gastlichkeit dankt, welche den Expeditionen von den in der Ferne lebenden StammeSgenoffen und vielen Ange­hörigen anderer Nationen zu Teil geworden ist. Die Nordd. Allg. Ztg." teilt statistische Nachweisungen mit,

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doch nicht ganz gereicht, die Ansprüche zu befriedigen, welche er an das Leben machte. ES war nicht sowohl Genußsucht, was ihn bewogen hatte, über seine Mittel hinauSzugehen, als vielmehr die Rücksicht, die er seiner Stellung als Träger eines alten Namens, und als einer der elegantesten und vielversprech ndsten jungen Männer seines Kreises, schuldig zu sein glaubte. Dieser Rücksicht hatte er vollständig ge­nügt, sein Ruf in der Gesellschaft stand fest. Er wußte, daß er einer der begehrtesten jungen Kavaliere war, der mit ziemlich sicherem Erfolg unter den reichsten Töchtern des Landes wählen durfte. Auch in seiner Karriere hatte er keinen Mißerfolg gehabt. Was ohne Mühe, gestützt auf einen alten Namen unv gute Familienverbindungen zu er­reichen ist, hatte er erreicht. Er hatte im auswärtigen Amte in dem Bureau eines Vetters seiner verstorbenen Mutter gearbeitet, soviel etwa, um so ungefähr den Gang der Ge­schäfte kennen zu lernen.] Mit Arbeiten hatte man ihn nicht überbürdet, ein Vorteil, den er sich eifrig zu nutze ge­macht hatte. Nun aber war et sieben und zwanzig Jahre alt geworden, und die oft genoffenen Vergnügungen der Gesellschaft fingen an, ihm schal und unschmackhaft zu er­scheinen. Die Frage, ob eS nicht einen ernsteren und tieferen Lebensgehalt gebe, drängte sich ihm öfter und dringender auf. Zuweilen trieb es ihn, die Nichtigkeiten seines Lebens von sich zu werfen und in ernster Arbeit seine Kraft zu erproben. Wo aber diese Arbeit finden. In seiner Karriere stand et jetzt an bet Grenze, über die selbst ein alter Name und die besten Verbindungen chm nicht hinweghelfen konnten. Nur eigene Kraft und erprobte Tüchtigkeit, nur daS Ver­trauen seiner Vorgesetzten konnte ihm die Stellung geben, nach welcher er sich sehnt. Aber bi« jetzt hatte et nicht«

welche die Richtigkeit deS in der Petition der Hamburger Kaufleute, betreffend die Einführung von Zuschlagszöllen auf den indirekten Import überseeischer Artikel, behaupteten großen Umfang« der Einfuhr überseeischer Produkte in Deutschland über nichtveulsche Häfen ergeben. DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt dabei, von den überseeischen Einfuhr- Artikeln erhebe Frankreich einen Zuschlagszoll, wenn die­selben nicht direkt aus überseeischen Ländern in französischen Seehäfen eingehen; Oesterreich.Ungarn gewähre eine Zoll­ermäßigung gewisser Artikel, wenn sie über österreichisch­ungarische Seehäfen eingehen, ohne eine direkte Einfuhr aus überseeischen Ländern zu verlangen. Unter allen Umständen werde, gleichviel welches System zur Anwendung gelange, durch differenzielle Begünstigungen für die Einfuhr über deutsche Seehäfen der Einfuhrhandel mit überseeischen Pro­dukten von ausländischen Häfen abgezogen und auf die heimischen Häfen konzentriert werden. Daß die Konsum- Interessen der westlichen und südwestlichen Telle Deutschland« durch eine solche Maßregel beeinträchtigt würden, könne nicht zugegeben werden. Der Detailhandel bei den wich­tigeren Kolonial-Artikeln, wie Kaffee und Tabak, spiele eine solche Rolle, daß derselbe die Ausgleichung etwa eintretender geringfügiger Differenzen mit Leichtigkeit übernehme. Ein Zuschlag von etwa 5 Mk. für den Doppelzentner nicht über deutsche Seehäfen eingeführten Kaffees und ein Zuschlag von etwa 10 Mk. für den Doppelzentner nicht über deutsche Seehäfen eingehenden Rohtabaks dürfte genügen, um dem Handel und der Schiffahrt der deutschen Seestädte einen solchen Vorsprung zu geben, daß Deutschland die auSlän- dische Vermittelung bei dem Bezüge dieser Artikel entbehren könne. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei der Mehrzahl der übrigen Artikel. Unter Aufhebung des Zirkular- erlaffks vom 19. Mai 1878 hat der Minister der öffent­lichen Arbeiten durch Zirkularerlaß vom 25. v. M. über die Fortgewährung der Remunerationen u. s. w. an die zu Militärübungen einberufenen diätarisch beschäftigten Hilfs­arbeiter der allgemeinen Bauverwaltung, was folgt, bestimmt: 1- Hinsichtlich der zu dauernder Beschäftigung übernommenen Regierungs-Baumeister. Sofern dieselben als Offiziere ein­berufen sind, hat der vorgesetzte Regierungs-Präsident u. s. w. nach Lage der persönlichen Verhältnisse des betreffenden Be­amten zu entscheiden, ob und inwieweit die ihm aus Militär- fondö zustehenden Tagegelder auf feine fixierte Remuneration anzurechnen sind oder ob ihm letztere ungeschmälert zu be­lassen ist. Den zu den Mannschaften des Beurlaubten­standes gehörenden Beamten wird die Remuneration ohne Anrechnung der Militärkompetenzen fortgewährt. 2. Hin­sichtlich der sonstigen, nur vorübergehend beschäftigten HilfS- arheiter. Denselben wird während der Dauer der militäri­schen Uebungen ein Einkommen au« ZivilfondS in der Regel nicht gewährt. Der vorgesetzte Regierungs-Präsident u. s. w. ist indes ermächtigt, auch diesen Hilfsarbeitern ihr bisheriges Zivileinkommen in Gemäßheit der unter Nr. 1 enthaltenen

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grthan, um den Ernst seines Streben« glauben zu machen. Er hätte von vorne anfangen müssen, und dagegen bäumte sich sein Stolz auf. Vielleicht hätte er doch bester gethan, wenn er den Rat Heinrichs befolgt und den mühevolleren Weg eingeschlagm hätte. Dann wäre er jetzt gut vorbereitet und könnte fein Leben mit einer nutzbringenden Thätigkeit ausfüllen. Aber solche Gedanken pflegte er schnell wieder zu verscheuchen. Dos Beste war, ruhig in seiner Lage auszuharren, bis er Ostau übernehmen konnte. Das würde ihm den ruhigen Halt geben; eine reiche Heirat sollte ihm das Leben sorgenfrei gestalten, und ihm auch die Mittel gewähren, seine drängenden Gläubiger zu befriedigen.

Was diese letzteren anbelangte, so hatten sie sich dem vornehmen jungen Herrn gegenüber noch immer rücksichts­voll benommen. Sowohl das in Aussicht stehende väterliche Erbe, das sich unter der umsichtigen Verwaltung der Stief­mutter mit jedem Jahre verbesserte und wertvoller gestaltete, al« auch die glänzenden Aussichten, die sich ihm in der Ge­sellschaft eröffneten, schienen ihnen genügende Sicherheit zu gewähren. ES war allgemein bekannt, daß Baron Thilo im Hause des Geheimen Kommerzienrats Pörscher, des viel­fachen Millionär«, ein gerngesehener Gast war, und daß Fräulein Gustav- Pörscher, die schönste und zugleich koketteste der Töchter des HauseS, die einzige, die trotz der unzählig vielen Anträge, die sie gehabt, noch unverheiratet war, die Bewerbung de« jungen Barons vor jeder anderen begünstigte.

So standen die Dinge, als Thilo durch einen Brief GabrielenS zu einem raschen Entschlüsse bewogen wurde.

(Fortsetzung folgt.)