Marburg, Dienstag, 8. Juli 1884.
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außer den 6 bestehenden Abteilungen für die auswärtigen Angelegenheiten, für die Militär-Angelegenheiten, für Justiz, für Handel und Finanzen, für die inneren Angelegenheiten und sür Kultus und Erziehung noch zwei neue Abteilungen, nämlich für landwirtschaftliche Angelegenheiten und für öffentliche Arbeiten gebildet werden. — Die Zusammen
bei unserem letzten Zusammensein hat er sich mir als zärtlichster , vertrauenvollster Vater gezeigt, — und ein paar Wochen später muß ich durch sein Testament erfahren, daß er mir das Recht der freien Verfügung über mein Erbe entzieht, um es feiner zweiten Gattin zuzuwenden I Mußt Du nicht zugeben, daß diese Thatsache meinen Verdacht rechtfertigt, dieses Testament sei nicht der Ausdruck von VaterS ursprünglichen Absichten, daß ich ein Recht habe zu mutmaßen, man habe die Tage seiner Krankheit benutzt, ihn gegen mich einzunehmen! Bei gesundem Leibe und klarem Kopfe hätte er diesem Ansinnen widerstanden, hätte er nie darein gewilligt, mir diese Kränkung zuzufügen I"
„Du bist zu empfindlich, Thilo, wenn Du eine Kränkung darin siehst, daß Dein Vater die Teilung seines Nachlaffes bis zur Großjährigkeit GabrielenS aufgeschoben hat. Daß aber die Vormünderin dieser letzteren bis zu diesem Zeitpunkte daS Vermögen verwaltet, erscheint mir als eine durchaus billige und gerechte Sicherstellung Deiner jungen Schwester. Dir ist durch diese Anordnung eine große Verantwortlichkeit von der Schulter genommen, — Du solltest die zärtliche Vorsorge Deines Vaters nicht verkennen."
„Sehr schön! Aber bei alledem bleibt es doch unbestreitbar war, daß mir die Besitzergreifung meines Erbes entzogen ist, auf die ich, der ich feit drei Jahren majorenn bin, unfehlbar ein Recht hätte 1"
„Sie ist Dir nicht entzogen, sondern nur vertagt! Dein Vater hat es in der Erkenntnis gethan, daß eine festere Hand, als die Deine, die Zügel führen müffe. Daß aber Deine Mutter sich dieser schweren Aufgabe unterzogen hat, ist mir ein Beweis, wie treu ergeben sie ihrem Gatten war. Denn glaube mir, es gehött mehr Mut dazu, als mancher
kunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem österreichischen Kaiser findet der „Nat.-Ztg." zufolge bestimmt am 9. Ang. in Ischl statt. — Es ist charakteristisch für die neue Aera der Nationalliberalen, daß selbst Herr Geh. Rat Wehren- pfenntg — der bekanntlich im Kultusministerium beamtet ist, seine Zeit wieder für gekommen HSÜ, um, wie bestimmt verlautet, in seinem früheren hessischen Wahlkreise zu kanditieren.
Dresden, 4. Juli Dem Reichstagsabgeordneten Geh. Hoftat Ackermann wurde heute abend von den hiesigen Innungen „für fein mannhaftes Eintreten für die Jn- tereffen des Handwerkerstandes" ein Fackelzug gebracht.
Leipzig, 4. Juli. Der Stadtverordneten-Verfammlung wurde durch den Oberbürgermeister Dr. Georgi die Mitteilung gemacht, daß er vom Präsidenten des Reichsgerichts, Dr. Simson, die Nachricht empfangen, daß das Reichs- Justizamt das Bauprogramm und die Konkurrenzbedingungen für das neue Reichs-Gerichtsgebäude (bekanntlich ist als Bauplatz ein Terrain auf dem südwestlichen Bebauungsplan erworben worden) genehmigt habe und in nächster Zeit schon die Konkurrenzausschreiben erfolgen werden.
Weimar, 3. Juli. Vorgestern fand in Jena die Einführung deS StaatSrateS Dr. Bürger als Chefpräsident des thüringischen OberlandeSgerichtS und des Geh. Justiz- ratS Dr. Herzog als SenatSprästdenten durch Hrn. Staatsminister Dr. Stichling statt. — Kürzlich ging durch thüringische Blätter und aus diesen in andere die Nachricht, der Kriegerverein in Steinach sei wegen sozialistischer Umtriebe aus dem Südthüringer Kriegerbunde ausgeschlossen worden. Seitens des Vorstandes des letzteren wird jetzt erklärt, daß ein Kriegervereiu Steinach in seinem Verbände nicht existiere.
Erzählung von HanS War ring.
„Sehr gnädig von der Mama! — Ist es nicht etwa ein hartes Ding für mich, Heinz, daß ich das alte Haus, das doch eigentlich jetzt von Rechts wegen mir gehört,
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Mann hätte, in vier Jahren Verhältnisse ordnen zu wollen, die durch ein langjährige« Gehenlaffen leider so in Unordnung geraten sind!"
„Also die Fabel von den zurückgegangenen VermögenS- verhältniffen unseres Hauses hat man auch Dir aufgetischt l" — Nun, ich will Dir gleich von vornherein erklären, daß ich an diese Fabel nicht glaube I Unser Hau« hat immer zu den wohlhabendsten der Provinz gezählt, und außerdem hat meine verstorbene Mutter meinem Vater nock ein namhaftes Vermögen zugebracht. Und wodurch soll alles dieses gefährdet worden sein? Dadurch etwa, daß Vater mit Frau und Kindern einen anständigen, gerade nur seinem Stand und Namen angemefienen Haushalt in Berlin geführt hat? Das stößt einen Besitz wie den nnsrigm nicht uml — Daß man aber dieselbe Fabel auf Vaters geschwächte Nerven hat wirken [affen, um jenes Testament zu stände zu bringen, — das liegt klar zu Tage!"
Die Stimme des jungen Mannes bebte in zorniger Erregung, seine Augen blitzten und auf seiner Stirn lagerte eine finstere Wolke.
„Thilo!" rief Heinrich, sich nun auch seinerseits rasch erhebmd, Thilo! Du klagst die Frau, die Mutterstelle an Dir vertrete«, einer wissentlichen Täuschung an!"
„Ob wissentlich ober nicht, — aber eine Täuschung liegt dieser Fabel zu Grunde!"
„Ich fürchte, es liegt ihr keine Täuschung zu Gmnde," sagte Heinrich mit Nachdruck. „Ich fürchte, Dein Vater hat lange Zeit in dem Irrtum gelebt, dem auch Du Dich hingiebst." (Fortsetzung folgt.)
AM«rd.
Parts, 5. Juli. Nach dem allwöchentlich von der Behörde veröffentlichten statistischen Bericht über die Ge- sundheitsverhältnisse ist konstatiert, daß bisher hier kein Choleratodesfall, vorgekommen. — Der Komponist Viktor Masse, Mitglied der Akademie, ist gestorben. — In der Versammlung des Linken Zentrums des Senats erklärte Leon Say sich gegen die Revisionsvorlage, weil dieselbe nicht bestimmt genug, und weil die Klauseln bezüglich des WahlmoduS und der dem Senate in Finanzangelegenheiten zustehenden Befugnisse unannehmbar seien: — Der chinesische Gesandte Li-Fong-Pao hatte gestern eine Unterredung mit Ferry und soll eine beruhigende Erklärung gegeben haben. Derselbe kehrt voraussichtlich nicht vor der Erledigung des Zwischenfalls von Langfvn nach Berlin zurück. — Waddington kehrt am Montag nach London zurück. Die Regierung beschloß, die verurteilten Anarchisten von Mont- ceau-leS-Mines, ausgenommen Fürst Kropotkin und Luise Michel, zu begnadigen.
Toulon, 5. Juli. Seit gestern abend find hier 7 Per-
DeutscheV Reich.
Berlin, 5. Juli. Der Bundesrat Hot heute eine Sitzung abgehalten, auf deren Tagesordnung aber nur unbedeutende Gegenstände, einige Zoll- und andere Verwaltungsangelegenheiten, standen. Vor der Vertagung wird der Bundesrat noch eine Sitzung, wahrscheinlich am Mittwoch, abhalten, um noch die nötigen Beschlüsse behufs der Konstituierung des ReichSverstcherungsamts zu fassen. ES steht jetzt fest, daß die wichtigen ReichstagSbeschlüffe, über die der Bundesrat noch zu entscheiden hat, also der Ackermannsche JnnnngS- antrag, das Reliktengesetz, die Resolution betreffs der Entschädigung der PrivatverstchernngSbeamten und den Windthorstschen Antrag erst nach den Ferien zur Beratung kommen. Auch der Zollanschluß Bremens wird erst nach dm Ferien beraten. Die Ausschüsse deS Bundesrats haben gestern in dieser Sache ihre Beschlüsse gefaßt; bevor aber der BundeSrat darüber beschließt, müssen die Bremer Bevollmächtigten erst die Zustimmung der Bürgerschaft Bremens einholen. Der wesentliche Inhalt der Vereinbarungen ist: Bei Bremen wird ein Freigebiet errichtet, die Unterweser in das Zollgebiet einbezogen, die Zollgrenze oberhalb Geestemünde über die Weser gelegt, ein Teil am rechten Weserufer bei der Stadt wird Zollenklave, innerhalb welcher keine Zollkontrollen stattfinden; doch beaufsichtigen vereidigte vootsen den Zollverkehr. Zwischen Bremen und Bremerhaven erfolgen bedeutende Verkehrs- und andere Erleichterungen, wie sie betreffs Hamburgs eingetreten. Den Exportbrauereien, Tabaklaugefabrtken und den großen Petroleumraffinerien sind besondere Erleichterungen zugestanden. Die Regelung der Finanzfrage ist noch offen. — Der Reichskanzler macht bekannt, daß der Bundesrat in feiner Sitzung vom 27. Juni d. I. beschlossen hat, den vom 1. Juli d. I. ab für die Verzollung von Zündhölzern und Zündkerzchen in Kistchen maßgebenden Tarasatz auf 20 Proz. festzustellen. — Die „N. A. Z." tritt einer Korrespondenz der „Magdb. Ztg.", betr. die Beziehungen des ehemaligen Marineministers von Stvsch zu den Liberalen entgegen und bemerkt, der Abschied des Herrn v. Stvsch sei nicht durch sein Verhältnis zum Reichskanzler veranlaßt worden. „Wir glauben, daß derselbe im nr-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie b. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck n. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. IPreis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirteö SonutagShlatt" durch die Expedition (Koch'schr Buchdruckerei) bezogen 2^4 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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„Muß, Thilo? — Weshalb solltest Du müssen, waS Du nicht willst? — WaS hindert Dich denn nach Ostau zu gehen? Die Deinigen würden Dich mit Freudm empfangen !"
„Natürlich würde meine gnädige Sttefmama eS an der nötigen Aufmerksamkeit und Rücksicht nicht fehlen lassen. »" "4 $6er unter den jetzigen Verhältnissen halte ich eS doch für
ppaviß besser, ihr fern zu bleiben. — Du mußt nämlich wissen, i wolle, Heinz, Daß Deine Tante während meine« VaterS letzter jen bur Krankheit ihren Einfluß auf ihn in einer Weise gebraucht hat, die mich in meinem Rechte beeinträchtigt. Dir wird landlun "an das ftellich in einem anderen Lichte dargestellt haben, hast wohl gar schon Partei gegen mich genommen?" ------ „Du weißt, daß die» nicht geschehen kann l" entgegnete Heinrich warm. „Aber da wir von diesen Dingen sprechen, ~~ und ich will nicht verschweigen, daß ich in der Absicht, "Ich mit Dir auszusprechen, hergekommen bin, — so sage "I*, wa« Du Deiner Stiefmutter eigenttich vorzuwerfen hast ?" „Was ich ihr vorzuwerfen habe?" fragte der junge Manu aufspringend und in sichtlich schwer bekämpfter Erdung auf und ab gehend. „Wie kannst Du so fragen, " da« liegt doch auf der Hand! — Ihr habe ich e« zu ^rdanken, daß der Vater In seinem Testamente mir, seinem Wisen Hohne, du Mißtrauensvotum gegeben hat! Noch
sächlichen Zusammenhänge stand mit den Prinzipien, nach denen Stvsch einerseits die Marine leitete, andererseits die Stellung des Kaisers zum Militärwesen Überhaupt auffaßte." — ititrit frühere Generalpostvtrektor v. Philipsborn ist gestorben.—
Aus verschiedenen Auslassungen geht hervor, daß man gegenwärtig mit der Einteilung des StaatSratS in einen wetteren und einen engeren beschäftigt ist, von denen der erstere nur in AuSnahmesällen zusammentreten soll. Ferner sollen,
sonen an der Cholera gestorben. — Von heute früh bis abends 8 Uhr sind 4 Personen an der Cholera gestorben. Die Behörde stellt Geheimrat Koch ein besonderes Arbeitszimmer zur Verfügung, sowie alles zum Studium und der Berichterstattung erforderliche Material.
Marseille, 5. Juli. Seit heute früh gab es neun Choleratodesfälle. Es herrscht große Hitze.
Loudou, 5. Juli. Der „Standard" meint, wenn die Großmächte die Vorschläge der englischen Regierung betreffs Egyptens annehmen, so würbe ble Emission der Acht- millionen-Anleihe dem Hanse Rothschild übertragen werden, welches die Anleihe zu drei Prozent al pari mit für zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre unreduzierbaren Zinsen emittieren werde.
Madrid, 5. Juli. In der Kammer sprach sich der Minister des Auswärtigen anläßlich einer Auslassung Vega de Armijos über die auswärtige Politik dahin ans, daß das Kabinet in der marokkanischen Frage eine Politik der vollständigen Zurückhaltung beobachte und daß die Regierung mit Italien, England und Frankreich die Aufrechterhaltung des Status quo vereinbart habe.
Washington, 5. Juli. Das Mitglied des Kongresses, John Kasson, ist zum Gesandten der nordamerikanischen Union zu Berlin 'ernannt worden.
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Marburg, 6. Juli. Bei dem gestern vormittag hier- selbst stattgehabten Ankauf von Remonten waren im ganzen 114 Pferde aufgetrieben, von welchen 9 Stück von bei betreffenden Kommission angekauft wurden. Als durchgängiger Fehler konstatierte man bei der Mehrzahl der vorhandenen Tiere ein zu langer Rücken, mäßiger Gang und schlechte Vorderbeine.
Marburg, 7. Juli. Am vorigen Sonnabend tagte im hiesigen Rathaussaale eine von einigen hier ansässigen Mitgliedern des Deutschen Kolonialvereins berufene Versammlung, welche über Bildung einer Ortsgruppe Marburg des Deutschen Kolonialvereins beriet. Prof. Th. Fischer leitete die Beratung durch einige kurze Hinweise auf die Ziele und Bedeutung des Deutschen KotonialvereinS ein, und nach einer sich daran anschließenden Besprechung, namentlich der Beziehungen des Deutschen KotonialvereinS zu dem Berliner Verein für Handelsgeographie und Deutscher Interessen im AnSlande, dessen hiesige Mitglieder sich jetzt meist ersterem angeschloffen haben, gelangte die beantragte Bildung einer Ortsgruppe zur einstimmigen Annahme. Die Vorstandswahl ergab folgende Namm: Pros. Th. Fischer, Vorsitzender, Kaufmann L. Bücking, stellvertretender Vor- sttzmder, Konsul Dr. OchsentuS, Schatzmeister, Buchhändler Kraatz, Schriftführer. Die neue OrtSpruppe konnte bei zahlreichen neuen Beitrittserklärungen sofort mit 35 Mitgliedern ins Leben treten und es ist zu hoffm, daß sich die Zahl derselben bei der hohen Bedeutung dieses