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Illarkur-, Donnerstag, 3. Juli 1884.
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Die Dampfervorlage.
Die Erklärungen des SlaatSsckretärs Dr. Stephan in der letzten Verhandlung der Budgetkommifston deS Reichstages lauteten nach dem Bericht des „StaatSanz." im wesentlichen dahin:
Auf die Anfragen deS Abg. Bamberger (ob, wie er vernommen habe, die Vorlage mit finanziellen Projekten, Spekulationen in Samoa-Aktien u. f. w. in Zusammenhang stehe) antworte ich mit einem kategorischen „Nein". Daß ein solcher Zusammenhang nicht möglich ist, geht, abgesehen von der über jede derartige Vermutung erhabenen Stellung der verbündeten Regierungen, schon aus der historischen Thatsache hervor, daß der Plan der Begründung überseeischer Postdampserlinien bereits im Jahre 1874, und zwar, wie ich persönlich verstcheru kann, am lendemain der Geburt des Weltpost-BereinS zu Bern entstanden ist und sozusagen entstehen mutzte, weil gerade bei den Verhandlungen deS Weltpostvertrages die Schwierigkeiten und Abhängigkeiten deutlich hervortraten, in welchen sich Deutschland wegen des Mangels an solchen Verbindungen den anderen Großmächten gegenüber befand. Daß nicht sofort an die Ausführung gegangen wurde, lag einfach daran, daß im Innern des eben erst durch die Verschmelzung einer großm Zahl von Einzel - Postgebteten entstandenen Reichs - PostwesenS noch große Organisationsaufgaben zu erfüllen waren, welche sehr bedeutende Mittel in Anspruch nahmen, so z. B. die Ausbreitung der Post- «nd Telegraphenanlagen über daS ganze Reich, durchgreifende Reformen des LandpostwesenS in allen Provinzen, Erhöhung der Beamtengehäller, WohnungSzeldzufchüsfe, Herstellung unterirdischer und überseeischer Telegraphenanlagen rc. Nachdem der Ueberschuß der Postverwaltung von 6 Millionen Mark im Jahre 1875 aus mehr als 21 Millionen Mark im letzten Jahre gestiegen war, woran der Aufschwung deS vaterländischen Erwerbslebens infolge der neuen Wirtschaftspolitik wesentlichen Anteil hatte, konnte an die Verwirklichung des überseeischen Planes herangetreten werden. Es wurde diese Vorlage im Reichspostamt bearbeitet und mitte August 1883 eine Denkschrift an den Herrn Reichskanzler nach Ktsstngen abgesandt. ES kommt in derselben auch
9 Heimkehr.
Erzählung von Hans Warring.
„Und Thilo?" fragte daS junge Mädchen.
„Natürlich ist ihm, als er großjährig wurde, ein gleiche« Erbe zu teil geworden. Und wenn er es jetzt nicht mehr hat, so wird er wohl wifien, wo e« geblieben ist."
„Der arme Thilo I"
„Der arme Thilo hat es ganz gut verstanden, für sich zu sorgen, — es ist unnötig, daß Du es noch thust!" — Heinrich hatte mit einiger Bitterkeit gesprochen, welche durch die Erfahrungen der letzten Tage verursacht und erklärt wurde. Gabriele sah ihn forschend an.
„WaS istS mit Thllo, — weshalb bist Du unzufrieden mit thm?" fragte fle ängstlich.
„Ich meine nur, er hätte etwa« weniger an sich und etwa« mehr an Andere braten können!" entgegnete er abbrechend. „Aber lasien wir diese Dinge I — Könntest Du nicht die Grauen bewegen, ihre Beine etwas rascher zu gebrauchen." tz„Mit den beiden Grauen ist eS ein eigen Ding", sagte sie etwas verlegen. .„Sie haben ihren Kopf für sich, sie folgen lieber ihrem eigenen, als mein m Willen." — Heinrich lachte.
„Gieb mir einmal die Zügel her", sagte er, „vielleicht gelingt eS mir, sie zu der Ansicht zu bekehren, daß sie ihren Kopf nicht für sich, sondern für uns haben sollen!"
Er ergriff Zügel und Peitsche.
„Heinz, schlage sie nicht, — daS verdürbe mir alle Freude an der Fahrt, die so schön angefangrn hat!"
Sie sah ihm bittend in die Augen. Unter diesem Blicke hätte er um keinen Preis den verwöhnten Lieblingen ein Vito amhnn tinnetu Er begnügte sich damtt, die Peitsche
nicht einmal das Wort „Samoa" vor, unb was den Zusammenhang mit Neu-Guinea betrifft, so würde dem Herrn Abgeordneten Dr. Bamberger ein Blick auf die Karte klarlegen, daß Neu-Guinea über mehr als 300 deutsche Meilen von dem Endpunkte unserer Dampferlinie entfernt liegt. Bereits binnen wenigen Tagen ging von Gastein die Genehmigung des Herrn Reichskanzlers zur weiteren Verfolgung der Angelegenheit ein. Demnächst haben, wie ich dem Herrn Abgeordneten Richter ausdrücklich erwidere, sogleich Verhandlungen zwischen den einzelnen Refforts, und zwar der Marine, dem Auswärtigen Amt, dem Reichsschatzamt, dem Reichsamt des Innern und dem Reichs- Postamt, stattgefunden, bei welchen auch eine genaue Prüfung der finanziellen Frage erfolgt ist, über deren angeblich nicht genügende Berücksichtigung einzelne Herren Abgeordnete Ausstellungen zu erheben beliebt haben. Nachdem der Schriftwechsel zwischen den einzelnen ReffortS beendigt war, haben unter den Kommiffarien derselben mündliche Beratungen stattgefunden. ES ist von denselben sodann eine Subkommission gebildet worden, welche sich nach Hamburg und Bremen begeben hat, um durch Einziehung von Erkundigungen bei sachverständigen Rhedern eine sichere Unterlage für die Ausführung der Vorlage zu erhalten. Die Sache ist mit dem größten Eifer seitens aller ReffortS behandelt worden, so daß der definitive Bericht an den Herrn Reichskanzler in der zweiten Hälfte März erstattet und von demselben am 23. März d. I. bei Sr. Majestät die Genehmigung zur Einbringung einer Gesetzesvorlage nachgesucht werden konnte. Wie Ihnen der Herr Staats- Minister v. Bötticher bereits im Plenum mitgeteilt hat, ist die Ermächtigung Sr. Majestät in kürzester Frist erfolgt, und der Entwurf demnächst an den Bundesrat gelangt, von welchem er zunächst an die AuSschüffe für Finanzen, für Eisenbahnen, Posten und Telegraphen nnd für Handel und Gewerbe überwiesen worden ist. In diesen Ausschüssen ist die Vorlage ebenfalls ohne allen Verzug eingehend behandelt worden; sie hat daselbst nicht mehr Zett gebraucht, als zur Einholung von Instruktionen seitens der Vertreter der Bundesregierungen notwendig war. Der Herr Reichskanzler hat im Plenum bereits auSge- führt, welcher erhebliche Unterschied in dieser Beziehung zwischen den Verhandlungen deS Reichstages und des BundeSratS besteht. Der Gesetzentwurf konnte nach Beratung im Bundesrat dem Reichstage am 23. Mai vorgelegt werden. Der Reichstag hat somit zur Beratung desselben fast ein Drittel der Zeit gehabt, wie alle übrigen Instanzen zusammen.
Auf die Frage des Herrn Abg. Dr. Windthorst, ob mit bestimmten Gesellschaften über die zu vergebenden Leistungen bereits Verhandlungen gepflogen oder bestimmte Gesellschaften in Aussicht genommen seien, kann ich ebenfalls mit einem kurzen und bestimmten „Nein" antworten. Der Herr Abgeordnete scheint die Vorlage nicht genau gelesen zu haben, da in derselben ausdrücklich hervorgehoben
mit aufmunternden Knallen über sie hinstreichen zu lasten.
„Siehst Du, — da« genügt! Sie haben begriffen, was man von ihnen verlangt."
Sie hatten die Fähre hinter sich gelüsten und fuhren lustig auf ebenem Wege der Stadt zu. Die Tiere spürten die Hand des Meisters. Sie hatten allen Eigensinn abgeihan, hoben mutig die Köpfe und warfen Ihre kleinen Beine wacker durch einander. Da« Lockenhaar des schönen Mädchens wehte im Winde, ihre Wange glüte vor Jugend- und Lebenslust, und ihre Augen begegneten in unbefangener, offen kund gegebener Zuneigung denen ihres Begleiters.
Al« sie der Stadt nahe waren, mäßigte Heinrich die Schnelligkeit ihrer Fahrt. Ob ihre lange Abwesenheit von Ostau ihrer Freundschaft mit Hanna Cramer Eintrag gethan habe?" fragte er.
„Nein, wir sind nie ganz außer Verbindung gewesen", berichtete Gabriele. „Ein paar Sommermonate haben wir alljährlich in Ostau verlebt, das hat unsere Freundschaft zusammengehalten. Und jetzt, da wir wieder ganz hier wohnen, kommen wir sehr oft zusammen. Hanna ist mir nicht nur der liebste, sondern auch der nächste Umgang. Die Güter liegen weit ab, und wa» sonst noch leicht zu erreichen wäre, paffe in den Verhältnisten nicht gut zu uns, meint Mama. Ich glaube, daß sie namentlich das Haus deS Geheimrat Pörscher mit diesem Ausspruch im Sinne hat."
„Pörscher? — ist daS der Mann, der die großen Mühlra- werke angekauft hat, nachdem die Aktiengesellschaft darauf bankerott geworden war?"
„Ja, ihm gehören die Dampfmühlen vor der Stadt. Aber nicht allein die, sondern auch da« schöne Blumberg, da« dicht dabet liegt. Gewöhnlich lebt die Famllie in
ist, daß die Vergebung der Leistungen im Wege des öffentlichen AnbietungSverfahrenS erfolgen soll. Die Ueber- tragung wird an diejenigen stattfinden, welche bei größter Garantie für die Erfüllung der Bedingungen die wohlfeilsten Preise stellen. Es wird hierbei, wie auch der Herr Reichskanzler bereits hervorgehoben hat, auf Berücksichtigung der bereits bestehenden Gesellschaften thunlichst Bedacht genommen werden, da die Vermutung dafür spricht, daß sie die meisten Garantieen für guten Betrieb bieten können.
UebrigenS nehme ich mit Befriedigung Akt von der ausdrücklichen Erklärung des Herrn Abgeordneten Dr. Windthorst, daß er die Kolonialpolitik des Herrn Reichs- kanzlerS in dem Sinne, wie derselbe sie in dem Plenum und in der Budgetkommtsston entwickelt hat, acceptiere.
Mit Bezug auf die Acutzerung des Grafen Ballestrem, daß die Regierung die Bewilligung der Vorlage als Vertrauenssache bezeichnet habe und daß dies ein Grund mehr für ihn wäre, gegen die Vorlage zu stimmen, da er dieser Regierung, welche den Kulturkampf heraufbeschworen habe, kein Vertrauen entgegenbringe könne, möchte ich hervorheben, daß es sich in diesem Sinne gar nicht um eine Vertrauenssache handelt, und daß ich nur mein lebhaftestes Bedauern darüber ausdrücken kann, wenn eine so große nationale Sache, welche, wie für die gesamte Industrie und unsere wirtschaftlichen Verhältnisse, nicht minder für daS Ansehen und die Stellung Deutschlands von eminenter Wichtigkeit ist, unter solchen Gesichtspunkten behandelt wird.
Die Taktik der Freisinnigen, welche heute mit den vermeintlichen Enthüllungen eines der Herren Vorredner beobachtet wurde, ist doch gar zu durchsichtig! Nachdem die freisinnige Partei mit allen Einwänden zurückgewiesen und aus allen Positionen siegreich herausgeschlagen worden ist, und nachdem die von anderer Sette gehegten augenscheinlichen Verschleppungsbestrebungen an ihr Ende gelangt sind, versucht man jetzt, um in der öffentlichen Meinung die Vorlage zu diSkretitieren, ihr die garstige jSchleppe einer „faulen Gründung" — ich acceptiere diesen von dem Abgeordneten Richter soeben,gebrauchten Ausdruck — anzuhängen ! Das ist mindestens nicht schön, noch viel weniger aber klug von Ihnen, und wird Ihnen vor dem Lande noch mehr zum Schaden gereichen, al« Sie dies bei dieser Angelegenheit ohnehin schon besorgt haben.
Ueber die Behauptungen des Herrn Bamberger bezüglich des Ankaufs der Samoaaktien will die „Hamb. Börfenh." aus angeblich „zuverlässigster" Quelle folgendes erfahren haben: „Es sind weder die von Herrn Bamberger genannten oder bezeichneten Persönlichkeiten Hamburger oder Berliner Bankfirmen, noch gar Bank-Institute an dem Kaufe der (Südsee-) Aktien beteiligt, dieselben find vielmehr in den Besitz von Personen übergegangen, die mit den Verhältnissen des Südsee-Handels aus eigener Erfahrung vertraut sind und zum größten Tell sich für die Erhaltung desselben für Deutschland interessierten, schon lange bevor noch die Samoavorlage seinerzeit an den Reichs-
Berlin, wenn sie aber zur Sommerszeit das Blumberger Schloß bewohnt, dann geht es dort zu, wie an einem fürstlichen Hoflager. Aber gerade das istS, waS Mama nicht gefällt, und daher bin ich noch nie dagewefen, obgleich ich die Bekanntschaft der Tochter in Berlin gemacht habe."
Man hatte Mittlerwelle bie neuen Stadtteile durchkreuzt unb fuhr in bie stillen Straßen bet alten Domstadt ein. Das Cramersche HauS lag in unmittelbarer Nähe des Doms, zu dessen Dechanei es einst gehört hatte. ES war ein sehr alte« Haus, in dem schon manche Generation dieser hochgeachteten Familie gelebt hatte. Als bie beiben jungen Menschenkinder ans dem Sonnenschein der Straße in den hohen dämmerigen Flur traten, überkam sie ein Gefühl feierlicher Stille, al« träten sie au« lärmendem Marktgewühl in den stillen Frieden einer Kirche. Der alte Diener des Hause«, der ihnen die Thür geöffnet, ersuchte sie, hinauf- zugehen, da daS Fräulein sie erwarte.
„Die Einladung wird Dir gelten!" meinte Heinz, der aus Scheu vor der Damengesellschaft sich sachte in« Bürean des Justizrats drücken wollte. „Mich wird Fräulein Hanna nicht gemeint haben, — sie hat mich [feit länger als zehn Jahren nicht gesehen, wird sich meiner kaum mehr erinnern."
„O doch! Wir haben von Dir oftmals gesprochen! Hier herauf, Heinz! Du mußt doch den Weg noch von früher her kennen I — Hanna hat gewiß gastfreundliche Absichten. Sie ist eine zu sorgsame Hausfrau, um Dich ohne Frühstück Deine Reise antreten zu lassen!"
Sie stiegen die Treppe hinauf und blieben einen Augenblick auf dem Ruheplatz derselben vor dem hohen Bogenfenster stehen, um in den westen, stillen Hof hinabzublicken.
(Sortsetzmrg folgt.)