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JHarCutg, Mittwoch, 2. Juli 1884.

HX. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a- M , Cam­burg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München und Mn; ®- L. Daube und Co. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover u. Pari-.

AerMche Jritimg

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt'«. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

©rfcfteint täglt^ außer an d°n Werk agen nach Sonn- und Ie'-r agen. Are,- für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageZllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruaere,) bezogen SV. «»rk, durch die Postämter de- Deu scheu Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespattene Zeile 10 Pfg

Für in der Expeditlon zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

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zu sprechen.« Es dauert längere Zeit bis die Ruhe wieder hergestellt ist.) Nachdem Herr v. Kusierow die Anführungen des Dr. Bamberger widerlegt und wiederholt betont hatte, daß die Einmengung der Samoa-Vorlage in die zur Ver­handlung stehende Frage ohne jeden inneren Grund erfolgt fei, ergriff der Staatssekretär Dr. Stephan das Wort, um die Bedeutung der Vorlage in nationaler und posta­lischer Hinsicht zu beleuchten. Wenn solche Vorlage nicht früher gemacht worden sei, so habe das darin seinen Grund, daß bisher noch andere postalische Einrichtungen im Innern des Reiches die finanziellen Kräfte desselben in Anspruch genommen hätten. Er könne gleichfalls versichern, daß die Samoavorlage mit der vorliegenden absolut in keinem Zu­sammenhänge stehe. Er bitte, sich doch an die Vorlage und an die Motive derselben zu halten. Dr. Bamberger fragte darauf, zur Geschäftsordnung, ob cs zulässig sei, daß ein Regierungskommissar in der Kommiston sich derart gegen Mitglieder des Hauses wende. Nachdem der Vor­sitzende erklärt hatte, daß der RegierungS Kommissar keine Aeußerungen gemacht habe, durch welche der Abg. Dr. Bam­berger unparlamentarisch angegriffen sei, wurde zunächst die Frage behandelt, ob die Besprechung der Samoa-Vorlage alC zur Sache gehörig weiter gestattet werden könne. Dr. Windthorst beantragte, die Erklärungen Dr. Bam­bergers möchten schriftlich zum Protokoll gegeben werden, um eingehende Prüfung zu finden. Dr. Bamberger erklärte darauf, daß seine gethanen Aeußerungen über die Samoa - Vorlage, wenn auch nicht aktenmäßig festzu­stellen, so doch auf ihm zuverlässtg scheinenden Nachrichten basierten, und fragte darauf, ob der Regierung bekannt sei, daß gewisse Firmen Kolonial Projekte für Neu-Guinea hätten, und ob die Samoa-, sowie die Neu-Guinea-Projekte in Verbindung mit der Dampfschiff-Vorlage ständen. Herr Dr. Stephan beantwortete diese Frage mit N e i n. Der Abgeordnete Dr. Bamberger richtete nun die gleiche Frage auch an- dtp- anderen. .Kommissar« der verbündeten Regierungen. Nachdem der Abg. v. Köller darauf hingewiesen hatte, daß der Vorsitzende der Kommission be­reits erklärt habe, die Samoa-Vorlage sei als zur Sache gehörig nicht anzusehen, und damit seiner Ansicht nach jede dahin zielende Frage einfach zurückzuweisen sei, lenkte Dr. Windthorst die Diskussion wieder auf den Boden der zu verhandelnden Vorlage, indem er betonte, daß die Ant­wort des Dr. Stephan geeignet sei, alle Bedenken deS Dr. Bamberger über den Zusammenhang der Dampfer- Subvention mit den Samoa- oder anderen Projekten zu zerstreuen. Dr. Stephan betonte von neuem die Be­deutung der Vorlage in nationaler und kommerzieller Hin­sicht und bedauerte, daß man auf oppositioneller Seite jetzt, nachdem alle sachlichen Einwendungen zurückgeschlagen seien, versuche, diese bedeutungsvolle Vorlage in das Schlepp­tau einer faulen Gründung zu nehmen, was um fo mehr verwundern müsse, als dem Dr. Bamberger doch durch

verlebt. Und trotzdem Thilo, als einziger Sohn und Erbe stets eine gewisse Oberherrschaft beanspruchte, welcher sich der bescheidene und etwa« schüchterne Heinrich immer gut­mütig gefügt hatte, so waren der Baronin doch Fälle be­kannt, wo dieser letztere sein gutes Recht energisch verteidigt und seine bessere Ansicht sieghaft zur Geltung gebracht hatte. Sie hoffte, Heinrich werde auch jetzt einen günstigen Einfluß üben, und dieser hatte bereitwillig die etwas schwierige Kommission auf sich genommen, den Freund, der sich in seinem Rechte gekränkt wähnte, zu versöhnen. So kam es, daß Heinrich gleich in der ersten Urlaubswoche zu einer Reise nach Berlin aufbrach. Gabriele ließ cs sich nicht nehmen, ihn in ihrem Ponywagen nach der Stadt zu fahren, wo er noch verschiedene geschäftliche Aufträge bei Jnstizrat Cramer in Empfang nehmen sollte. Mit einer großen Blumengarbe zwischen sich auf dem Wagensitz, die Gabriele ihrer Freundin Hanna, der einzigen Tochter des Justizrats, bringen wollte, machten sich die beiden jungen Leute auf den Weg. Es war ein wunderschöner sonniger Frühlingstag, als die Beiden so mit einander durch den Park fuhren, so sonnig und heiter, daß selbst Heinrich, der in den letzten Togen von Sorgen gänzlich niedrrgebeugt gewesen war, wievcr freier und hoffnungsvoller in die Welt blickte. An der Seite des schönen fröhlichen Mädchens fühlte er wieder, daß er noch jung sei, daß trotz Last und Not diese Erde dennoch rin wonniger Ort, und das Lebm schön und lebcnSwert sei.

So", sagte Gabriele, während fie mit Geschick die Zügel führte, und Heinrich, in die Ecke deS Sitzes gedrückt, ihr lächelnd zusah, Jo, heute gefällst Du mir besser, al« die Tage vorher! Heute zeigst Du Dein altes Gesicht,

einen Blick auf die Karte klar werden müsse, daß Neu- Guinea über 300 Meilen weiter östlich liege, als der End­punkt der Dampfcrlinie, welche projektiert sei. Graf Ballestrem (Zentrum) erklärte, daß er mit Rücksicht auf die seiner Partei seit Jahren von der preußischen Re­gierung zu teil werdende Behandlung nicht für eine Vor- läge stimmen könne, welche lediglich auf daS Vertrauen zu den verbündeten Regierungen basiert sei. Er habe vor der Hand kein Vertrauen zu der Regierung und werde zur Zeit gegen die Vorlage stimmen, sei aber später eventuell bereit, nach Prüfung der sachlichen Gründe der Vorlage in eine erneute Verhandlung einzutreten. Staatsfekretär Dr. Stephan hob hervor, daß er eine Prüfung der Vorlage wünsche hinsichtlich der nationalen Bedeutung und nicht eine Bewilligung aus bloßem Vertrauen gegen die Regierung. Abg. Richter (Hagen) kam darauf zu­rück, daß die Gründung einer Kolonie in Neu Guinea unter Leitung des Herrn Ohlendorf eben sowohl in Ver­bindung mit der Dampfervorlage stehe als die Kolonisation in Angra-Pequena; er glaube nach wie vor, daß hinter der Vorlage Gründungen ständen. StaatSminister von Bötticher betonte von neuem, daß die Regierungen ab­solut nichts darüber wüßten, daß Kombinationen zwischen Projekten für Neu-Guinea oder Samoa und der jetzigen Vorlage beständen. Alle derartigen Behauptungen der Gegner dieser Vorlage seien absolut haltlos und unbegründet. Allein die nationale Bedeutung der Dampfervorlage habe die Regierung zur Vorlage veranlaßt. Dr. Bam­berger bemerkte: Er habe nicht behauptet, daß eine Kom­bination der Gründerprojekte und der Dampfervorlage vor­liege und habe die Auskunft der Reichsregierung darüber erbeten. Dieselbe sei seiner Ansicht nach nicht so bestimmt und klar abgegeben, wie er erwartet habe, scheine ihm vielmehr doch ein gewisser Zusammenhang beider Projekte obzuwaltcn; das Nein der Regierung beweise höchstens, raß die Regierung darüber noch nichts wisse. Dr. Stephan erklärte wiederholt, daß ein Zusammenhang nicht bestehe, da der Plan der Dampfersubvention seit Jahren im Schoße der Regierungen erwogen worden sei, und die Nachrichten über Gründungsprojekte erst aus neuerer Zeit stammten. Es sei daher durchaus falsch, anzunehmen, daß die Regierung sich durch solche Grün- dungSprojekte irgendwie habe beeinflussen lassen. Er wieder­hole nochmals, daß lediglich nationale Interessen die Vor­lage motivierten. Abg. Dr. Frege und Dr. Ham- macher treten für die Vorlage ein. Seitens der Sezef- stonisten wurde nunmehr die Debatte auf die Finanzlage des Reiches übergeführt. Gegen 11 Uhr wurde die De­batte vertagt, ohne daß sie zu einem Beschlüsse geführt hätte.

Herr Bamberger scheint in der That von einer krank­haften Manie gegen alle Kolonialpolitik befallen zu sein. Erst wird die Regierung zur Rede gestellt, sie werde doch

Aus der Budgetkommisfiou.

Ueber die Vorgänge in der Budgetkommission am Frei­tag Abend, von welchen wir nur eine kurze Notiz bringen konnten, geben wir nach den jetzt noch vorliegenden Nach­richten folgenden ausführlichen Bericht:

Abg. Dr. Bamberger bezeichnet es als notwendig, vor der Fortsetzung der Beratung festzustellen, inwieweit die ihm aussicherer Quelle« zugegangene Mitteilung be­gründet sei, daß die Dampfervorlage zusammenhinge mit dem kürzlich erfolgten Ankäufe der in den Händen der eng­lischen Bankfirma Baring verbliebenen Aktien der Samoa- Handelö- und Plantagen-Gesellschaft durch Berliner Bank­häuser unv mit einem auf Landerwerbungen in Neu-Guinea und Neu - Britannien gerichteten Unternehmen eines Kon­sortiums, an dessen Spitze der Chef der Diskontogesellschaft, Herr v. Hansemann, und der Eigentümer derNordd. Allg. Ztg.", Herr v. Ohlendorff, ständen. Wenn dies wahr wäre, würde hierdurch auch die Entstehung der Dampfer- vvrlage, die man in den letzten Tagen auf das hohePiede- stal der Kolonialpolitik gehoben habe, in einem ganz neuen Lichte erscheinen; denn es würde sich dann nur um eine indirekte Unterstützung der Samoagesellschast handeln, welche nebenbei bisher ihren Aktionären gegenüber ihre Verpflich­tungen nicht erfüllt habe. Redner schllderte hierauf die Greuel des Arbeiterhandels im neubritannischen Archipel, ohne welchen die berühmten deutschen Plantagen auf Samoa gar nicht bestehen könnten. Wenn jene Mitteilungen be­gründet sein sollten, so erkläre sich die in der Presse, namentlich mit Hilfe derNordd. Allg. Ztg." ins Leben gerufeneMache" für die Subventionsvorlage. Er ver­lange hierüber Aufschluß von den Regierungsvertrctern, und da der Regierungskommissar, Herr v. Kusserow, dem ge­nannten Herrn v. Hansemann sehr nahe stehe, so richte er speziell an ihn das Ersuchen um Aufklärung. Herr v. Kusserow erwidert, daß er als Regierungskommissar sich nicht auf dem niedrigen Niveau persönlicher In­sinuationen bewegen dürfe, daS der Herr Vorredner ge­wählt habe. (Große Bewegung. Herr Richter ruft:So hat ein beliebiger Regierungsbeamter nicht mit Abgeordneten

Heimkehr.

Erzählung von Hans Warr in g.

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Die Beratung mit dem Justizrat hatte leider alle Be­fürchtungen bestätigt und der Baronin bewiesen, daß der gewiegte Geschäftsmann schon seit Jahren daS Unheil vorausgesehen. Auch die Ursachen desselben waren den beiden Beteiligten nicht länger verborgen geblieben. Sie bewiesen, daß der Baron bei der Verwaltung seines Ver­mögens manchen Jntum begangen hatte, aber sie zeigten nicht eine Handlung, die eines Ehrenmannes unwürdig gewesen wäre. Im Gegenteil, er hatte bei einem Aktienunternehmen viele und große Opfer nicht gescheut, um sich von einer Gemeinschaft frei zu machen, deren Un­ehrenhaftigkeit er erkannt hatte.

ES geschah auch infolge dieser Rücksprache, daß Heinrich sich an einem der nächsten Tage nach Berlin zu Thilo begab. Er sollte ihn über die Verhältnisse aufklären und gleichzeitig seine Genehmigung für gewisse Maßnahmen zu erlangen suchen, die dringend notwendig schienen. Zwar war die Baronin durch da« Testament ihres Gemahls völlig frei und unbeschränkt in der Verwaltung, aber eS widerstrebte ihr, mit dem Sohne des Mannes, dem ste in dankbarer Liebe ergeben gewesen, in Unfrieden zu leben, und ste hoffte, eine offene Darlegung der Thatsacheu würde genügen, seinen Verdacht, sie habe ihren Einfluß bei Aussetzung deS Testamentes zu seinen Ungunsten geltend gemacht, zu zerstreuen, und ihn zu gemeinsamem Handeln zu bestimmen. Die beiden jungen Männer warcu teilweise zusammen erzogen worden, wipi^stenS hatten ste die Knabeujahre zusammen In Ostau

bürg, u.

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1883.

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Salo«: Tiutei Leim, [222

die schwere Falte vor der Stirn ist verschwunden! Deshalb kann ich einmal vernünftig mit Dir reden, Heinz I Glaube nur nicht, daß ihr mir verheimlichen könnt, was vorgeht. Ich weiß, wie es mit uns steht, und mag eS so arg sein, wie eS immer wolle, gewundert habe ich mich doch, daß Du Dich davon so zu Boden drücken ließest! Ist dmn das dumme Geld all dieser Sorgen wert? Ich fühle, daß ich glücklich sein kann, auch ohne viel zu besitzen. In den letzten Tagen habe ich darüber nachgedacht, was von dem Meinigen ich alles entbehren könnte, und ich habe eine Menge Dinge gefunden, die mir überflüssig sind. Weun wir sie zu Gelde machten, käme gewiß ein- ganz artige Summe heraus.,

Ihre großen Kinderaugen sahen ihn mit einem fragen­den, unsicheren Blick an, der ihn unaussprechlich rührte. Aber die Gewißheit, die Cramer ihm gegeben, daß für dieses schöne junge Wesen auf alle Fälle gesorgt sei, daß ihr mütterliches Vermögen sicher und unangetastet unter seiner CramerS Verwaltung stehe, gab ihm den Mut, ihre ernste Frage mit einem ablenkenden Scherze zu beantworten

Was wollen wir abschaffen? laß uns Nachdenken!

Diese beiden Grauen zum Beispiel?"

Ja!" nickte ste ernsthaft,die sind auch unter den ent­behrlichen Dingen, ste müssen auch fort, natürlich I Ich habe sie fünf Jahre besessen, erinnerst Du Dich? Papa schenkte sie mir zu meinem zwölften Geburtstage.«

Und Du meinst, wir würden ste Dir nehmen? Niemals, niemals! Du mußt und sollst Deine kleinen bescheidenen Freuden behalten! Du kommst in dieser Sache überhaupt gar nicht in Betrach;, Du bist und bleibst, wenn auch 1 nicht ein reiches, so doch ein ganz wohlhabendes kleines Fräulein!" .(Fortsetzung folgt )

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