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XIX. Ja-rgmg.
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I. ThieneS in Elberfeld
1^Ot6ur®» Dienstag, 1. Juli 1884.
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Reichstag.
Berlin, den 28. Juni.
Der Reichstag erledigte in seiner heutigen (44.) Plenarsitzung zunächst die erste und zweite Beratung deS internationalen Vertrages zum Schutze der unterseeischen Telegraphenkabel, nachdem der Herr Staatssekretär des Reichspostamtes vr. Stephan mit einigen Worten auf Geschichte und Bedeutung des Vertrages hingewiesen. Es folgte die dritte Beratung des Militär-ReliktengesetzeS. Eine umfangreiche Debatte knüpfte sich nur an die Frage der BeitragS- pflicht der unverheirateten Offiziere. Während die Vorlage die unverheirateten Offiziere von den Beiträgen überhaupt frei lasten will, hat die Kommission dieselben in gleicher Weise wie die verheirateten Offiziere herangezogen; die Abgg. Frhr. v. Minnigerode und vr. Windthorst beantragen eine Ermäßigung dieser Beiträge. DaS HauS blieb jedoch bet den Kommissionsbeschlüsten stehen. In der Gesamtabstimmung wurde der Entwurf mit geringer Majorität angenommen. Bei dem folgenden Gegenstände deS Tagesordnung, der dritten Beratung des Aktiengesetz-Entwurfes entspann sich besonders bei den Strafbestimmungen eine eingehende Diskussion. Ein Antrag des Abg. vr. Windthorst, die Strafbarkeit des Redakteurs einer periodischen Druckschrift nach § 20 Alinea 2 des Preßgesctzes auszuschließen, wenn ein bezügliches Inserat, welches die Vorspiegelung falscher oder die Entstellung wahrer Thatsachen zu dem Zwecke enthält, um zur Beteiligung an Aktienunternehmungen zu bestimmen, die Unterschrift deS Ver- sasters trägt und sich dieser im Bereiche der richterlichen Gewalt eines deutschen Bundesstaates befindet, — wurde trotz deS Widerspruchs der Regierung angenommen. In der Schlußabstimmung gelangte das ganze Gesetz mit erheblicher Majorität zur Annahme. — Nachdem darauf der Nachtragsetat ohne Debatte in dritter Lesung definitiv genehmigt, nahm das HauS gleichfalls ohne Diskussion die Litterarkonvention mit Italien, sowie die Uebereinkunft mit
dem Königreich Siam, und endlich den Handels-, rc. Vertrag mit Korea definitiv in dritter Lesung an. Den Rest der Sitzung füllte die debattelose Erledigung einiger Petitionen. — Damit war die Tagesordnung erledigt. — Inzwischen ist von dem Abg. Frhr. v. Minnigerode eine Interpellation eingegangen, an den Herrn Reichskanzler das Ersuchen zu richten, Auskunft darüber zu erteilen, ob und welche Maßregeln von feiten der Reichsregierung zum Schutz: gegen die Einschleppung der Choleragefahr getroffen worden, beziehungsweise beabsichtigt sind. — Der Präsident schließt hierauf gegen 2*/* Uhr die Sitzung und setzt die nächste auf SVt Uhr an, und auf die Tagesordnung derselben: die dritte Lesung des internationalen Telegraphenvertrages und die Interpellation v. Minnigerode.
In der Schlußsitzung wird zunächst der internationale Vertrag, betreffend den Schutz unterseeischer Telegraphenkabel, in dritter Lesung definitiv genehmigt.
Abg. Frhr. v. Minnigerode begründet hierauf kurz die oben erwähnte Interpellation in betreff der Verhindemng einer Cholera-Invasion, indem er zugleich konstatiert, daß dieselbe bei allen Fraktionen des Hauses Unterstützung gefunden habe. Man sei allseitig der Ansicht gewesen, daß eS in den Wünschen der Regierung liegen müsse, noch vor dem Schluß des Reichstags sich über die in Aussicht genommenen Maßregeln zu äußern, um zur Beruhigung des Landes beizutragen.
Staatssekretär des Innern, Staatsminister v. B ö t t i ch e r dankt dem Interpellanten, daß er ihm Gelegenheit gegeben, sich über den Gegenstand zu äußern. Gleich nach den ersten Nachrichten aus Toulon seien Beratungen darüber veranlaßt, wie es möglich sei, authenthische Nachrichten über den Charakter der Epidemie in Toulon zu erhalten und eventuell, welche Maßregeln zu ergreifen sein möchten, um für den Fall der Invasion der astatischen Cholera ins Reich vorbeugend resp. abwehrend zu wirken. ES seien die nötigen Erkundigungen bei der französischen Regierung sofort eingezogen; bei der Kürze der Zeit, in welcher die Epidemie herrscht, sei eS aber noch nicht gelungen, volle Klarheit darüber zu gewinnen,welchen Charakter die Seuche habe. Die Aerzte in Toulon nehmen nach den hierher gelangten Nachrichten an, daß es sich dabei um die asiatische Cholera handele, während die amtlichen Erörterungen, welche die französische Regierung anzestellt, dagegen dafür sprächen, daß es nicht die astatische Cholera, sondern eine sporadische, in Toulon auftretende Krankheit sei. ES sei nun von dem Herrn Reichskanzler sofort eine Kommission eingesetzt worden, welche sich mit der Frage der Abwehrmaßregeln zu beschäftigen habe. Diese Kommission, der sehr hervorragende Sachverständige, u. a. die Geheimräte
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Dr. Koch und vr. v. Pettenkofer angehöreu, hätten heut ' ihre Beratungen begonnen, doch sei er nicht in der Lage, da dieselben noch nicht zum Abschluß gekommen, näheres darüber mitzuteilen; nur daS Eine möchte er hervorheben, daß voraussichtlich nicht zu einer Grenzsperre werde übergegangen werden.
Auf den Antrag des Abg. vr. Virchow wird in eine Besprechung der Interpellation eingrtreten, in welcher der Antragsteller seine Meinung dahin ausspricht, daß die in Toulon auftretende Krankheit die asiatische Cholera ist. ES gehöre ein starker Glaube dazu, daß eS sich in Toulon um eine andere Krankheit handele, als die asiatische Cholera, und es sei daher Pflicht der französischen Regierung ge wesen, sofort die geeigneten Maßregeln zu treffen, welche die Gefahr der Weiterverschleppung der Seuche vermindere. Redner richtet sodann noch an die Regierung die Bitte, bei der bevorstehenden Konferenz zur Regelung der egyptischen Frage auch die Frage deS Sanitätsdienstes in Suez zur Sprache zu bringen, da thatsächlich dieser Ort eine Etappe für die aus Indien verschleppte Cholera bilde.
Staatssekretär des Innern, Staatsminister v. B ö t t i ch e r erwidert, daß nichts versäumt werden solle, auf internatio- nalem Wege dafür zu sorgen, daß der Sanitätsdienst in Egypten ein wirksamer werde. WaS die gegen die fron- zöstsche Regierung gerichteten Angriffe anlange, so seien dieselben unbegründet, da nach den hierher gelangten Nachrichten alle die hygienischen Vorkehrungen getroffen worden, welche geeignet erscheinen, die Verschleppung zu verhindern.
Damit ist die Tagesordnung erledigt.
Der Präsident gtebt hierauf die übliche Geschäfts- Übersicht, worauf Abg. Graf v. Moltke dem Herrn Präsidenten namens deS Hauses den Dank für die umsichtige und unparteiische Leitung der Geschäfte während der abgelaufenen Sitzungsperiode ausspricht, dem das Haus durch Erheben von den Sitzen noch besonderen Ausdruck giebt.
Sodann verliest der Herr Staatssekretär des Innern, Staatsminister v. Bötticher, indem das HauS sich erhebt, die kaiserliche Ordre d. d. Ems, 24. Juni, durch welche derselbe ermächtigt wird, den Reichstag im Namen des Kaisers und der verbündeten Regierungen am 28. Juni zu schließen.
Mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, ouSgebracht vom Präsidenten des Hauses, in welches das HauS mit großer Begeisterung einstimmt, schließt um 41/» Uhr die Sitzung.
Deutscher Reich.
Berlin, 28. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, der Kaiser habe, hocherfreut über die glückliche Errettung
7 Heimkehr.
Erzählung von Hans Warring.
„Nein, er ist nicht hier, und er wird auch nicht kommen*, sagte sie. „Das ist nicht zu verschweigen, Kind, und wäre früher oder später doch zur Sprache gekommen. Thilo ist im Zorn von seinem Vaterhause geschieden, — doch darüber und über vieles andere sprechen wir später!*
„Ja, ich denke, daß das immer noch früh genug kommt*, meinte Gabriele seufzend. „Inzwischen aber haben wir Dich, Heinz, und wollen Dich sobald nicht wieder fort lasten. Wie lange kannst Du bleiben?*
Er habe auf vierzehn Tage Urlaub genommen, sagte er. Vielleicht könne er sich während dieser Zeit hier nützlich machen. Nicht, daß er meine, die Wirtschaftsbeamten thäten nicht ihre Pflicht, — indessen möchte er doch einmal daS ganze Terrain abgehen, — soviel er sich von früher her erinnere, möchte er nach seiner jetzigen Erfahrung zu mancher Veränderung Im WirtschaftSbetrieb raten. —
„Thue das, Heinrich, — Du ahnst nicht, wie sehr mir Dein Rat notthut l* sagte die Baronin.
Er blickte sie an, und zum ersten Male ging die unbestimmte Ahnung durch seine Seele, daß hier nicht alles so sei, wie es sollte. Und ein paar Tage später lag die ganze traurige Wahrheit vor ihm aufgedeckt, — war es auch ihm kein Geheimnis mehr, daß da« HauS, das feine Kindheit geschützt, seinem Zusammenbruche nahe war.
Er saß totenbleich vor dem Schreibtische, dir unseligen Beweise deS Verderbens mechanisch ordnend. Auch ihm schien daS Ungeahnte im ersten Augenblicke daS klare Denken gelähmt zu haben. Dann, als et sich gesammelt hatte, galt fein erster Gedanke Gabrielen.
„DaS arme Kind, — das arme Kindl* murmelte er. «An Reichtum gewöhnt und zu Armut verdammt I Wie wird
sie, das Kind des UeberflusteS, ein harte« Leben ertragen können!*
Und dann fragte er sich, ob er einen Teil diese« harten Leben« nicht auf sich nehmen könne? Und mit dieser Frage war seinen Gedanken die Richtung gegeben, die sie nicht wieder verkästen sollten.
Natürlich mußte er hier helfen, — da« war eine ganz selbstverständliche Pflicht! Mit allen seinen Kräften mußte er für die Kinder seine« Wohlthäter« eintreten l Hier war e« mit einem bezahlten Beamten nicht gethan, — nur Einer, der fein ganze« Leben daran fetzte, konnte hier helfen l Und er wollte da« thun, — er wollte an keine eigene Zukunft denken, — die Sorge für diese jungen, schönen, zu den höchsten Ansprüchen berechtigten Menschenkinder sollte die Aufgabe und der Inhalt seine« Leben« sein. Vielleicht war auf diese Welse daS Gut noch für sie zu (retten, — e« mußte versucht werden, und sollte er darum arbeiten, mehr, als sonst Menschenkraft vermag!
Schon von früher her kannte er daS Gut genau, und seine neuerdings unternommenen Inspektionen hatten bestätigt, wa« er geahnt.
E« gab hier viel zu bester«. Der Verstorbene war kein eigentlich praktischer Landwirt gewesm. Er hatte seinen Beamten den Betrieb überlasten, — andere Interessen, die seiner vielseitigen Bildung mehr entsprachen, hatten ihn in Anspruch genommen. So war manche« verabsäumt worden, — in dm letzten Jahren mochten an daS Gut auch erhöhte Anforderungen gemacht worden, und die zu seiner Ver- besterung nötigen Mittel nicht disponibel gewesen sein. — Tausend Pläne durchkreuzten feinen Kopf, die ErtragS- sähigkeit de« Besitze« zu hebm. —
„Und Du willst die schwere Aufgabe wirklich übernehmen, — Du willst Deine junge Kraft an eine möglicher
weise ersolglvse Arbeit setzen?* fragte die Baronin, al« er ihr gegenüberstand.
„Wenn Du Vertrauen genug zu mir hast, sie mir zu übergeben, — ja!*
Jede Schüchternheit war von ihm gewichen, in mhigcr fester Haltung stand er vor ihr, mit ernstem klarem Blick, in bescheidenem aber sicherem Selbstvertrauen.
„Hast Du auch bedacht, welche« Opfer Du bringst? Du wirst fast über Menschenkraft für Andere arbeiten wüsten und für Dich selbst dabei nichts gewinnen. Und außerdem mußt Du die Aussicht opfern, die man Dir für die Zukunsl eröffnet hat.*
„Ich habe alles bedacht ( — ober vielmehr, es war nichts mehr zu bedenken, nachdem ich erkannt, daß ich Euch nötig bin!*
„So wollen wir an« Werk gehen, Heinrich!*,
„Ja, Tante! mit festem Willen und mit ganzer Kraft! — Und da ich von den Dingen, die außerhalb der Landwirtschaft liegen, nicht viel verstehe, so wollen wir den Justizrat Cramer um Rat fragen. Er ist Onkels langjähriger Rechtsfreuvd gewesen und wird auch Dir ein treuer Ratgeber fein!*
„Er war dem Onkel mehr, als das, — er war ihm ein persönlicher Freund! E« wird ihm nicht unbekannt sei", wie die Dinge hier stehen. Jetzt, da ich klar sehe, versieb' ich erst, daß er mir schon mehrmals Andeutungen über die Zerrüttung der hiesigen Verhällniste gemacht hat. Er Hal meine Unkenntnis sicher für feiges Ausweichen genommen und die Sache nicht weiter berührt. Ja, er wird auch ur.« ein zuverlässiger Freund sein! UeberdieS hat er Interesse für die Kinder, namentlich für Gabriele, die seine Patdc ist. Und waS Thilo anbetrifft, so ist dieser ja fast unt.r seinen Augen ausgewachsen, damals, als der Tod in seiner ’t Familie noch nicht so furchtbar aufgeräumt hatte!* —
(Fortsetzung folgt.) H