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JRarÖurg, Mittwoch, 25. Juni 1884.
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««zeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d Annoncen-Bureaux oonHaasenstein undVogler in Franlfurt a M , Hamburg, Magdeburg ».Wien; Rudolf Moffe in Franlfurt fl $1., Berlin, tvtünchen und Mn; G- L. Daube und Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt'«. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. ThieneS in Elberfeld.
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Deutsches Reich.
Berlin, 23. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg.- bespricht die jüngsten Organisationsänderungen des belgischen Ministeriums, welche auf dem Wege königl. Verordnung vorgenommen worden, ohne daß gegen die Rechtsgültigkeit der neuen Organisation von irgend einer Seile Bedenken erhoben wurden, und bemerkt, eine gleiche Praxis laste sich auch für Frankreich aus der Zeit seines klasstscheu Konsti- tutionaliSmus unter Louis Philipp nachweisen. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt dann: „Kurzum, gerade in jenen Ländern, auf welche unsere Liberalen sich mit Vorliebe zum Beweise ihrer konstitutionellen Maximen berufen, ist der Grundsatz, daß Aenderungen in den Ministerdepartements ohne Gesetz erfolgen können, seit Jahrzehnten in zweifelloser Geltung gewesen. Dennoch ist 1878, als im preußischen Abgeord- neienhause von der Regierung die Errichtung eines eigenen Eisenbahnrninisteliums und die Uebertragung der Domänen« und Forstverwaltung auf daS Landwirtschaftsministerium beantragt wurde, von den Liberalen vermieden worden, auf die Praxis jener Länder zurückzugreifen, obgleich dieselbe, wie damals von einem ihrer rechtskundigen Mitglieder nach- gewiesen worden ist, eine willkürliche ist, sondern gerade im Wesen der konstitutionellen Verfastung ihre Begründung findet. Auch die nationalliberale Partei mit Ausnahme des Abg. Prof. Gneist hat sich damals von dem preußischen Ministei Präsidenten getrennt, der kurz vorher mit ihrem Führer über dessen Eintritt in das Ministerium verhandelt hatte. Dem gegenüber glauben wir umsomehr von den jüngsten Vorgängen in Belgien Akt nehmen zu sollen. — Die „Nordd. Allg. Zig." sagt: Die „Daily- News* vom 21. Juni schreiben: „Die Angabe, daß Deutschland die Antwort auf die Einladung zu der egyptischen Konferenz verschoben habe, bis das englisch-französische Abkommen vom
Parlamente ratifiziert sei, ist daS direkte Gegenteil des That- bestandeö: Deutschland hat die Annahme des Vorschlages In formeller Weise zu erkennen gegeben.* Dazu bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.*: „Wir begnügen uns, für jetzt zu bemerken, daß diese Berichtigung nach unseren Informationen unrichtig ist.* — Durch den Zentralverband der deutschen Grundbesitzervereine war beim Reichstage petitioniert worden: § 90 des Gerichtskostengesetzes dahin zu ändern, daß 1. die Vorschußpflicht wegfallen, bezw. der gezahlte Vorschuß zurückgezahlt werden solle, falls die Kosten einem andern rechtskräftig auferlegt sind: 2. den § 8 der Zivilprozeßordnung in der Weise abzuändern, daß bei Klagen über das Bestehen, oder die Dauer eines Miets- ober Pachtvertrages nicht der auf die ganze streitige Zeit zu berechnende MietS- oder Pachtzins, sondern nur der Betrag eines einjährigen Zinses als Wertbetrag des Streitgegenstandes angenommen werde. Außerdem verlangte der Referent der Kommission Auskunft über den Stand der Revision des Gerichtskostengesetzes. Der RegierungSkommifiar Geh. Rat v. Lenthe erklärte: Schon früher hätten die verbündeten Regierungen kundgegeben, daß mit der vom Reichstage angenommenen Novelle die Revision des Gerichtskostengesetzes nicht als abgeschlossen gelten könne. Im Reichs- Justizamt seien die Vorarbeiten zur weiteren Ermäßigung der Gerichtskosten und ebenso der Anwaltsgebühren eingeleitet, doch seien die einzelnen Punkte, auf welche sich die Reform zu richten habe, noch nicht abschließend festgestellt; sicher aber werde eine Abänderung der Grundprinzipien, insbesondere des Gerichtskostengesetzes, nicht in Aussicht genommen. Zu diesen Grundprinzipien wären vornehmlich die Vorschriften über die Vorschußpflicht und über die Erhebung der Kosten nach Maßgabe des Wertes des Streitgegenstandes zu rechnen. — Die „Kreuz-Zeitung* plai- btert für weitere Ausdehnung der Reichstagssession und schreibt: „Da die Börsensteuer-Vorlage nun dem Reichstage noch zugegangen ist, so wird derselbe auch noch in die Beratung derselben eintreten müssen. Das Bedürfnis, die Arbeiten möglichst bald zu schließen, mag ja ein dringendes fein, aber, wenn die Majorität will, kann sie auch die Börsensteuer-Vorlage noch fertig stellen. WaS sie kann, wenn sie will, hat sie beim Unfallgesetz bewiesen. Die Postdampfer- Borlage aber würde, wenn die Mittel durch die Börsensteuer sichergestellt werden, alle Bedenken siegreich überwinden.* — In der Kommission für die Dampfersubvention erschien zum ersten Mal seit vielen Jahren Fürst BiSmarck und erklärte: die Vorlage stehe allerdings im Zusammenhang mit den kolonialen Fragen; er verfolge keine Kolonialpolitik nach französischem Styl, wozu die deutschen Einrichtungen nicht geeignet seien, er wolle jedoch jede selbständige HandelS- niederlasiung deutscher Kaufleute in herrenlosem Lande unter Protektion nehmen und deutsche Jurisdiktion gewähren. Ueber
Angra Pequena habe et gestern von England die Erklärung erhalten, daß dasselbe gegen Deutschlands Vergehen nichts einwende; am Kongo unterstützte et die Bildung des Freistaats, hetvorgehend aus der interationalen Asiociatiou im Interesse des deutschen Handels. Wenn man die Dampfervorlage verwerfe, so würde seine Thätig- keit in dieser Richtung gelähmt werden. Nach lebhaften Gegenbemerkungen von Bamberger und Richter, welche den Zusammenhang zwischen bet Vorlage und den angeregten Kolonialfragen vermissen, replizierte Fürst BiSmarck noch zweimal, worauf er sich bann entfernte.
Detmold, 20. Juni. Prinz Hermann, bet seit btel Wochen an einem Herz- und Nierenleiden, wozu sich noch die Wassersucht gesellte, litt, ist heute morgen 8 Uhr gestorben. Der Verstorbene, welcher am 4. Juli 1829 geboren und nach einem vorübergehenden Aufenthalt als Offizier in Berlin und an der Botschaft in Wien hier in stiller Zurückgezogenheit lebte, war unter der hiesigen Bevölkerung wegen seiner ungemeinen Freundlichkeit und Leutseligkeit allgemein beliebt, obgleich er mit dem regierenden Fürsten auf gespanntem Fuße stand. Derselbe wäre als Erbprinz nach dem Ableben des jetzt regierenden Fürsten zur Thronfolge bestimmt gewesen, während die Krone nunmehr, da der zweite Prinz Alexander, seines Gesundheitszustandes wegen, kaum zur Herrschaft gelangen dürfte, an die erb- herrliche Linie „Lippe-Biestetfeld* übergehen wird.
Anittand.
Paris, 23. Juni. Das „Journal des DebatS* spricht sich absällig über die englisch - französische Vetständigunz anS, bezeichnet dieselbe als eine Niederlage Frankreichs und glebt bet Hoffnung Ausdruck, bie Kammern würben dieselbe nicht genehmigen. — Der „Moniteur* spricht sich in demselben Sinne aus.—Die „Agence HavaS* meldet ans Toulon, daselbst seien mehrere Todesfälle vorgekommen, welche für Cholerafälle gehalten werden; am Donnerstag sei eine, am Freitag seien zwei, am Sonnabend vier, am Sonntag dreizehn Personen an bet Cholera gestorben. In Marseille trat ein Sanltätskomltee zusammen, um Vorsichtsmaßregeln zu treffen.
London, 23. Juni. Die „Times* melbet: Die britische Regierung nahm die Hauptpunkte des französischen Vorschlages an, bagegen werbe Frankreich aufhören, bie Doppelkontrolle förmlich anzuerkennen unb sich verpflichten, von einer militärischen Intervention in Egypten abzusehen, ausgenommen, wenn England Frankreich dazu auffotbere. Die „Times* vernimmt, baS Finanzprojekt Gladstones betreffs Egyptens schließe die Reduktion des Zinssatzes der unifizierten Schuld um V2 Prozent ein.
Holland. Heber die Thronfolgeordnung gelten folgende Bestimmungen: Für den Fall, daß aus des Königs Ehe
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2 Heimkehr.
Erzählung von Hans War ring.
In diesem Hause war es, in dem Zimmer, daS der verstorbene Besitzer mit Geschmack und feinem Kunstverständnis für stq zum Arbeiisztmmer eingerichtet hatte, wo eine von Kummer und Sorge gebeugte Frau vor dem Schreibtische saß, der mit Kupferstichen und Photographien in prächtigen Mappen, mit Bronzen unb Elfenbeinschnitzereien beredt war. Draußen, vor den Fenstern, lag die weite Landschaft in hellem, lachendem Sonnenschein. In den Wipfeln deö KastanienwäldchenS am Fluß leuchteten weiße Blütenkerzen. Flieder, Goldregen, Rotdorn und Akazien blüten in den wohlgepflegten Anlagen deS Gartens, unv über bie niedere Mauer des Obstgartens ragte es wie ein Walv von roten unb weißen Rosen. Ueberall Schönheit unb Lust, wohin das Auge sich wenden mochte, — überall Lebensfreude unb neuerwachte Lebenskraft. Aber der Blick der gebeugten Frau haftete nicht auf dem heiteren Silbe. Sie hatte eie Stirn in beibe Hände gestützt unb faß regungslos, von Zeit zu Zeit laut uns gepreßt aufatmenb, als werde ihr die Brust von schwerer Last zusammengedrückt. Vor ihr auf dem Tische, in einem wirren Haufen zusammengeschoben, lagen Bücher und Papiere, mit welchen sie sich augenscheinlich beschäftigt hatte. Sie hatte soeben eine traurige Ueberjeugung aus diesen Schriften geschöpft, bie Ueberjeugung, daß es mit dem Hause, dessen Herrin sie seit fünfzehn Jahren war, abwärts gehe, — reißend schnell abwärts gehe. Schon bei Lebzeiten ihres Gemahls, — es war noch vor der Zeit seiner letzten Krankheit gewesen, — da war ihr die Erkenntnis gekommen, daß ein ungewiffes böses Etwas zwischen ihm unb ihr stehe, — daß sie nicht sein ganze- und volles Vertrauen besitze. Sie durste sich nicht beklagen, denn obgleich sie fünfzehn Jahre lang seine treuergebene Gattin
gewesen, — seine erste Wahl, daS Weib seiner heißen ersten Jugendliebe war sie nicht I Durfte sie fordern, wa« er ihr nicht freiwillig gab? Sie mußte sich mit treuer Pflichterfüllung bescheiden, — sie mußte fein Vertrauen verdienen uno erwarten, — erzwingen ober erbitten ließ es sich nicht. So hatten sie neben einander hingelebt, der Schatten war geblieben, er war nicht dunkler geworden, er hatte auch keine größere Kluft geriffen, — dazu war die Natur des Verstorbenen zu liebenswürdig, zu warmherzig gewesen, — aber er hatte sein Dunkel auf das Gemüt der Frau geworfen, er hatte wie die Ahnung kommenden Unheils auf ihr gelegen. — Da, während der Zeit seiner letzten Krankheit, hatte ihr Gemahl Andeutungen gemacht, die ihr bewiesen, daß sein Geist sich unter schwerer Sorge quälte. Sie halte wahrgenommen, wie sein Auge oft lange und forschend auf ihr geruht, sie hatte gewußt, wie er mit dem Entschlüsse rang, ihr sein Herz rückhaltslos zu öffnen. Ost hatte sie neben ihm gesessen, geduldig wartend, seine Hand in der ihren ruhend. Er mochte nicht geahnt haben, daß die Zeit ihm nur noch so knapp zugemeffen war, — er hatte die peinliche, und wie sie jetzt sah, selbstanklagende Zwiesprache von einem Tage auf den anderen verschoben. Darüber war die Zeit hingegangen, die letzte Stunde war früher gekommen, al- er, al- Gattin und Kinder geahnt und hatte den Mund für ewig verstummen gemacht. Und jetzt war da« Unheil aufgedeckt, jetzt lag es klar zu Tage. Alle Anzeichen eines niedergehenden HaufeS: lange unausgeglichene Conten, — oft prolongierte Schuldscheine, — fällige Wechsel, — Kontrakte über bereit« verpfändete Ernten, gekündigte Hypotheken, — alles, alles war auf die Frau in wirrem ChaoS hereingebrochen. Sie saß lange da, fast gebrochen unter der Wucht dieser Entdeckung. Wie eben Fels von Erz, so fest hatte sie den Grundstein dieses
Hauses gewähnt, uno jetzt stand sie, die höchstens an kleine leicht zu beseitigende Sorgen gedacht, vor dem Zusammenbruch desselben I Erst allmilig gelangte sie zu der Klarheit des Geistes, um sich die Frage vorzulegen, wie dies alles wohl gekommen sei? — wie es hatte geschehen können, daß et, der Ehrenmann, deffen Charakter uno Ehre ihr während der ganzen Zeit ihrer Ehe nie einen Makel oder Flecken gezeigt, Verpflichtungen hatte eingehen können, die über sein Vermögen hinausgingen? Sie ließ die Jahre ihrer Ehe an ihrem Geiste vorüberziehen. Nichts war darin enthalten, das ihr die Ueberjeugung rauben konnte, daß er sich selbst getäuscht, — daß höchstens in der letzten Zeit seine- Leben- ihm die Augen aufgegangen. Und wie verzeihlich erschien ihr diese Täuschung! Wie wenig hatte er für sich selbst gebraucht, — wie fern war sein Sinn von extravaganten Ansprüchen gewesen! Sie hatten allerdings einen langjährigen Haushalt in der Residenz geführt, und zwar einen Haushalt, wie ihn nur eine auf solides Vermögen sich stützende Familie führen kann. Auch hatte et eine freigebige Hand gehabt, — freigebiger gegen Andere, als gegen sich selbst I — Unb jetzt, al- sie aller seiner schönen unb großen Eigenschaften^gedachte, überflutete warme Dankbarkeit ihr Herz. Wie großmütig wat er auch gegen sie gewesen, gegen sie, bie einfach Gewöhnte, bie ihm kein Vermögen zugebracht! Sie hatte seine reichen Gaben hingenommen, wie etwas, bas er ohne Opfer geben konnte, und sie gebraucht unb sich damit geschmückt, wie sie es seiner Stellung im Leben schuldig zu sein glaubte. Geben war seine Freude gewesen, — jede Kargheit hatte seiner groß- mütigeti Natur widerstanden. Sie wußte freilich, daß mancher sich diese liebenswürdige Schwäche zunutze gemacht hatte, — sie wußte, daß selbst sein Sohn---
(Fortsetzung folgt.)