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Marburg, Sonntag, 22. Juni 1884.

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Einen vortrefflichen Honig aus Kürbissen zu bereiten. Die Kürbispflanze ist eine von denen, welche von den Landwirten sehr außer acht gelassen werden. Mit geringem Raum sich begnügend, auf einem Boden, der zu nicht« benutzt werden kann, selbst auf Schutthaufen reichlich wachsend, lohnt sie die so geringe TZfllje, welche das AuS- legen der Samen bereitet, mit vielen und großen Früchten. Diese Früchte enthalten einen sehr zuckerretchen Saft und ein Fleisch, welches zu den verschiedensten Zwecken verwertet werden könnte. An vielen Orten zerreibt man die Kürbisse und mengt den flüssigen Brei beim Etnteigen unter daS Brotmehl; das erhaltene Brot ist süß und schön. Den in dem Saft enthaltenen Zucker zu verwerten, geben die Frauend. Bl." folgende Vorschrift. Man schält die Kürbiffe, reinigt fie von den inwendigen Fasern und Kernen und schneidet das reine Kürbisfleisch in Stücke von der Größe einer Wallnuß. Diese thut man, ungewaschen und ganz ohne Wasser, in große Töpfe, welche nicht ganz gefüllt werden dürfen, und läßt sie am Feuer kochen, bis daraus eine dünne Brühe geworden ist. Diese gießt man durch Leinwand in einen Kesiel, drückt das in dm Töpfen zurück­gebliebene Kürbisfleisch durch Tücher, um die darin ge­bliebene Brühe zu gewinnen, welche man in einem Kesiel einstedet, bis sie die Dicke eines SyrupS oder Honigs erlangt hat, wobei sie beständig abgeschäumt wird. Diese ringe« sottene honigartige Masie wird in steinernen Töpfen zum Gebrauch aufbewahrt. Sie hat die Süßigkeit des Honigs und ist zu Kaltschalen, Suppen und Kochspeisen anstatt Farinzucker zu gebrauchen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. jPreis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustktrteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckere«) bezogen 2*/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

noch ein halbes Stündchen beim Genusie seiner verttabeln Havannoh auf der Terrasie des Hotels zu verbringen. Welch ein prächtiger Abend! In unendlicher Schönheit ssteht der Vollmond am schwarzblauem Himmel und übergießt das gewaltige Häusermecr, das sich in der Tiefe ausbreitct, mit einem Lichtmeere, von welchem wir in Europa keine Ahnung haben. Scharf und klar heben sich drüben auf dem Vorsprunge deö Mokattam - Berges die Umrisie der Zitadelle und vor allem die schlanken MinaretS der Moschee Mohammed AliS von dem nächtlichen Himmel ab; nicht weit davon ragen die MinaretS der Sultan-Hassan-Moschee, deS größten und prächtigsten .unter den mohammedanischen Gottes­häusern Kairos, in die Höhe, nicht zu gedenken der zahl­reichen MinaretS und Kuppeln der übrigen Moscheen, von denen die Pyramioenstadt nicht weniger als 400 besitzt,; gerade vor uns reflektieren die Mondstrahlen auf der stolzen Kuppel der Moschee El Azhar, einer der ersten Universitäten der islamitischen Weit; von jenseits des Nils aber grüßen die Spitzen der Pyramiden von Abu Roasch herüber. Be­rauschende Düfte auS den Rosen-, Orangen- und JaSmin- gebüschen zu unfern Füßen steigen zu unS empor, während aus einer engen Seitengasse zum Klange einer Guitarre ein sehnsüchtiges italienisches Liebeslied ertönt; sonst liegt tiefe Stille über der Riesenstadt ausgegossen, kaum, daß vom NU herüber der scharfe Schrei eines Nachtvogels ertönt. Auch wir wollen uns jetzt zurückziehen, um uns in unsere Hängematte zu legen und von den grünen Ufern deS Vater Rhein zu träumen schlaf wohl, Kahira, Du alte KönigS- stadt am Wüstensaum salam aleckum, lieber Leser!

die Pläne des Kanzlers bezüglich der Session ist jedoch noch nichts bekannt. Die elfte Kommission des Reichs­tages erklärte sich in ihrer Mehrheit gegen die Anträge auf Wiedereinführung der Berufungsinstanz und beschloß, folgende von Schröder und Wölfel vorgeschlagene Tages­ordnung dem Plenum zur Annahme zu empfehlen:In Erwägung, 1. daß die Wiedereinführung der Berufung eine tiefgreifende Revision nicht nur der Strafprozeße Ordnung, sondern auch deö GerichtsverfassungSgesetzcs vorausfitzt, daß sich aber bei der Kürze der Zeit, welche seit dem Jnkraft- kretcn der Justizgesetze verflossen ist, ein abschließendes Urteil über ein Bedürfnis zu solcher Revision nicht gewinnen ließ, 2. daß auch den Beschwerden über die Strafrechtspflege, welchen die Anträge durch Einführung deö Rechtsmittels der Berufung gegen die Strafkammer*Urteile begegnen wollen, in der Hauptsache durch eine im Geiste der Straf­prozeß-Ordnung entsprechende Handhabung dieses Gesetzes abgeholfen werden kann, geht der Reichstag über die An­träge zur Tagesordnung über." In der vorletzten Nacht fand bei Pichelsberge im Grünewald ein interessantes Ma­növer statt, über welches wir imB. C." folgendes berichtet lesen:Gegen 11 Uhr unternahm das Kaiser Franz Garde- Grenadierregiment eine Attacke auf einen markierten Feind und kurz nach Beendigung des Gefechtes ging daS hier zu Reserveübungen befindliche 3. Korps der Sanitätskolonne vor, um daS Schlachtfeld zu rekognoszieren. Zu diesem Behufe kam zum erstcnmale das elektrische Licht in' An­wendung. Auf einem mit Pferden bespannten Wagen, ähnlich wie der Extinkteur bei der Feuerwehr, befand sich der Motor zur elektrischen Beleuchtung, und auf neun hohen Stangen waren Bogenlichtlampen angebracht, welche durch diesen Apparat gespeist werden konnten. Um diese Stangen nach beliebigen Richtungen transportieren zu können, wik- kclten sich Drähte, ähnlich wie die Schläuche bei Spritzen, von einer Rolle ab, um den Lampen den elektrischen Strom zuzuführen. Der Erfolg war ein ungemein günstiger. Die Aerzte, Krankenwärter und Träger, 318 an der Zahl, konnten ganz deutlich die an den scheinbar Verwundeten, resp. Toten angehefteten, auf Marken verzeichneten Blessuren lesen und demnach den ihnen obliegenden Dienst verrichten. Dem militärischen Schauspiele wohnte trotz der vorgerückten Zeit eine große Zuschauermenge bet und der Reflex des Lichtes auf der von Wald umsäumten Ebene machte einen imposanten Eindruck. Erst gegen 7 Uhr früh rückten die Mannschvftcn über Wilmersdorf und Schöneberg in ihre Quartiere wieder ein." Die Verhandlungen Deutschlands mit der internationalen Kongogcsellschaft haben begonnen, und zwar auf der Basis, daß Deutschland die Anerkennung des neuen Staates als Freistaat bet den anderen Staaten durch­setzt und dafür die Rechte einer meistbegünstigten Nation erhält.

Der Frühschoppen, zu welchem der Fürst Bismarck die Mitglieder deS Reichstags auf heute vormittag einge­laden hatte, war sehr zahlreich von Mitgliedern aller Par-

Bilder aus der Pyramidenstadt.

(Schluß.)

Die in jener Ecke hockenden beiden KatibS (arabische Schreiber), vte den Turban als Zeichen ihrer Würde ver­wegen aufs linke Ohr geschoben und den Kaftan in so romantische Falten um sich gelegt haben, interessieren uns "icht weiter, eben so wenig wie hier die drei ehrsamen Handwerker, welche so eifrig ihr Habuli eine Art Domino spielen; brechen wir daher auf, zumal eS, wenigstens nach den hierzulande herrschenden Begriffen, schon ziemlich spät geworden ist. Wir geben dem Wirte einen Piaster, welchen der würdige Cafetier, da eS um die Hälfte zu viel ist, mit einer bis zur Erde reichenden Verbeugung empfängt, verabreichen einem uns den AuSgang versperren­den braunen Schlingel einen Fußtritt, welchem der Be- ^effende, obwohl ein Chech-el-Havamin (Vorsteher der Diener) ohne Zeichen von Empfindlichkeit schleunigst Folge Siebt, und befincen unS wieder auf der Straße. Dieselbe P schon ziemlich öde, obwohl unser Genfer Taschenchrono- weter erst die neunte Stunde weist; in Kairo ist das Nacht« schwärmen wenigstens was das Straßenleben anbelangt "ich! Sitte, außerdem haben wir auch keine Laterne bei uns, die hier jeder Spaziergänger nach neun Uhr Abends Kit sich führen muß und wir möchten alle Weittiufigkeiten >Uit den patrouillierenden Kavassen vermeiden.

In unserm Hotel ist noch viel Leben; wir haben indessen weder Neigung, uns unter die im Speisezimmer schwatzende Und lachende Menge zu mischen, möchten aber auch noch uicht in die Hängematte kriechen und ziehen c4 deshalb vor,

teien besucht und verlief überaus harmlos. Die beiden konservativen Fraktionen waren sehr zahlreich vertreten, ebenso auch das Zentrum, von dem alle hervorragende Mitglieder anwesend waren. Nicht so zahlreich vertreten waren die Mitglieder der anderen Fraktionen. Von den Deutschfreistnnigen" bemerkte man die Abgg. Hofmann, Rickert, Dr. Horwitz rc. Gleichfalls sehr zahlreich vertreten waren die Mitglieder des Bundesrats und des Preußischen Staatsministeriums. Auch Mitglieder des Staatsrates, die neuerdings ernannt sind, bemerkte man unter den An­wesenden. Der ungünstigen Witterung wegen hielt sich der größte Teil der Gesellschaft in den Sälen auf, wo auch daS Buffet etabliert war, an dem das Lieblingsgetränk des Reichskanzlers, Münchener Bockbier unter der Direktion des Dr. Schwenninger geschänkt wurde. Die Musik daS Musikkorps des 2. Garderegiments zu Fuß war im Garten plaziert, wurde aber später auch nach bett Sälen berufen. Im Garten erblickte man auch einen reichen Damenkreis in lebhafter Konversation mit den an­wesenden Herren. Außer der Fürstin Bismarck und deren Tochter, der Gräfin v. Rantzau, bemerkte man unter ihnen Frau Staatssekretär v. Schelling, Frau Staatssekretär v. Bötticher, Frau Minister v. Goßler, Frau v. Wallen­berg nebst Tochter, Frau v. Kusserow, Frau Minister v. Spitzemberg, Frau Minister Bronsardt v. Schellendorff, Frau v. Kurowsky u. s. w. Eine sogenannte politische Ecke eine große eichene Tafel, an der der Reichskanzler Platz genommen, hatte sich gebildet, es wurde aber an derselben nicht, wie sonst politisiert, vielmehr unterhielt der Reichskanzler die Anwesenden mit Erzählung seiner Erleb­nisse aus den Kriegen von 1866 und 1870/71. Da­gegen hatte der Fürst Bismarck eine längere Unterredung mit dem Abg. Dr. Windthorst. Die Menge bot im allge­meinen ein bunt bewegtes Bild; auch der Champagner bekam schließlich sein Recht, er wurde unter den Auspizien des Abg. Freiherrn v. Schorlemer-Alst kredenzt. Große Heiterkeit erregte es, als ein Telegramm auS Rostock an den Abg. Dr. Windthorst anlangte, das auf die bekannte Rede des genannten Abgeordneten im preußischen Abgeord­netenhause, die sich gegen den Frühschoppen richtete, an­spielte; es lautete:Exzellenz! einen Frühschoppen? Na! Na! ES kommt Ihnen ein Ganzer: der Frühschoppen von Friemann in Rostock!" Die Antwort lautete:Probieren geht über Studieren. Ich komme nach. Windthorst." Gegen 1 Uhr löste sich die Gesellschaft auf, um sich zur Sitzung nach dem Reichstage zu begeben.

Esse«, 20. Juni. DieRhein.-Westfäl. Ztg." meldet: Der Vorstand des Vereins für die bergbaulichen Interessen des Oberbergamtsbezirks Dortmund beschloß gestern, die Zechen deS Vereins zu einer gemeinsamen Beteiligung an der im nächsten Jahre zu Antwerpen stattfindenden In­dustrie-Ausstellung aufzufordern.

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Deutsches Reich.

Berlin, 20. Juni. DerReichsanzeiger" publiziert das Gesetz, betreffend die Stempelsteuer für Kauf- und Liefer ungö - Verträge im kaufmännischen Verkehr und für Werkvervtngungs-Verträge. In der gestrigen BundeSrats- sitzung wurde die Stelle eines Senats - Präsidenten durch den RetchsgerichtSrat Friedrich besetzt; für die Ratsstelle des letzteren und die durch den Rücktritt deö ReichsgerichtS- rats Moeli vakant geworrene wurden der bisherige LanveS- gertchts - Präsident v. Bülow aus Greifswald und der KammergertchtSrat Rehbein auS Berlin gewählt. In Berichtigung ungenauer Zeitungs-Mitteilungen meldet die Nordd. Allg. Ztg.", die gestrige Erklärung des bayerischen Bundesrats-Bevollmächtigten zur Börsensteuer-Vorlage habe gelautet: Die bayerische Regierung stimmt dem Gejetzent- wurse in seiner jetzigen Fassung zu, nachdem ihre ursprüng­lichen Bedenken ourch die nach den Anträgen der Ausschüsse erfolgenden Aenderungen, namentlich insoweit sie sich auf die Erleichterung der Waren - Geschäfte beziehen, erheblich gemindert worden sind. Gestern nach Schluß der Plenar­sitzung des Reichstags beriet der Senirenkonvent über die Ge­schäftslage und machte sich dahin schlüssig, für die Erledigung des Unfall- und Aktiengesetzes, sowie für die dritte Lesung der Anträge Ackermann (LehrlingSsrage) und Windthorst (Aus­weisungsgesetz) und oct wichtigsten Wahlprüfungen im Ple­num zu wirken. Alle übrigen Gegenstände sollen unberück­sichtigt bleiben. Den Schluß der Session erwartete man in 14 Tagen. An eine Vertagung bis Mitte September und Nachsesston im Herbst glaubte man nicht. Vor dem Seniorenkonvent hatte Präsident von Levetzow lange Zeit mit dem Staatssekretär von Bötticher unterhandelt. Ueber

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HC* In der nächsten Nummer beginnt im Feuilleton die höchst spannende Original-Erzählung:

Heimkehr, von Hans Warring. Neu zugehenden Abonnenten des nächsten Quartals werden auf Wunsch die bis dahin erschienenen Nummern gratis nachgeltefert. Expd. der Obrrh. Ztg.

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