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Marburg, Donnerstag, 19. Juni 1884.
XIX. Jahrgang.
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gmeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a M , Ham- i.urq, Magdeburg u. Wien; «udolf Moffe in Frankfurt . Berlin, Riünchen und aöln: ®- L. Daube und So. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Pari-.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. iPrerS für da« Quartal mit ber »b$enth<$en »eilag« SÄÄ bi! aeÄ« Sie 10
' Buchdruckerei) bezogen 3<A «art, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 «art 50 Pfg (excl. Bestellgebühr. -Jnser ionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. W Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux ILgersche Buchhandlung in Frankfurt!«. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg ; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
Die Bestellungen für daS dritte Quartal 1884 bei den Postanstalten auf die
Oberhesfische Zeitung
mit deren Gratisbeilagen
Amtlicher Anzeiger
für die Kreise Marburg und Kirchhain
und
»Illustriertes GormtagSblatt
ersuchen wir baldigst machen zu wollen.
Die „Oberhesfische Zeitung" wird auch in diesem Quartal bemüht sein, ihren Lesern in Leitartikeln und zuverlässigen Korrespondenzen alle politischen TageSsragen und Leitbewegungen sofort mitzuteilen. Die „Oberhessische Leitung" ist das alleinige hiesige Blatt, das mit dem Wolsf'scheu Telegraphischen Korrespoudeuzbnreau in Verbindung steht und liefert deshalb wichtige Vorgänge sofort in Original-Depeschen. Alle lokalen und provinziellen Angelegenheiten finden besondere Berücksichtigung. Regelmäßige Berichte über die Reichs- und Landtags-Verhandlungen, sowie ausführliche Berichte über die Sitzungen der Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts und des Schwurgerichts, der Laud- wirtschastlicheu Vereine zu Marburg und Kirchhain und vieles andere. — Börsen-, Frucht-, Vieh- und souflige Marktberichte. Zahlreiche gemeinnützige und unterhaltende Artikel und ein stets gut gewähltes Feuilleton.
Die wöchentliche Gratisbeilage der „Oberh. Zeitung":
Mustrirtes Zonntagsblatt
bringt stets fpannenee Erzählungen und zahlreiche interessante Bilder; das Sonntagsblatt zu einem Bande gesammelt giebt ein Unterhaltungsbuch von bleibendem Wert.
Anzeigen finden in der „Oberhefstschen Zeitung" eine wirksame Verbreitung und werden mit nur 10 Pfennig die Zeile berechnet, dieselben sind auch für viele Leser von Nutzen, da die „Oberhessische Zeitung" infolge ihrer Beilage „Amtlicher Anzeiger" von Gerichts-, VerwaltungS-, Forst- und Bau-Behörden zu deren Bekanntmachungen benutzt wird.
Bei dem reichen Inhalt der „Oberhessischen Zeitung kostet dieselbe nur 2 Mark 50 Pfennig, wo sie aus der Post abgeholt wird, und 2 Mark 90 Pfennig, wenn sie durch die Postboten überbracht wird. Alle Postanstalten, aus dem Lande auch die Landpostboten, nehmen Bestellungen an.
Exped. der Oberh. Zeitung.
Deutsche» Reich.
Berlin, 17. Juni. Der Staatsminister v. Bötticher erwiderte auf eine Eingabe dcS Vorstandes der freien Or-
ganisation junger Kaufleute vom 2. April, worin die Notwendigkeit der Vertretung der Handelsgehilfen in den Handelskammern oder ähnlichen Körperschaften betont wird: Ein prinzipieller Gegensatz der Jnterefien im Verhältnis der Handlungsgehilfen zu den selbständigen Kaufleuten könne sich in dauernder Weise nicht entwickeln und damit fehle jede Unterlage für die Forderung, den Handlungsgehilfen eine besondere Vertretung ihrer Jnterefien in den öffentlich autorisierten Körperschaften zu bewilligen. — Unter den neu ernannten Mitgliedern deS Staatsrats befindet sich auch der Generalleutnant und Generalquartiermeister Graf Walder- see. Es verlautet, die Zahl der Ernennungen zum Staatsrat belaufe sich auf über 50. — Dem Vernehmen nach findet am Donnerstag oder Freitag Vormittag beim Reichskanzler eine gesellige Vereinigung von Reichstagsmitgliedern statt. —Das Präsidium des deutschen Handelstages richtete, bezugnehmend auf die Verhandlungen der Plenarversammlung des Handelstages vom 3. April, auf die gerichtlichen Entscheidungen mehrerer deutscher Obergerichte, auch des ersten Zivilsenats des Reichsgerichts hin, im Auftrage des Handelstages eine erneute Vorstellung an den Reichskanzler, worin derselbe ersucht wird, Sorge zu tragen, daß die vom Bundesrate getroffenen Veranstaltungen, um die gerichtlichen Entscheidungen für die Handhabung des ReichSstempelgesctzeS fruchtbar zu machen, gleichmäßig in allen Bundesstaaten in Wirksamkeit treten; ferner auf den Erlaß eines Gesetzes hinzuwirken, welches die Zulafiung deS Rechtsweges kür Klagen aus dem Reichsstempelgesetze vom 1. Juli 1881 für das ganze Reichsgebiet gleichmäßig gewährt. — DaS Abendblatt der „Berliner Börsen-Ztg." veröffentlicht einen Brief deS Geh. Kommerzienrats Mendelssohn, in welchem er die Nachricht der Blätter von seiner Berufung in „btn Staatsrat als durchaus unbegründet erklärt. — Gegenüber den Auslassungen der „Times" und der Pariser Blätter, betreffs der Thronfolge in Holland, macht die „Norddeutsche Allg. Ztg." darauf aufmerksam, daß daS Niederländische Staatsgrundgesetz klare und zweifellose Bestimmungen über die Thronfolge enthält, welche jede fremde Einmischung auS- schlicßen und keinen Zweifel darüber lafien können, daß der Versuch, die holländische Thronfolge zu einer europäischen Frage aufzubauschen, als von vornherein verunglückt bezeichnet werden darf. — Der Reichskanzler empfing den Präsidenten deS Aeltesten-KollegiumS, Geh.-Rat Mendelssohn, um sich mit ihm über die Börsensteuer und Handelsverhält- nifie zu besprechen. Die „Vofi. Ztg." und die „Börsenztg." wollen wifien, der Reichskanzler habe in der Unterredung geäußert, er glaube nicht, daß das Börsensteuergesetz noch in dieser Session werde zur Erledigung gelangen können. — Die Ueberflchten der Ergebnifie des Heeres - ErgänzungS- geschäfteS für da« Jahr 1883 sind dem Reichstage zuge- gau. en. ES sind dies in den Hauptzahlen folgende: 1. In
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Bilder aus der Pyramideustadt.
Kahira, Du wunderliche, merkwürdige, zauberische und — schmutzige Hauptstadt des nicht minder interefianten Wunderlandes Egypten, defien Schicksale auf der politischen Tag sordnung fort und fort stehen, wie lebst Du noch mächtig in meiner Erinnerung fort! Jahre sind vergangen, seit ich in Kairo weilte, damals residierte noch im Palaste Abdihn JSmail Pascha in all seiner glänzenden Liederlichkeit, zu dieser Zeit dachte man noch nicht an Arabi Pascha und an den Mahdi und die roten Uniformen der Engländer waren damals in der Stadt deS KHedive noch nicht zu sehen. Ich weiß nicht, ob durch die Anwesenheit der englischen Besatzung in dem Charakter dieser eigenartigen Stadt wesentliche Veränderungen hervorgerufen worden sind, jedenfalls hat aber das bunte Treiben in den Straßen oder vielmehr Gaffen von Kairo durch den Hinzutritt der roten Uniformen einen neuen Reiz erhalten und da sich der Orientale und also auch der Egypter durch äußerliche Ereignifie nur schwer in dem, was er gewohnt ist, zu thun und zu treiben, beeinflufien läßt, so ist nicht anzunehmen, daß die Anwesenheit der Engländer in der gesamten Physiognomie der egyptischen Hauptstadt einschneidende Veränderungen bewirkt hat.
Jahre sind, wie schon bemerkt, entschwunden, seit ich in der Metropole am Nil weilte, aber die Erinnerung an meinen dortigen Aufenthalt steht noch so lebendig in meinem Gedächtnis, als wenn seitdem nicht Jahre, sondern nur Wochen verstrichen wären. Wenn der geneigte Leser mir im Geiste auf einem Gange durch das bunte Treiben und Leben d^r Pyramideustadt folgen will, so wird er hoffentlich einen, wenn auch nur flüchtigen Einblick in dieses Leden gewinnen, daS so charakteristisch ist, wie nur in wenig anderen orientalischen. Städten.
Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Spitzen der schlanken Minarets der Moschee Mohammed Ali Paschas — auf der Zitadelle gelegen, der höchste Punkt Kairos, von wo auS man eine prächtige Aussicht auf daS Häuserlabyrinth zu seinen Füßen, auf den Nil und auf die Pyramiden hat — vergolden, öffnen die braunen und schwarzen BoabS (Pförtner) die Thore der einzelnen Quartiere — die Stadt ist in mehrere Quartiere geteilt, welche jed.n Abend durch Thore abgeschlofien werden — und das Treiben beginnt. Am ersten ertönen die Stimmen der Salepverkäufer, die mit dem Rufe „Saleppia" den Frühaufstehern in großen heißen Blechkannen jenes Getränk anbteten, das aus den getrockneten Wurzelknollen verschiedener Orchideen bereitet wird und welches mit Honig versüßt, dem Orientalen vielfach als Morgengetränk dient. Mit den Stimmen der Saleppverkäufer mischen sich diejenigen der Milchhändler, welche mit dem Rufe: „Ubta, Ubänl“ ihre Ware anpreisen, vom Lande herein ziehen schmutzige Felachenweiber, die schweren, mit Federvieh oder allerhand Gemüse und Frachte beladenen Körbe wie spielend auf den Köpfen tragend und nach und nach wird es immer lebendiger. Die europäischen Läden auf dem ESbekieh, der Hauptpulsader Kairos, ein großer Platz, defien Mitte ein parkähnlich angelegter Garten einnimmt, von wo auS die Muski genannte Hauptstraße nach Südosten geht, öffnen sich und die Straßen füllen sich mit Wagen, Reitern und Fußgängern. Ein buntes Völkergewimmel, wohin der Blick auch fällt. Griechen, Türken, Westeuropäer, Armenier, orientalische Juden, Perser, Indier, Abysstnier, Neger, Tscherkefien drängen sich durcheinander, bis an die Zähne bewaffnete Beduinen in ihren weißen Burnussen wandeln durch daS ihnen ungewohnte Treiben; hier betrachtet kopfschüttelnd ein in grellrote Gewänder gekleideter Häuptling
den Bezirken des 1. bis einschließlich 15. Armee-Korps werden in den alphabetischen und Restantenltsten geführt 1181016 Mann. Davon sind als unermittelt in den Restantenlisten geführt 33818; ohne Entschuldigung auS« geblieben 103251; anderwärts gestellungspflichtig geworden 250017; zurückgestellt 438815; ausgeschlossen 1210; ausgemustert 57976; der Ersatzreserve 1. Klasse überwiesen 88643; der Ersatzreserve 2. Klaffe überwiesen 50620; der Seewehr 2. Klaffe überwiesen 311; ausgehoben 124125; überzählig geblieben 13 577; freiwillig eingetreten 18623. Summa 1181016. Von den „AuS- gehobenen" wurden für das Heer zum Dienst mit der Waffe 118508, zum Dienst ohne Waffe 3410 bestimmt und für die Flotte aus der Landbevölkerung 755, aus der seemännischen Bevölkerung 1452. Wegen unerlaubter Auswanderung wurden von der Landbevölkerung 14367, von der seemännischen 335 verurteilt und noch in Untersuchung befinden sich von der ersten Kategorie 13844, von der zweiten 334. — In den Ersatzbezirken des Königreichs Bayern wurden 109919 Mann in den alphabetischen und Restantenlisten geführt. Davon sind der Ersatz - Reserve 1. Klaffe überwiesen 8587, der Ersatzreserve 2. Klaffe 3898, ausgehoben 17 692, überzählig geblieben 3089, freiwillig eingetreten 1682. Von den „Ausgehobenen" wurden zum Dienst mit der Waffe 17190, zum Dienst ohne Waffe 502 bestimmt. Wegen unerlaubter Auswanderung wurden verurteilt 1175 Mann und in Untersuchung befinden sich noch 712 Mann. Die Summe der Ausge- hobencn und freiwillig Eingetretenen beträgt demnach in ganz Deutschland: 124125 -s- 18623 -s- 17 692 -f- 1682 = 162122 Mann.
Hannover, 16. Juni. Heute abend sand im großen Saale des Börsenrestaurants eine von der „Gesellschaft für deutsche Kolonisation" veranstaltete zahlreich besuchte Versammlung statt, in welcher der zweite Vorsitzende jener Gesellschaft, H:rr Dr. Peters, zunächst über die Notwendigkeit deutscher Kolonialpolitik und die Ziele der „Gesellschaft für deutsche Kolonisation" einen Vortrag hielt, der to.’ßcn seines theoretischen Teiles sich weit mehr der Zustimmung der Zuhörerschaft zu erfreuen hatte, als diejenigen praktischen Maßnahmen, welche von der Gesellschaft als geplant vom Vortragenden bezeichnet wurden. In der Diskussion war cS der anwesende Herr Landesdtrektor von Bennigsen, welcher zunächst die Ansicht aussprach, daß der vor zwei Jahren in Frankfurt gegründete Kolonialverein im Grunde genommen dieselben Ziele verfolge, wie die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation", da in dem VereinS- statut ausdrücklich eine Stelle enthalten sei, wonach der Verein alle auf praktische Kolonisation gerichteten Bestrebungen zu fördern und zu unterstützen als seine Aufgabe anerkenne. Um das Vertrauen des deutschen Volkes für
vom kriegerischen Stamme der Wahabitm, mit dem der alte Mehemed Ali jahrelang blutige Kriege führte, die in den europäischen Läden ausgelegten . Herrlichkeiten, während dort eine Schar zerlumpter Derwische singend und bettelnd durch die Menge zieht.
Sieh, jetzt werden wir von Eselsjungen angerufen, die uns schreiend, sich zankend und prügelnd in einem wunderlichen Gemisch von Arabisch, Englisch und Italienisch ihre Maulesel zu einem Ritt nach den Pyramiden anbieten. ES ist eine nichtsnutzige Korporation, diese Eselsjungen, deren ganze Toilette in einer blau zerrissenen Blouse und einem schmutzigen Fez oder einer nicht minder schmierigen Filzmütze besteht und wehe dem Unerfahrenen, Sprachunkundigen, der in die Hände dieser jugendlichen Halbteufel füllt — er wird von ihnen geschoren und besäße er sonst die Weisheit Salomonis l Retten wir uns vor diesem Gelichter durch einen Gang in die arabischen Quartiere, die zu beiden Seiten der MuSki liegen und ein wahres Labyrinth von in einander verschlungenen Gaffen und Gäßchen bilden. Einige Gaffen werden nur von Handwerkern bewohnt, und zwar so, daß in einer Gaffe die Schuhmacher, in einer anderen die Waffenschmiede, in einer dritten die Sattler hausen u. s. w., doch findet man auch oft in einer Gaffe die verschiedensten Gewerbe vereinigt. Hier ist ein Barbier- laven und wenn Du Bedürfnis hast, so tritt mit ein; mit freundlichem „Allah salemak 1 seiak ente!“ (Gott segne Dich! Wie geht eS Dirl") erkundigte sich der würdige Vertreter der edlen Barbierzunft nach Deinen Wünschen, um Dir dann die Haare zu kürzen, oder Dich zu rasteren, oder auch beides zusammen zu besorgen, worauf er Dir noch den Kopf wäscht und salbt und für alles dieses zusammen hast Du nur 60 Para (ca. 25 Pfennige) zu bezahlen.
< (Fortsetzung folgt.)