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Marburg, Mittwoch, 18. Juni 1884.

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öffnet worden. Die Predigt wurde vom Probst v. d. Goltz aus Berlin über daS Wort Christi gehalten (Math. 16, 13 ff.): .Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen." Es sind 34 Abgeordnete deutscher Kirchenregierungen erschienen, darunter auch zwei Vertreter der beiden protestantischen Kirchen in Elsaß-Lothrlngen, ein Vertreter des evangelischen OberkirchenratS in Wien und nach längerer Unterbrechung zwei Deputierte aus Mecklenburg-Schwerin. Die wichtigsten Gegenstände der Verhandlung sind: die Revision der lutherischen Bibel­übersetzung, die Herstellung eines Normaltextes sür den kleinen lutherischen Katechismus, Maßnahmen zur Wahrung der kirchlichen Ordnung gegen separatistische und sektiererische Umtriebe, Einführung einer Kollekte für die deutschen evan­gelischen Gemeinden im Auslande, Weilerführung der Ar­beiten für kirchliche Statistik und vaö Kirchen-Chorwesen. Der bisherige Vorsitzende Oberhosprediger Dr. Kohlschütter aus Dresden wurde, nachdem er den üblichen Geschäfts­bericht erstattet hatte, zumVorsttzenden undOberkonststorialrat Schmidt aus Beilin zum Stellvertreter desselben gewählt. Die Verhandlungen der Konferenz werden voraussichtlich etwa 5 bis 6 Tage in Anspruch nehmen.

mit Einladungen beehrt wird. In Aussicht genommen ist zum erstenmale bei diesen Manöver« das Mitwirken einiger kleiner, für den Rhein bezw. die W-ser erbauten Kanonen­boote. Die WahlprüfungSkommisston kassierte die Wahl deS Abgeordneten Kutschbach (20. sächsischer Wahlkreis) wegen Verhaftung der Personen, welche sozialdemokratische Stimmzettel »erteilt hatten. In einem Artikel unter der Ueberschrist .Soziales" macht die .Schlesische Zeitung folgende, von ter .N. A. Z." beifällig übernommene Be­merkungen über daS Kapital: .Wie dasselbe durch seine Zentripetalkraft die Ersparniffe der mittleren Besitzklaffen aufsaugt, so hält e« den Anteil des Arbeiters an den Gütern, die er erzeugt, stets auf dem Niveau des sich nach dem jeweiligen Kulturzustandebemeffenden Existenzminimums, und so bestimmt es mit souveräner Gewalt darüber, ob über­haupt ausreichende Gelegenheit zur Arbeit gegeben werden, d. h. ob eine Nachfrage nach Arbeit stattsinden soll oder nicht. Von dem Gewinne, welchen große Unternehmungen, tote die Anlage eines Bahnnehes, die Durchstechung einer Landenge, die Herstellung einer zu überseeischen Ländern führenden Dampferlinie, in Aussicht stellen, bringt das Großkapital einen belangreichen Teil sofort für sich selbst in Sicherheit, den schwankenden und unsicheren Teil über­läßt es dem Anlage suchenden kleineren Kapital; den hundert- tausenden von Arbeitern aber, die im Schweiße ihres An­gesicht« derartige Werke schaffen, bleibt nichts als der orts­übliche Tagelohn. Die Sozialdemokratie hat diese Thatsache mehr oder weniger klar erkannt, aber den Begriff des sich nur spekulativ, nicht eigentlich produktiv bethätigenden Groß­kapitals nicht richtig erfaßt. Für sie ist alles Kapital, anch das sich mit der Arbeit in rationeller Weise zu produktiven Zwecken verbindende, mit jenem die Börsen beherrschenden Großkapital völlig identisch. Das letztere aber erstrebt n keiner Weise eine dauernde Verbindung mit der Arbeit, keine ständige Reute, sondern einzig neuen Kapitalgewinn und zieht, sobald dieser erzielt ist, .de» Kopf aus der Schlinge"."Das ist unzweifelhaft ganz richtig und ganz vortrefflich gesagt, aber wenn wir uns recht erinnern, hat die.Schief. Ztg." sich früher In einer bestimmten Periode, die mit der gegenwärtigen manche Analogien bietet, wesent­lich ander« über denWert der Kapitalsbildung für die Kultur" und die Bedeutung des sparenden Kapitals als eines der größten materiellen Hebel der Zivilisation" aus­gesprochen und dieN. A. Z." die damaligen, mit den obigen schwer vereinbarenden Aussührungen deS schlesischen freikon- servativen Organ« ebenso erfreut registriert.

Eisenach, 12. Juni. Die Eisenacher Konferenz deut­scher evangelischer Kirchenregierungen ist heute durch einen feierlichen Gottesdienst in der Kapelle der Wartburg er-

A«rla«d.

Rom, 16. Juni. DieAgeucia Stefani" meldet: ES ist absolut unrichtig, daß das in Spezia zur alljährigen gewöhnlichen Rundreise seit mehreren Wochen vereinigte Evolutionsgeschwader den Befehl erhalten hat, abzufegeln.

PariS, 15. Juni. Höchst wahrscheinlich wird da« RekrutierungSgesetz, über welches die Kammer seit 8 Tagen brütet, nun doch vertagt werden. Laneffans Antrag ist zwar verworfen, aber es stehen noch drei weitere Anträge zu Artikel 20 aus und die nötigen Beratungen werden vor Dienstag nicht zu Ende kommen. Mit dem Artikel 20 sind aber keineswegs alle Fragen abgeschloffen. Sollte die Angelegenheit auch nach Erledigung de« Artikels 20 noch in die Länge gezogen werden, so ist die Regierung ent­schlossen, die Vertagung der Militärfrage zu verlangen, da die Revistonsfrage nicht länger ungelöst bleiben könne. Ferry ist deshalb jchi kein Freund des RekrutierungS- GefetzeS, weil er dem Vatikan wegen der Seminaristen Zusagen gemacht hat, die, wenn sie nicht erfüllt würden, zum offenen Kriege de« Vatikans gegen die Republik führen würden. Der Senator Tenaille-Salignuy und die zwei Deputierten (Bouchet und La Vieille), wegen deren Ver­folgung man in der gestrigen Sitzung des französischen Parlaments einkam, sind angeklagt, .sich bei Ungesetzlich­keiten einer Ltller Affekuranz-Gcsellschaft beteiligt zu haben." Die Sache macht aber kern besonderes Aussehen mehr, da

Deutscher Reich.

Berlin, 16. Juni. In der unter dem Vorsitze de« Staatsministers von Bötticher am 14. Juni abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde der Beschluß des Reichs­tags vom 11. d. M., betreffend eine Eingabe wegen Ge­währung der Jnvalidenpeuston, dem Herrn Reichskanzler überwiesen. Die beantragte Ermächtigung zum Abschluffe einer Lltterarkonventlon mit Italien wurde von der Ver­sammlung erteilt. Auch erteilte dieselbe dem Entwürfe eine« Gesetze«, die Besteuerung des Zucker« betreffend, in ver­änderter Fassung die Zustimmung und erklärte hierdurch mehrere auf diese Angelegenheit bezügliche Eingaben für er» lebtot. Der Entwurf eine« Gesetzes, bett, die Beschaffung eine« Dienstgebäudes für das Generalkonsulat in Shanghai, fand unverändert die Genehmigung der Versammlung. Schließ­lich wurden für die Verhandlungen im Reichstage mehrere Kommiffarlen gewählt. Die Herren v. Levetzow, Dietze- Barby, Gras Arnim - Boitzenburg, v. Schvrlemer - Alst, v. Bennigsen, Miquel, v. Minnigerode und Gneist haben heute Patente als Mitglieder des StaatSratS erhalten, wie heute in Reichstagskreisen verlautete. Der General-Feld- marschall Graf Moltke hat, wie wir erfahren, noch vor seiner Abreise nach Schloß Krcisau die Pläne und Arbeiten zu den diesjährigen Kaisermanövern am Rhein vollendet und Sr. Majestät dem Kaiser zu Allerhöchster Genehmigung vorgelegt. Graf Moltke wird die Manöver als Chef de« Generalstabes der Armee ebenfo wie vor zwei Jahren bei Breslau persönlich leiten und dabei von dem General­quartiermeister, Generalleutnant Graf Waldersee, unterstützt sein. Eine große Anzahl deutscher und auswärtiger Fürsten werden bei dieser Gelegenheit Gäste des Kaisers sein, dahin­gegen nur eine geringe Anzahl fremdherrllcher Offiziere

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Zur Geschichte öcr silbernen Becher der Stadt Marburg.

(Schluß statt Fortsetzung.)

Am 14. Januar 1657 vertauschte die Stadt von den versetzten Bechern die Hälfte einer Dublette und die Dublette mit dem zerbrochenen Fuße, 49 Lot, gegen einen Becher von 40 Lot von dem Juden Jtzig, und gab diesen Becqer anstatt der herauSgegebenen dem Bürgermeister Bernhard zum Unterpfande.

Im Jahre 1664 vertauschte die Stadt einen von den unter Nr. 5 aufgeführten Bechern von 25Vi Lot gegen etncn neuen und verehrte denselben dem Elllestasten an der lutherischen Pfarrkirche Dr. Johann Georg Henckel pro dedicatione seiner inäugural - disputation.

->m Jahre 1666 vertauschte die Stadt einen Becher von 25 Lot 1 Quent gegen eine silberne Schale und zwei Löffel und verehrte diese dem Kanzleirat Neurath, wegen vieler gehabter Bemühungen, Grenzstreitigkeiten halber gegen die Dorsscha ten Wehrda und Marbach.

Die unter Nr. 8 aufgeführten silbernen Becher wurden eingeschmolzen, neue daraus verfertigt, und diese wohlver­dienten fürstlichen Räten geschenkt, die aber nicht namhaft

Nachdem die Stadt ihren eigenen Weinschank elnge- rlchict und daneben auch eine Stadlküche errichtet hatte, wurden die großen mehrere Tage lang dauernden Hochzeiteu, Frühesten (pranda), Mahlzeiten (coenae) und Promotionen auf dem Rathause gehalten. Die Staot stellte- gegen eine Vergütung nicht nur den Saal und daS für diese Zwecke angeschaffle Küchen- und Tischgeschirr, sondern auf Verlangen lieh sie auch ihre silbernen Becher. Kam bei einer solchen Gelegenheit ein Becher abhanden, dann mußte er durch einen andern ersetzt werden. Als nämlich im Jahre 1629 der von Philipp Kuhl gestiftete Becher in promotione

magistroruin verloren ging, mußte der Promoior M. HenrlcuS Tvnfor, der spätere Pädagoglarch, einen andern vergolceten Becher von gleichem Gewichte stellen.

Im 30jährigen Kriege wurde der Stadt Silbergeschirr eine Zeitlang auf hiesigem Schloste aufbewahrt, und bei der Belagerung der Stadt im Dezember 1647 hatte es der Stadtschreiber Philipp CrolliuS an sich genommen und so verwahrt, daß e« die plündernden kaiserlichen Kriegsvöiker nicht fanden. , , u .

Durch den öfteren Gebrauch war einer oder der andere Becher zeitig reparaturfähig und zuletzt ganz unbrauchbar geworden. Das reiche Inventar mit seinem Nachtrage an Wertstücken bestehend in 33 silbernen Bechern, 20 silbernen Löffeln re. hatte sich nach Ausweis des im Jahre 1666 ausgestellten Verzeichnisses sichtlich vermindert. Außer den dem Bürgermeister Bernhard verpfändeten Bechern waren nur noch 5 Becher und 6 Löffel vorhanden, welche in einem Schränkchen nächst der Thür in der Ratsstube ausbewahrt wurden. In den oberen Gefachen befanden sich 4 vergoldete Becher und die 6 silbernen Löffel; im untersten Gefache stand ein großer vergoldeter Becher, von dem es in dem Verzeichnis heißt, .welcher weiland Selten Werner bei die Stadt vermacht." DerBelten Werner" war aber kein großer Becher, denn er wog ja nur 33 Lot 1 Quent, war also nur um einige Lot schwerer als viele seines gleichen. Die Bezeichnunggroßer Becher" siebt das Verzeichnis von 1610 nur demWillkomm", der nahe an zweimal mehr Gewicht hielt al« derVelten Werner." Die Sache wird fich so verhalten: Wegen Mangel an Geldmitteln mußte die Stadt den Selbstbetrieb ihrer Weinschanksgerechtigkeit Im 30jährigen Kriege aufgeben, und in den distinguierten Besuchern der Stadt war eine Verminderung eingetreten, so daß derWillkomm" nut noch selten gebraucht wurde; derStilen Werner" dagegen wird entweder verschenkt, oder unbrauchbar geworden ober abhanden gekommen sein,

weshalb man mit Beibehaltung der Bezeichnung den großen BecherWillkomm" an seine Stelle treten lieft

Im Jahre 1669 verehrte die Stadt dem Vizekanzler Dr. Geißel eine silberne Schale und zwei silberne über­goldete Löffel und dem Herrn Vultejuö eine silberne Schale und einen übergoldeten Löffel im Werte von 30 Gulden wegen vieler gehabter Bemühungen.

Jrn Jahre 1670 entnahm der Rat dem Schränkchen in der Ratsstube einen Becher von 16 Lot, vertauschte diesen gegen einen neuen und verehrte denselben dem regie­renden Bürgermeister Licenttot Georg Schreiber zu seinem Doktorat.

Im Jahre 1672 beschenkte die Stadt den Obristleut- nant Engelhard Breull mit einem Pokal im Werte von 12 Rthlr., weil er bei dem Kriegstrubel und den Durch­zügen der kaiserlichen und brandenburgischen Kriegsvölker sich der Stadt und Bürgerschaft ernstlich angenommen hatte.

Im Jahre 1673 entnahm der Rat dem Schränkchen in der Ratsstube einen Becher von 281/4 Lot, vertauschte diesen gegen einen neuen und machte der Tochter de« Vize­kanzlers Dr. Geißel, Katharina Barbara, damit ein Hoch­zeitsgeschenk.

Ueber das Verschwinden vieler Becher und Löffel giebt weder das Ratsprotokoll noch das Inventar Ausschluß. ES ist also anzunehmen, daß auch diese teils verschenkt, teil« al« unbrauchbar gegen andere umgetauscht worden sind, der Eintrag hierüber jedoch vergeffen worden ist.

Am 29. Dezember 1679 in der Nacht vom Sonntag auf den Montag wurde mittelst Ersteigung de« Rathauses und Einbruch der Stadtvorrat an Silbergerät, Geld u. a. gestohlen. Damals stand noch dicht vor der Nordseite de« Rathauses, da, wo man den Hirschberg hinuntergeht, die Weckschirn. Wie die Fußtapfen im Schnee zeigten, wa'« die Diebe von der Kandel der , »a oezahlen.

in den ti*»" ' (Fortsetzung folgt.)