XIX. Jahrgang.
Marburg, Sonntag, 15. Juni 1884.
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si« wtedergefuudener Zweig der germauischeu Eiche.
Abgesandte her Boers sind in der deutschen Reichöhaupt- »adt gewesen und haben bei Deutschland Freundschaft und Ncotektion gefunden! Wie wird durch dtefe einfache Th« ' EL nicht cer glückliche Wechsel der Zeiten und der Fort- cklitte deö deutschen Reiches in allen Machtkreisen bewiesen! Sm zwanzig, ja vor vierzehn Jahren noch zuckte man im Auslände über Deutschland die Achsel und die ausländischen germanischen Stämme wollten nichts von ihrer Gemein- Lteit mit der großen germanischen Eiche toiffen, die seit Mrtausenden hauptsächlich in Deutschland Wurzeln ge- Magcn hat und Aeste und Zweige treibt. Nun ist eö nabem Plötzlich ganz anders geworden. Deutschland, das Aschenbrödel von ehemals, ist eine stolze, siegeS- und traft« bewußte kaiserliche Maid geworden, die man erst beneidete, dann bewunderte und schließlich mit Freundschaftsbewer-
nicht überlassen, den Marktbrunnen mit dem Bilde St- Georgs zu verzieren, sondern würde schon im Jahre 1725 bet dem Neubau des Marttbrunnens fein Bild und nicht das einer Mecrnymphe, welche« dermalen in der Remise de« Rathauses ausbewahrt wird, von dem Bildhauer Kcller- mann haben verfertigen und auf die Brunnensäule stellen lassen. Daß man erst seit der Mitte des vorigen Jahrhundert« den Ritter St. Georg für den Schutzpatron der Stadt Marburg hält und ausgiebt, da« beweisen zwei Ste n- reliefS, das eine befand sich an dem im Jahre 1750 »bauten und 1829 abgebrochenen Elisabeththor, da« andere erblickt man in der Barfüßerstraße am Löwenbrunnen, dem vorhinnigen Bärenbrunnen mit der Zahl 1774. SDaö bb®
Elisabeththor wird ebenfalls in der Remise de« Rathauses aufbewahrt. , , ,
Um näheres über den großm Pokal zu »fahren, be- gab ich mich auf die Suche in da« Stadtarchiv; ich stellte mir zugleich auch die Aufgabe, alles dasjenige nicht zu übersehen und mir zu notieren, was überhaupt über die Kleinodien der Stadt ausgezeichnet worden ist-
Zu einem jeden Feldzug, den die alten Landgrafen von Hessen unternahmen, hatte Marburg eine gewisie Anzahl waffenfähiger Männer zu stellen, die von einem Priester begleitet wurden, der den Feldgottesdienst zu halten hatte. Zu diefem Zwecke besaß die Stadt Marburg einen eigenen transportablen Altar nebst Zubehör. Als im Jahre 1527 durch Einsührung der Reformation die KultuSsorm eine andne wurde, lieferte der Rat den stlbernen vergoldeten Kelch nebst Patene, sowie eine große und zwei kleine Perlenkronen mit goldenen Spangen an die beiden Burger-
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treten, wenn auch der Staatsanwaltschaft die Berufung zugestanden werde. — Die PetttionLkommifsion beschloß, die Petition der Chokoladesabrikauten um Rückvergütung des Zolles für den in der Chokolade enthaltenen Zucker und Cacao als zur Beratung im Plenum ungeeignet zu erklären, nachdem der Bundeskommissar ersucht hatte, von der Beratung abzusehen, da die Angelegenheit bet Beratung der Zolltarifnovelle hinreichend zur Sprache gebracht wurde. — Ucber den Stand der kirchenpolitischen Verhandlungen mit dem Vatikan und die Nachrichten der „Germania- berichtet die ,N. A. Ztg." folgendes: „Wir haben schon einmal Anlaß genommen, telegraphische Meldungen der „Germania", betreffend den erzbischöflichen Stuhl von Gnesen-Posen, auf Grund eingezogener Erkundigung zu berichtigen. Der Inhalt jenes und anderer Telegramme ist in einer Korrespondenz der „Germania" vom 6 d. MS. mit neuen Zuthaten zu einem Gewebe vereinigt. Wir wollen in Nachstehendem die Hauptstücke desselben h-rvor- hebcn und uns kurz darüber äußern. Der Papst soll sich in einer Audienz gegen Herrn von Schlözer bereit erklärt haben, die von vem Kardinal Ledochowskt emgeretchte Resignation anzunehmen, vorausgesetzt, daß die preußische Regierung als Nachfolger einen Mann acceptiere, der das Vertrauen sowohl des Heiligen Stuhles wie auch der Diözesanbevölkerung besitze, und daß ste sich verbindlich machen werde, ernstlich Hand anzulegen an die Lösung der prinzipiellen Hauptfragen, betreffend die Vorbildung de« Klerus und die Anzetgepfltcht. Dies ist nicht wahr. Herr von Schlözer habe nach Berlin gemeldet, die Erledigung deö Erzbistums fei als eine vollendete Thatfache anzusehen, da der Papst die Resignation des Kardinals Ledochowskt angenommen habe. Dies ist nicht wahr. Bald daraus habe der Kardinal-Staatssekretär dem Herrn v. Schlözer eine Art Note zuzestellt, worin er diesem erklärt, er sei von dem Papst beauftragt, in Unterhandlungen wegen Neubesetzung des Erzstuhls zu treten. Dies ist nicht wahr. Der Kardinal-Staatssekretär habe für das Erzbistum drei Kandidaten in Vorschlag gebracht, den Weihbischof Cybi- kowski, den Prinzen Eomund Nadziwill und den Domherrn Litowski. Dies ist nicht wahr. Herr v. Schlözer habe die« nach Berlin berichtet und dann dem Kardinal mit« geteilt, daß keiner der drei von dem Heiligen Stuhl pro« portierenden Kandidaten der preußischen Regierung genehm sei. Dies ist natürlich auch nicht wahr. Die .Germania wolle die Kürze unserer Auslastung entschuldigen. Wenn ste un« die Zustimmung der römischen Kurie und der päpstlichen Diplomatie zur Veröffentlichung der Verhandlungen verschaffen will, so werden wir unseren Negationen positive Angaben hinzusügen und und auch über die Sätze der Korrespondenz vom 6. Juli äußern, die wir heute übergangen haben. — Einer Mitteilung der „Pol. Korr.
zufolge fpielte sich bet der jüngst erfolgten Ankunft der Kaiserin von Rußland in Petersburg folgende Scene ab: Der Kaiser begab sich in den Salonwagen und nach er-
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Deutsches Reich.
Berlin, 13. Juni. Der Kaiser vollzog gestern die Ernennung der neuen Mitglieder de« Staatsrat« und fetzte den Termin der Einberufung fest, der bald zu erwarten ist. — ES verlautet, das Stempelsteuergesetz werde in der morgigen BundeSratsfltzung noch nicht zur Beratung gelangen. Dagegen befestigt sich immer mehr die Annahme, daß für die weitere Behandlung der Vorlage noch G.wrcht auf die Aeußerungen von Sachverständigen gelegt werden soll, _ Die Kommission des Reichstags zur Vorberatung deö AktimgesetzentwurfeS erledigte heute die in der zelten Lesung vorbehaltenen Punkte dahin, daß auch bei Kommanditgesellschaften auf Attien Inhaberaktien follen zuge- lasten werden, daß ferner der Minimalbetrag der Aktien auf taufend Mark ohne Unterschied zwischen NamenS- und Inhaber-Aktien, sowie zwischen Aktiengesellschaften und Sony manditgefellfchaften auf Aktien festgestellt werden soll. Die Vertreter sämtlicher Fraktionen erklärten, daß sie nunmehr bei ihren politischen Freunden die Annahme deS Entwurfes befürworten würden. Der Entwurf wurde darauf in der Kommission einstimmig angenommen. - Die G-MstS- ordnungSkommission deS Reichstag« spricht sich dahin au«, daß das Mandat deS Abgeordneten Paasche durch dessen Ernennung zum ordentlichen Profestor an der Universität Marburg für erloschen zu ertlären sei. — Die Wah 1= Prüfungskommission erklärt die Wahl des Abgeordneten Leuschner (Glauchau-Meerane) für ungültig. — । Die SttasprozeßordnungS-Kommtsston sprach sich für die
Verweisung des Antrag« aus Wiedereinführung der Berufung an besondere Berufungskammern der Landgerichte au« und legte ihren weiteren Beratungen einen von Reichen- sperger eingebrachten Entwurf zu Grunde. Sie beschloß aber, die Gerichte erster und zweiter Instanz mit fünf Richtern anstatt mit dreien zu besetzen. Die Beschluß- faffung über die Frage, ob auch der Staatsanwaltschaft die Berufung zustehen soll, wurde vertagt, nachdem Re- I gierungSkommiffar Lenthe entschieden erklärt hatte, die verbündeten Regierungen würden der Frage nur dann näher
meister, welche in jener Zeit nebenbei noch als Kämmerer fundierten, behufs Veräußerung ab. Kelch und Patene, 2 Mark 15 Lot schwer, erstand Han« Dietz in Kaffel für 27 Gulden 3 Albu«, welche Summe sich in der Stadtrechnung von 1531 in der Einnahme findet, während die Perlenkronen als noch vorhanden bis zum Jahre 1540 in den Rechnungen aufgeführt werden und alsdann aus denselben verschwinden.
Noch im ganzen 15. Jahrhundert herrschte in Marburg der Gebrauch, daß wenn fürstliche Perfonen, oder distinguierte und mertierte Personen geistlichen und weltlichen Stande« die Stadt besuchten, diesen jedesmal auf Rechnung der Stadtkaffe ein Weinpräsent zwischen 2 und 6 Viertel ä 2 Maß, verehrt wurde. Im 16. Jahrhundert kamen diese Weinpräsente nur noch vereinzelt vor, und nachdem die Stadt auf ihre Rechnung im Jahre 1565 einen sehr vorteilhaften Weiufchank eingerichtet hatte, gmatteie sich diese Sitte, ausgenommen den Landgrafen und Prinzen des hessischen Fürstenhauses gegenüber, in einer Hanz anderen Weise. Man sandte den Gästen nicht mehr wie bisher das für sie bestimmte Weinquantum in da« von ihnen bezogene LogierhauS, sondern man lud ste ein auf das Rathaus und kredenzte ihnen daselbst einen Ehrentrunk. Hierzu war aber ein paffender Pokal erforderlich. Unter dem Namen der Willkomm" war bereits ein großer Pokal vorhanden, deffm Deckel mit einer Fortuna verziert war. Er kommt neben anderen Bechern und sonstigen Wertstücken, welche teils von der Stadt angekauft, steilö ihr geschenkt worden waren, in zwei Verzeichnissen vor, von denen daS letztere am 30. August 1610 ausgestellt worden ist. (grotfetuna
-„.men nimmt entgegen: Eedition d. Blattes, ^dAnnoncen-Bureaur
Berlin, München und «»(«'• G L. Daube und g in Frankfurt a. M., Ain, Hannover u. PanS.
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der Völker gegeben und wie unter deS AvlerS schirmenden Mtigen finden sich schon vergeffene germanische Stämme unter der deutschen Eiche ein.
Wer hat vor zwanzig Jahren in Deutschland an die Boers, jenen urkrästigen, auS holländischen und deutschen Elementen entstandenen Stamm Südafrikas gedacht, und schwerlich hat auch damals kein Boer sich Deutschlands SlammeSverwandtschast ernsthaft erinnert. Nun find ste plötzlich nach Berlin gekommen, der Präsident Krüger, der General Smith nnd andere Abgesandte der Transvaalrepublik, haben dem Kaiser Wilhelm ihre Ehrfurcht bezeugt und mit dem stammverwandten Deutschland einen Frennd- schasts- und Handelsvertrag abgeschlossen. Gerade jetzt, wo ick Deutschlands Kolonialpolitik mit Eifer nach Suowest- asrika richtet, wird man dirfe Thatfache um so höher zu schätzen wissen. Zur Ehre der BoerS wollen wir aber unseren Lesern einiges aus deren Geschichte zurnckrufen. Die BoerS wohnten früher in Natal in Südafrika. Dort weideten sie ihre Herden und erfreuten sich der vollkommensten germanifchen Freiheit. Da drangen in den Vierziger Jahren vom Kapland her di- Engländer in Natal ei" und wollten den Abkömmlingen der alten holländisch-deutschen Ansiedler ihre Herrschast aufzwingen. Die Boers dachten aber, Afrika sei groß genug, um den Rotröcken auszuweichen, und wan- derkn hinüber in das fruchtbare Gebiet der heutigen TranS- vaal-Repudlik, die sie gründeten.
Sticht lange ließ jedoch England die vor ihm zurückgewichenen BoerS in Ruhe. Gierig nach dem Besitze der kräftig Heranwachsenden Republik hetzte die englische Regierung das streitbare Negervolk der ZuluS gegen die BoerS und benützte die schwere Zeit, welche über die letzteren hereinbrach, um Transvaal zu annektieren. Es war ein Landraub, wie er nicht schmählicher gedacht werden kann; nicht auf einen Schatten von Recht vermochten sich die E»g-
Zur Geschichte der filberue« Becher der Stadt Marburg.
Die Stadt Marburg besitzt drei silberne DeckAbecher, von denen zwei außen und innen stark vergoldet und sehr wertvoll sind während der dritte nut innen vergoldet ist. Der große Becher, besten Deckel die Verzierung trägt, wie der Ritter St. Georg den Lindwurm erlegt, wiegt 3 Pfund 25 Lot = 7 Mark 9 Lot, der andere wiegt39/«8o ---- 2 Mark 71/« Lot, der dritte wiegt 17V* Lot — 1 Mark 1 \l«\or Ankunft Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit deS^Kronprinzen am 24. August 1883 die beiden wertvollen Becher ihrem Verwahrungsort entnommen waren, sah ich dieselben znm erstenmal. Der Ritter St. Georg als Verzierung auf dem Deckel des großen Bechers war mir etwas neues; nach einer mir belannten 5Roti| au« er Stadtrechnung von 1589 hätte es die Fortuna sein, muffen. Dies erregte mein besonderes Interesse, denn »un wurde es mit klar, daß diese Verzierung lediglich zu^ber iruflm lichen Annahme Veranlassung gegeben hat, da »Met ®L Georg für den Schutzpatron der «-ladt Marburg zu halten und anszugeben, und den Reiter mit b» ^ne im Stabt- wappen für den Ritter St. Georg anzusehen. Wenn St. Georg der Schutzpatron der Stadt Marburg 9cwebn wäre, bann hätte der Magistrat im Jahre 1524 ganz b?mo* schon fein Bild und nicht das bet heiligen Elisabeth von dem hiesigen Bildhauer Ludwig Juppe tn ©teln aushauen und über der EingangSthür zum neuen Rathause anbringen lassen; auch hätte man ganz gewiß cö unserem Zeitalter
ländet zu stützen. Die Boetö protestierten in London, wo man ihrer spottete. Wohl sind sie d e besten Schutzen und Reiter der Welt und ein wetterhartes, kampffrohes Geschlecht; aber was könnte das Häuflein gegen eine Großmacht auSrichten? So dachte man in England und trat ihr Recht mit Füßen. Die Boer« aber, echte Germanen, warteten geduldig und zähe, bis die Stunde kamin bet sie mit Aussicht auf Erfolg losschlagen durften. Da zogen sie mutig zu Felde, wie einst ihre Vorfahren gegen die Spanier, besiegten die englischen Truppen in Mi blutigen Gefechten und eroberten sich ihre UnabhangiMt zurück. Dies vollbrachten einige Taufend Boers oder Bauern, d e frellich todesverachtende Kämpfer sind und sich im Kampfe mit der Wildnis, mit ZuluS, Löwen und Elefanten, zu außerordentlicher Kriegstüchtigkeit herausgebildet hatten.
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rd billig I bann bewunderte und schltetzltch mtr 8reun°,u-ait«oew»- [2$ f [jungen überhäuft. Ein verdienter Ruhm durch nationale illusiriri! Thaien, ein riesenstarkeS Heer, eine imponierende Flotte, nan öj dn im stetigen Wachstum begriffener Welthandel haben iSabzegld dem deutschen Volke die ihm gebührende Stellung im Rate '■n.yvt SlThfora IrfiirmptibMl
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d. Annoneen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Franksurtja. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i.Hamburg; A Jnvalidendank in Berlin, M Dresden und Leipzig; v qt. Barck u. Co. in Halle;
W. ThieneS in Elberfeld.
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