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xn. Jahrgang.

Marburg, Freitag, 13. Juni 1884.

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volle Unterwerfung unter die in den geregelten Formen ge­fundenen Entschließungen sich erzeugen muß. DieProv.- Korresp." sagt über die Beratung des Akltengesetzes in zweiter Lesung folgende«:Beidersorgfältigen Vorberatung, welche die Vorlage der verbündeten Regierungen durch die be­rufenen und sachkundigen Vertreter deS Reichstags in der Kom­mission gefunden hat, kann von einer Ueberhastung, vor welcher ein der Reform nicht geneigter Teil der Presse zu warnen sucht, um so weniger die Rede fein, als der dem BundeSrat vorgelegte Entwurf schon im Oktober 1883 durch amtliche Veröffentlichung dem Urteil der Fachkreise zugäng­lich gemacht wurde und infolge dessen einer sehr ergiebigm Erörterung in der Preffe, in der Litteratur und in den Aeußerungen der Handelskammern unterlegen hat. Vielmehr dürfte, falls die Geschäftslage des Reichstags dem Rede- bedürfniffe gewiffer bisher nicht zum Worte gekommener Ab­geordneter Schranken auferlegen sollte, hierin ein geringeres Uebel erblickt werden, als in einer Vertagung des wichtigen und als dringlich erkannten Reformwerks auf eine ungewiffe Zukunft.

Dortmund, 10. Juni. Einer Rede zufolge, die der Abg. v. Schorlemer - Alst auf einem Fest der katholifchm Vereine Dortmunds gehalten hat, ist der genannte Abge­ordnete entschlossen, fernerhin ein Mandat für den Reichstag nicht mehr anzunehmen.

Hamburg, 9. Juni. Die deutsche Dampfschiffs- Rhederei zu Hamburg, welche schon seit längeren Jahren Schiffe nach Ostindien und China laufen läßt, hat ein Promemoria, betreffend eine nach Ostasien zu errichtende, vom Reiche zu subventionierende PostdampfschiffS-Linie ver­öffentlicht. Nach einer von der Gesellschaft gemachten Auf­stellung würde stch bei der Inbetriebsetzung der Linien inkl. 10 pCt. für die jährlichen Abschreibungen auf den Wert der Schiffe, Reserve, Kesieletnenerungen und 5 pCt. Zinsen auf das zu hweftierenbe Kapital ein Defizit von 4,600,000 Mark Herausstellen, welches durch eine Subvention zu decken wäre. DaS Promemoria unterläßt aber nicht, zu bemerken, daß in jüngster Zeit die Compagnie des Messageries Maritimes unv die Peninsulur & Oriental Steam Navi­gation Company in ihre resp. Linien auf der ostasiatischen Fahrt Schiffe eingestellt haben, deren Geschwindigkeit die von der deutschen Dampfschiffs-Rhederei ins Auge gefaßte von 12 Knoten noch um ein Beträchtliches übertrifft und stch bis zu 14 und 15 Knoten steigert. Werden Schiffe von ähnlicher Geschwindigkeit auch für die deutsche Fahrt vorgeschrieben, so erhöhe stch deren Kostenpreis, demgemäß das zu investierende Kapital, die Betriebskosten, die Aus­gabe für Kohlen und Assekuranzprämien, sowie die Ab­schreibungen und dergleichen mehr in ganz unverhältnis- mäßiger Weise. Ebenso selbstredend sei eS, daß, wenn eine hohe kaiserliche Admiralität in Hinblick auf eventuelle Ver­wendung der deutschen Postschiffe im Falle eines Krieges für den Transport- und Kreuzerdienst, in betreff des Baues

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Deutscher Reich.

«erlitt, 11. Juni. DerKaiser empfing heuteVor- . Jutib zahlreiche militärische Meldungen, erteilte Hobe-

nnb dem Kommandeur des 3. Ulanenregiments, Meutnant v. Treskow, welcher zur Vermählung deS bürsten Sergius stch nach Petersburg begiebt, Audienz ^konferierte nachmittags 1 Uhr mit dem Reichskanzler. J5. Abreise des Kaisers nach Ems ist nunmehr auf Frei- :: abend festgesetzt. Der Unterrichtsminister hat in- 1 der in der UnterrichtSkommisston deS Hauses der Ab- Ordneten deshalb stattgehabten Verhandlungen die Re- -innngen veranlaßt, in ländlichen Schulen überall, wo eS *L Nachteil für die Schule, insbesondere auch ohne Kür- ,L ver Unterrichtszeit geschehen kann, den NachmittagS- «nterricht auöfallen zu lasten. Die Kommission des «eickStags Wr Vorberatung der Anträge Munckel und «emvann, betreffend die Wiedereinführung der BerufungS- Manz in Strafsachen, hat die GeneraldiSkusflon erledigt. NaatSsckcetär v. Schelling erklärte, die Regierung stehe der Frage keineswegs völlig ablehnend gegenüber; der preußische Justizminister werde der Frage seine volle Aus- «nksamkeit zuwenden, wenn der Reichstag durch sein Vo- tum das Verlangen nach der Wiedereinführung der Be- msung feststelle. Die Aktiengesetzkommisston beendete die meite Lesung der Vorlage, wobei abweichend von der ersten Lrsung beschlossen wurde, daß Regretzansprüche gegen den Vorstand oder AufsichtSrat einer fünfjährigen Verjährung Mterltegen und der Anteil, womit die persönlich haftenden Gesellschafter bei Kommanditgesellschaften beteiligt sein müsten, (fit den drei Millionen übersteigenden Betrag von V20 auf V50 herabgesetzt wird.> Wegen mehrerer unwesentlicher Punkte findet am Freitag noch eine dritte Lesung statt. Die Kommission für daS UnfallverficherungSgesetz geneh- chte den Bericht deS Freiherrn v. Hertling, der noch heute verteilt wird. Die Plenarberatung soll am Sonn­abend beginnen. DerReichs-Anz." publiziert das Sprengstvffgesetz. ZurGrundsteinlegung des ReichS- ioBtzaascs" schreibt dieProv.-Kotresp.": Der Grund­stein zum ReichStagshauS ist am vergangenen Montag, 8. Zuni. durch unsern Kaiser im Namen der Fürsten und freien Städte deS Reiche« und in Gemeinschaft mit den vnsaffungsmäßigen Vertretern de« deutschen Volke« gelegt worden. Wie der Eindruck des TageS auf alle Teilnehmer ein erhebender und würdiger gewesen ist, so teilt stch dieser Eindruck den weiten Kreisen der Nation mit, wenn sie die öerichte der glanzvollen, von weihevollem Ernst getragenen Feier vernehmen. Vielleicht, datz in diesem Augenblick kein anderes Volk eine« solchen Festes und einer solchen Stimmung fähig wäre. Keinem anderen Volke ist die edelste und unentbehrlichste aller Gaben so neu, die Gabe: »seine Verfaffung und seine nationale Entwickelung auS eigener Macht zu schützen und die Pflege seiner Wohl-

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So, das Los?" Die Frau sah sehr gespannt aus.

Wo hast Du eS denn?"

DaS weiß ich halt nicht", entgegnete er etwa« klein­laut,ich denke aber, Du findest eS. Sieh nur zu, Anna Marte I"

Die Frau fiel alsbald über seinen Arbeitstisch her, und wühlte in dem bunten Chaos von Notenpapier und Folianten. Er stand neben ihr wie auf heißen Kohlen und schall, daß sie ihm alles durcheinander mache.

Aber Mann, besinn Dich doch wo hast Du da« Los hingethan? Da« ist doch ein Kreuz mit Dir!"

Haiti" rief er plötzlich und tippte an die Stirn inMatthefouS vollkommenem Kapellmeister" da muß es liegen. *

DaS Buch wurde aufgeschlagen. Kein Los war darin, aber ein Wollfädchen. Er deutete darauf und sah die Frau fragend an.

Ich habe einen FidibuS davon gemacht", sagte sie und wurde bald rot, bald blaß.

Anna Marie I Das war eine teure Pfeife." Damit stürzte er hinaus. Die Frau schlug die Schürze übers Gesicht und schluchzte:Hätte er mir wenigstens ein böses Wort gesagt I" r

Der Nachbar Leberecht lochte, daß er grün und blau wurde, als ihm Stadtmusiku« Zeisel in seiner drastischen Kürze daS Unglück berichtete. Gekränkt kehrte er ihm den Rücken und lief wieder heim. Leberecht folgte ihm stehen­den Fuße» im Schlafrock und Pantoffeln.

Nichts für ungut, Meister I" befänstigte er.Wo ist der FtdibuSrest? Vielleicht ist noch zu helfen."

(Schluß folgt.)

Franlfurt a. M., « fionnoDer u.PanS-

,.,n nimmt entgegen : Spedition d. Blattes, 'vdAnnoncen-Bureaux ^s-nftein und Vogler »Ärt a M . H°m- "Magdeburg u. löten; in Frankfurt

i Etwas vom alten Stadtziukiuisteu Zeisel von Balthasar Ludwig.

Weit kostspieliger und schwerer waren die Folgen dieser Zerstreutheit im Hochsommer ihres langen EhelebenS zu ertragen gewesen, als noch elf Paar kleine Füße mit den t«zu gehörigen, übrigen kerngesunden, jungen Menschen Kleidung und Nahrung heischten. Leider kam ihr erst später der Gedanke, ihm, wenn er ohne ihre Begleitung 6U8glng, nur mehr den schlechtesten Rock, den abgetragensten Hut und einen merkwürdigen alten Regenschirm, den sie Ait verwaschenem, blau- und rotgewürfelten Bettkattun be­rgen hatte, anzuvertrauen. Diese Dinge brachte er tonnet wieder heim, und wenn er eine« vergaß, so wurde ihm auf der Stelle nachgeschickt.

Einmal hätte seine Vergeßlichkeit böse Folgen haben $nnen: Er war beim Stammseldel imWeißen Roß , 8rau Anna Marie wartete daheim aus ihn und stopfte schon sein Abendpseifchen. Sie konnte nicht-Paffende« zum Rdibu« finden. Nach kurzem Besinnen zog sie au« einem ber zerlesenen Bücher, die ihre« Manne« Schreibtisch be- «Sten, einen Papierstrelfen und legte dafür ein Wollsädchen Mein. Dann setzte sie da« Abendbrot zurecht und sah au« «m Fenster. Da stürzte ihr Mann ohne Hut und Stock oie Straße herauf, zur HauSthür herein. Die spärlichen, toeißen Locken flatterten um sein gerötete- Angesicht, in welchem da« dunkele Augenpaar unstät rollte.

.sönljAlte, wir haben gewonnen 500 Thalerl 3n 81''ja Marias menschenfreundlichem Herzen stieg etwa« Mchen Äeltverachtung, gemischt mit Wehmut.Da hat

de» irr einer einen tüchttgen Büren ausgebunden ,

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d. Annoncen-Bureaur Jägersche Buchhandlung in Frankfurt!». M.; Hermann» scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; SB. Thienes in Elberfeld.

B*u u ck^e"eft" bezogm^S«/^ MarE ^rch*'di""PostSmter *de« Deutschen* Reichest SO* gespÄ-n-'Al-Ä Pf-k °

Buchdruaere.) »ejogen /. der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme vo« Adreffen werden SS Pfg> berechnet.

fahrt in die eigene Hand zu nehmen." Die« sind die Worte rer kaiserlichen Urkunde, welche bestimmt worden ist, in den Grundstein ausgenommen zu werden, und welche am Montag durch den Reichskanzler verlesen wurde. Wenn aber die Gabe der nationalen Selbständigkeit unserem Volke noch ein neue« Geschenk ist, so hat e« dieselbe, wie wiederum die kaiserliche Urkunde stch ausdrückt, in ungeahnter Macht und Herrlichkeit empfangen. Der angefangene Bau ist bestimmt,eine würdige Stätte zu bereiten für die gemein­same Arbeit der gesetzgebenden Körper." Die Gesetzgebung des Deutschen Reiche« liegt in den Händen der verbündeten Regierungen, deren Organ der BundeSrat ist, und des Reichs­tages, der, au« unmittelbarer Wahl des ganzen Volkes hervor­gegangen, den großen Beruf hat, den im Volk lebenden Wün­schen und Gedanken Ausdruck zu verschaffen, aber die nämlichen Gedanken auch zu klären und dieselben dem Volke, auS dem sie hervorgegangen sind, geklärt und durch die Geisttsarbeu der berufensten Männer ergänzt, zurückzugeben. Auf diesen Beruf blickend, sagte der Kaiser in der Bauurkunde, er sehe der Zukunft mit der Hoffnung entgegen, daß unter ihm wie unter seinen Nachfolgem die gemeinsame Arbeit für da« Vaterland von Einigkeit getragen und von Segen be- gleftet sein werde. Wie die Legung des Grundsteins zu einer würdigen Stätte für die gemeinsame Arbeit der gesetz­gebenden Körper des Reichs da« Gefühl einer noch neuen Wohlthat in seiner Frische aus den Geschäften des täglichen Leben« erweckte, so wurde sie durch ben Vorzug begleitet und erhöht, .unter der Teilnahme der meisten der seltenen Männer begangen zu werden, beiten durch die Gnade de« Allmächtigen da« unvergleichliche Verdienst und da« unver­gleichliche Glück zu Teil geworden, ihrem Volke jene Wohl­that spenden zu dürfen. Allen voran unser ehrwürdiger, vielgeliebter Kaiser, ihm folgend sein erhabener Sohn und Neffe, der Kronprinz und Prinz Friedrich Karl, die ruhm­reichen Heerführer, sodann der große Kanzler und der große Stratege, in deren Häuptern die staatfestigenden und Feinde« Macht bezwingenden Gedanken entsprangen. Die Reihe braucht nicht weiter geführt zu werden. Wir Alle sind von neuem an das hohe Glück erinnert worden, ein großes und heilvolles Geschick in der Geschichte unseres Volke« erlebt zu haben, und die Schöpfer und Zeugen dieses Geschicke« zum größten Teil noch an unserer Spitze und neben un« zu sehen. Solche« Glück aber muß eine Mahnung sein zu einem neuen Aufschwung des Pflichtgefühles, ohne welches ebensowenig die großen Thaten seltener Zeiten, wie die Tagesarbeit der in ruhiger und regelmäßiger Bahn dahin laufenden Zeiten gelingen können. Möge dieser Aufschwung in allen Kreisen der Nation erfolgen und Früchte des Segen« hervorbringen: die Früchte der Eintracht, der von Eigen- fucht und Vornrtell unbeirrten fachlichen Erfaffung aller uns obliegenden Arbeiten und der würdigen Haltung Aller in jenem unausbleiblichem Kampfe der Meinungen, auS welchem die heilsamen Ideen sich abklären, die vertrauen«-

murmelte sie, denn daß er in der Lotterie spiele und schon jahrelang gespielt habe, wußte sie nicht er hatte e« zu sagen vergessen. .

Mann, hast Du ein« über den Durst getrunken?" Anna Marie", erwiderte er gelaffen,hier ist mein Groschen", damit legte er da« Geldstück auf ben Tisch unb reichte ihr einen Brief hinüber.LteSI" faßte er,daS ist die Anzeige de« Kollekteur-. Leberecht hat auch gewonnen, der gab Johannisberger zum besten."

Schwarz auf weiß stand eS da Frau Anna Marie erklärte stch überzeugt. .

Alte", sagte er,einen Mantel sollst Du haben wie die Bürgermeisterin inwendig mit Kaninchenfell gefüttert!

Denk erst an Dich, Zeisel", lachte die Frau,mußt neue Hemden auf den Leib haben, und dem Liefet seinem Jüngsten find wir noch den Patenrock schuldig, und der HanSjörgel muß notwendig ein SonntagSkäpplcin haben, und mit kannst Du, wenn Du willst, ein Waffeleisen schenken." Damit hielt ste den FidibuS anS Oellämpchen und rauchte ihrem Mann die Pfeife an. Da« war immer ihr Geschäft. Wenn ste e« nicht that, rauchte et fein Pfeifchen kalt, und war dabei, ohne zu wisieu warum, höchst ungemüllich. Heute zog die Pfeife nicht; Frau Anna Marie mußte stch gewaltig anstrengen, wobei ihr dickes, rosige« Gesicht recht wunderlich anSsah; der eine Mund­winkel mit dem langen Pfeifenrohr hing melancholisch ab­wärts, während bet andere aufwärts ging, al- ob die linke Seite weine, die rechte lache, gleich einem halbfchichtigen JanuSkopf.Wann kommt denn da- Geld Atter?" fragte sie dazwischen.

DaS Los muß erst eingeschickt werden."