HX. Jahrgang
Marburg, Mittwoch, 11. Juni 1884.
e
.Bl [<
lene.-F«^
?alle e. g,
>est.
g aus de»
e*
ItSj
bürg, 14.
ivaner, -kt.
u Äail.’l
1884.
7 Die,
'5. m3
unterhaltens. Der Kronprinz und der Kaiser er- Wcnen kurz hintereinander. Der Kaiser begrüßte die Prinzessinnen und Prinzen. Allgemein fiel sein gesunde« Aussehen und die Leichtigkeit auf, mit der er sich bewegte. Der BundeSrat, die Ministerien und die Generalität waren sch vollzählig. Schon von 11 Uhr ab begann die Au - führt der Abgeordneten, der geladenen Gäste, denen die Mitglieder der Reichsbehörden, später die des HofeS folgten. Bet Hof versammelte sich in dem kaiserlichen Pavillon, zu dessen Rechien zur Seite des vor dem Pavillon liegenden ktgmtlichen Grundsteins fich allmählich die Feldmarichälle, Generäle, der Bundesrat, der Präsident und der Vorstand di- Reichstags gruppierten. Zur Linken stellten sich die Mitglieder der Reichsämter und preußischen Ministerien ws. Gegenüber dem Kaiserpavillon, also auf der anderen Seite des Grundsteins standen auf einem Podest die Ab- Mdneten, deren Zahl auffallend gering war, kaum 150. Polen, Welfen, Elsäsier und Sozialdemokraten fehlten voll- siänUg. Auch das Zentrum war auffallend spärlich vertreten, doch sahen wir Windthorst, Schorlemer und Prinz Äadziwill. m
Die Tribünen waren dichtgefüllt. Gegen 12 Uhr verendeten Hurrarufe fchon auö der Ferne die Ankunft des
Bel Ankunft des Kaiser« blteS das Musikkorps eine Fanfare Fürst Bismarck trat an den Kaiser heran, der He Erlaubnis zum Beginn der Feier erteilte. Der Dom-
fchläge, laut sprechend: „Für die Kaiserin!" Die ganze Versammlung brach nochmals in Hochrufe auS. Der Kaiser und der Hof verabschiedeten sich hierauf.
Die Kaiserin hat an den Reichskanzler nachstehenden Erlaß gerichtet: „Die Grundsteinlegung des ReichStags- gebäudes durch den Kaiser ist eine so ernste Feier, daß ich meinem tiefen Bedauern über meine Abwesenheit bet derselben Ausdruck zu geben wohl berechtigt bin. Aufrichtig bringe ich dieser nationalen Feier treue Segenswünsche dar für Kaiser und Reich, für den inneren und äußeren Frieden, in der Gegenwart und in der Zukunft, dem weiblichen Berufe entsprechend, der wahre Vaterlandsliebe bedingt."
Versammlung ein, in ihre Rufe mischte sich das Hurrah! des außerhalb des Festplatzcs dicht geschaarten Publikums. Die Kapelle intonierte: „Heil Dir im Siegerkranz." Die Versammlung und das Publikum fiel ein. Der Kaiser schritt nochmals an den Grundstein heran und führte drei Hammer-
rcS; lOlj iP3
10<i 68z Ti\ SS
xie Gnmdfteiuleguug zum ReichstagSgebäude.
Berlin, 9. Juni.
Reichstage, während der verflossenen Jahre unseres kalser- > ltchen Waltens für Deutschland geschaffen haben und sehen 1 der Zukunft mit der Hoffnung entgegen, daß unter uns . wie unter unseren Nachfolgern die gemeinfame Arbeit für das Vaterland von Einigkeit getragen und von Segen be- ■ gleitet sein werde. Der Ordnung, der Freiheit, der Gerechtigkeit, der gleichen Liebe für alle Kreise unseres Volkes sei unverbrüchlich diese Arbeit gewidmet. Möge Friede nach Außen und im Innern den Bau dieses HauseS beschirmen! Auf immerdar sei das Haus ein Wahrze chen der unauflöslichen Bande, welche in großen und herrlichen Tagen die deutschen Länder und Stämme zu dem deutschen Reiche vereinigt haben! Dazu erflehen wir den Segen Gotteö. Gegenwärtige Urkunde haben wir in zwei Aus» fertigungen mit unserer allrrhöchstcigenhändigen Namensunterschrift vollzogen und mit unserem größeren Kaiserlichen Jnstegel versehen laffen. Wir befehlen, die eine Ausfertigung mit den dazu bestimmten Schriften und Münzen in den Grundstein des Hauses niederzulegen, die andere in unserem Archiv aufzubewahren."
In eine Kapsel aus Kupfer verschlossen wurden sodann die bereits bekannten Schriften und Münzen in die Vertiefung des Steines gelegt, wobei die Militärkapelle mit Musik einfiel. Daran schloß sich die Zeremonie der eigentlichen Grundsteinlegung. Der bayerische Bevollmächtigte zum BundeSrat, Graf Lerchenfeld - Köiering, richtete bei < Ueberreichung von Kelle und Mörtel folgende Ansprache an den Kaiser, der mittlerweile aus dem Pavillon hcraus- getreten war: „Gestatten mir Ew. kaiserliche Majestät im Namen des Bundesrats der tiefgefühlten dankbaren Freude Ausdruck zu geben, welche diese Körperschaft er- süllt, daß der erhabene Begründer des Reiches auch den Grundstein zu dem Gebäude zu legen geruht, in 'welchem die Vertretungskörper deS Reiches zu wirken berufen fein werden. Möge zum Heile Deutschlands es Ew. Kaiser!. I Majestät vergönnt sein, in ungeschwächter Kraft die Vollendung des Baues zu sehen. Möge die einmütige Arbeit der Vertreter der deutschen Regierungen und der gewählten Vertreter der Nation in seinen Räumen dem Vaterlande zum Heile werden! Mit diesen Wünschen überreiche ich Ew. Kaiserlichen Majestät die Kelle und den Mörtel."
I Der Hammer wurde dem Kaiser vom Reichstags- I Präsidenten v. Levetzow mit folgender Ansprache übergeben: „Ew. Majestät, deS Reiches erhabener Gründer,
I wollen geruhen, mit diesem Hammer den Grundstein zu I befestigen für des Reiches Haus. Das Haus erstehe und
I dauere, eine Stätte der Eintracht, der Weisheit, der Mäßigung, zu des Volkes Wohl, zu des Reiches Hort, zu der alten Kaiserkrone neuem Glanz! Rede und Rat gehen von ihm auS, frei und treu, fromm unv wahr, schlecht und recht! ES werde ein Denkmal großer Zeit und halt- lebendig unter den Enkeln die dankbare Liebe, in welcher | alle deutschen Herzen unferm teuren Kaiser schlagen. Auf dem Hause ruhe der Segen Gottes, welcher Ew. Majestät allewege sichtlich und wunderbar geleitet, daß alle« wohl gelinge und bis an das Ende der Tage dieser Bau eS der Welt verkünde: „Hie Kaiser und Reichl"
Der Kaiser führte drei Hammerschläge, dabei sprechend: „Im Namen Gottes, zur Ehre des Reiches!" Hierauf folgten mit je bist Hammerschlägen die Kronprinzessin, tk Prinzeß Friedrich Karl, die Großherzogin von Baden, die obengenannten Prinzessinnen und Prinzen, sodann die Generäle, die Ritter deS Schwarzen AdlerordenS, der Reichskanzler, der BunacSeat, Präsidium und Vorstand des Reichstages, die Minister, die Chefs der Reichsämter, die Bau- kommission, die Architekten. Während dieser Zeit blieb der Kaiser im Regen außerhalb des Pavillon«, einzelne der Hammerschlagführenden begrüßend und ihnen die Hand gebend, so Levetzow und Lerchenfeld.
Nach einem erhebenden Gesang des Domchors bestieg der Oberhofprediger Dr. Kögel die hinter dem Grundstein vis-a-vis dem Kaiserpavillon errichtete niedrige, rot drapierte Kanzel und vollzog die kirchliche Weihe. Der Schluß feines Weihespruche« lautet: „So erhebe sich und wachse dieser Bau für die Jahrhunderte: eine Burg ter Treue, ein Herd der Eintracht, eine Warte für die Zeichen der Zeit, ein Bergungsort für daS Erbe der Väter, ein Ausgangspunkt für gottgesegneteS Thun! Amen!" Hierauf sprach er ein Gebet.
Die ganze Versammlung sang sodann zwei Verse des Chorals: „Nun danket Alle Gott;" feierlich tönten die Klänge über den weiten Platz, ein erhebender Moment. Unmittelbar darauf trat der ReichStagSprästdent, Herr von Levetzow, vor und brachte mit lauthin schallender Stimme das Hoch auf den Kaiser aus, jubelnd fiel die g-nze Feft-
u kann n d gleich g
arwuM D Pf.
rasser MgSMWl , zur Beirr. sofort uchs i3 ndüng Ölung los» u. 70 P.
[1840
Au-laud.
Wit«, 9. Juni. Heute begann der Prozeß gegen den Anarchisten Stellmacher vor dem Ausnahmegerichte. Die Sitzung ist öffentlich, der Zutritt aber beschränkt. Während der Verlesung der Anklage zeigte der Angeklagte ein gletdp gütiges Wesen. Unter den 39 Zeugen befanden sich auch die Arbeiter, welche Stellmacher festgenommen haben, und die Frone- Eifert und Berger. Der Angeklazte erklärte, er werde während der Verhandlung nicht sprechen, da der Präsident ihm nicht gestatte, über sein Zusammensein mit Hugo Schenk zu sprechen. — Auf Zureden des Verteidigers erklärte her Angeklagte sich bereit, zu antworten. Der
Deutscher Reich.
Berlin, 9. Juni. Die Abreise des Kaisers nach Ems erfolgt nach den bisherigen Dispositionen am Sonnabend abend. — Der Reichskanzler empfing vormittags einen längeren Besuch des Prinzen Wilhelm. — Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die Ansprache des Präsidenten der Transvaal-Republik au den Kaiser in der gestrigen Audienz sprach tie Freude über den freundschaftlichen Empfang aus, hob hervor, daß ein großer Teil der Bevölkerung der Transvaal-Republik und von Südafrika deutschen Ursprungs sei und drückte die Hoffnung und den Wunsch aus, daß das Verhältnis zwischen Deutschland uns Transvaal, sowie Südafrika stets ein freundschaftliches bleibe und die Handelsbeziehungen beider Länder zur Förderung der beiderseitigen Wohlfahrt zunehmen möchten. Der Kaiser sprach seine Freude aus, die Vertreter eines durch alte StammeSgenoffen- schaft mit Deutschland verbundenen Gemeinwesens begrüßen zu können, er freue sich umsomehr, daß die freundschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu Transvaal nunmehr auch einen vertragsmäßigen Ausdruck finden sollen, und er sei überzeugt, der wachsende Verkehr zwischen Deutschland und Transvaal werde die zwischen beiden blutsverwandten Bevölkerungen besteh nden Gefühle der Freundschaft und Sympathie steigern: er selbst werde dies Ziel zu fördern helfen. — Heute nachmittag 41/* Uhr fand beim Kaiser die feierliche Investitur des Prinzen Heinrich mit dem spanifchen Orqen des gokenen Vließes statt. Der Kronprinz, die übrigen Prinzen des königlichen Hauses, Fürst Bismarck, die Minister, die dazu befohlenen Generale und obersten Hofwürdenträger wohnten der Feier bei, das Ordensgelöbnis verlas eer spanische Gefandte Graf Benomar an der Spitze des gesamten GesandlschaftspersonalS. — Die Gesandtschaft deS Transvaallandes wurde vom Geheimen Legationsrat
I Kusierow aus dem Hotel Kaiserhof in zwei königlichen Galaequipagen abgeholt. Der Kaiser empfing die Gesandtschaft im Beisein des Reichskanzlers Fürsten Bismarck und unterhielt sich Über eine Viertelstunde lebhaft mit den 3 Mitgliedern derselben. Bei dem Diner saß dem Kaiser gegenüber Fürst Bismarck, neben dem Fürsten Bismarck saß links der spanische Gesandte, rechts der Präsident des TranS- vaallandeS. Alle zur Juvestitnr Geladenen trugen, soweit sie solche besitzen, spanische Ordensbänder. — Heute vormittag hatten die TranSvaalgesanUen dem Gottesdienst im Dom b-'.gewohnt, an welchem auch der Kaiser mit der Groß- herzoain von Baden Teil nahm.
Stuttgart, 9. Juni. Der „Staatsanzeiger' meldet: Der König reist am 15. Juni zum Sommeraufenthalt nach Friedrichshafen. Die letzte ärztliche Untersuchung ergab zwar wesentliche Forlschritte in der Befferuug der linken Lunge, dagegen schreitet die allgemeine Erholung und Kräftigung nur langsam vorwärts und immer noch tritt schnell Ermüdung ein; übrigen« steht zu hoffen, daß der Aufenthalt in der stärkenden Bodenseeluft von wohlthätigen Folgen für die Wiedecgenesung sein wtro.
S-ld. 101j 101 1011 103 1011 102$ 100*.
102 67', 76 S 98
!N.
Zalamea.
nimmt entgegen: tifrpebition d. Blattes, ^dÄnnoncen-Bureaux
<hor sang einen Chor.
Der Reichskanzler trat an den Kaiser heran und erhielt He Erlaubnis znm Beginn. Hierauf verlas er die bestimmte Urkunde. Diefelbe lautet:
,Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden deutscher Kaiser, König von Preußen, thun kund und fügen zu wissen, daß dir beschlossen haben, im Namen der Fürsten und freien Städte des Reiches und in Gemeinschaft mrt den ver- saffungsmäßigen Vertretern dis deutschen Volkes den Grund- ßein zu einem Hanse zu legen, in welchem der gemeinsamen Arbeit der gesetzgebenden Körper eine würdige Stätte bereitet werden soll. Unter den glorreichen Waffenerfolgen kn vereinten deutfcheu Stämme ist durch Gottes Fügung bas deutsche Reich zu ungeahnter Macht und Herrlichkeit erstanden. Aus der Begeisterung deS Volkes und aus dem örgenseitigen Vertrauen der Bundesregierungen ist iur Deutschland die Kraft erwachsen, seine Verfassung und seine Nationale Entwickelung au« eigener Macht zu schützen und Me Pflege s iner Wohlfahrt In die eigene Hand zu nehmen. Diesem Schutze und dieser Wohlfahrt soll die Arbeit m btm Hause dienen, dessen Grundstein wir legen. Wir Dicken, dankbar gegen Gott, auf das zurück, was die vcr- öündeten Regierungen, in gemeinsamer Thäligkeit mit dem
1021 99V SS 61* 611 774 77} 755 76 >97 29®! 961 98 20 222 21* 1211 621 83
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie b. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
Magdeburg u. Men;
& Uloffe in Frankfurt £ Berlin, München und **■'. G- L. Daube und in Frankfurt a. M-, ^Hannover u.PanS.-_ ____________________________—---—---—
^uyoruaerer- oejogen «/. der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreflen werden 25 Pf«, berechnet. --
Die feierliche Grundsteinlegung zum ReichstagSgebäude sich soeben glänzend und imposant abgespielt. Der yen, innerhalb dessen die Feier sich vollzog, ist der iir prächtigste. Vom Brandenburger Thor bis znm pteingang des FestplatzeS zog sich die von der Stadt Irrend hergerichietc via triumphalis gebildet durch Flaggen- ' Mit in den Reichssarben, durch reichen Gnirlandenschmuck einander verbunden. Erst innerhalb deS Bauplatz-s Kaiserpavillon endete die via triumphalis. Der Kaiser- Mn, der den ganzen Festplatz überschaute, war im ........ .Glichen ein von schlanken Säulen getragener, purpnr- ) in mSener, in die Kaiserkrone auslaufender Baldachin. In -andes-SlU roidben Farben prangten auch die reich geschmückten, rechts abilisch efc K links den Pavillon flankierenden Tribünen. Auch die g, fiatatiiii «üFestplah begrenzenden Häuser der Sommerstraße hatten . Orssie Mn Schmuck In Flaggen, Wappen und Blumendckoration ch ein em Mlegt. Vor dem Kaiserpavillon breitete sich der Fest- Marbu, Ätz aus, angesichts des herrlichen Königsplatzes und der Siegessäule, im Süden begrenzt von den mit frischem Grün Uübergrüßenderr Bäumen des Tiergartens. Schon stunden- L vor Beginn der Feier säumten dichte Menschenmaffen _ ijt mm Festplatz führenden Wege, um die Auffahrt zu be- e-Mittf Ächten. Am stärksten war der Andrang Unter den Linden, - ~ m Brandenburger Thor, die via triumphalis entlang, u Las Wetter war leider dem Fest nicht günstig. Von 11 Uhr hJ7*7 ib regnete es ununterbrochen, doch vermochte daS weder 'Ä to Andrange des Publikums, noch die Beteiligung aller wII a itluinu u .
Uadenen zu hindern.
Im Kaiserpavillon erschien als einer der Ersten Fürst Ä Wmarck in Galauniform der Küraffiere. Bald folgten ®lrtl iie Prinzen Friedrich Karl, Leopold, Heinrich, Wilhelm, die r «eltouij Prinzessinnen Margarethe, Viktoria, Friedrich Karl und die Ulkzetil, if! gt0ll6rjn.tmn, sich unter einander und mit dem ReichS- usekdmi- 01 - - - -=■ —*- —.....
Arbeite? n Loh« 1? f«jt [2
elle 9i heütn
titn
rother u thaare