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HX. Jahrgang

Marburg, Sonntag, 8. Juni 1884.

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(Fortsetzung)

Hot diesen Sinn nicht, dann läßt er die Dinge auch im Staate gehen, wie sie gehen wollen und können.

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Deutscher Reich.

Berlin, 6. Juni. Der Kaiser empfing tu Gegenwart des Staatssekretärs deS Auswärtigen Amtes Grafen von Hatzfeldt den dänischen Gesandten Krhr. C. R. E. v. Bind, welcher seine Kreditive überreichte, darauf den Gesandten der Vereinigten Staaten von Nordamerika A. Sargent, welcher sein Abberufungsschreiben überreichte, und machte sodann mit der Frau Großherzogin von Baden eine Spa­zierfahrt. Der .Reichs Anz." publiziert daS Gesetz, bett, die Verlängerung deS Sozialistengesetzes, und daS Gesetz, betr. die Abänderung des HilfSkaffengesetzeS. Einem Bericht des Regierungspräsidenten zu Aachen vom Januar 1884 entnimmt das neueste Heft res .Zentralblattes für die gesamte Unterrichtsverwaltung" folgenden Auszug auS dem Abschnitte über daS Elementar - Schulwesen: Der Lehrermangel, unter welchem daS katholische Volksschulwesen, namentlich in den Eifelkreisen, seit einer Reihe von Jahren empfindlich gelitten hat, kann nahezu als überwunden an­gesehen werden. Gegen Schluß deS Jahres 1882 betrug die Zahl der katholischen Lehrerstellen 910, von denen 43 durch Aspiranten verwaltet oder von Lehrern benachbarter Schulen mit versehen werden mußten. In dem abgelau­fenen Jahre 1883 sind nur je 2 Stellen in dem Land­kreise Aachen und im Kreise Düren neu gegründet worden, so daß die Gesamtzahl der katholischen Lehrerstellen gegen­wärtig sich auf 914 beläuft. Die beiden Seminare zu Cornelimünster und Linnich haben neuerdings dem Bezirke wiederum 54 junge Lehrkräfte zugeführt. Außerdem sind 4 nicht seminaristisch vorgebildete Kandidaten und je ein Lehrer aus den Regierungsbezirken Düsseldorf und Koblenz zur Anstellung gelangt. Durch diesen Zugang von 60 Lehrkräften war der Schulverwaltung die Möglichkeit ge­boten, nicht allein die durch Tot, Pensionierung oder aus fonstigen Ursachen entstandenen Lücken wieder auszufüllen, sondern auch die Zahl der Vakanzen auf 15 zu reduzieren. Letztere verteilen sich auf 7 Kreise, und zwar sind gegen- wärtig in den Kreisen Erkelenz und Eupen je eine Stelle, in den Kreisen Heinsberg, Geilenkirchen und Jülich je 2, in dem Kreise Schleiden 3 und in dem Kreise Malmedy noch 4 Stellen nicht ordnungsmäßig besetzt. Dagegen sind in den Kreisen Aachen Stadt, Aachen Land, Düren und Montjoie sämtliche Stellen mit geprüften Lehrkräften versehen. Eine nennenswerte Besserung haben die Schulverhältnisie in dem Eifelkretse Schleiden erfahren, indem daselbst binnen Jahresfrist 22 katholische Lehrer und 2 Lehrerinnen neu angestellt worden sind. Dieser Kreis zählte im Jahre 1877 114 Schulstellen und ebenso viele Lehrpersonen, von welch letzteren jedoch nur 66 die erforderliche Qualifikation besaßen. Gegen­wärtig ist die Zahl der Schulstellen auf 121 und die der qualifizierten L hrpersonen auf 118 gestiegen. In einem

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erforderlich find.

Nehmen wir bei unfern Beispiel, nach welchem daS Zimmer von 4 Personen bewohnt und mit 2 Gasflammen beleuchtet wird, an, daß für jede Person stündlich 40 cbm Luft etngeführt, so ergiebt dieses 160 cbm Luftzufuhr mit 48 Liter Kohlensäure; eS würde dieses ergeben 318 -j- 48 366 Liter Kohlensäure auf 380 cbm Luft oder 0,96 pro Mille Kohlensäure, bei 2siündigem Aufenthalt 1,06 pro Mille, nach 3stündtgem Aufenthalt 1,1 pro Mille rc. Man erfleht, daß bei Beleuchtung trotz der fonst günstig an­genommenen Verhältnisie eine stündliche Luftzuführung von 40 cbm pro Kopf immer noch gering genommen ist. Ich fage trotz der sonst günstig angenommenen Verhältnisie und zwar deshalb, weil eine Lust mit nur 0,3 pro Mille Kohlensäure selten, namentlich tu den Städten, vorkommt und weil die Durchlässigkeit der Wände auch nicht immer in dem angenommenen Grade vorkommt, da dieselbe durch Feuchtigkeit und Staub in den Poren sowohl, wie auch durch innere Bekleidungen bedeutend verringert wird. Im gewöhnlichen Leben dagegen kommen wieder andere Momente hinzu, welche die Verhältnisie günstiger gestalten. So wird eS wohl selten vor kommen, daß sich 4 Personen stundenlang in einem Zimmer aushalten, ohne daß die Thüren und Fenster von Zeit zu Zeit einmal geöffnet werden; ferner ist der Verschluß derselben meistens so, daß dieselben ein wesentlich größeres Luftquantum einströmen lassen als die poröse Wand für daS gleiche Flächenmaß. Dann ist auch der Aufenthalt in demselben Raume selten o lange, daß die höchsten Ansprüche in allen Fällen an-

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Luftverunreinigung.....

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str Schulen für kleine Kinder . . .

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für Schulen für große Kinder . . Erwachsene .

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d- Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhanblnng in Frankfurt'a.M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thiene- in Elberfeld.

Noch ungünstiger gestaltet sich das Verhältnis bei Be­leuchtung. Nimmt man 2 Gasflammen mit Flachbrenner an, von denen jede stündlich 127 Liter Gas verbraucht so entwickelt eine jede Flamme in der Stunde 86 Mert Kohlen­säure Es würden dann nach einer Stunde 30 + 80 + 36 4-2.86 = 318 Liter Kohlensäure bei einem Luftquantum von 220 cbm Luft vorhanden sein, oder auf 10000 Täte Lust würden über 14 Raumteile Kohlensäure kommen. ES toürbe also ehe eine Stunde vergangen ist, die Luft eine Zusammensetzung haben, welche für einen längeren Aufent- halt nicht geeignet ist. Nach der zweiten Stunde würden über 17 Teile Kohlensäure vorhanden sein und mit jeder weiteren Stunde sich der Gehalt n0$ . .

die Lust nun auch für einen längeren Aufenchalt geeignet iu machen, müßte frische Luft zugesühtt werden. Mau nimmt ziemlich allgemein an, daß pro Kopf und Stunde ür gewöhnliche Kranke ..... 60-70 cbm für Verwundete und Wöchnerinnen . bei Epidemien !ür Gefängnisse h gewöhnliche Werkstätten . . . Werkstätten mit besonderen Quellen de

Weil man sich in Deutschland gegen daS Privatleben Wenigen, welche an der Spitze deS Volkes stehen, nicht alcichgiltig verhält, wie anderswo in der Welt, deshalb sich die Deutschen von der fortschrittlichen Presie Privatmenschen" erklären lasten, »ohne Sinn für daS »olilische Staatsbürgertum", das nuranempfunden" sei. Wt dieser Eigenschaft der Deutschen hat eS nun bis zu -inem gewisten Grade allerdings seine Richtigkeit, für große Verhältnisse haben sie bis jetzt wenigstens noch wenig Sinn; diejenigen aber, die ihnen aus dieser durch die letzten 300 Ähre unserer Geschichte verständlichen Thatsache einen «orwurf machen, haben dazu am allerwenigsten ein Recht, weil gerade sie es sind, bie auf allen Gebieten, nur nicht J dem der Sittlichkeit, die Privatauffastung des Lebens vertreten, die Scheu vor dem Großen und Oeffentlichen, die philisterhafte Angst vor der Weltkonkurrenz, dem Zorn der Engländer und Franzosen, Rusten und Italiener und was dergleichen mehr ist. Wo immer die Deutschen stch der Initiative Bismarcks folgend hinauSwagen wollen in dst Welt, regelmäßig sind eS die fortschrittlichen Nörgler, die ihnen alle möglichen und unmöglichen Bedenken in den Weg werfen; sie allein, sonst thut eS keiner. Und diese Leute reden vonPrivatmenschen" undanempfundenen Staatsbürgertum", sie, die keinen Funken von dem National- gefühl besitzen, das doch vor allem denPrivatmenschen" von demStaatsmenschen" unterscheidet.

Müsten wir bei alledem, wie gesagt, zugeben, daß der Borwurs deSPrivatmenschentums" sachlich nicht ganz un­begründet ist, so halten wir den Umstand, daß eS die Libe- taten sind, die jenen Vorwurf erheben, für ein günstiges Zeichen, für einen Beweis, daß die Thatsache selbst, obwohl sie heute noch besteht, nicht mehr lange bestehen wird, daß die Anschauungen in einem EntwickelungSprozeß begriffen sind, der dasPrivatmenschentum" allmählich in daS Staatsmenschentum umwandeln wird, so weit daS über­haupt erstrebenswert ist. Denn in dem Sinne, wie eS die Gegner meinen, wollen wir keineswegsStaatsmenschen fein, d. h. Leute, denen die persönlichen Beziehungen der Menschen unter einander gleichgiltig sind, die sich bloö von derGeschästsseite" kennen undschätzen". WaS dabei schließlich gerade für die Politik, d. h. für die Behandlung der öffentlichen Dinge herauSkommt, daS zeigt uns Amerika. Dort ist derStaatsmensch" im Sinne unserer Liberalen vollauf entwickelt, d. h. hat abfolut lein Verständnis für irgend etwas, was mit Herz und Gemüt zufammen- hängt. Und wie steht es mit den öffentlichen Dingen aus? Hundert- und taufendmal fchlimrner als bei uns das weiß jed S Kind. Der Mensch kann stch eben nicht zer­reißen. Entweder er hat Sinn für etwas anderes, als für das Geschäft, d. h. für feinen eigenen Vorteil und dann thut er auch für den Staat, was er fvü, oder er

Zeitraum von 6 Jahren ist demnach ein Zuwachs von 7 Stellen und 52 geprüften Lehrkräften aufzuweisen. Infolge der zahlreichen Neuanstellungen von Lehrpersonen im Jahre 1883 hat den bedürftigen Gemeinden in diesem Kreise ein weiterer Staatszuschuß zu den Besoldungen im Betrage von 3255 M. zugewiesen werden müsten, so daß der Kreis Schleiden aus dem zu Zuschüssen zu den Be­soldungen der Lehrer und Lehrerinnen bestimmten Fonds, von welchem für den Regierungsbezirk 104,100 M. ver­fügbar stnd, gegenwärtig 38,398 M. bezieht. In gleich günstiger Weife haben stch die Verhältniste im Kreise Malmecy gestaltet. Während im Jahre 1877 noch 41 Schulstellen von Aspiranten verwaltet wurden, ist die Zahl der Vakanzen bei 98 Schulstellen auf 4 herabgesunken. Auch dieser Kreis bezieht aus den vorerwähnten Fonds den nicht unerheblichen Betrag von 38,258 M. an Zuschüssen zu den Besoldungen der Lehrer und Lehrerinnen. Noch hat der Reichstag seine Arbeiten nicht wieder aufgenommen und doch sind schon die Blätter an der Arbeit, den Schluß derselben zu prognostizieren. Die fortschrittlichen Organe trösten stch und ihre Leser damit, daß die unbequemen Entwürfe über Börsensteuer, Zolltarif, Aktienwesen rc. wegen der vorgeschrittenen Jahreszeit unmöglich Erledigung finden könnten. Aber auch dieNationalliberale Korrespondenz" rechnet mit der Absetzung dieser Dinge von der parla­mentarischen Tagesordnung, sie meint, in Abgeordnetem kreisen halte man daran fest, daß der Reichstag Ende dieses oder ganz im Anfänge des nächsten Monats ge­schloffen werden würde, freilich müßte bann auf Bewältigung des ganzen Arbeitsstoffes verzichtet und das Dringlichste Unfallgesetz, Dampfersubvention und Zuckersteuer herauS- gegriffen werden:Das Unfallgesetz wird nicht mehr allzu lange Zeit in Anspruch nehmen, namentlich wenn eS sich Herausstellen sollte, daß gegenüber einem feststehenden konservativ-klerikalen Kompromiß liberale AbänderungSan- träge in wichtigen Punkten keine Aussicht mehr haben durch- zudringen. Aber auch wenn die gegenüber den Kommissior S- beschlüffen zu erwartenden liberalen AbänderungSantrige noch einmal ernstlich geprüft werden, ist doch der Gegenstand so gründlich erörtert, daß man bald zur Entscheidung wird schreiten können. Die Postdampfervorlage findet eine so günstige Stimmung bei der Mehrheit deS Reichstags vor, daß man ihre baldige Annahme mit Sicherheit erwarten darf. Die Zuckersteuerreform wird allerdings noch schwer- wiegende Bedenken zu überwinden haben, indesien wäre eS sehr wünschenswert, wenn die Angelegenheit noch In dieser Session zu definitiver Ordnung gelangte. Die PensionS- und Reliktengesetze haben bekanntlich wegen der unglück­seligen Kommunalstcuerfrage auch jetzt keine Aussicht, zur Annahme zu gelangen. Auch für das Aktiengesetz, da« in der Kommission die erste Lesung passiert hat, wird schwerlich Muße bleiben, und so dringlich ist ras Gesetz auch nicht, daß es beim ersten Anlauf in überhasteter Weise am.Ende

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genommen werden müssen. Die angegebenen Zahlenwerte können aber immer als Mittelwerte gelten, welche je nach besonderen Umständen zu vergrößern oder herabzusetzen stnd. Man sollte aber stets in allen Fällen Sorge tragen, daß die Lufterneuerung derart ist, daß sich beim Betreten elnes Lokals kein unangenehmer Geruch bemerklich macht. Per­sonen, welche ein Lokal betreten, welches frisch gelüftet ist und stch dort lange Zeit aufhalten, merken die Luftver­schlechterung erst dann, wenn dieselbe einen hohen Grad erreicht hat, während Neuhinzukommende dieselbe sofort empfinden. Andere wieder, welche ein Lokal mit verdorbener Luft häufig besuchen, finden überhaupt nichts Auffälliges darin und glauben, die Luft, welche ste zwar anders finden, wie im Freien oder zu Hause, gehöre einmal zu dem Lokale und nehmen dieses als etwas Selbstverständliches hin. Hierher gehören Wein-, Bier-, RestauratiouS- und andere Lokale, welche durch Getränke, Speisen, Tabattauch rc. einen eigentümlichen Geruch erhalten, welcher verhindert, die Be­schaffenheit der Lust leicht zu erkennen. Derartige Lokale bedürfen am meisten einer Luftreinigung, und doch wird sie so selten angetroffen. Der Wirt glaubt den Bedürf, n'ffen Genüge zu leisten, wenn er von Zelt zu Zelt ein oder mehrere Fenster oder die Thüren öffnet, ohne Rück­sicht darauf zu nehmen, daß die eintretende Lust bedeutend kälter Ist, als die Stubenwärme und Zug erzeugt, obgleich ein jeder weiß, daß eine Luft, welche Stubenwärme besitzt, aber in Bewegung gerät, da« Gefühl der Kälte erzeugt, um wieviel mehr, wenn diese Luft um 10, vielleicht 20" kälter ist. Viele hatten eS sogar für ein Glück, wenn die Fenster und Thüren schlecht schlichen und so zur Venti­lation eines Raumes beitragen. Dieses ist ja recht gut,

q B Für in bet Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

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^ied Annoncen-Bureaux ^Haasenstein und Vogler Sanlfurt a M Ham- 5,. Magdeburg u. Wien; »s Moss-in Frankfurt Berlin, München und Lfl". G- L. Daube und 5 in Frankfurt a M, Kerlin, Hannover u. PanS.