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xn. Jahrgang.

Marburg, Donnerstag, 5. Juni 1884.

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Deutschlands Stellung im Welthandel

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KolvniallLnder sind, den Boden entziehen.

Schwerlich ist auch anzunehmen, daß England oder Frankreich deutschen Kolonialbestrebungen irgend welche ernsthafte Schwierigkeit bereiten werden. England ist zur Zeit in Egypten und Frankreich in Cochinchina und Anam engagiert, auch wird Deutschland nicht dort Fuß fasten, wo cs bereits vorhandene Bcsitztitel England, Frankreichs ober anderer Länver vorfindet. Die deutsche Nation, deren Welthandel sich bereits über fast alle Länder der Erde aus­breitet, sucht für die Zukunft diefeS Welthandels nur weitere und erlaubte Stützen und bet diesem Bestreben mußte, zu­mal auch im Hirrblick auf die Entwickelung der deutschen

Flotte, auch die Kolonialpvlitik in Berechnung gezogen werden. Mag das Schritt vor Schritt und mit Her­stellung der nötigen Vorbedingungen begonnene Werk von kleinen Anfängen allmählich zu großen Leistungen reifen und Deutschlands Gesamtwohlstand fördern!

fer All«, Kufen.

Die Reise zum Herr» Better.

AuS dem Tagebuch- eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.

Heuser, ißerstraßi.

russischen Botschaft und dänischen Gesandtschaft werden gleichfalls zur Begrüßung der hohen Frau anwesend sein, welche in den prächtig auSgestatteten sogenannten „Kaiser­zimmern" im hiesigen russischen Botschaftspalais Wohnung nehmen wird. Nachmittags findet der Kaiserin von Ruß­land zu Ehren ein Gala-Familiendiner im königl. Palais statt, an welchem sämtliche hier und in Potsdam weilende Mitglieder des königl. Hauses tetlnehmen werden, abend« ist der Besuch deS Opernhauses in Aussicht genommen, in welchem auf „Allerhöchsten Befehl" ter 3. Akt aus „Faust" ein Akt aus „Sardanapal" und ein Akt aus „Martha" zur Vorstellung gelangt. Nach dem Theater verabschiedet sich die Zarewna vom Hofe und setzt um 11 Uhr die Reise nach St. Petersburg fort. — Rach einer Kabinettsordre sollen von jetzt ab die Mannschaften, welche während der Manö­ver den „Feind" darstellen und die früher als Abzeichen am Helme einen Reistgzweig trugen, fortan an Stelle desselben einen mcißleinenen Bezug, der die obere Hälfte des Helmes deckt, die Spitze jedoch frei läßt, als Erkennungszeichen tragen.

Görlitz, 2. Juni. Anläßlich des hier stattfindenden deutschen Lehrertages prangen fast alle Häuser der Stadt in vollstem Flaggenschmucke. Etwa 90 Delegierte von Lehrervereinen aus allen Teilen Deutschlands und außerdem etwa 600 Lehrer und Lehrerinnen mit beratender Stimme, ebenfalls aus allen Gegenden des Vaterlandes und zum Teil auch aus Oesterreich sind bereits eingetrofien. Sehr zahlreich ist Berlin vertreten. Das evangelische Vereinshaus, in dem die Verhandlungen stattfinden, ist in prächtiger Weise mit bett deutschen Landeswappen, Fahnen, Guirlanden re. dekoriert. Oberhalb der Rednertribüne erhebt sich, von frischem Grün umgeben, die Büste Pestalozzis. Der Vor­sitzende des engeren Ausschusses des deutschen LehrertageS, Lehrer Thiersch (Berlin), eröffnete gegen 61/* Uhr abends die Vorversammlung mit Worten der Begrüßung. ES sei in hohem Maße erfreulich, so bemerkte der Redner, daß aus allen Gegenden des deutschen Vaterlandes hier Delegierte erschienen seien. Dies sei der beste Beweis, daß überall im deutschen Vaterlande für die Hebung des BolksschulwefenS gearbeitet werde. Möge der fünfte deutsche Lehrertag daS Scinige zur Förderung dieser Arbeiten beitragen. (Bravo 1) — Herr Weise (Görlitz) begrüßte hierauf die Versammlung namenS der hiesigen Lehrerschaft. — Alsdann wurden Lehrer Thiersch (Berlin) zum ersten, Hauptlehrer Töpler I. (BrcSlau) zum zweiten, Lehrer Seeger (Leipzig) zum dritten Vorsitzenden und Lehrer Weise (Görlitz) und Hauptlehrer Hohenstein (Brandenburg) zu Betsttzeru gewählt. — Gleich nachdem rieS geschehen war, erschien der Vertreter der königlichen Bezirksregierung zu Liegnitz, Geh. Regierung«, und Schulrat Dr. Beck — Es entspann sich hierauf eine sehr lange Debatte über die Reihenfolge der Tagesordnung. Dieselbe wurde schließlich folgendermaßen festgcstellt: l.Gegcn-

Deutsche« Reich.

Berlin, 3. Juni. Der Kaiser nahm vormittags di- gewöhnlichen Vorträge und eine lange Reihe militärischer Meldungen entgegen und arbeitete dann mit dem Zivil- und Militär-Kabinett. Nachmittags machte der Kaiser eine Ausfahrt und besuchte dabei das Sedan-Panorama. — Der „Reichs Anz." schreibt: Das Programm für die feier­liche Grundsteinlegung zum Reichstagsgcbäude ist nunmehr festgestellt. Die Feier soll unter Teilnahme Sr. Majestät des Kaisers und Ihrer Kaiserlichen Hoheiten des Kron­prinzen und der Kronprinzessin sowie des gesamten Königl. Hauses vor sich gehen. Zur Aufnahme der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften wird vor dem Grundstein ein Pavillon errichtet, von welchem aus der Blick den Fest- raum und den Königsplatz bis zur Siegessäule hin be­herrscht. Zur Rechten und Linken des Grundsteins werden sich der Reichskanzler, die Vertreter der Bundesregierungen, der Vorstand des Reichstages, Vertreter der Armee und die anderen zur Beteiligung am Hammerschlag befohlenen Herren gruppieren, dem Pavillon gegenüber, hinter dem Grundstein, die Abgeordneten sich aufstellen. Zur Rechten und Linken des Pavillons vor den Tribünen nehmen die Generalität und die Wirklichen Geheimen Räte ihren Stand. An den Pavillon reihen sich rechts und links auf je zwei Tribünen die Sitze der amtlich eingeladcnen Damen und Herren, insbesondere des diplomatischen Korps, des BundeSratS, des Reichstags, der Reichsbehörden u. f. w. Diesen Tri­bünen folgen rechts und links Tribünen für das Publikum, die von Privatunternehmern errichtet und deren Plätze, etwa 800, gegen einen mäßigen Preis bett Zuschauern zur Verfügung gestellt werden. — Die auf den 7. Juni an­beraumte Sitzung der Unfallkommisston ist auf den 10. Juni vertagt. — Die Kaiserin von Rußland verläßt heute Schloß Rumpenheim, wo ihr die Freude wurde, die letzten 24 Stunden mit ihrem Vater, dem Könige von Dänemark, zuzubringen, welcher nach Rückkehr des dänischen Kron­prinzen in die Heimat sofort die Reise nach Schloß Rum­penheim angetreteu hat. Morgen früh trifft die Zarewna in Begleitung der 9jährigen Großfürstin 3Eenia mittelst Extrazuges auf dem hiesigen Zentralbahnhofe in der Fried­richstraße ein, wo sie, entsprechend der hohen Freude und Genugthuung, welche ihr Besuch dem königlichen Hause und auch weiteren Kreisen bereitet, von dem Kaiser und der Großherzogin von Baden empfangen werden wird. Der russische Botschafter Fürst Orlow, sowie die Mitglieder der

„„teigen nimmt entgegen: ?ie Expedition d. Statte«, i'mie d Annoncen-Bureaux »°n Laasenstein und Bögler „"srantfurt a M , Ham- Mta, Magdeburg u. Wien; Mols Moss- in Frankfurt , M., Berlin, München und »öln : ® L. Daube und £g in Frankfurt a. M., Merlin, Hannover u. Pari«.

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„Ach Du guter, lieber Vater!" jubelten wir beide wie aus einem Munde, indem wir uns auf ihn warfen und mit Liebkosungen überschütteten

„Herr Gott, laßt mich doch los! Ihr bringt mich ja nut!" rief er jetzt lachend und sich wieder in seine Sopha- ecke setzend. „Ist es aber erhört, ein solches Komplott gegen mich anzuzetteln und mich so total zu überrumpeln! Wie ist daS aber bloS zugegangen? Ich habe doch trotz meiner sehr guten Augen und Ohren nicht das Geringste gesehen ober gehört! Wie habt Ihr beim das fertig gekriegt?!"

„Nickt« leichter als das, lieber Vetter!" entgegnete ich überglücklich. „Während Du Dich Abends auf Deiner Matratze strecktest und recktest, hatten wir vollauf Zeit, unS Ungestört mit einander zu beschäftigen, unS gegenseitig in unser« W-sen und Charakter, in unseren Anschauungen und Neigungen genau kennen zu lernen. DaS Resultat konnte eben kein anderes sein, als baß wir sanden, daß mir zwei völlig gleichgestimmte Seelen feien, die, sich gegen­seitig ergänzend, zusammen ein harmonisches Ganze bildeten und die logische Konsequenz war, baß wir mit innerer Notwendigkeit auch zur äußeren Vereinigung strebten, was Man in der Sprache des gewöhnlichen LebenS Heirat aus innerer Neigung ober wahrer Liebe nennt!"

„Alle Wetter! Du kannst ja bester reden, wie ein Professor!" lachte der Vetter. „Da wundert eS mich gor nicht, daß Du dem schlichten Dinge da den Kopf verdreht hast I

„Und ich habe mir ihn so gern von ihm verdrehen lassen, Papachen!" rief Margarete, den Vater zärtlich um« Ukmeriv.

„Na, wie gesagt, ich sehe schon, hier ist nichts mehr

und daraus kommt es ja im Leben überhaupt nur an 1 Was nützt aller Reichtum, wenn bas Herz habet leer und unbe­friedigt bleibt!"

„Hast Recht, Junge! So sagte meine Selige auch immer!" sagte der Vetter, mir die Hand reichend. „Ich hatte eS zwar anders mit Margarete beschlosten, aber vielleicht, ich will e« hoffen, ist es für fle so bester! Mache sie glücklich, sie verdient eS!"

„Bravo, Vetter!" rief ich, seinen Händedruck erwidernd, „Ei, wird sich mein Vater freuen!"

„Freilich! Schreibe ihm das sofort! Der alte Knabe! Wer hätte das vor dreißig oder vierzig Jahren gedacht, daß wir uns einmal so nahe rücken würden!" rief er, sich ver­gnügt die Hände reibend.

„Ich darf ihm doch gleich mitteilen, daß Gretchen mit mir nächste Woche mitkommen wird, um sich den Schwieger­eltern und Schwägerinnen persönlich vyrzustellcn?"

„I meinetwegen I Kommst Du über den Hund, kommst Du auch über tat Schwanz! Aber länger als vierzehn Tage nicht!"

„Ach Du lieber, einziger Vater!" jubelte Margarete.

„Ja, ja, wenn man nur den Kindern immer den Willen thut, da Ist man auch ein lieber, einziger Papa!" lachte er. „Aber nun muß ich mich ins Geschäft stürzen, es ist die höchste Zeit!"

Und die Melodie eines Liedchens vor fich hin summend, was er, wie Margarete sagte, schon seit undenklichen Jahren nicht gcthan hatte, stieg er die Treppe hinab.

„Mein herrliches, mutiges Mädchen!" rief ich jetzt au«, Margarete an mein Herz ziehend. „Ohne Dein Eingreifen hätte die Sache nicht eine fo schnelle und glückliche Lösung gesunden."

„DaS kannst Du doch nicht so hoch anschlagen", ent«

zu machen, hier bin ich mit meiner Weisheit -zu spät ge­kommen! ES soll mir ober eine Warnung sein! Das kommt von dem frühen Schlafengehen! Von jetzt an lege ich mich nie mehr vor elf Uhr zu Bette und zu dieser Zeit muß bereits olle« schlafen gegangen fein, wo« im Hause ist!"

„Nur keine Ueberstürzungen, Better!" lachte ich, „Du hast ja weiter keine Töchter zu hüten!"

„I, zuletzt kommt meine alte Wirtschafterin auch noch auf Eure Sprünge und ich verliere alle Menschen um mich und stehe auf meine alten Tage da wie ein Einsiedler!" rief er halb scherzend, halb wehmütig.

„Laß gut fein, Papachen", sagte Margarete. „Mit mir hat e« ja noch ein paar Jahre Zeit und wenn e« so weit Ist, dann verkaufst Du Dein Geschäft samt dem Grund­stücke hier und ziehst zu uns!"

„Mein Geschäft aufgeben?! Meine Wirtschaft ver­kaufen?! Nimmermehr! Diese Arbeit ist mir zur zweiten Natur geworden, sie allein ist cS, die mich gesund erhält! Mich hinsetzen und die Hände müßig in den Schoß legen, düö vertrüge ich nicht!" rief der Vetter lebhaft.

„DaS brauchst Du ja auch nicht!" erwiderte ich lächelnd. Dem Dinge ist ja leicht abzuhelfen 1 Du legst in unser« Wohnorte eine Filiale an, die Du selbst verwaltest, da hast Du auf Deine alten Tage Arbeit genug l”

„Eine Filiale, haha, ja warte, Du Schwerenöter! Bleibe mir nur mit Deiner Filiale vom Halse! Ich denke, er kommt vorhin herein, um mir mitguteilen, daß er sich zu einem solchen Arrangement in Halle entschlossen habe und freue mich schon wie ein Gott darüber! Ja Prost Mahlzeit I Mir mein Kind mausen, kommt er!" rief er in komischer Erregung.

„Vetter", sagte ich, „ich kenne Dich! Du hast mich ja auch lieb gewonnen und giebft mir Deine Margarete gern! Glaube mir, Margarete uub ich werden glücklich werden J

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"Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit ber wöd.enttid)en 0

Buchdruckerei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) -Jnser onsgebahr für bte gespaltene Zette 10 Pf-.

W Für in der Expedition ,u erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden So Pfg. berechnet

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.^Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Franksurt'a. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steinet i.Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

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E« ist bereits eine bekannte Thalsache, daß der — überseeische Handel Deutschlands nach West- und Süd- -estafrika vor allen anderen Ländern den ersten Rang ein- uchew nimmt, sehr bedeutend ist auch der deutsche Handel mit Hinterasien, er rivalisiert dort mit großem Erfolge mit demjenigen Englands, Frankreichs und Nordarnettka« und felbft mit Indien, welches die natürliche Domäne Englands öner^« ist. treiben die deutschen Kaufleute einen beträchtlichen i». «w V H-mdel. Ohne Kolonialmacht zu sein, ist also Deutschland erfolgreich an dem wirtschaftlichen Wettkampfe der Nationen beteiligt, aber es hieße doch wohl die Art und da« Ziel dieses Wettkampfes verkennen, wenn Deutschland niemals Kolonien und überseeische Länder erwerben und dieselben lediglich den anderen Großmächten überlasten wollte. Mit Freuden begrüßt man vielmehr jetzt die deutliche Stellung­nahme der deutschen Regierung in der Kolonialfrage durch die über da« .Unternehmen de« Kaufmanns Lüderitz in Angra Pequena ausgesprochene Protektion deS deutschen Reichs und die von demselben ebenfalls an den Tag ge­legte Teilnahme an der Congvfrage, in welcher viele frucht­bare Länderstrecken zu gewinnen sind.

Mit den Schattenseiten und Gefahren, welche Kolonien dem Mutterlande bereiten können, wird man wohl auch seitens der deutschen Regierung rechnen, dafür verbürgt der «probte praktische Blick unseres Reichskanzlers, aber man hat deshalb noch lange keine Ursache, bei deutschen Kolonial­bestrebungen auf die bitteren Erfahrungen zu exemplifizieren, die Spanien, Frankreich und England mit ihren Kolonien zu gewissen Zeiten gemacht haben. Deutschland dürste schon auf ganz andere Art und unter ganz anderen Voraus­setzungen Kolonien gründen, wie es seiner Zeit die vor­genannten Seemächte gethan haben und man kann mit Recht bezweifeln, daß eö in einer deutschen Kolonie Ursache ober Gelegenheit zu einer Revolution der Kolonisten oder Eingeborenen geben wird. Deutsche Ordnung, Disziplin und Gerechtigkeit würden wohl auch die staatliche Grund­lage in deutschen Kolonien werden und dem revolutionären Unkraut und dem Abenteurertum, welche die Plagen vieler

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