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HX. Jahrgang.

Marburg, Mittwoch, 4. Juni 1884.

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Exped. der Oberh. Ztg.

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selben beteiligt. Am heutigen Tage werden eS, wie die M. Ztg." bemerkt, 70 Jahre, daß unser Kaiser, und zwar in Paris, zum Major befördert wurde. Am heutigen Tage hat der Kaiser seinen Enkelsohn, den Erbgrotzherzog von Baden, zum Major befördert. DerKöln. Ztg." schreibt man: ES verlautet allgemein, daß Prinz Wilhelm im höchsten Grade befriedigt von seiner Reise nach Ruß­land hierher zurückgekehrt ist. Nicht nur der Kaiser von Rußland selbst hat seinen Gast ausgezeichnet und seiner Freude über den Besuch eines Sprosien unserer Herrscher- samilie in offener und liebenswürdigster Weise Ausdruck verliehen, auch seine Umgebung hat gewetteifert, dem Prin­zen Wilhelm bet jeder sich darbieteuden Gelegenheit Beweise von Sympathie zu geben; und das russische Volk hat unfern Prinzen überall, wo er sich ihm gezeigt hat, mit einer Freudigkeit begrüßt, die bei dem Charakter der Nation als eine ganz außergewöhnliche bezeichnet werden darf. Die soeben beendete Reise hat insofern eine politische Trag­weite, als sie in unzweifelhafter Weise die Herzlichkeit der Beziehungen zwischen der deutschen und der russischen Herrschersamilie dargethan hat. Aber von besonderer Be­deutung erscheint unö auch die Thatsache, daß daö deutsche Volk mit Dankbarkeit Kenntnis davon nehmen wird, welch gastfreundliche Aufnahme ein Hohenzollernprtnz bet dem russischen Volke gefunden hat. Alle Freunde des Friedens werden dieses neue Symptom der herzlichen Einigung der großen Völker Europas mit Freuden begrüßen, und jedes echte deutsche Herz wird stolz sein auf die Aufnahme, welche der Enkel unseres Kaisers in dem mächtigen Nach­barstaate gefunden hat. DerReichs-Anz." meldet: Reglerungsrat Graf Bismarck«Schönhausen ist zum Geh. Regierungsrat und vortragenden Rat im Staatsministerium, der Geh. Regierungsrat v. KurowSki zum Geh. Ober- Regierungsrat ernannt worden. In der Politik ist be­reits heute schon die Feiertagsruhe eingetreten. Die meisten BundeSratSmitglieder und Minister haben Berlin verlassen. Das Programm für die Grundsteinlegung zum RcichStagö- GebLude ist noch nicht offiziell publiziert und scheint noch Abänderungen zu unterliegen. Eine Ansprache des Kaisers soll dasselbe nicht enthalten, wahrscheinlich, weil eS von der Gesundheit des Kaisers abhängt, ob er sich dazu disponiert fühlt. Dagegen find kurze Ansprachen des Reichstags- Präsidenten und eines Mitgliedes des BundeSratS in Aus­sicht genommen. Der bayerische Gesandte wird dem Kaiser Kelle und Mörtel, der ReichStagSprästdent den Hammer reichen. In den Grundstein werden sehr viele Gegenstände, darunter auch die Reichsverfasiung, sowie die Verträge mit den Bundesfürsten, Exemplare sämtlicher Reichsmünzen u. s. w. Aufnahme finden. Auf den Wunsch der Reichs- tags-Baukommisston hat der Magistrat beschlossen, die Straße

...eiaen nimmt entgegen: !/ßrpebition d. Blatte»,

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Die Reise zum Herr« Vetter.

Aus dem Tagebuche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.

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Der Vetter saß noch auf dem Sopha, in seine Lektüre vertieft.

Bei meinem Eintritt erhob er den Kopf und, meinen schwarzen Anzug und meine er sie, feierliche Miene be- werkend, warf er mir einen erstaunten Blick zu.

Ach so, Du bist wohl nun zu einem Entschlusie ge­kommen? Da« ist schön! Hättest Dich aber, um mir denselben mitzuteilen und meine Einwilligung zu erbitten, nicht in eine solche Grabebitter-Livree zu stecken brauchen!" ries er.

Ich stand wie vom Donner gerührt. Sollte der schlaue Alte uns doch belauscht haben?

Er weidete sich augenscheinlich an meiner Verblüffung. Bevor ich jedoch zu Worte kommen konnte, fuhr er fort: »Was machst Du denn für ein verlegenes Gesicht? Immer frisch heraus mit der Sprache! Du weißt ja, daß ich dir beste Meinung von Dir habe!"

Bester Vetter, wäre eS wirklich möglich?! Könntest Du in der Thal, was ich kaum zu hoffen wagte, so schnell aus meinen Wunsch eingehen?"

Weshalb denn nicht? Ich will sie Dir ja gebe» ! Nur davor mußt Du sie ungeheuer in Acht nehmen, daß sie nicht naß wird! Hörst Du?!"

Nicht naß wird?" wiederholte ich verdutzt.

Ng freilich! Das ist die erste Bedingung, die ich für sie an Dich stelle! Sie verliert sonst Farbe und Aussehen I

Farbe und Aussehen?" repetierte ich mit noch längerem Gesicht.Mein Gott, wovon sprichst Du denn Vetter?

Wovon spreche ich? Na, wovon denn sonst al» von meiner aromatischen Kräuterseife, für welche Du mich doch um eine Filiale für Halle mit entsprechender Provision an­gehen willst l"

Kräutersiise?" rief ich empört.Gottbewahre! Daran

JXlf Moste m Frankfurt M., Berlin, München und «in - ® L. Daube und Z in Frankfurt a. M.,

Du irrst Dich, Vater! Ich bin damit durchaus nicht einverstanden und werde damit auch nie einverstanden fein! Ehe ich solch einen mir widerwärtigen Menschen heirate, lieber bleibe ich ledig mein Leben lang!"

ES war Margarete, welche unbemerkt tnS Zimmer ge­treten war, und jetzt hoch aufgerichtet mit geröteten Wangen und flammenden Augen dastand.

Margarete was willst Du hier? WaS sprichst Du?" rief ihr Vater.

Ich sage die Wahrheit! Ich bin kein Kind mehr und habe wohl daS Recht, wo eS sich um meine Person, um das Glück oder Unglück meines ganzen Lebens handelt, ein Wort mitzusprechen! Die selige Mutter würde im Grabe keine Ruhe finden, wenn sie wüßte, daß Du ihr Kind, ohne, ja gegen seinen Willen zu einer Heirat zwingen willst, die eS für das größte Unglück hält, daS ihm überhaupt wider­fahren kann!"

Höre auf, Margarete, höre auf! Mir schwindelt der Kopf! Ich habe ja von Zwingen kein Wort gesprochen! Ich habe ja nur Dein Bestes im Auge! WaS willst Du denn eigentlich?" rief der Vater, sich mit beiden Händm den Kopf haltend und mit hastigen Schritten im Zimmer auf- und abgehend.

WaS ich will? Den Vetter hier will ich haben, den ich von ganzem Herzen lieb habe, wie er mich, und ohne den daS Leben für mich gar keinen Wert mehr hätte! Nicht wahr, Du giebst mir jetzt den Vetter, liebes Papachen?" rief sie schmeichelnd. , , , _..

Den Vetter geben?! Haha, als ob er ein Stück Kräuterseise wäre! WaS habe ich da überhaupt zu geben? Wenn er Dich haben will, so ist daS eben seine Sache! Höchstens kann ich Dich ihm geben! Nimm ihn Dir, wenn es nun einmal durchaus nicht anders ist, meinetwegen in drei T . . ., nein, in Gottes Namen!" (Schluß folgt.)

an den Werktagen na» Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (K ° ch'sche 'Buchdrücke'«?) bezogen SV? Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pf« (erd. Bestellgebühr.) -Jnsektwnsgebahr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

W V " Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden S5 Pf«, berechnet-

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nur daß der Kampf nicht mit den Mitteln äußerer Gewalt geführt wird.

Der Vorteil in diesem Kampfe ist bis jetzt, wie wir wiffen, auf Seite Frankreichs, weil England In Egypten allein durch eigene Schuld politisch und finanziell in eine Sackgaffe geraten ist, aus der es heraus muß, ohne doch ohne Hilfe anderer heraus zu könprn. Das englische Volk scheint sich mit seiner Regierung in diesem Punkte aber keineswegs solidarisch erklären zu wollen, mehr und mehr besteht eS darauf, daß die 1882 am Nil gewonnene Stellung nicht um Gladstones Fehler willen aufgegeben werden dürfe und bringt diesen dadurch in die erwähnte verzweiflungs­volle Lage, auf der einen Sette nachgeben zu müffen, auf der aqderen eS nicht zu können.

Wenn ein Staatsmann in diese Lage gerät, hat er immer schlechte Politik getrieben. Daß das von Gladstones Thun in Egypten gilt, ist nun zwar nichts Neues, wohl erber fügt er" den bisherigen Belegen dafür einen weiteren hinzu, vor dem jeder Widerspruch verstummen muß.

Jedenfalls ist die Lage derart, daß sie in der einen oder anderen Weise zu einer Katastrophe zu führen droht, sei es nun, daß dieselbe sich auf die egyptischm Dinge be- schränkt oder auch die innere Politik England« in Mit­leidenschaft zieht. Der Sturz Gladstones braucht nicht not­wendig mit einem Systemwechsel verbunden zu sein. Man kann sich ein liberales Kabinett denken, welches den Zu­sammenbruch nach außen übersteht, weil die öffentliche Mei­nung zur Zeit wenigstens von einer Rückkehr der T o r i e S zur Macht nichts wiffen will und sich deshalb wahrschein­lich mit dem Opfer deS Premiers und Lord Granville« etwa begnügen würde. Früher hat Gladstone solchen libe­ralen Versuchen, ohne ihn zu regieren, allerdings sehr bald ein Ende gemacht. Ob er dazu aber auch nach seinen neuesten Leistungen im Stande sein würde, ist doch zweifel­haft. Wer ihn heute noch für einengroßen Mann" hält, hat einen Glauben, der nicht am Platze ist.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annonecn-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurtsa. M.; Hermann- sch,Buchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; SB. Thiene» in Elberfeld.

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rer ^in, Hannover u. Paris.

^Erscheint täglich außer «M«» r V ' Arzjtz,

Die jüngsten Erörterungen des englischen Parlaments Wr die Konferenzfrage haben zwar zu keiner völligen Klärung der Lage geführt, doch aber ziemlich wahrscheinlich

j die Regierung sich auf der gleitenden Bahn der Nachgiebigkeit befindet, und daß Gladstone dies nur deshalb nicht zugestehen möchte, weil er die öffentliche Mei-, »ung stärker zu verletzen fürchtet, als mit den Jntereffen des ohnehin unbeliebten Kabinetts vereinbar wäre. Es liegt jedoch auf der Hand, daß es sich hier nur um kurze Verzögerungen handeln kann. Hat die englische Regierung sich in der That zu den ihr vorgeworfenen Zugeständniffen an Frankreich herbeigclafsen, so ist daS eben im Drange der Not geschehen und kann nicht deshalb wieder zurück- genommen werden. Ferry schont Gladstone natürlich so lange es geht, weil er nicht weiß, wie sich ein anderes eng­lisches Ministerium zu der Sache stellen würde. Unter Umständen aber würde er vermutlich keinen Anstand nehmen, seinerseits an die Oeffentlichkeit zu bringen, was man tu Loudon zu verschleiern bestrebt ist, denn auch er muß. vor­wärts und darf die egyptische Frage nicht versumpfen lasten. Seine ganze Zukunft als Staatsmann hängt davon ab, daß er diese Angelegenheit zu gutem Ende bringt, so zwar, daß er sein Ziel aus friedlichem Wege erreicht. Ein ge- Aaltsamer Zusammenstoß mit England würde die fran­zösischen Masten sogleich kopsscheu machen und mit einem voraussichtlich unüberwindlichen Mißtrauen gegen den Ministerpräsidenten und seine Polftik erfüllen. Kolonial­kriege, wir die in Tonking und Madagaskar darf er führen, davon merkt die Landbevölkerung nicht«; in Europa aber muß er Frieden halten; -dies Programm ist ihm deutlich vorgezeichnet, nachdem tt Gambetta an einer nicht einmal übermäßig ausgeprägten chauvinistischen An- »andlung hat schettern sehen. Die beiden Regierungen be­finden sich also in der Lage, über Dinge zu verhandeln, bei denen daS eine Interesse daS andere ausschließt, mit anderen Worten: sie verhandeln eigentlich nicht, sie k ä m p f e n,

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Deutscher Reich.

Berit«, 31. Mai. Verschiedene Blätter lasten sich berichten, daß der Kronprinz in letzter Zeit eifrig politischer Thätigkeit obliege und zu diesem Zwecke fast täglich mit dem Staatssekretär Grafen Hatzfeld konferiere, auch mit dem Reichskanzler stehe der Kronprinz in regem schrift­lichen und telegraphischen Verkehr. ES mag hierbei daran erinnert werden, daß vor längerer Zeit schon ein Gerücht zirkulierte, daß der Kaiser beabsichtige, den Kronprinzen in irgend einer Form du den StaatSgeschäften zu beteiligen oder einen Teil derselben auf ihn zu übertragen. Thalsache ist, daß der Kronprinz, der früher den politischen Ge­schäften durchaus fern stand, sich seit einiger Zeit an den- habe ich jetzt mit keiner Silbe gedacht! Ich komme vielmehr, um Dich zu bitten, mir, sobald ich meine Examina gemacht und mir eine Existenz gegründet haben werde, Deine Tochter Margarete zur Frau zu geben!"

Ich hielt erschöpft inne und holte tief Atem.

Die Reihe des Verblüfftwerdens war jetzt an ihm.

Meine Margarete Dir zur Frau geben?" wiederholte er gedehnt.Mensch, bist Du toll? Wie kommst Du mit einem Male auf diese Idee?"

Wie ein Mensch, der heiraten will!" erwiderte ich gelaßen und mir die Schweißtropfen mit dem Taschcntuche von der Stirn trocknend.

Aber da» geht ja nicht, daS kann ja nicht sein!" rief er aufspringend.

DaS kann nicht sein? Weshalb nicht?" rief ich erbleichend.

Weil ich die Margarete schon dem Brauereibesttzer Engel am Thore für seinen Sohn versprochen habe!"

Hast Du darüber schon mit Margarete gesprochen?" Nein!"

Du treibst also mit dem Wohl und Wehe Deines Kindes hinter seinem Rücken frevelhaften Schacher? I" rief ich bitter.

Ich habe al« Vater allein über mein Kind zu be­stimmen! Verstehst Du? Wenn ich Margarete dem reichm jungen Engel zusage, so sorge ich damit für sie für eine glänzende, sorgenlose Zukunft! Ich hätte ja gegen Dich, Vetter, sonst gar nichts weiter einzuwenden, ich habe Dich ja als einen durchaus wackeren Menschen lernten gelernt und lieb gewonnen, aber Wort ist doch Wort l Und ich bin auch fest überzeugt, daß Margarete mit mir einverstanden sein wird! Thue mir daher den Gefallen und suche ihr nicht den Kopf zu verdrehen! Es ist gut, daß Du Dich zuerst an mich gewandt hast! Sie braucht von unserm Gespräch hier gar nichts zu wiffen! Das bleibt unter uns Männern und damit Basta!"

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