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XH.JahrgM,.

Marburg, Donnerstag, 29. Mai 1884.

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Die Preutzischeu Kommuualsteueru.

Nachdem schon seit Jahren der steigende Druck der Kommunalsteuern in Preußen die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Finanzlage der Gemeinden gelenkt hatte, wurde diese Angelegenheit in jüngster Zeit durch die Be­ratungen des Landtages über den Entwurf des sog. Kom­munalsteuer - NotgesetzeS wieder in den Vordergrund des Gütlichen Interesses gerückt. Um so lebhafter machte sich aber auch der Mangel einer vollständigen Finanzstatistik der preußischen Gemeinden geltend. Die früheren, bis 1851 mrückreichenden Versuche hatten diesem Mangel nur teil­weise abzuhelfen vermocht; denn teils unterlag die Zuver- lässtakeit ihrer Ergebnisie begründeten Zweifeln, teils um­faßten sie nur eine verhältnismäßig geringe Zahl von Ein­heiten oder beschränkten sich aus einzelne Zweige deS kommunalen Finanzwesens. So erstreckte sich die sehr eingehende statistische Erhebung deS JahreS 1878, deren Resultate imErgänzungSheste IV zur Zeitschrift deS könig­lich preußischen statistischen BüreauS" veröffentlicht worden sind, nur auf die 170 Gemeinden, welche damals mehr als 10OOO Einwohner zählten, während die Ergebnisie. der im IX ErgänzungSheste u. s. w." publizierten Erhebung deS Ute6 1881 zwar sämtliche Städte und Landgemeinden umfassen, aber nur die Belastung derselben mit direkten Staatssteuern, Gemeinde- und sonstigen KorporattonSabgaben nstchtlich machen. Um nun noch die vorhandenen Lücken der kommunalen Finanzstatistik thunlichst auSzusüllen, wurde im Jahre 1883 eine neue amtliche Erhebung vorgenommen, welche sich aus die Einnahmen und Ausgaben sämtlicher Städte und Landgemeinden (letzterer kreisweise zusammengefaßt), sowsie auf die Belastung derselben mit direkten Staats­steuern, Gemeinde- und Korporationsabgaben erstreckte.

Wenngleich die Erhebung von 1883 sich an diejenige des Jahres 1878 anlehnte, unterschied sie sich doch wesent- lich von derselben. Insbesondere erschien das im Jahre 1878 angewandte Formular viel zu spezialisiert für die kleineren Stadt- bezw. Landgemeinden und wurde daher, zugleich im Jntercsie der Entlastung der Erhebungsbehörden, vielfachen Kürzungen bezw. Vereinfachungen unterworfen. Von einer

war ein kleines, trauliches Gemach, dem da« auch zur Tageszeit stets darin herrschende Halbdunkel etwas ungemein Anheimelndes verlieh. In Fäsiern, Kisten und Schüben rings befanden sich die verschiedenen Sorten Seife, darunter in einem aparaten Behälter auch die berühmte aromatische Harzer Kräuterseife, während die Regale an den Wänden mit Lichten und Kerzen der verschiedensten Art und Dicke angefüllt waren. Vorn auf dem Ladentische stand eine Waage mit blitzblanken messingenen Schalen, daneben guß­eiserne und messingene Gewichte vom stolzen Fünfund- zwanzigpfünder bis herab zum winzigen Quentchen. An dem schmalen Fenster nach der Straße zu hingen zur Schau allerhand Lichte von einer oben querüber befestigten Latte herab, während unten auf dem breiten Fensterkopfe von verschiedenartiger Seife zierliche Gruppen aufgebaut waren.

So, lieber Vetter, nun setze Dich dort an das Fenster und mache es Dir so bequem als es hier möglich ist. Ich werde hier am Ladentische Platz nehmen, um schnell bei der Hand zu sein, wenn jemand kommt I*

.Kommt daslieber Vetter" auch aus dem Herzen, Gretchen, oder ist es auch nur so eine landläufige Bezeich­nung, bet der man sich eben nicht« weiter denkt?" fragte ich, mich behutsam auf dem alten, morschen Stuhle nieder- lasiend. roQg bo6 fQr eine sonderbare Frage ist",

sagte" ste, mir einen vorwurfsvollen Blick zuwerfend.Habe ich auf Dich denn gar so sehr den Eindruck eine« gewöhn- lieben, landläufigen Charakters gemacht?"

Um Grtteswillen, Gretchen, das will ich damit ganz und gar nicht gesagt haben! So mußt Du das nicht auf- fasien l Ich habe damit nur fragen wollen, ob ein wahr­haft innerlich gefühlter Drang Dir diesen Ausdruck in den

Ermittelung deS Vermögens- und Schuldenstandes der Ge­meinden wurde diesmal Abstand genommen; endlich wurden der neuen Erhebung nicht wie 1878 die I st betrüge eines vergangenen, sondern die S ollbeträge des laufenden Etat­jahres zu Grunde gelegt, einersests um Zahlen auö neuester Zeit zu gewinnen, anderseits, weil die in ihrer Höhe schwan­kenden außerordentlichen Ausgaben und Einnahmen bei den Sollbeträgen eine geringe Rolle spielen.

Die Ergebnisie der 1883ej Erhebung sind nunmehr in demErgänzungSheste XVI zur Zeitschrift des königlich preußischen statistischen BüreauS" unter dem TitelBei­träge zur Finanzstatistik der Gemeinden in Preußen. Die Einnahmen und Ausgaben der preußischen Städte und Landgemeinden, sowie das Sollauskommen an direkten Staatssteuern, Kreis-, Provinzial-, Schul- und Kirchen­steuern in denselben für das Jahr 1883/84 veröffentlicht worden. Als Bearbeiter derselben erscheinen der durch seine kommunalfinanzstatistischen Publikationen bereits in weitesten Kreisen bekannte Unter-Staatssekretär im Ministerium deS Innern, L. Herrfurth, und das kommisiarische Mitglied deS königlichen statistischen BüreauS, Regierungsasieffor W. v. Tzschoppe.

AuS ttm reichen Inhalte dieses etwa 36 Bogen starken Heftes, dessen textueller Teil nächst einer kurzen Gesuchte der Kommunal-Finanzstatistik in Preußen eine genaue Dar­stellung der neuesten Erhebung giebt, während die Resul­tate dieser letzteren in zwei großen tabellarischen Nachwei­sungen, sowie in einer Anzahl kleinerer Tabellen ntedergelegt sind, heben wir, nach derStat. Korrespondenz", heute folgendes hervor:

Die Gesamteinnahmen der Stadt- und Landgemeinden des preußischen Staates (ausschließlich der Gutsbezirke) betrugen im Jahre 1883/84 354 Mill. Mk., die Gesamt­ausgaben 373 Mill. Mk., während sich die gesamten Staats­einnahmen bezw. Ausgaben im Soll des Jahres 1883/84 auf rund 1083 Mill. Mk. stellten, d. h. etwa auf daS Dreifache jener Gemeindezahlen. Läßt man jedoch die dem Staate aus der Verwaltung der Eisenbahnen erwachsenden, sehr erheblichen Einnahmen und Ausgaben, für welche sich bei den Gemeinden im allgemeinen kein Analogon findet, außer betracht, so erscheint die Gesamteinnahme deS Staates anderthalbmal, die Gesamtausgabe desselben fast doppelt so groß wie die der Gemeinde. An direkten Steuern erhoben die Gemeinden 167 Mill. Mk., also 17? mal so viel wie der Staat, an indirekten Steuern nur 4»/» Mill. Mk., also etwa Vao der entsprechenden Einnahme des Staates. Für UntcrrichtSzwecke verausgabten die Gemeinden 85 Mill. Mk. oder 27, mal so viel wie der Staat; speziell für das Elementar-Schulwesen wandten die Gemeinden 663/4 Mill. Mk. auf, d. h. mehr als dreimal so viel wie der Staat.

Das Verhältnis der Einnahmen und Ausgaben der

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, " »wie d. Annoncen-Bureaux

Mund gelegt hat, oder ob er eben nur'-die Bedeutung der Konvention, der gesellschaftlichen Liebenswürdigkeit ohne eine tiefere Gefühlsbasis hatte, wie ste ja solchen Ausdrücken meist nur innewohnt? Willst Du mir nicht in diesem Sinne meine Frage beantworten?"

Ich war mit dem Stuhle nahe an sie herangerückt, hatte ihre Hand ergriffen und sah ihr in die anscheinend auf ihre Arbeit, eine Wollstickerei, gerichteten dunklen Augen.

Ihre Hand zitterte.

Du schweigst, Gretchen?" drängt.' ich.Und ich bat Dich doch so sehr um Antwort! Bitte, bitte, sage mir doch, ob daslieber Vetter" so recht tief und wahr aus dem innersten Fältchen Deines Herzens kam?"

Ja, mein lieber Vetter! Bist Du nun zufrieden?" flüsterte ste, während eine dunkle Röte ihr Gesichtchen überzog.

Mein einziges Gretchen!" jubelte ich, ste stürmisch an mich ziehend.Weißt Du, Gretchen, daß ich--"

Ein Viertelpfund grüne Seefel" ertönte in diesem Augenblicke eine breite schnarrende Stimme am Schalter. Eine alte Frau stand da und betrachtete uns lächelnd.

Wie ein Blitz fuhren wir auseinander und purpurrot ergriff Margarete das Gewicht, um die verlangte Ware abzuwiegen. ~

Nein, grüne, keine weiße!" rief die alte Frau, sich an Margaretens Verwirrung ergötzend.

Daran bist Du Schuld, Vetter!" schmollte diese leise.

Ach, das ist wohl der Herr Vetter aus Halle, von dem der Herr Vater vorige Woche erzählte?" fragte die kleine Frau.

Ja wohl, Mutter Brendel, das ist er", erwiderte sie, sichtlich froh, einen Ausweg aus ihrer Verlegenheit ge­funden zu haben. lSortsetzun, folgt.)

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ao % Die Reise zum Herr« Beiter.

Aus dem Tagebuche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.

Die hochkomische Affaire hatte auf mich insofern günstig eingewirkt, als ich jetzt zu schlafen vermochte und nach wenigen Augenblicken fest entschlummert war.

Am andern Morgen wurde beim Kaffee der Vorfall natürlich nochmals allseitig besprochen und herzlich belacht. Der Vetter aber kam den ganzen Tag über aus dem Zähne­knirschen und stillen Vorsichhinlachen gar nicht heraus.

-Während der Morgenstunden machte ich einen Stzozier- gana durch die Straßen des Städtchens, die ich In -einer halben Stunde sämtlich durchschritten hatte, und daun in die nächste Umgebung. So trieb ich es eine Woche lang. Der Vetter begleitete mich niemals. Er hatte, oder nahm fich dazu keine Zeit. Ebenso blieb Margarete zu Hause. Sie mußte im Geschäft helfen und Sorge tragen, daß das Frühstück und Mittagesieu pünktlich zur Stelle war. Eines Vormittags kehrte ich früher als sonst heim. Die Sehnsucht »ach Gretchen zog mich zurück.

Sie war eben im Begriff, in den Laden zu gehen um ihren Barer, der mit der Ernte auf dem Felde beschäftigt war, während seiner Abwesenheit zu vertreten, .als ich da Wohnzimmer wieder betrat. B .

Ich gehe hinunter in den Laden", sagte ste zu mir. «Kommst Du mit? Wir können da hübsch gemütlich zusammen Plaudern während der Zeit, wo keine Kunden kommen!

Und gingst Du bi« an daS Ende der Welt, ich ginge unbedingt mit!" rief ich.

Sie schlug die Augen nieder.Du Schmeichler, v/0 komme l" sagte sie dann lächelnd.

Der kleine Verkaussladen links neben der HauSthüre

,jafn nimmt entgegen: Spedition d. Blatt-S, i, d Annoncen-Bureaux '°L-af-nst-in "nd Vogler Frankfurt a M, Ham- "b Magdeburg u. Men; Äf Moste in Frankfurt ^ 's-rlin, München und

G L. Daube und St« Frankfurt a. M., Silin Hannover «.Paris.

Städte zu denen der Landgemeinden wich von dem der beiderseitigen Bevölkerungszahlen aufs-erhebltchste ab. Denn während die Bevölkerung der Städte sich zu der der Land­gemeinden wie 3:5 stellte, verhielten sich die beiderseitigen Gesamteinnahmen wie 5:2 (253 zu 101 Mill. Mk.) und die Gesamtausgaben wie 51/*: 2 (272 yi 101 Mill. Mk.) Auf den Kopf der Bevölkerung, entfielen an- Einnahmeu to ­ben Städten 27 <Mk., in den Landgemeinden 67»-Mk,-an Ausgaben in ersteren 29 Mk., In letzteren 67* Mk. Die­ses Verhältnis, nach welchem Ausgaben und Einnahmen absolut und relativ In den Städten -erheblich höher waren, als in den Landgemeinden, kehrte auch-bei den einzelnen Hauptkategorteen der Ausgaben und Einnahmen in gewissen Abstufungen»'wieder. Am geringsten war der Unterschied zwischen Stadt und Land bei den Ausgaben für das Volks­schulwesen und. für Verkehrsanlageu, am größten bei den Ausgaben für das höhere Unterrichtswesen und für ge­werbliche Anlagen bezw. gemeinnützige Anstalten.

Bei den Ausgaben für allgemeine staatliche Zwecke, welche 17s/i bezw. 77s Millionen Mark betrugen, zeigte ich nur eine geringe Abweichung von dem bei den Ge- amtauSgaben beobachteten Verhältnisie. Die Kopfbeträge teilten sich auf 1,88 bezw. 0,47 Mk., würden sich jedoch, ebenso auch die absoluten Beträge, bedeutend höher gestellt haben, wenn nicht von den Kosten der Polizei, welche unter diese Ausgabenkategorie gehören, der Staat einen sehr er­heblichen Anteil übernommen hätte. DieS gilt sowohl für die Stadt- als auch für die Landgemeinden. Die dem Staate erwachsenden Kosten für die Polizeibehörden in den acht größten Städten der Monarchie (Berlin, Breslau, Köln, Königsberg, Frankfurt a. M-, Hannover, Danzig, Magdeburg), sowie in 13 Mittelstädten betrugen über 97, Mill. Mark, wovon auf Berlin allein mehr als 67, Mill. Mark entfielen. Ebenso wandte der Staat für die Polizei in den Landgemeinden mehr als 10 Mill. Mk. auf, darunter über 9 Mill. Mark für die Landgendarmerie. Außerdem kamen noch dieAllgemeinen Ausgaben im Jn- teresie der Polizei", welche nach dem Soll vom Jahre 1883/4 fast 17* Mill. Mark betrugen, den Städten und den Landgemeinden in gleichem Maße zu gute.

Für Verkehrsanlagen (Straßen, Plätze, Wege, Brücken und dergleichen) gaben die Städte 32, die Land­gemeinden 18 V2 Millionen Mark aus, das ist pro Kopf 3,37 beziehungsweise 1,17 Mark. Die Differenz zwischen Stadt und Land ist hier eine verhältnismäßig ge­ringe, ganz anders bei den gewerblichen Anlagen zu Gemeindezwecken, für welche ftitenS der Städte 557« Mill. Mk., in den Landgemeinden noch nicht 1 Mill. Mk., also in ersteren fast 62 Mal so viel wie in letzteren, veraus­gabt wurden. Die Kopfbeträge stellten sich auf 5,68 bezw. 0,06 Mk., also wie 95 : 1. Dieser große Unterschied zwischen Städten und Landgemeinden findet seine natürliche

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