XU. Jahrgang.
Marburg, Dienstag, 27. Mai 1884.
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Die Sache wird ihnen ««gemütlich.
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Die „Franks. Ztg." ist von der nach rechts gehenden Mischen Bewegung itt Süddeutschland sehr unangenehm mübrt, sucht aber ihren Aerger durch eine Art Galgen- Mvr zu verdecken. Die „Franks. Ztg." hatte schon im Ltft eine große süddeutsche demokratische Partei mit Herrn Sonnemann und seiner Zeitung an der Spitze gesehen - md nun auf einmal diese Enttäuschung I In Baden, Pfalz, Württemberg, Großh. Hessen und Bayern erhebt sich da« Volk welches bisher nur der liberalen Phrase gefolgt war, md setzt unsere alten konservativen Forderungen auf sein Vroaramm: Schutz dem Handwerk, der Industrie, der Land- virtschalt, höhere Börsensteuer, höhere Getreidizölle rc. Aber aller Spott der „Franks. Ztg." über „Heilsarmee" u. s. w. oirb ihr wenig helfen, ste fühlt selbst, datz die Sache ernst K Wenn erst das Volk die Halfter der liberalen Phrase «h'strcift und seine Politik nach dem eigenen Erkennen und dm Bedürfnisten der Verhältniste macht, dann hat die letzte
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Die Reise zum Herrn Beiter.
Aus dem Tagebuche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenrch.
Uhr.
Sonderbarer Mann!" murmelte ich unwillkürlich.
\a, ja, Papa hot große Eigenheiten, aber er ist herzensgut "und für mich auf das Liebevollste besorgt!" flüsterte Margarete.
Nun, wenn das ist, dann mag er sonst sein wie er will«, erwiderte ich ebenfalls leise und fügte dann laut hinzu: „Wo schläfst Du denn eigentlich, Margarete?"
„Mein Stübchen ist drüben über dem Flur, schräg über von Deinem Kabinet", entgegnete ste. „So, nun nimm hier Dein Licht! Ich komme mit hinaus und schließe gleich die Stubenthüre hinter uns zu!"
„Da kann ja der Papa aber nicht heraus!
„O ja, aus seinem Kabinet führt noch eine Thüre nach dem Flur 1"
„Dann vorwärts! .Frisch, ganze Kompagnie mit laute« Sang und Klang!"
Draußen, in der Thüre eines Zimmers blieb ich stehen.
„Gute Nacht, liebes Mühmchen!"
„Gute Nacht, Betrer!"
„Nein, lieber Vetter, heißt eSl"
„Gute Nacht, lieber Vetter!" m
„Und nun noch einen recht hübschen Gute-Nacht-Kuß I
„Ach, nicht doch, Vetter!"
„Ach, ja doch, Mühmchen!"
„Papa siehtsl"
„Schadet nicht«!" .
Und ehe ste stchS versah, brannte da heißer Kuß aus ihren Lippen. , ,,
„Aber Vetter!" rief ste, purpurrot nach ihrem Zimmer ellend. ...
„Aber Muhme!" rief ich ihr lachend nach.
lFortsetzung folgt-)
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Oberhesfische Zeitung
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zu Kaß itt 1884.
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ernst sein, s lbst wenn cs sich um die ernstesten Angelegenheiten handelt!"
Währenddem hatte ich mich von meinem an Betäubung grenzenden Erstaunen wieder erholt. Hätte ich, wozu ich freilich die größte Lust verspürte, ihm ebenfalls ins Gesicht gelocht, so hätte ich ihn unversöhnlich beleidigt, denn in Geschäftssachen verstand er, wie ich bereit« zur Genüge erfahren halte, keinen Spaß. Ich nahm mich daher zusammen, nahm eine wichtige und nachdenkliche Miene an und sagte in ernstem Tone: „Die Idee ist nicht schlecht, doch läßt sich ein cndgiltiges Urteil im Augenblicke nicht abgeben! Die Wichtigkeit des Gegenstandes verlangt, daß man sich näher mit ihm beschäftigt! Ich werde mir die Sache genau überlegen und dann mit Dir eingehende Rücksprache nehmen So etwas muß man sich erst mehrmals gründlich beschlafen, dann stellt sich der rechte animus ein!«
„Hast Recht, Vetter!" rief er. „Nächstens darüber mehr! Doch wir plappern hier und verbrennen unnütz Petroleum! Die Uhr ist gleich ein«! Holla, zu Bett! Zünde Dir das Licht da an, Vetter! Gleich neben der Stubenthüre rechts ist Dein Schlafkabinet! ES ist doch alle« be- sorgt, Margarete?"
„Gewiß, Papa!"
So, na dann schlafe Dich auf die Anstrengungen der Reis" ordentlich aus! Gute Nacht, Kinder l"
Damit reichte er uns, plötzlich aufspringend, die Hand und war im nächsten Augenblicke hinter der Topetenthüre, die auS dem Wohnzimmer in das daran anstoßende Kabinet führte, vcrfcha'unren. x
Vetter, Du hast ja das Licht vergessen 1" rief ich ihm nach.
„Brauche kein Lickt! Wäre pure Verschwendung! Kenne im Kabinet jede Stelle und finde alle« im Finstern!" rief er zurück.
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für die Kreise Marburg und Kirchhain und
»erlitt, 24. Mai. Der Kaiser empfing vormittags, den Besuch des Kronprinzen, welcher zuvor die kombinierte v , Garde - Infanterie - Brigade hierselbst besichtigt hatte und i, abend« zu der VermählungSfeier nach Rumpeuheim abzu- retfen gedenkt. Sodann fand in Gegenwart der kronprtnz- licken Familie die Grundsteinlegung der neuen englischen Kirche statt. — Die „Nordd. Allz. Ztg." ist zu der Erklärung ermächtigt, daß der Reichskanzler sn seiner Rede vom 9. Mai die Schriftstellerin Fanny Stahr (Fanny Lewald) nicht im Sinne gehabt hat, da diese mit Blmd
Wurf erfunden. „Wir haben eS hier mit einer Geschäfts- i steuer zu thun", ruft das „Berliner Tagebl. aus. „ES ist die Animosität gegen dm Handel und gegen das Kapital, welche hier zum Ausdruck kommt." Auch daS alte ! Gleichnis von der Henne und den goldenen Eiern fpteu natürlich wieder eine Rolle und die „National - Zeitung holt den alten Einwand vom „Eindringen in die Privat- verhältnisie und die großen Belästigungen" von den Toten hervor und nennt den Entwurf einen „steuerpoUzet- ltchen". Aber diese alten Witze werden schwerlich noch großen Eindruck machen. Andere Geschäftsleute muffen sich noch viel größere Belästigungen gefallen lassen und eine Geschäftssteuer ist auch der Stempel auf den Verkauf von Grund- und Häuserbesttz. Es ist aber doch der reine Hohn, wenn daS Reich von der Börse mit ihrem Milliardenumsatz jährlich nur 2700000 Mk. Stempelsteuer empfängt — und diese größtenteils nur von dem Privat- Publikum iür seinen kleinen Kapitalumsatz bezahlt werden muß, während die großen Börsenfürsten für ihren kolossalen Umsatz nur sehr wenig zahlen. Die Börse ist also keineswegs weder für den Staat und noch weniger für das Volk die Henne, welche goldene Eier legt, denn diese Eier kommen weder in die Hände des Volkes noch des Staates. Herr Maybach hat bekanntlich ein andere« Symbol für sie gewählt, welches großen Beifall fand, da Tausende und Abertausende, die mit der Börse in Berührung gekommen sind, krank wurden, als hätten sie vom Gistbaum gegeffen.
I Nicht um Animosität gegen Handel und Kapital handelt es sich, sondern um einen gerechten Steuerausgleich und womöglich um Beseitigung jenes Schacher- mt- Spielerunwesens, welches sich zwar Handel nennt, aber kein Handel
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Anzeigen nimmt eMgeg«: die Expedition d. Blatte», sowie d, Aimoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Krankfurt'a. M-; Hermarm- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidrndanl in Berlin, Dresden und Leipzrg; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in «berfrld.
Illustriertes TouutagSblatt ^benst ein. Exped. der Oberh. Ztg.
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er Rattü abhanden er erhält«
da bast Du Recht! Ter verdammte Kerl! DaS ist aber' auch etwas ganz anderes! Da ist Betrügerei, Spitzbüberei gegen mich im spiele! Warte Schlingel, wenn Du kommen wirst, Dir werde ich den Thee aus- kocken l" rief er mit grimmigem Gesicht. „Apropos, Vetter , iüate er plötzlich ruhig und mit einem freundlichen Lächeln Äu da wir gerade hier noch einmal aus Geschäftssachen u sprechen kommen, so fällt mir etwa« rin. Ich habe nämllck schon manchmal darüber nachgedacht, ob eS nicht am wäre auch an anderen Orten Verkaufsstellen für meine vorrüalicke nur allein in meiner Fabrik hergestellte aroma- i cke Lmer Kräuttrseise einzurichten. Ich glaube, die würde überall große Abnahme finden und somit ein guter £.» üi-°. s-°- -«»• ®- ;
Umstände macht das ja weiter nicht! Eine paffenoe Persönlichkeit-für den Verkauf würde sich ja leicht finden, Du txw-n a«0 nur die Oberaufsicht, die Revision der Bücher Z°L st- «ch -i>- Ä8M" D°- --E
LTO mick tbun und ich würde mich dafür schon erkenntlich zeigen, gewiß, daS würde ich l Was meinst Du dazu?
W-s ich dazu meinte! Ich muß den Vetter uuzweffe^ haft mit einer ähnliche» Miene angesehen haben, wie,man eine eavvtische Sphinx an ehe« mag; komisch wenigstens muß der Ausdruck meines Gesicht« entschieden gewestn ein denn Margarete, die mir einen Blick zuwars, brach in h ll L^Was^lachst Du denn schon wieder?" rief ihr Vater knwiAg au«. „Ihr dummen Dinger könnt doch niemals
Gcschästssteuer. _ ..
„Allgemeiner Unwille in den weitesten Kre sen! — Man muß sich nur wundern, daß daS Blatt nicht gleich die ganz? Nmion in Krämpfe fallen läßt über diese Unthat der Regierung, von der Börse eine wirkliche Steuer zu sfreiS2M verlangen. Den W-dellschen Entwurf hatte man glücklich 1 ">'. beseitigt, weil er sich auf die Unterscheidung zwilchen Kaffa- unb Zeitgeschäite einließ? Da rief man an«: „WaS he tzt ^eitneschäfle?", weil Herr v. Wedell nur die letzteren besteuern wollte. So drehte man die Sache so lange hin
I, .„„,n nimmt entgegen:
>. Win I^üipedition d. Blattes, p “D Annoncen-Bureaux
. , . „ . , . Rrnnnen siel — und die ist; auch nicht um eine Schädigung be« Kapitals, sondenr
unb ftet, 618 ber entautf in den “ , - darum, das Kapital hinweMziehen vom Spieltisch ber Börse
sSESijÄi'!: I aiaa-a-'—-‘■"tfs- kommt bie Regierung, läßt sich auf die spitzfindigen Unterscheidungen zwischen Zeit- und Kaffageschäft gar nicht ein, zerhaut den damals von den Börsenhänden so geschickt geschürzten Knoten und verlangt die Steuer von allen Börsengeschäften und zwar zu 2/io! Hätte man damals nicht so laut geschrieen und den Wedellschen Entwurf angenommen, so hätte man klüglich gehandelt. Jetzt ist die Situcuton für daS Zustandekommen be« Gesetzes eine sachlich viel günstigere. Die Börsenblätter knüpfen ihre Hoffnung aus das Nichtzustandekommen des Gesetzes an die Menge anderer
gebenheit" allein nicht gedient ist; er will auch Lyaten sehen. Nun sind die Nationalliberalen gewiß auch zu Thaten bereit, aber eS ist höchst peinlich, daß man sie so unmittelbar dazu drängt und ste ihnen noch böswillig erschwert. Auf ihrem Parteitage hatten sie proklamiert: Wir unterstützen die Sozialpolitik deö Kanzler« und wir bringen zunächst die Unfallversicherung zu Stands koste was es wolle! Am Montag traten in aller Sttlle die Konservattven nnd das Zentum zusammen und machten unter Mitwirkung eines Regierungskommiffar« die UnsaS- versicherung fix und fertig, ohne auch nur nach den Nationalliberalen zu fragen. Wir glauben dem Herrn Buhl sehr gern sein naives Eingeständnis in der Kommission, daß er und seine Freunde von dem Kompromiß der Konservativen und des Zentrum« überrascht und peinlich „berührt" waren. ES war nicht hübsch vom Zentrum und den Konservativen, daß sie ohne die Nationalltberalen zu fragen, das Unfallgefetz fertig gemacht haben «nd zwar in einer Form, welche diese bisher im wesentlichen bekämpft haben. Jetzt haben die Nationalliberalen nun die Wcchl gegen ihre bisherigen Ansichten für daS Gesetz in der vom Zentrum und den Konservativen beschloffenen Faffung zu stimmen, ober ihrem feierlichen Gelübde der sozialpolitischen Unterstützung des Reichskanzlers untreu zu werden. ES ist keinen Augenblick zweifelhaft gewesen, baß sie da» erstere wählen; wie kann ein kleiner Gesinnungswechsel In Frage kommen, wo eS gilt, die Gunst des ReichSkanzlerS zu verdienen? Ein Unglück kommt aber selten allein, und der neue Börsensteuerentwurf ist ein Unglück für die Nationalliberalen. Ob sich Herr Miquel, als er im Heidel-
fpdlh Stunde der Herrschaft dieser liberalen Presse geschlagen. iTuJl» Äaum fjßt man in jenen süddeutschen Kreisen daS Wort höhere Dö-.sensteuer fallen lassen, so legt die Regierung seße II tem Bundesrat einen solchen Gesetzentwurf vor. Da wird ■ der „Franks. Ztg." und ihren GestnnungSgenoffen heiß
M den Kopf, so daß sie auSruft:
. Noch selten hat wohl die Ankündigung einer gesetz- Krauktt öe&c"tfthcn Maßregel einen so allgemeinen Unwillen in '*“*"*' »eiten Kreisen hervorgerufen, als diejenige, betreffend den dem Bundesräte zugegangenen Entwurf einer allgemeinen
Üaaasenftein und Vogler ^antfurt a- M , Harn- a Magdeburg u.Wten; Ls Atoffe in Franlfurt Berlin, München und L- G L. Daube und * p’n 5r“"^‘ua^a^'