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JTiarÖUrg, Sonntag, 25. Mai 1884.
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Der Vetter hatte sich so außer er inne halten mußte, um Lust zu
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Die Reise zum Herr» »etter.
Aus dem Tagebnche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.
Nicht nötig? Unnötig rweise das Leben sauer machen?* " ' '■,xn" „Seh einmal
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nicht eine so lächerliche sein!"
„Gewiß nicht, lieber Vetter, gewiß nicht!" entgegnete ich. „Darin stimmte ich teilweise vollständig mit Dir überein! Die Erziehung auf den höheren Töchterschulen läßt freilich manches zu wünschen übrig. Die Art und Weise aber, in der Du, und die Erregtheit, mit der Du Deine Theorien entwickeltest, war so drollig, daß man stch eine» harmlosen Lachens unmöglich enthalten konnte! Du wirst mir doch das nicht etwa übel nehmen?'
„Was heißt übel nehmen? Ich nehme überhaupt nicht- übel! War auch durchaus nicht böse gemeint!" lachte jetzt auch der Vetter.
„Oho, da- ist zu viel gesagt, denke an den Talg-
deren Gratisbeilagen
Amtlicher Adriger
für die Kreise Marburg und Kirchhain und
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und ich sahen einander an und — Lachen aus. Verdutzt betrachtete un» der Vetter.
„Lacht nur! Lacht mich nur immer aus, Du mit Vetter! Du bläst freilich in ihr Horn, denn Du bist ja auch einer von der hohen Schule und eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus! Aber ich habe doch Recht! Im übrigm spreche ich ja jetzt auch nicht von Margarete, denn dafür habe ich schon gesorgt, daß die neben ihrer Schulbildung auch eine durchaus wirtschaftliche Erziehung und Uebung in allen häuslichen Beschäftigungen erhielt, sondern ich spreche im allgemeinen und da wird wohl, glaube ich, meine Ansicht
beiden Kreisen Osthavelland und Niederbaruim aufgebotrn und nach dem Versammlungsort beordert, woselbst sofort dir Auflösung des Meetings erfolgte. Es mag dabei nicht gauz friedlich hergegangen sein, denn die Gendarmen sahen sich genötigt, 13 Verhaftungen vorzunehmen, Elf der Verhafteten wurden nach Tegel, zwei nach Plötzensee abgeführt. Mehrfache Versuche, das Meeting in kleineren Gruppen fortzusetzen, wurden durch die Gendarmen vereitelt.
— Die Sendung des deutschen Generalkonsuls in Tunis, Dr. G. Nachtigal, nach Westafrika, die bis jetzt immer mit der Kongo-Frage in Verbindung gebracht worden ist, soll nach einer Mitteilung des „Export" Angra Pequena zum Ziele haben. Mehr als eine Vermutung ist da- für jetzt natürlich nicht. Sollte es sich aber bewahrheiten, so würde das eine Gcnugthuung in Deutschland Hervorrufen, wie wir seit langen Jahren keine ähnliche erlebt haben. Die Kolonialfrage brennt uns im eigentlichen Sinne des Wortes auf den Nägeln. Wir muffen aus der peinlichen Lage heraus, die für unsere ganze innere Entwickelung verhängnisvoll zu werden droht. Mit der sonst üblichen Auswanderung aber ist hier nicht geholfen, weil diese uns meist nur brauchbare Arbeitskräfte entzieht, den Ueberschuß an „Gebildeten" aber kaum berührt, welcher die große Gefahr unserer Zukunft darstellt. Eine deutsche Kolonie würde, wenn auch zunächst nur in bescheidenem Maße, hier Abhilfe schaffen, denn sie würde Beamte, Lehrer, Geistliche erfordern, was alles in einem fertigen, fremden StaatSwefen nicht der Fall ist, wo man nur auf Handarbeiter aller Art rechnet und diese allein willkommen heißt. Aus diesem Grunde dürfen wir unsere Kolonieen nicht in eigentlich tropischen Gegenden suchen, wo eine eigentliche Ansiedelung durch das Klima ausgeschlossen ist und nur die sog. „Kultivation" zu Handelszwecken übrig bleibt. Angra Pequena nun scheint nach Klima und Bodenbeschaffenheit nicht ungeeignet zu sein, wenn auch von abschließenden Erfahrungen nicht die Rede sein kann.
Darmstadt, 22. Mai. Die in Aussicht genommene Wiederauflösung der Ehe des Großherzogs von Hesien mit der früheren Fran v. Kolemine dürste jedenfalls mehr Schwierigkeiten bereiten, als die kürzlich stattgehabte Knüpfung dieses ehelichen Bandes, zu welcher letzteren eS lediglich der Willfährigkeit des als Standesbeamter fungierenden Ministers bedurfte. Man fragt stch, nach welchem Modus wohl die geplante Scheidung vor stch gehen soll. Soviel ist gewiß, daß von einer Scheidung aus landesherrlicher Machtvollkommenheit im Fragefalle absolut keine Rede sein kann. Abgesehen davon, daß heutzutage sozusagen alle Gelehrten darüber einig sine, daß dieses von jeher höchst fragwürdige Institut seit dem Inkrafttreten des Reichs-Zivtlehegefetzes überhaupt hinfällig geworden ist, würde schon um deswillen eine Scheidung durch den Landes- Herrn als summus episcopus, weil eben der Landesherr selbst der zu Scheidende ist, hier ausgeschloffen sein. ES
mit meiner Seligen nicht übereinstimmte 1 Die war auch so für „höhere Bildung", wie sie eS nannte, obwohl sie sonst - durch und durch wirt-
jf Auch für den Monat Juni laden wir zum zbonnement auf die
Oberhesfische Zeitung
Illustrierte- LouutagSblatt «gebenst ein. Exped. der Oberh. Ztg.
weil sie nicht regelmäßig an der Börse verkehren, müffen ihre Geschäfte selbst der Steuerbehörde anmelden. Auf die Unterlassung dieser Anzeige ober Neberlieferung des Steuerbuches sind hohe Strafen von 500, 2000 bis zu 10 000 Mk. gefetzt. — Die „Nordd. Allg. Ztg." führt bezüglich der von der „Voff. Ztg." angeführten Fälle, wo die Regierung den vom Abgeordnetenhause an sie gerichteten Aufforderungen, gegen Beamte einzuschreiten, nachgekommen sei, aus, daß alle diese Fälle den Tenor bet Verfassung nicht ändern und die Rechte des Königs nicht vermindern könnten. Eine Nachgiebigkeit der Minister, damit nützliche Gesetze nicht an einer Bestimmung der Gesetzgeber scheiterten, könne dem Könige niemals daö Recht verkümmern, die gesetzmäßigen und verfaffungSmäßigen Rechte der Krone zu wahren. Dergleichen Nachgiebigkeiten führten bei dem ununterbrochenen Vorwärtsstreben nach der Herrschaft, welche den Parteien eigen fei, allmählich dahin, daß scheinbar gleichgültige Konzessionen in der Form al« Basis für RechtSdedukticnen benutzt würden, um auf dem Gebiete des Art. 45 der Verfaffung, welcher die vollziehende Gewalt dem Könige reserviert, Eroberungen zu machen. — Gegenüber der „Germ.", welche den Umstand benutzt, daß das „American College" zu Rom infolge einer Reklamation der amerikanischen Regierung bet Konvertierung der Propagandagüter nicht unterworfen wurde, um ihre Leser zu Hetzen, daß deutscherseits keine diplomatischen Schritte in dieser Angelegenheit geschehen seien, weist die „Nordd. Allgem. Ztg." aus bet publizierten amtlichen Korrespondenz über das „American College" nach, daß die italienische Regierung anerkannt habe, daS „American College" sei schon in seiner Eigenschaft als Unterrichtsanstalt nach dem Gesetze vom 6. Juli 1866 von der Konvertierung nicht betroffen. Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt, die „Germania" möge nachweis n, daß die Landgüter, Weinberge und andere Pacht tragende Besitzungen der Propaganda, welche der Konvertierung unterworfen wurden, gegenüber der deutschen Regierung dieselbe Natur haben, wie daS „American College" gegenüber der amerikanischen Regierung. — Dem Vernehmen nach wird der verurteilte ehemalige Hauptmann H ent sch in daS Zuchthaus nach Halle abgeführt. Kraszewski, für welchen die Festungen Magdeburg oder Glatz bestimmt gewesen waren, suchte durch seinen Verteidiger Saul nach, ihm die Festung Königstein anzuweisen, welches durch seine Höhenlage seiner Gesundheit besser zusage. KraSzewSkt wurde aus seinem Hotel vorläufig in daS Leipziger Gefängnis übergeführt. — In der Jungferhaide unweit Saatwinkel hatten fich gestern in früher Morgenstunde gegen dreitausend Sozialdemokraten ein Rendezvous gegeben, angeblich um über diejenigen Abgeordneten der deutsch - sreiflnnigen Partei, welche für die Verlängerung des Sozialisten - Geseste« gestimmt, zu Gericht zu sitzen. Die Behörden hatten indessen von diesem Meeting unter freiem Himmel Wind bekommen und schleunigst wurden Gendarmerie-Mannschaften aus den
Das will immer hoch hinaus I Nichts ist ihr gut und fein genug! Das kommt von den verdammten Lehren, die ihr in der höheren Töchterschule beigebracht wurden I Da werden den jungen Dämchen solche Raupen in den Kopf gesetzt, solche überspannte Ideen, die fürs wirtschaftliche, praktische Leben nichts taugen! Französisch und englisch plappern, ein bischen malen, zeichnen, gelehrte Aufsätze über die alten Griechen und Römer schreiben, Kragchen, Shlipschen, Stulpchen oder Sophakiffen und Klingelzüge sticken und anderen solchen Krimskrams, das verstehen diese Prinzessinnen prächtig, aber eine Wassersuppe, einen Kaffee, einen Topf Kartoffeln kochen, ein Hemd flicken oder zuschneiden und dergleichen nützliche, fürs HauS notwendige Dinge, davon haben sie keine Ahnung! WaS ist denn solch ein Dämchen, frage ich, einmal einem Manne nütze? Gar nichts! Und was kostet ihm solch eine verschrobene Person, die den Finger nicht inS kalte Master stecken kann und wohl abgesehen noch von dem, waS sie ihm in der Wirtschaft vergeudet ober ruiniert, noch das Jahr über an Putz und Vergnügungen? Alle Nasen lang ein neues Kleid mit tausenderlei Besatz, mit Bändern, Schleifen und Maschen! Die Frau so und so hat eS so, folglich muß sie eS auch so haben I Dazu alle Vierteljahre einen neuen Hut mit kostbaren Federn! Da muß ein Jaquet fein, da ein Fichu, da ein Frühjahrsmantel, da ein Staubmantel, ein Herbstmantel, ein Wintermantel ! CS sollte mich nut wundem, wenn nicht nächstens noch Eß- und Trinkmäntel, Schlaf- und Aufstehemäntel Mode werden I Bademäntel existieren ja schon! Da muß ja so ein armer Kerl von Mann nach dem ersten Vierteljahr schon toll werden uns auf und davon laufen, wenn er nicht Millionär ist! Das ist auch der einzige Punkt, worin ich
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte»,, sowie d. Annoncen-Bureaux JSgersche Buchhandlung in Frankfurt!«. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
Berlin, 23. Mai. Der Kaiser arbeitete mittags mit dm Militärkabinett, empfing dann im Beisein deS StaatS- ^Nisters Grafen v. Hatzseldt in besonderer Audienz den ; an Kohl seitherigen Gesandten der argentinischen Republik Dr. M. ’ ' 6ane zur Uebetreichung seines AbberufungSschreibenS und «mach deffen Nachfolger Dr. Carlos Calvo zur Ueberreichung wer Krevitive und unternahm später eine Spazierfahrt. Morgen um 11 Uhr findet im Beisein der kronprinzlichen ßamilie die feierliche Grundsteinlegung der englifchen Kirche tot Garten deS Schlosses Monbijou statt. — Der Kron- uinz besichtigte heute früh auf dem Bornstädter Felde die aste Garde-Jnfanterie-Brigade. Der Besichtigung wohnten die Kronprinzessin, die Prinzessin Wilhelm, die Etbprin- irfflu von Meiningen und die Prinzessin Victoria bei. — Dem Bundesrat ist mittels Antrages Preußens der Ent- »urf eines Gesetzes, betr. Abänderung des Gesetzes wegen Erhebung von Reichsstempelabgaben, vom 1. Juli 1881, vorgelegt worden. Durch dieses Gesetz wird eine pro- Mtuale Böriensteuer von 2/io vom Tausend deS Wertes der Gegenstände des Geschäfts vorgeschlagen. Der jetzige stabile Stempelsatz von 20 Pf. und 1 Mk. für Schlußnoten sat stch, wie vorauSzusthen war, nicht bewährt und die Steuer mußte für den nächsten Etat auf den lächerlichen Betrag von ca. 2Va Mill. Mark angesetzt werden. Die neue Steuer trifft jedes abgeschlossene Geschäft, einerlei, ob darüber eine Urkunde ausgestellt Ist ober nicht. Der gelinge Satz von 2/10 pro Mille ist gewählt, um das reelle kleine Geschäft zu schonen und zugleich die Differenz- und Zeitgeschäfte, bet denen eS stch immer um sehr große Be- lräge handelt, zu treffen. Die Bankiers und die Börsm- makler müssen sich Steuerbücher anlegen, in welche die von ihnen abgeschlossenen steuerpflichtigen Geschäfte eingetragen werben müffen. Diese Steuerbücher werben am Schluß des Monats unter Einzahlung des danach zu erlegenden Stempelbetrages an die Steuerbehörde abgeliefert werden. Die Behörde hofft dadurch in den Stand gesetzt zu sein, durch Vergleichung der Bücher deS Kontrahenten und des Maklers die Richtigkeit der Luchaufzeichnungen zu kontrollieren. Personen, welche kein Buch zu führen brauchen,
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121* tlntenl ia verdrehe ihr nur vollends den Kopf! Auf dem ; rechten Flecke scheint er Ihr so wie so nicht mehr zu sitzm l
Laaen nimmt entgegen: R”grpebition b. BlatteS, Annoncen-Bureaux
N-asenstein und Vogler
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Berlin, München unb
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scheint täglich außer an ben Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für b-S Quartal mit der wöchentlichen B-i^e.,ällnstr^ ° ch'sche
^Buch drucke« i) bezogen SV. Mark, burch die Postämter beS Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg (excl Bestellgebühr.)-Jnsertwnsgebahr für bte gespaltene Zeile 10 Pf».
Für in ber Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
einer ben Kiekindiewelt an! Weißt Du, ob ich eS nötig habe ober nicht? Gerade habe ich eS nötig, sage ich Dir, sehr nötig, für mich unb für Dich! WaS sollte wohl aus Dir, Du Naseweis, werben, wenn ich ° nm»l stürbe, ohne Dir etwas zu hinterlaffen? Soll ich vielleicht die Augen durch Deiner Hände Arbeit bei fremden Leuten verdienen mußt? Und selbst gesetzt, dies wäre nicht der Fall ist Arbeit überhaupt unnötig? Smd wir Menschen nicht alle zur Arbeit geschaffen, zu Fleiß und Sparsamkeit ? Oder wäre e« vielleicht bester, wenn ich mich aus die Bärenhaut legte, den großen Herrn spielte und das in sogenannten noblen Passionen durchbrächte, waS Ich mühsam im Laufe der Jahre erworben habe?"
Der Vetter hielt erfchöpst In seiner Epistel inne, 1 Margaretens Augen füllten sich mit Thränen.
5 „Na höre einmal, Vetter , ich, „Du hast ja [1C Recht, aber Du mutzt doch auch nicht gleich so schroff fein.
Margarete hat eS ja doch nur gut mit Dir gemeint, wenn 611 fix sagte, Du solltest Dich nicht zu sehr quälen. Laß gut A \ stin Gretchen", fügte ich, ihre Hand ergreifend, lächelnd 304 30 hinzu, „laß gut sein und gräme Dich nicht I ES stehet ge- )fe 96 ’ schrieben: „Die mit Thränen säen, werben mit Freuden