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Marburg, Mittwoch, 21. Mai 1884.
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^,iaen nimmt entgegen: d^Srpedition d. BlatteS, *i(i) Unnoncen-Bureaux
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Nach bett Erklärungen der Regierung im Herrenhause E 17. d. M. sollte die Jagdordnung nicht mehr beraten Aen. Für uns Hessen erscheint eS ziemlich gleichgültig, 6 die neue Jagdordnung zu stände kommt oder nicht. Mit den Anträgen des konservativen Abg. Dr. Grimm den Stimmen der konservativen Partei sind die Be- Kamunzen der Hessischen Jagdgesetze von 1854 und 1865 dir neue Jagdordnung hinübergenommen. Da dieselbe M Gesetz wird, so bleibt es bet unserem seitherigen Rechte, ja« in Geltung bleibende Gesetz vom 7. September 1865 tait in 8 28: .
„Schwarz-, Eeel- und Damwild darf nur in PaikS oder solchen Revieren unterhalten werden, welche dergestalt befriedigt sind, daß daS Wild weder auSbrechen noch an fremdem Eigentum irgend Schaden anrichten kann.
Die Jagdberechtigten haben daher die Verbindlichkeit, solches Wild in dergleichen befriedigten Revieren einzuschließen, widrigenfalls letzteres auf Requisition der OrtS- polizeibehörde durch den zunächstwohnenden StaatSrevier- jörster alsbald bewirkt roiro."
Hiernach hat das Schwarz- und Rotwild in Hessen
stehen Sie mich?I Und da lachen Sie noch? Lachen Sie nur meinetwegen immer zu! So viel aber sage ich Ihnen, und ich halte Wort, daß ich von Ihnen und Ihrer Firma auch nicht mehr für einen Pfifferling kaufe und sollte ich alt werden wie Methusalem! Ihre Reise hierher zu mir, falls Sie nicht etwa gekommen sind, um sich Ihr miserable« Zeug wieder mitzunehmen, ist also diesmal umsonst, ganz umsonst! Verstehen Sie mich?! Sie . . . ."
„Aber Vater, lieber Vater, ich bitte Dich! Komm doch heraus!" unterbrach plötzlich eine melodische, weiche Mädchenstimme vom Treppenflur herab den grimmigen Herrn Vetter, während ich, mich verbeugend, durch daS Geländer etwas Weißes, wie ein Unterröckchen schimmern sah.
Aha, dachte ich, also ein Töchterlein, und, nach der Stimme zu schließen, ein recht angenehmes Töchterlein besitzt der Herr Vetter! während ich mich vorbeugte, um womöglich etwa« mehr von der Besitzerin der lieblichen Stimme zu sehen zu bekommen.
„Herr, was haben Sie nach meiner Tochter zu gucken?!" schnaubte der Alte und sich zur Treppe umwenvend rief er: „Schlafe Du doch, dumme Gretel WaS hast Du Dich in Männer-Angelegenheiten zu mischen l"
Jetzt fing mir denn doch die Sache an peinlich zu werden.
„Verzeihen Sie, mein Herr", begann ich daher, „hier scheint ein ungeheures Mißverständnis obzuwalten . . ."
„Was heißt Mißverständnis 1* unterbrach er mich wild. „Ist der Talg vielleicht aus Mißverständnis so miserabel? Wie? Oder soll er vielleicht aus Mißverständnis über Nacht gut werden?--Mißverständnis. ES giebt hier keine
Mißverständnisse, sage ich Ihnen!"
„ES giebt aber doch welche!" überschrie ich ihn nun.
und den Eigentümern der Forsten, von denen auS das Rotwild Schaden brächte, die Pflicht aufzulegen, die Felder durch Wildzäune zu schützen. Diese Anträge sind im Abgeordnetenhause mit großer Majorität angenommen und damit ist also der Landwirtschaft der erforderliche Schutz gewährt. Den Eisenacher Hetzern war dies Vorgehen der Konservativen unangenehm und sie erfanden sich allerhand Hetzartikel, für die Leute berechnet, welche den Verhandlungen im Abgeordnetenhause nicht folgen können, daS „Marburger Tageblatt" druckt denn auch diese Artikel nach, ohne zu wissen, wie lächerlich dieselben sich in einem für einen kleinen Leserkreis in Hessen bestimmten Blatte ausnehmen — hier, wo diese Fragen gar nicht zur Anwendung kommen.
kosten der bezeichneten Grundstücke gegen dessen Annahme erklärt. Er befürwortet daS Projekt: daS provisorische Reichstagsgebäude für den genannten Zweck in Aussicht zu nehmen, inzwischen aber durch Hinzunahme deS Grundstückes deS Geheimen Zivilkabinetts daS gegenwärtige GeschäftS- gebäude entsprechend zu erweitern, und stellt einen Antrag in diesem Sinne.
Abg. Janssen beantragt, unter Ablehnung deS Antrages deS Gesamtvorstandes, die Regierung zu ersuchen, daS jetzige ReichstagSgebäude nach seinem Freiwerden definitiv für das neue Geschäftshaus zu bestimmen, inzwischen aber daS Gebäude des Geheimen Zivilkabinetts mit für das Abgeordnetenhaus zu verwenden.
Abg. Richter (Hagen) erklärt sich gegen sämtliche Anträge^ Wenn man 6 Millionen für den Bauplatz verwende, so würde daS heißen, daß der Neubau selbst vielleicht noch 18—20 Millionen koste. Dem Ansehen des Parlamentarismus werde durch Errichtung eines monumentalen ReichStagSgebäudeS genügt, und was die Dringlichkeit an- lange, aus dem alten Gebäude heranSzukommen, so sei eS zweifelhaft, ob das neue Geschäftshaus früher vollendet fein würde, als der Bau des Reichstagsgebäudes. Vom praktischen Standpunkte auS könne man das gegenwärtige ReichstagSgebäude zur künftigen Benutzung empfehlen, doch halte er es für besser, für jetzt noch kein Engagement einzugehen und insbesondere nicht auf das Gebäude des Zlvil- kabinettS Rücksicht zu nehmen, um nicht einen kostspieligen Neubau für dasselbe zu provozieren.
Abg. Janssen giebt seinem Anträge vor dem deS Grafen Limburg insofern den Vorzug, als derselbe schon heute daS jetzige ReichstagSgebäude definitiv als das künftige Geschäftshaus für die Abgeordneten in Aussicht nimmt.
Abg. Frhr. von Heeremann: Der Wechsel in den Meinungen des Hauses müsse einigermaßen überraschen. Schon vor Jahren fei man darüber einig gewesen, daß das gegenwärttge ReichstagSgebäude für den mehrerwähnten Zweck völlig ungeeignet erscheine, und nun komme man auf das alte Projekt zurück. Der vom Vorstande vor- geschlageue Platz habe, abgesehen von der freien Lage, den Vorzug, sofort bebaut werden zu können. Auch er wolle nicht unnötig Geld hinauSwerfen, aber wenn man.große Summen für Museen, zum Neubau von Ministerien verwende, dann könnten gewisse Ansprüche doch auch für daS HauS der Abgeordneten geltend gemacht werden.
Abg. vr. Reichensperger (Köln) kann die Gesmid- heitSgefährlichkeit deS gegenwärtigen Geschäftshauses nicht in dem oft betonten Grade anerkennen, er sitze in demselben schon über 30 Jahre, befinde sich aber noch immer leidlich wohl. DaS ReichstagSgebäude lasse sich für die Zwecke deS Abgeordnetenhauses leicht und schnell ändern und genüge denselben vollkommen.
Abg. von Benda bittet, wenn man den Antrag deS Gesamtvorstandes nicht annehmen wolle, dann wenigstens
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vom Landtag.
Berlin, den 19. Mai.
DaS Herrenhaus genehmigte heute ohne Debatte die Gesetzentwürfe betreffend die Stempelsteuer für Kaufund Lieferungövcrträge im kaufmännischen Verkehr, betr. die Feststellung eines Nachtragsetats, sowie betr. die Bestimmung des Wohnsitzes im Sinne der Rheinischen Ge- meindeverfassungSgesetze. Längere Debatte knüpfte sich aber an den Gesetzentwurf, betr. die Ergänzung der Städte- ordnnng für die östlichen Provinzen, der wie der letztgenannte Entwurf aus der Initiative des Abgeordnetenhauses heivorgegangen ist. Auch dieser Gesetzentwurf wurde trotz deS Widerspruchs der Regierung vom Hause angenommen. Nachdem dann noch Petitionen erledigt und die übliche Ge- schäftSüberstcht gegeben war, schloß Präsident Herzog v. Ratibor die Sitzung mit dem Rufe der Treue und Ergebenheit gegen Se. Majestät den Kaiser und König, in welchen Ruf die Versammlung dreimal begeistert einstimmt. _____________
91. Sitzung deS Abgeordnetenhauses. Ans der Tagesordnung steht zunächst der mündliche Bericht deS verstärkten Gesamtvorstandes wegen Errichtung eines neuen Geschäftsgebäudes für daS Haus der Abgeordneten. Der Antrag des Vorstandes geht dahin, zu erklären: 1. daß als Bauplatz für ein neues Geschäftsgebäude sowohl der Grunvstückskompler zwischen dem Friedrich Karl-Ufer, dem Alexander-Ufer, der Stadtbahn und der Unterbaumstraße, als derjenige an der Ecke deS Schiffbauerdammes und der Luisenstrahe als geeignet erachtet wird; beide aber nur unter der Voraussetzung, daß eine angemessene Ermäßigung des geforderten Preises erzielt wird; 2. die Staatsregierung zu ersuchen, thunlichst balv die erforderlichen Mittel für den Ankauf des Bauplatzes zu beantragen, auch, unter Beteiligung deS verstärkten Gesamtvorstandes, die schleunige Aufstellung eines definitiven Bauplanes herbcizuführen.
Referent Abg. Freiherr v. Huene empfiehlt den Antrag des Vorstandes, während Abg. Graf zu Limburg- Stirum sich mit Rücksicht auf die Höhe der ErwerbS-
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„Und Sie befinden sich gerade in diesem Augenblicke im allerdicksten mitten drin!"
„Oho!" schrie er.
„Ja wohl!" schrie ich. „Sie denken nämlich, ich sei der Talgreisende Meyer, und daS ist eben ein ungeheueres Mißverständnis, denn ich bin bis jetzt in meinem ganzen Leben noch niemals Talgreisender gewesen und schwöre es Jhnen auch auf dieser feierlichen Kampfesstätte beim ZeuS und allen olympischen Göttern, daß ich nie die leiseste Absicht gehegt habe, noch je hegen werde, Talgreisender zu werden, da ich für Talg weder Interesse noch Verständnis besitze, das Talgen aber bisher nur von einer Seite kennen gelernt habe, die für dasselbe unmöglich Begeisterung erwecken kann, da eS in passiver Form, d. h. also beim Ge- talgtwerden, meist wochenlang auf den gefolgten Stellen Spuren hinterläßt, die nach einander in allen Regenbogenfarben schillern--l"
„Hören Sie auf, Herr, mir wird himmelangst I Donnerwetter, .können Sie reden! WaS, Sie sind nicht der neue Talgreisende der Firma Zippel & Co. ? Na, wenn Sie das nicht sind, wer und was sind Sie denn da?"
„Ich bin ein harmloser Studiosus der Philosophie aus Halle, begriffen auf einer Serienreife zu einem Herrn Vetter, der sich Fabrikbesitzer Schaffner nennt und dem ich mich hiermit persönlich vorzustellen die Ehre habe! Mein Alter, d. h. mein Vater, läßt Dich bestens grüßen, ebmso die Frau Mutter und die gesamte Famlllel Sela!"
„Der Vetter aus Halle!" ertönte der laute Freudenruf des Koustnchens auf dem dunklen Treppenfiur, dem sich sogleich ein silberhelles Lachen anschloß.
(Aortsetzrmg folgt)
Bentfurt a M , Ham- Magdeburg u.Wien; Ulf Mosse in Frankfurt Berlin, München und ‘.77 G L. Daube und § in Frankfurt a. M., Ain, Hannover u.PanS.
14 Die Reise zum Herr« Beiter.
Aus dem Tagebuche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.
JreSben und Leipzig; I. Barck u. So. in Halle; SB. ThieneS in Elberfeld.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Bettaqe,,ZllustrtrteS Sonntagsblatt durch du Sxpedttron (K 0 ch fche S $ Buchdruckerei) bezogen 2'/« Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertronsgebühr für die gespaltene Zette 10 Pf«.
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg berechnet
sägersche Buchhandlung in ..ankfurtfa.M; Hermann- HeBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ' nvalidendank in Bettin,
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d. Anuoncen-Bureaux
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urterftij W^Schonzelt, eS ist' überall abzuschießeu und 'es ist tzgche der Ortsbürgermeister und der Landräte, durch ener- zlsches Vorgehen die Staatsförster zu veranlassen, den Abschuß und die Verfolgung des Wildes zu bewirken.
Wäre die neue Jagdordnung eingeführt worden, würden fich die obigen Bestimmungen ebeuwohl nicht geändert haben. Allerdings hat die Plage des Schwarzwildes trotz jener geschlichen Bestimmungen auch bei uns zugenommen, allein nur darum, weil die Bestimmungen namentlich in den Staate« forsten nicht energisch gehandhabt worden sind. Das wird sch jedoch in Zukunft ändern, nachdem die öffentliche Auf- miksamkeit auf diesen Punkt gerichtet worden ist.
Wie diesem Sachverhalt gegenüber liberale Blätter dm Mut haben, die Verhandlungen im Abgeordnetenhaufe zur Aufreizung gegen die konservative Partei zu benutzen, daS mürbe nicht zu begreifen sein, wenn man nicht ble Gewissenlosigkeit dieser Blätter und ihre Verlogenheit zur Genüge kennte. Als es sich darum handelte, für die übrigen Landes- Itile — außer Hessen — die Garantien gegen Wildschaden zu finden, da bestand der ganze Witz der Liberalen darin, dem Beschädigten eine Schabensersatzklage bei Gericht geben ju wollen gegen den Forstbesitzer, in dessen Wald das chadenbringende Wild seinen ständigen Aufenthalt habe. Der Bauer sollte der Rotte Sauen, welche seine Ernte vernichtet, nachlaufen, um sich zu erkundigen, wo die lieben Tiere ihren Wohnsitz hätten — und bann sollte er mit schweren Prozeßkosttn seinen Schaden einklagen. DaS war ein „Stein statt Brod" an den beschädigten Landmann und hieß den Leuten Sand in die Augen streuen. Seitens der Konservativen wurde der Antrag gestellt, das Schwarz- Md, soweit es nicht in Wildparks gehalten, auszurottm
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Es ist ja eine reine Sünde und Schande und man ruiniert sich ja damit das ganze GeschäftSrenomeel Die Stute bringen alle ble Ware zurück und ich kann es ihnen auch nicht verdenken! Sie laufen alle und deshalb können sie sie nicht gebrauchen!"
„Wer läuft?" fragte ich deprimier .
Der Herr Vetter sah mich auf diese Frage mit seinen stechenden Augen eigentümlich an.
„Wer läuft? Das fragen Sie noch? Na, hören Sie val" Herr, düse Frage ist doch auS Ihrem Munde mindestens höchst sonderbar l Wer soll denn ausm?Sie leider nicht und ich auch nicht, aber die Lichte infolge Ihres infamen Talgs, das Ihr HauS mir aufgeschmuggelt hat! beben Sie sich doch einmal das Licht hier anl Ist das «in Licht? Ein reelles Licht? Wir können einander auf zwei Schritte kaum sehen, geschweige erkennen, und dabei läuft wie eine Altejungfern-Nase bei zwanzig Grad Kälte!
lief er empört.
Jetzt ging mir mit einem Male eine ganze Lichtgießerei hn Kopfe auf. Er hielt mich für den angemeldeten, wahr- Icheinlich neuen und ihm noch unbekannten Reifenden eines mit ihm in Geschäftsverbindung stehenden HaufeS!
„Also die Ware war diesmal schlecht, mein Verehrtester i lief ich lachend. „DaS thut mir von Herzen leib, ober ich kann beim besten Willen nichts dafür!"
„Sie nicht? Wer denn? Ich vielleicht? Oder der
—Talg? Sie vertreten und repräsentieren Ihre Firma! Per-
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fier, !se 11.
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Nr. z.