Einzelbild herunterladen
 

XIX. Jahrgang.

Marburg, Dienstag, 20. Mai 1884.

jtn 11®

bcheUchk jfitiino

6.

dig

hn,

ine

ich»

Strum

'**&*•«

ich von Hs

teupre.

eid-

t auf E

eh»««*0

13 Die Reise zum Herr» Beiter.

Aus dem Tagebuche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.

23.1

m Laudesverratsprozetz gegen Dr. v. Kraszewski 1 und Hauptmann a. D. Hentsch.

In der letzten Woche hat sich vor dem Reichsgericht zu seimig der schon seit mehreren Monaten durch die Ver- daimng der Angeklagten vorbereitete Landesverratsprozeß den Schriftsteller Dr. v. Kraszewski und den ehe- Mljaen preußischen Hauptmann Hentsch abgespielt und !», wesentlichen folgendes ergeben: Kraszewski, ein hervor- mender polnischer Parteigänger und Flüchtling aus dem Ittzlen polnischen Ausstande, lebte seit dem Jahre 1863 in Dosten, erst als Ausländer und später als sächsischer An- «ebSriger. Dort hat Kraszewski entweder selbst einen ge­heimen Polenklub gegründet oder ist doch Mitglied eines Wen geworden, welcher Polenklub sich zum Ziele gesetzt halte, irgend welche europäischen Verwickelungen und Kriege Li zu benutzen, um auch die polnische Frage wieder auf- miollen und womöglich daS Polenreich nochmals wieder- hrizustellen. Eine polnische Legion sollte zu diesem Behufe jm geeigneten Momente auf der Seite einer kriegführenden Großmacht erscheinen und ist eS hauptsächlich Frankreich gewesen, worauf diese Polen ihre Hoffnung richteten, sie scheinen aber auch versucht zu haben, Oesterreich oder Ruß­land bei der zeitweiligen Spannung zwischen diesen Mächten sür ihre Pläne zu gewinnen.

Kraszewski hat nun offenbar auch dadurch bet einigen ausländischen Regierungen sich etnzusühren gesucht, daß er totgab oder vielleicht auch den Auftrag übernommen hat, Kundschafter- und Spiondienste bezüglich der Wehrsähigkeit Deutschlands zu leisten. Kraszewski hat dies aber nicht direkt selbst gethan, sondern dazu wieder Unteragenten bc- uutzt. Ein solcher dunkler Ehrenmann ist ein Schriftsteller Adler, welcher leider in Deutschland nicht dingfest gemacht »erden konnte, da er stch im Auslande aufhielt. Dieser Adler warb nun für KraSzewSki als eigentlicher Spion den preußischen Hauptmann a. D. Hentsch, einen befähigten Militär und begabten Militärschriftsteller. Hentsch hat darauf zunächst nur sür Adler Berichte und Beschreibungen über Einrichtungen des deutschen Heeres, MobilmachungS- Mne, neue Erfindungen, FestungSpläne u. s. w. geliefer- und Adler hat diese Arbeiten an Kraszewski und dieser biet selben wahrscheinlich an einen Abteilungschef deS französischen Ariegsmintsteriums gesandt.

Beide Angeklagte leugnen natürlich den letzten Endzweck ihres ThunS, Kraszewski will mit gar keiner fremden Re- gicrung in Verbindung gestanden haben und Hentsch will einfach militärwissenschastliche Arbeiten für Fachblätter ge­liefert haben. AuS dem Briefwechfel zwischen Hentsch und dem Vermittler Adler geht aber ganz deutlich hervor, daß

Ich muß gestehen, daß ich über das unscheinbare, ja beinahe schäbige Aussehen deS Hauses einigermaßen verblüfft eat. Halte ich mir doch in der Phantasie ein großes, Kloßähnliches Gebäude als Behausung deS reichen Herrn Retters vorgestellt.

Auf meinem Gesichte mußte stch wohl diese Verblüffung viedetspiegeln, denn mein Begleiter sagte: „Es ist richtig, Bit sind au Ort und Stellei"

„Schön, schön", sagte ich, mich sammelnd, aber die tyüte ist ja bereits verschlossen, obgleich eS erst neun Uhr ist. Eine Klingel scheint auch nicht vorhanden zu sein. Pochen wir also mit dem Klopfer an! Apropos, hier haben Eie eine Kleinigkeit für Ihre Bemühung, ich werde mir den Koffer selbst hineintragen."

Mit diesen Woeten gab ich dem Manne ein Trinkgeld und entließ ihn. Ich mochte aus einem unbestimmten Gefühle nicht, daß er mit in daS HauS hinein gehe.

Ais ich ihn um die Straßenecke biegen sah, ergriff ich eisernen Klopfer und schlug mit demselben dreimal Giftig an.

, Wenige Sekunden darauf öffnete stch im ersten Stock

Fenster und ein Kopf, fast ganz verhüllt von einer Men Zipfelmütze, fuhr heraus.

„Wer ist denn da?" fragte eine dünne Stimme.

»Besuch!" erwiderte ich kurz.

»Besuch? Zu so später Stunde? Hätte auch eher kommen können!" t _

Damit fuhr der Kopf wieder zurück und daS Fenster Murde heftig zugeschlagen.

Das ist ja ein allerliebster Empfang, dachte ich bei mir, Ehrend mir einen Augenblick die Galle inS Blue trat.

| Doch nut einen Augenblick, dann gewann der Humor, der

ierkt, Askn

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoneen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt!«. M; Hermann» scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

ft

it Zahl”1 id Attest

schm

kl WM

en

am 25. April 1883 gefaßten Resolution dem Landtag? nunmehr baldigst und spätestens in nächster Session den Entwurf eine- Gesetzes, betreffend organische Revision der bestehenden kirchenpolitischen Gesetzgebung vorlegen."

Der Antragsteller begründet seinen Antrag, indem er vorausschickt, daß er zu Beginn der Legislaturperiode die Hoffnung gehabt habe, daß eS>j gelingen werde, durch eine Revision der Maigesetzgebung der katholischen Kirche die Freiheit der Bewegung wieder zu gewähren, ohne welche sie nicht existieren könne. Leider sei in der gegen­wärtigen Session jeder Versuch nach dieser Richtung sehl- geschlagen. Damm solle dieser Antrag Gelegenheit geben, vor Schluß der Session noch einmal den dringenden Mahn­ruf ertönen zu lasten, daß die Regierung endlich das ihm möge, worum sie von ihm und feinen Freunden so oft und eindringlich gebeten worden. Der Antrag fchließe sich genau an die Resolution des vorigen Jahres an, welche eine organische Revision der Maigesetze anstrebte. Doch sei diese von der Regierung gar nicht berücksichtigt worden, eS sei gar nichts davon bekannt geworden, daß die Re­gierung in bezug hierauf irgend etwas unternommen hätte. ES fei das im höchsten Grade bedauerlich. Wenn die Verhandlungen mit Rom nicht den günstigen Verlauf nehmen, den man erwarte, so liege daS allein an der Staatsregierung, welche Forderungen stelle, die nicht er­füllt werden könnten. Durch die Notseelsorge sei ja einige Hülfe geschaffen, aber eS sei daS doch nur ein Notbehelf, der keinen dauernden Nutzen schaffe. Zudem seien die vor­handenen geistlichen Kräfte nicht entfernt ausreichend und dann sei eine große Anzahl Geistlicher teils, weil sie ihre Vorbildung in Rom oder Innsbruck erhalten, teil« well sie wegen Uebertretung der Maigesetze vorbestraft, zurück­gewiesen worden. Wenn man wirklich so friedfertigen Sinnes wäre, und die Absicht hätte, der Not der Gemein- ben abzuhelfen, dann sollte man doch ehrenwerte Männer, Märtyrer ihrer Ueberzeugung, nicht zurückweisen und er hätte namentlich von nationalliberaler Seite erwartet, daß in dieser Hinsicht ein ernster Schritt geschehen wäre, um diesen Männern zu ihrem Rechte zu verhelfen. Im In- tereste des kirchlichen Friedens, im Jntereste des Ausgleiches der Gegensätze, die auf allen Wegen und Stegen hindernd und lähmend einwirken, bittet er wiederholt um Annahme seines Antrages.

Abg. v. E ynern erklärt namens der nationalliberalen Partei, daß, obwohl sie die Maigesetzgebung für prinzipiell richtig halten, dennoch bereit seien, an einzelnen Punkten, die geeignet seien, den Frieden herbeizuführen, an der Re­vision derfelben mitzuwirken. Sie müßten aber die Jnitia, tive hierzu und die Wahl des dafür geeinten Zeitpunkte,

Melden? Dem Fabrikbesitzer Schaffner? Der bin Ich selbst! Mit wem habe ich denn aber daS Vergnügen--?*

.Wie—le?" Sie sind Herr Schaffner?' fragte ich verdutzt. Ich glaubte in der That, nicht richtig gehört zu haben.

„Allerdings! Wer soll ich denn sonst sein? Glauben Sie vielleicht, weil ich einfach und nicht wie ein Zlerbengel und Modenarr gekleidet bin, ich könnte nicht der Fabrlkbe- fltzer Schaffner fein? Die Zeiten sind schlecht und da muß stch jeder einrichten, so billig er kann! Aber nun sagen Sie mir endlich gefälligst, wer Sie sind und wa« Sie eigenllich wollen, denn das Licht verbrennt so unnützer Weise I" eiferte et.

Wer Ich bin? Na, das müssen Sie ja doch bereit» wlsten! Sie erwarteten mich ja schon, so viel Ich weiß, seit einigen tagen!" erwiderte ich lächelnd.

Ach so, ja, ja! Wundere mich freilich, daß Sie mich noch" so spät aufsuchen! Hätten auch bi» morgen warten und einstweilen im Gasthause logieren können, Herr Meyer!' rief er ärgerlich.

Meyer?! Der nennt Dich Meyer! dachte ich erstaunt. Doch blitzschnell schoß eS mir durch den Kopf: Hier muß eine Verwechslung vorliegen. Das flieht noch einen köst­lichen Spaß.

„Na, da Sie nun einmal da sind , fuhr er fort, „so kommen Sie nur herein! Ewig können wir doch nicht mit einander an der HanSthüre stehen bleiben! Aber da» muß ich Ihnen gleich hier noch sagen, daß ich mit Ihrer letzten Ware ganz und gar nicht zufrieden bin. Die können Sie sich, auf Ihre Kosten natürlich, ruhig wieder einpacken und mitnehmen. Verstehen Sie mich?!!

Himmlische Gerechtigkeit, für wen mag der Dich benn eigentlich halten? dachte ich bei mir, während ich den heftigen Redefluß des Herrn Vetter», denn daß ich e» wirklich mit diesem zu thun hatte, da» war mir jetzt klar, mit einer stummen Verbeugung beantwortete. (gortfaung folgt.)

nimmt entgegen: ViKition d. Blattes, i, Annoncen-Bureaux m 'Äasenst-m und Vogler

■n#*, ’wmtfurt o. M. Harn» Vflti ^Magdeburgu.Wien;

' ÄfÜJtoffe in Frankfurt ^Berlin, München und «jr'. G L> Daube und -.in Frankfurt a. M-, MM «Ln,Hannover u.Paris. ______________________

H •—ZZfA^int täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet möcbentlidien «eilage.„3«Uftrtrte» ^«“t^

® ’ Buchdruckerei) bezogen 3 V. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche« 3 Mark »0 Pfg (excl. Bestellgebühr.)— Jnsertronsgebühr für die gespaltene Zetle 10 Pf».

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet- _________

eil«

obiki

kS stch um Berichte an eine fremde Regierung über solche Gegenstände handelte, woraus dem Vaterlande bedeutender Schaden erwachsen kann und welche im Strafgesetzbuche unter die Paragraphen des Landesverrats fallen. Wie es nun unter Spitzbuben und Lumpen in der Regel der Fall ist, betrügt auch einer den andern. So hat z. B. Hentsch dem Adler resp. dem KraSzewSki zuweilen ganz wertlose Berichte oder angebliche geheime Bücher für hohe Preise aufgehalst, Adler hat dafür sich wieder dadurch gerächt, daß er Hentsch später ganz miserabele Honorare (?) für die Spionage zahlte und später auch an KraSzewSki eine Er- preffung unter der Androhung, KraSzewSkiS Briefe an die preußische Regierung senden zu wollen, vornahm. Trotz dieser Betrügereien der Spione unter einander ist aber auch notorisch Landesverrat von den Angeklagten geübt worden, denn die Gutachten des Kriegsministeriums und deS Großen Generalstabes sagen, daß die Mitteilungen des Hentsch Über den neuen Kriegsbrückenbau, Über die Remontierung der Armee im Kriegsfälle und über neue Pulversorten einer feindlichen Macht von großem Nutzen sein könne. Der Oberreichsanwalt beantragte deshalb gegen Hentsch 10 Jahre und gegen KraSzewSki 5 Jahre Zuchthaus, das Urteil deS Reichsgerichts über diesen schmachvollen Prozeß wird heute gefällt werden.

vom Landtag.

Berlin, den 17. Mal.

DaS Herrenhaus verwies in seiner heutigen Sitzung die Vorlage, betreffend Ergänzung und Abänderung deS Kommunalsteuergesetzes zur schriftlichen Berichterstattung an die Kommission für kommunale Angelegenheiten zurück, erledigte sodann einige Rechnungssachen und genehmigte schließlich den Gesetzentwurf, betreffend Abänderungen zu dem Gesetze über die Unterbringung verwahrloster Kinder definitiv in der Faffung deS Abgeordnetenhauses. Gelegent­lich einer sich darauf entwickelnden GeschäftsordnungSdebatte erklärte der Herr Vizepräsident deS Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer, daß die königliche Staatsregierung nach den fundamentalen Aendernngen, welche die Jagdordnnng im Abgeordnetenhause erfahren, auf das Zustandekommen der Vorlage auf Grundlage jener abändernden Befchlüffe keinen Wert mehr legen könne.

90. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Auf der Tagesordnung steht als einziger Gegenstand folgender An­trag des Abg. Dr. Windthorst und Genoffen:

„DaS Haus der Abgeordneten wolle beschließen: Die Erwartung auSznsprcchen, die königliche Staatsregierung wolle in Ausführung der vom Haufe der Abgeordneten die Situation stets von dem Standpunkte ans betrachtet, wie sie ist, und nicht, wie sie sein soll, wieder die Oberhand.

ES dauerte eine geraume Welle, da hörte ich jemand, unzweifelhaft auf Schlurren, die Treppe herunter gefatscht kommen. Dann wurde unter vernehmbarem Aechzen ein schwerer eiserner Riegel an der Thüre zurückgcschvben und dlise endlich geöffnet. Vor mir stand eine unscheinbare, kleine Männergcstalt, ein brennendes Talglicht ohne Leuchter in der Hand.

ES fehlte nicht viel, so hätte Ich bei dem Anblick dieses sonderbaren Sohlengängers laut aufgelacht. Rötlich blonde, ziemlich lange Haare hingen wirr um den kleinen Kopf. Der Teint des Gesichts war fast mädchenhaft zart und zu beiden Seiten der übrigens proportioniert gebauten Nase wölbten sich zwei kugelrunde zinnoberrote Backen, die den kleinen, etwas aufgeworfenen Mund noch kleiner erscheinen ließen und ihm ungefähr das Aussehen eines roten KlexeS verliehen. Unter der nichtigen, aber blendend weißen Stirn liefen unter hellen, buschigen Augenbrauen ein Paar vergiß­meinnichtblaue, kluge Augen mit unruhiger Hast hin und her, die den Eindringling mit einem halb unwilligen, halb neugierigen Ausdrucke prüfend betrachteten. Eine blau und weißgestreifte Drillichjacke, ein Paar leinene Beinkleider, die unter einer blaukatlunenen Hausknechtsschürze hervorsahen, ein Paar lederne Schlurren an den nackten Füßen bildeten den Anzug des drolligen Mannes, In dem ich nach diesem Exterieur unzweifelhaft den Zerberus des HaufeS, den biederen Hausknecht vor mir sah.

„Guten Abend, mein Bester!' redete ich Ihn freundlich an. „Sie mfiffen mein spätes Kommen schon entschuldigen, aber ich konnte eS beim besten Willen nicht früher biwerk- stelligen, alL bis die Post von Halberstadt hier eintraf, mit der ich vor einer Viertelstunde eingetroffen bin. Nun aber bitte ich Sie, mich dem Herrn Fabrikbesitzer Schaffner zu melden!"