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Marburg, Sonntag, 18. Mai 1884.

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Es folgte der Bericht der WahlprüfungSkommisston über die Wahl der Abgg. Behrendt und v. Wol«legier im 7. Wahlkreis de« Regierungsbezirk« Marienwerder. Die Kommission beantragt, beide Wahlen für gültig zu er­klären, dagegen beantragt Abg. F r a n ck e, zwar die Wahl de« Abg. Behrendt für gültig zu erklären, dagegen die Wahl de« Abg. WolSlegier wegen eine« bet der Wahl vor­gekommenen Verstoße« gegen § 29 de« Wahlreglements für ungültig zu erklären und gleichzeitig eine Anzahl von Wahlmännerwahlen zu kafsteren.

Nach längerer Debatte, in ter die Abgeordneten Frei­herr v. Huene, Kantak, Bachem und Dirichlet für Annahme de« KommisstonSantrage« plädierten, die Abgeordneten Francke, v. Liebermann, Freiherr von Zedlitz, vr. Wehr dagegen den Antrag Francke ver­teidigen, wurde, da stch da« Büreau über da« Refultat der Abstimmung nicht einigen konnte, zur Zählung ge­schritten. Dabei stimmten 106 Mitglieder für, 108 gegen den Kommisstonsantrag. Da« Hau« war also nicht be­schlußfähig. Darauf wurde gegen 12Vi Uhr die Sitzung bi« 1 Uhr vertagt.

Um VJt Uhr wurde die Sitzung wieder eröffnet und nunmehr mit 123 gegen 117 Stimmen die Wahl des Abg. v. Wolölegier für gültt g erklärt. (Die Wahl de« Abg. Behrendt war schon vorher mit großer Majorität für gültig erklärt worden.)

Darauf wurde auch die Wahl de« Abg. v. Katzler im 2. Wahlkreis de« RegterungSbezirkS Marienwerder für gültig erklärt, zugleich aber beschlossen, die Akten, betr. den Kauf von Wahlstimmen in der HI. Abteilung des ersten Urwahlbezirks der Stadt Rosenberg der könig­lichen Staatsregierung zur weiteren Veranlassung zu über­geben.

i Endlich beschloß das Hau«, auch die bisher bean- | stundete Wahl des Abg. von Wurmb (im zweiten Wahlkreis de« Regierungsbezirk« Wiesbaden) für gültig zu erklären. u .....

Damit war um IV2 Uhr die Tagesordnung erschöpft.

Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. (Antrag Windt- horst, betreffend organische Revision der kirchenpvlitischen Gesetze.) ___

Die Reise zum Herr» Beiler.

Aus dem Tagebuche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenrch.

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vom Landtag.

Berlin, den 16. Mal.

14. Plenarsitzung des Herrenhauses. Präsident kerrog v. Ratibor eröffnet die Sitzung nach V/t Uhr mit tet Mitteilung von dem seit der letzten Sitzung de«

erfolgten Ableben der Mitglieder Frhr. v. Patow Mallenchen), Graf v. Houwald, Frhr. v. Plotho und Kraf v. Pfeil. Da« Hau« ehrt das Andenken der Ber- «orbenen in der üblichen Weise durch Erheben von den Sitzen. 1 Di- beiden ersten Gegenstände der Tagesordnung werden Me Diskussion erledigt, indem das Hau« in einmaliger Kchlußberatung zur Vorlegung der Denkschrift über die Ausführung des Gesetze« vom 21. Jan. 1883, betr. die Be­willigung von Staatsmitteln zur Beseitigung der im Strom­gebiet- des Rheins durch die Hochwyffer her beigeführten Ver- deerungen auf Antrag des Berichterstatters Herrn Adams die gesetzlich vorgeschriebeue Rechenschaft als geführt erachtet nb gleichfalls in einmaliger Schlußberatung den Gesetz­entwurf, betreffend den Betrieb de« Hufbeschlaggewerbe«, dem Anträge des Berichterstatter« Frhn. v. Manteuffel- Krossen entsprechend in der Fassung de« Abgeordneten­hauses definitiv genehmigt. ..

Es folgte der mündliche Bericht der Kommission sur Eisenbahnangelegenheiten (Berichterstatter Herr Br e dt) über den Gesetzentwurf, betr. den weiteren Erwerb von Eisen­bahnen für den Staat.

(Während dieser Beratung erschien gegen Schluß der Sitzung der Ministerpräsident, Reichskanzler Fürst v. Bis­marck, am RegterungStische.)

Die Vorlage selber gab zu einer Debatte im Hau e aar keine Veranlassung; nachdem der Berichterstatter die für die Kommission maßgebenden Gesichtspunkte für unver­änderte Annahme derselben in allen Einzelheiten dargethan, wurde die Vorlage im ganzen mit großer Majorität unver­ändert genehmigt.

Damit war die Tagesordnung gegen 2V* Uhr erschöpft, Md beraumt der Präsident die nächste Sitzung auf Sonn­abend 12 Uhr an. (Novelle zu dem Gesetze, betreffend die Unterbringung verwahrloster Kinder, und RcchnungSsachev.)

89. Sitzung deSAbgeordnetenhauseS. Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 11 Vt Uhr mit den üblichen geschäfllichen Mitteilungen. , . . a

Die ersten Gegenstände der Tagesordnung erledigt da« Haus ohne Diskussion, indem es eine größere Anzahl von Petitionen für zur Erörterung im Plenum nicht geeignet erklärt und darauf in dritter Beratung die Gesetzentwürfe, betreffend die Stempelsteuer für Kauf- und Lieferungs­verträge im kaufmännischen Verkehr und für Werkver- dingungsverträge, sowie betreffend die Feststellung eine« Nachtrags zum Staatshaushaltsetat sur da« Jahr vom 1. April 1884/85 debatteloS definitiv genehmigt.

Deutsche» Reich.

»erlitt, 16. Mat. Der Kaiser empfing heute nach­mittag« den Ftnanzminister v. Scholz zum Vortrage, unter­nahm hieraus eine Ausfahrt und konferierte später mit dem Fürsten Bismarck.Prinz Wilhelm überbringt dem Groß­fürsten-Thronfolger den Schwarzen Adler-Orden mit dem Großkreuze des Roten Adler - Ordens. Bezüglich de« Rücktritte« des Fürsten Bismarck au« dem preußischen Staatsministerium und im Zusammenhänge damit der Re­aktivierung des Staatöratr« darf mit Sicherheit angenommen und Apothekers, fowie des Rechtsanwalt«, wenn nämlich einer da ist, auf dem Du-Fuße steht, Alle bet ihren Vor­namen nennt und von Allen ebenfalls beim Vornamen ge­nannt wird.

In solchem Gasthause befindet stch auch der trauliche große Stammtisch, an welchem abend« präzis um 8 Uhr die Stammgäste erscheinen und Platz nehmen, mit langem Fidibus die für sie in einem eigen« dazu angefertigten Schrank aufbewahrten und schon gestopften Pfeifen in Brand setzen und dann den Disput über Staats- und andere grundgelehrte Angelegenheiten beginnen. Die Schenkerin weiß uns muß genau wiffen, was jeder, wie viel jeder und In welchen Pausen jeder trinkt, und genau zur Minute wird da« frisch gefüllte Glas dem Betreffenden wieder vor die Nase hingestellt. Wehe der Unglücklichen, die stch hierin je einmal eine Nachlässigkeit zu Schulden kommen läßt. Sie ist unrettbar verloren. Wehe ferner dem fremden Gaste, der aus Unkenntnis einmal an einem solchen Stammtische Platz nimmt. Er wird unbedingt heranSgrgrault.

Ganz ander« dagegen, wenn Du als Fremder von einem der Erb-Affesioren eingeführt und vorgestellt wirst. Da wirst Du nach den steifleinen BegrüßungSbücklingen wie ein Ebenbürtiger rezipiert und jeder der älteren und alten Herren ist für seinen Teil nach besten Kräften bemüht, Dir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Punkt 10 Uhr aber, wenn die Glocke vom Kirchturme die Bürgerstunde mit langhallrndem Tone verkündigt, erhebt stch, wie von einer elektrischen Batterie influiert, Mann für Mann; man wünscht sich allerseits unter obligatem Hände­druck eine recht geruhsame Nacht und nach fünf Minuten gähnt dort eine fürchterliche Leere und herrscht eine un­heimliche Stille, wo eben noch laute«, ernste» und scherz-

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Während ein Schaffner mir die Herausgabe de« Koffers, sowie einen Träger für denselben besorgte, hatte ich Zeit, einen Blick nach beiden Seiten der engen Straße zu thun.

Na guten Morgen, da bist du ja in ein recht heitere« Nest geraten, dachte ich bei mir, al« ich die kleinen finsteren, altertümlichen Häuser sah, alle mit einem mächtigen Thor- wege und häufig mit mittelalterlichen Schnörkeln und In­schriften in Holzschnitzerei verschen, die Dächer zum Teil mit Schindeln, zum T-il mit Schiefer gedeckt, die schmalen Bürgersteige in einer Weise gepflastert, daß man viersohlige, nicht blos doppelsohlige Stiefeln tragen mußte, wollte man stch nicht Hühneraugen zu Dutzenden auf einmal holen.

Der erste Anblick de« Städtchen«. belehrte mich sofort, daß das Ackerbürgertum vaselbst seinen Sitz aufgeschlagen habe.

Das Leben in solchen kleinen Städten ist allerdings im Gegensätze zu ihrem Aussehen in der Regel ein äußerst gemütliches. Der Mensch rückt da in de« Worte« präg­nantester Bedeutung näher an den Menschen hnan, und dir Teilnahme an dem gegenseitigen Ergehen, an dem Wohl und Wehe ist eine viel regere als in größeren Städten, wo ein jrrer, nur mit sich und seiner Existenz beschäftigt, kalt und teilnahmlo« an dem anderen vorüdergeht und meist selbst die Bewohner ein und desselben Hauses einander nicht kennen.

In solchen kleinen Städten existiert auch stet« ein an­gesehenes Gasthaus, in dem die Honoratioren verkehrm und dessen B.sttzr und Wirt in einer Person mit der halben Stadt verwandt, mit der ganzen bestens bekannt und be­freundet ist, mit fast allen männltchcu Einwohnern, vielleicht mit Ausnahme de« Bürgermeister«, des Pfarrers, des Doktor«

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux ~ igersche Buchhandlung in .vankfurtla.M; Hermann- kcheBuchhandluna daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; "invalidendank in Berlin,

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werden, daß, wenn die Fragen auch in prinzipieller Be­ziehung die königliche Genehmigung erhalten haben, die end­gültige Entscheidung doch noch nicht erfolgt ist. Von regel­mäßig gut unterrichteter Seite flieht man derNat^Ztg." al« Grund der Verzögerung an, daß dir Frage de» Vor­sitze« im Staatsrate noch nicht zu völliger Lösung gelangt sei. DieBosstsche Zig." schreibt dagegen:Es scheint sich zu bestättgen, daß nach dem Rücktritt des Fürsten Bismarck au« dem preußischen Staats - Ministerium die Stelle de« Minister - Präsidenten zunächst nicht wieder besetzt werden foQ". Dem Bundesrat ist der Entwurf eines Gesetze«, betreffend die Einziehung der mit dem Datum vom 11. Juli 1874 ausgefertigten Reichs-Kassenscheine, zugegangen. Der­selbe lautet: Die Bestimmungen des § 5 Absatz 1 des Ge­setze« , betreffend die Ausgabe von Reichs - Kaffenscheinen, vom 30. April 1874 (Reichs - Gesetzbl. S. 40) tritt be­züglich der mit dem Datum vom 11. Juli 1874 au«- gesertigten Reichs-Kaffenscheine mit Ende des Monats Juni 1885 außer Wirksamkeit. Vom 1. Juli 1885 ab werden diese Scheine nur noch bei der königlich preußischen Kon­trolle der Staatspapiere eingelvst. Dem Gesetzenlwmfe ist die nachstehende Begründung beigefügt: Der Umtausch der mit dem Datum vom 11. Juli 1874 ausgefertigten Reich«- Kaflenscheine gegen die auf Wilkoxschem Pflanzenfaserpapier hergestelltrn, mit dem Datum vom 10. Januar 1882 auS- gesertigten Reichs - Kaffenscheine, welcher bis vor kurzem hauptsächlich durch die ReichSbank bewirtt wurde, ist soweit vorgeschritten, daß am Schluffe des Monats Aprll 1884 nur noch 15194890 Mk. in Scheinen alter Ausgabe stch im Verkehr befanden, während der Umlauf an Scheinen neuer Ausgabe sich gleichzeitig auf 122650 680 Mk. belief. Zur Beschleunigung dieses Umtausche» ist neuerdings die Veranstaltung getroffen, daß die bei den Kaffen de» Reichs und der Bundesstaaten eingehenden Reich» Kaffenscheine vom Jahre 1874 nicht wieder ausgegeben, sondern an die Reichsichuldenverwaltung zum Zweck des Ersatzes durch Scheine neuer Ausgabe abgeliefert werden. ES erscheint nunmehr angezeigt, die wegen gänzlicher Einziehung der älteren Scheine erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen zu treffen. Zu diesem Zweck wird die Bestimmung des & 5 Absritz 1 des Gesetze« über die Reichs - Kaffenscheine vom 30. April 1874 (Reichs - Gesetzblatt S. 40) dahin abzuändern sein, daß nach Ablauf einer mit dem Schluffe des Monats Juni 1885 endigenden Frist die Verpflich­tung der Kaffen de« Reich» und der Bundesstaaten zur Annahme der ReichS-Kaffenscheine an Zahlungsstatt, sowie die Verpflichtung der ReichShauptkaffe zur Einlösung der­selben gegen bare« Geld bezüglich der Scheine vom Jahre 1874 aufhört und diese Scheine von da ab nur noch bei der Kontrolle der Staatspapiere Hierselbst eingelöst werden. ES darf angenommen werden, daß bei einem derartigen Vorgehen der Verkehr die Rückleitung der Scheine an bie

hafte« Gespräch und lustiges Gläserklappern durcheinander wogte. Da« ist Abend für Abend so, Sommer und Winter,

Herbst und Frühling, Jahr auS Jahr ein. Früh Morgens stehen die Wackeren dann im Schlafrock, Morgenkäppchen und Pantoffeln, mit langer Pfeife vor ihrer HauSthüre, schauen nach der Witterung aus und freuen stch, bevor sie an de« Tage« Arbeit gehen, einander einenGuten Morgen, Nachbar, wünsche wohl geschlafen zu haben!" zurufen zu können. Da wird der Goethesche Spruch zur Wahrheit:

.Glücklich, wer als deutscher Mann Seinem Freunde, Nachbar Michel» Guten Abend bieten kann!"

Gemütlich wird eS hier auf alle Fälle werden, dachte ich bei mir, al« ich mit meinem Kofferträaer die Straße entlang nach der Wohnung meine« Vetters schritt. Jeden­falls, folgerte ich, ist der Herr Vetter als angesehener, reicher Bürger doch auch Mitglied de« StammklubS und wenn er Dich daher einführt, so hast Du eine moralische Atmosphäristerung nicht zu befürchten, sondern efl blähen Dir im Gegenteil einige heitere Abende.

Bevor ich indessen Zeit hatte, diesen behaglichen danken weiter auszuspinnen, blieb mein Begleiter plötzlich vor einem ziemlich unscheinbaren, zweistöckigen, grau ge­strichenen Hause stehen, dem ebensowenig wie den übrigen der bereit« erwähnte gewaltige Thorweg fehlte, daS aber außerdem al« sonderbaren AuSputz an der HauSthüre einen sogenannten Gatter, d. h. eine etwa bi« zur Hälfte de« Thärgerüste« reichende, einklinkbare Borthüre aufwie«, wie man sie häufig an den HauSthüren der schlesischen Dörfer findet. Quer an der Giebelfront auf dem Streifen über den 1 Parterre-Fenstern standen In schwarzer Oelfarbe die Worte: Seifensiederei und Lichte-Fabrik von E. H. Schaffner."

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preisfür bat'Quarts mit der 1 gespattene°Zette^l« Pf«.

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