Marburg, Donnerstag, 15. Mai 1884.
ffr. 114
ObttMche JfitW-i
k,
nit 16,C lt sich A >is 5 fmj
3 Kil« tation I fern«, von ta uf Verli hneten j
ttMz Mail Ihr an, ;en M tae Tli mberg, i ruinetii 1. dis j
ichl
Rarburi r. 44.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, 'otoit b. Annoncen-Bureanx
Die beiten Wächter packten mich, jeder bei einem Arme und schleppten mich hin zum Klotze. Sie drückten mir daS Gesicht in die ausgeschnittene Maske und banden mir die Arme an die beiden Seiten des KlotzeS.
Wartet, ihr verdammten Schufte! rief ich ihnen mit meiner letzten Kraft zu. Ihr kriegt von mir nicht mehr einen gebogenen Heller und ohne Schlaf sollt Ihr fortan Euer Leben zubringen bis zum letzten Atemzuge und sollte je auch nur der leiseste Nicker jEuch befallen, so sollen alle 500000 Teufel sofort aus dem Schlunde der Hölle hervorstürzen und Euch mit glühenden Zangen zwicken, krabbeln und kitzeln, daß Ihr rmporspringt wie zwei Gummibälle und Euer Geschrei vernehmbar ist bi- in dem Regierung-« gebäude in Magdeburg. Ihr sollt . . .
Bist Du bereit, mein Sohn, und hast Du mit der Welt abgeschloffen ? unterbrach mich die Stimme de- Bürgermeisters.
Ja wohl! Immer vorwärts, wenn e- nun einmal nicht anders sein kann! gurgelte ich, bereits halb erstickt.
Ein schwerer, schneidiger Schlag erfolgte. Ich fühlte einen heftigen Schmerz am Hinterkopf und daS LoSlösen und Zurückfallen des Rumpfes.--
„Nanu! Was ist denn schon wiever los 1" schrie ich jetzt wirklich, aus dem entsetzlichen Traume erwachend und mir mit beiden Händen die Augen auSreibend.
Ich lag mit dem Oberkörper auf der Diele, während die Füße und die Hälfte der Unterschenkel sich noch im Bette befanden.
Das also war der schmetternde Schlag deS Richtbeils und der Enthauptungsschmerz am Hinterkopfe. Ich war in optima forma au- dem Bette gefallen und hatte mich mit dem Hinterkopfe gehörig an den Stiefelknecht gestoßen.
(Fortsetzung folgt-)
e 1011 101J »bat 101!
io3j 1011
[ iot* 10. sH 77i SS ich gSi 61>! 770 77;
304' oosech 20 121 ~Jj7!i liegt * l-ißtk
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit,der wSchentlichen Beilage .'2"ustrtrteS SonntagSblat^durch dieKpedition («o ch'sche Buchdruckerei) bezogen SV. Mark, durch di- Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf« (erd B-stellgebühr.) - Jnsertwnsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg-
Für in der Erpedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Abreffen werden 35 Pfg. berechnet. ,
Reichstag.
Berlin, den 13. Mai.
26. Plenarsitzung. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend den Feingehalt der Gold- und Silberwaren.
In der Generaldiskusston zieht Abg. Harr le den zu 8 3b der Vorlage gestellten Antrag bezüglich deS Stempels rät goldene und silberne Schmucksachen zurück, weil er und die Mitantragsteller die Annahme des Gesetze- nicht erschweren wollten. — Abg. Dr. Karsten bittet ebenmäßig um unveränderte Annahme der Beschlüsie zweiter Lesung. — Abg. Dr. Reichensperger (Krefeld) ist erfreut, wirklich einmal in cer Gesetzgebung den Gedanken ausgedrückt zu sehen, daß die Ware sich als das kennzeichne, was sie wirklich ist; eS müsie mehr Tteue und Glauben im Handel und Verkehr geschaffen werden.
In der Spezialdiskusston wurden die §§1 — 6 angenommen. Zu § 7, welcher die Strafbestimmungen enthält, beantragte Abg. Lenz mann eine Milderung der Strafbestimmungen, namentlich mit Berücksichtigung der Fahrlässigkeit. Nach Begründung deS Antrages durch den Antragsteller entgegnet NegierungSkommiffar Geh. Regie- mngsrat Bödiker, daß die Annahme desselben die Vorlage wesentlich abschwächen würde, und verweist im übrigen darauf, daß der Richter nach den Bestimmungen der Vorlage es in der Hand habe, nach Maßgabe der Schwere deS Vergehens und unter Berücksichtigung der Fahrlässigkeit daS Strafmaß zu bemeffen.
Das Haus schloß sich dieser Auffaffung an und beschloß die unveränderte Annahme auch deS § 7. Das Gesetz wurde darauf im ganzen definitiv genehmigt.
ES folgt die dritte Beratung deS Dotationsgesetzes für die Mitglieder der nach Egypten und Indien entsendet gewesenen wiffenschaftlichen Kommission zm^ Erforschung der Cholera. 9 _
In der allgemeinen Diskussion spricht Abg. Dr. Virchow der Regierung namenS der medizinischen Wiffenschaft den Dank für die Verdienste aus, die sie der Wiffenschaft und der Menschheit durch die Entsendung der Kommission nach Egypten und Jnaien geleistet, und betont, daß die Regierung selbst sich bescheidener Weise in den Hintergrund gestellt habe. ES sei in der Opferwilligkeit aus einem Gebiete, welches die ganze Welt berührt, ein bedeutender Schritt vorwärts gethan; die deutschen Aerzte empfinden dies als einen großen Triumph, daß eS einem der Ihrigen gelungen, diesen Schritt zu machen. Er wolle auch zugleich an dieser Stelle seiner Dankbarkeit Ausdruck geben für die Hochherzigkeit, mit welcher Se. Majestät der Kaiser die Verdienste von Männern der Wiffenschaft anerkannt und sie den militärischen Verdiensten gleichgestellt habe. Redner verbreitet sich vom wiffenschaftlichen Standpunkte aus über die Erfolge dieser Expedition und die Bedeutung derselben
.Mail; echtsair
«„.«gen nimmt entgegen: kie Expedition b. BlatteS, f-eie b Annoncen-Bureaux von Haasensteinunb Vogler in Frankfurt a M , Harn- bura, Magbeburg u.Wien; «udolf Moffe in Frankfurt , R., Berlin, München unb «Mn • G L. Daube unb «o. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
jteSben unb Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thiene» in Elberfelb.
» Die Reise zum Herr« veiler.
Aus bem Tagebuche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.
I88elk
a-tie
lägersche Buchhandlung in „rnnkfurt!a.M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i.Hamburg; ^nvalidendank in Berlin,
für die Wiffenschaft, und erinnert schließlich die Einzelregierungen an die Verdienste derjenigen Männer, welche im Dienste der Menschheit im Kampfe gegen die Seuchen ihr Leben opfern. ES werde ein Verdienst der Regierungen sein, wenn sie wenigstens der Witwen und Waisen solcher Männer gedenken wollten.
Abg. Frhr. von Unruhe-Born st schließt stch dieser DankeSbezeugung als Laie an. Jenen Männern sei nicht nur die Wissenschaft, sondern die gesamte Nation Dank schuldig.
Der Gesetzentwurf wird hierauf definitiv angenommen.
Den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildet die erste und zweite Beratung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung der Maß- und Gewichtsorduung.
In der längeren Debatte erklärt stch Abg. Ruppert für Beibehaltung der Zentner- und Pfundgewichte neben der Kilogrammbezeichnung im Interesse des kleinen Mannes, während Abg. Freiherr v. O w vom süddeutschen Standpunkte auS einen dahingehenden Abänderungsantrag bekämpft. Ebenso sprechen der NegierungSkommiffar, Geh. OberregierungSrat Weymann und Abg. Gerwig gegen diesen Antrag, der darauf abgelehnt wird. Der Gesetzentwurf wird in allen feinen Paragraphen unverändert genehmigt.
ES folgt die Beratung des Gesetzentwurfs gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen.
In der Generaldiskusston erklärt Abg. Hasen clever, seine sozialdemokratischen Freunde könnten nicht gegen daS Gesetz stimmen, weil ste die Regierung in der Bekämpfung der anarchistischen Propaganda nicht behindern wollten; auch deshalb nicht, weil ste prinzipielle Gegner der anarchistischen Bestrebungen seien; aber sie könnten von ihrem Standpunkte aus auch nicht für dasselbe stimmen, und würden sich deshalb der Abstimmung enthalten.
Abg. Dr. Windthorst bedauert, daß die Verhältniffe die Vorlage eines solchen Gesetzes notwendig gemacht hätten und spricht zugleich der Regierung seinen Dank dafür auS, daß sie den Wünschen der großen Mehrheit deS Hauses nach Vorlegung eines derartigen Gesetzes Rechnung getragen. Im Großen und Ganzen sei er mit den Vorschlägen der Regierung einverstanden. Die Bestimmungen seien scharfe, aber wenn man den Zweck des Gesetzes wolle, könne man leider die Mittel nicht entbehren.
Die §§ 1—7 werden debattelos genehmigt.
Bei § 8 richtet Abg. Dr. Windthorst an die Regierung die Anfrage, wie die Frage deS Besitzes von Sprengstoffen aufzufaffen sei, ob jemand, in besten Besitz Sprengstoffe vorgefunden werden, ohne daß der Besitzer davon Kenntnis hat, bestraft werden könne.
Staatssekretär des Reichsjustizamts, Dr. v. Schelling: Er müsse den Gedanken ablchnen, als ob es möglich wäre, und dick verschwollenen, vom Weinen geröteten Augenlicern. Der Bürgermeister schnitt mir ein wütendes Gesicht, seine Augen waren mit einem wahren Basiliskenblicke auf mich gehestet. Mit dumpfer, drohender Stimme rief er mir die Worte zu: Angeklagter, Du stehst hier an heiliger Stätte, um Rechenschaft abzulegen von Deinem Handeln! Antworte wahr und genau auf meine Fragen, denn in wenigen Minuten wird Deine Seele vor dem ewigen Richterstuhle stehen! Bist Du der Regierungsrat Spund auS Magdeburg?
Nein! erwiderte ich kläglich.
Du hast also jenen Diener der irdischen Gerechtigkeit dort schnöce belogen und betrogen?
Ja! erwiderte ich noch kläglicher.
„Weshalb, Unglücklicher?
AuS Ulk! wimmerte ich.
Aus Ulk! wiederholte der Fragende mit empörter Miene. Ihr habt e» vernommen, gestrenge Herren der heiligm Behme. Doch der Delinquent ist im umfangreichsten Maße geständig und bereut, wie eS scheint, aufrichtig seine Mistethat. Deshalb wird seine Seele im Jenseits auch Vergebung finden l
Mit diesen Worten wandte sich der Bürgermeister an zwölf im Hintergründe des Gemachs um eine lange, schwarz behangene Tafel sitzende vermummte und maskierte Gestalten, denen sämtlich lange, weiße Bärte unter der schwarzen MaSke hervorquollen.
Trotz des eisigen Froste«, der mich durchrieselte und mein Gehirn klappern machte, drangen mir bei diesen Worten dicke Schweißtropfen aus allen Poren und ich fühlte, wie mir die Haare zu Berge stiegen.
Komm her, mein Sohn, begann der Bürgermeister wieder und beuge Dein Haupt unter die gewaltige Hanv deS Schicksals I Wächter, führet den Schuldigen hierher zur Richtstätte l
April! jermch ;el.
. billigst stem. ( »nlagi eidelbe ystem 1 illustrirt Maqe berg.
nd Bert* be gratii.
Spund, Spund! Hier hast Du Dir wieder einmal etwas Schönes eingebrockt. Hier giebt es weiter keine Rettung als das Losungtwort: Verdufte! Verdufte so schleunig als möglich! Verdufte mit der Geschwindigkeit eine» phoSphorescierenden amerikanischen MokkakäferS, dem der Logarithmus der Ludolsschen Zahl 0,497,1499 auf den Leib geschrieben ist! raunte mit eine innere Stimme zu.
Gesagt, gethan. Ich nahm die Beine, wie man so sagt, in die Hände und rannte in Sätzen, die einem erwachsenen Rehbocke alle Ehre gemacht hätten, die Straße zurück, die ich gekommen war.
Erst al« ich tle Hausthüre meine« Hotels hinter mir hatte, hielt ich an und sagte zu dem Zimmerkellner, den ich beinahe umgerannt hätte und der mich, den wie eine Windsbraut Hereinstürmenden, mit vor Verwunderung offenem Munde anstarrte: .Vergessen Sie nicht, mich morgen rechtzeitig zu wecken! Johann soll meinen Koffer zur Post bringen! Ich fahre um fünf Uhr ab!“
Es war ein häßlicher Traum, der mich die Nacht hindurch quälte und stch wie ein Alp auf meine Brust legte, so daß sich daS Herz unter seiner Umklammerung schmerzlich zusammenzog. Ich sah den Bürgermeister von Haiberstadt al« Henker gekleidet mit blitzendem Beile neben dem Richt- klvtze stehen; seitwärts auf der Zeugenbank die beiden Nacht- wächler, von denen der eine vaS ihm von mir geschenkte Zehngroschenstück als BelastungS-Argument wider mich empor hielt; mich selbst aber erblickte ich auf der Anklagebank mit dem fatalen Gitter darum, bleich, mit eingefallenen Wangen
jemand, in dessen Hause eine andere Person Sprengstoffe heimlich versteckt, nach § 8 dieses Gesetze« zur Bestrafung zu ziehen. Der Ausdruck „Besitz" gebe schon an und für sich zu keinem Zweifel Anlaß; daS bloße Borfinden von Sprengstoffen mache noch niemanden zum Besitzer; zum Besitz gehöre der Wille des Betreffenden. § 8 und der Rest des Gesetzes wird hierauf in zweiter Beratung unverändert genehmigt.
Zum Schluß gelangt der Bericht der WahlprüfungS- Kommission über die Wahl des Abg. PrinzenHaudjery (10. Wahlkreis Potsdam) zur Beratung, deren Ungültigkeitserklärung die Kommission beantragt. Gleichzeitig wirb an den Herrn Reichskanzler das Ersuchen gerichtet, dem Gendarmeriewachtmeister Mudlack in Großbeeren wegen Ueberschreitung seiner Zuständigkeit eine Rüge zukommen zu lassen.
In der Diskussion erklären stch die Abgg. v. Köller und Dr. Marquardse n mit Rücksicht auf die für den Prinzen Handjery erzielte Majorität für die Gültigkeit der Wahl, während die Abgg. Dr. Möller, Wölfel und Richter (Hagen) den Antrag auf UngülttgkeitSrrklärung unterstützen.
Staatsfekretär des Innern v. Bötticher warnt vor Annahme des zweiten Antrages der Kommission. Ohne in die Prüfung der materiellen Veranlassung zu der Rüge ein« treten zu wollen, möchte er doch anheimgeben, den Behörden, in dem vorliegenden Falle der Militärbehörde, daS betreffende Material zur Entscheidung zu überweisen, ob der betreffende Gendarm durch sein dienstliches Verhalten nach dem Befinden derselben eine Rüge verdient habe.
Abg. Richter (Hagen) beantragt mit Rücksicht auf die Bedeutung dieser Erklärung die Diskussion über den zweiten Punkt deS KommisstonsantrageS bis nach Entscheidung über die Frage der Gültigkeit oder Ungültigkeit auS- zusetzen DaS HauS beschloß demgemäß.
Nach eingehender Debatte wurde in namentlicher Abstimmung die Wahl des Abg. Prinzen Haudjery mit 119 gegen 100 Stimmen für ungültig erklärt.
In betreff des weiteren Antrages der Kommission beschloß daS Haus die Rückverweisung desselben mit einem im Sinne der Ausführungen de« Herrn Staatssekretärs von Bötticher gestellten Amendements Windthorst an die Kommission.
Die Sitzung wohnte auch der Reichskanzler Fürst v. Bismarck längere Zelt bei.
Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. (Initiativanträge, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung.)
vom Landtag.
Berlin, den 13. Mai.
86. Sitzung de« Abgeordnetenhauses. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesetz-
der bfl hier alte , -rechts fänttntj treten, schäft, hvr.j den.
bet sich