Einzelbild herunterladen
 

wein M«j,

> (is

22 '

Wvhtzy MH." _____[ü!

M ch, ganz >ße 15. vei 8etj u erft(lg!

st ein

1 Trj «l [198 ecmielbi! i« 1» Juli ch

»sse 7.

besteh«! Nebst 3a eimiethei [1951

zewandtei [1961 impler.

»ersehen« Lohn he tri fifte [188!

r Jungt huratien :r Expkt. [1985

gesuchl. . [1893

heerseisi, le Arten .cugl ir euvcrid- t. 50 Pf > Earl (2559

Kaste!

Jahrgang

Marburg, Freitag, 9. Mai 1884.

Ur. IO»

©toljrffifdie >itimg

».scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JllustrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2/4 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) JnsertionsgebÜhr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adrefsen werden 25 Pfg. berechnet-

Zeigen nimmt entgegen: ^Expedition d. BlatteS, Annoncen-Bureaux

Atzaasenstem und Vogler Mankfurt ° M , Ham» [arg, Magdeburg u. Wien; «adölf Moste in Frankfutt d'« Berlin, Dtünchen und

G L. Daube und £ in Frankfurt a. M., g^in, Hannover u. Paris.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux ' Jägersche Buchhandlung in

Frankfurts. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i.Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, DreSdm und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

»ie Thal eines großen WohlthäterS als ein be- ichteuSwerter Versuch znr Lösung der sozialen Frage.

In fast allen hervorragenden Kulturländern beschäftigt MN sich mit der Hebung der sozialen Verhältnisse und Regierungen und Parlamente widmen einen großen Teil jhrer Arbeit der sozialen Frage. Da eS aber wahrscheinlich stingt, daß die soziale Frage, d. h. der gesamte Fortschritt der Menschengeschlechts in wirtschaftlicher, sittlicher und gei­stiger Richtung überhaupt, als die Frage der ganzen Mensch- beit ausgcfatzt werden muß, so hat eS wenig praktischen Wert, sich aus dem Gebiete der Politik für die sozialen Angelegenheiten stark und einseittg zu erhitzen, denn nur tln Teil und noch dazu der kleinste der sozialen Frage (ann durch den Staat und die Gesellschaft gelöst werden, wenn den einzelnen Menschen ihre freie sittliche Bestimmung nicht genommen werden soll. Schutz, Brot, Arbeit und Unterricht kann der Einzelne vom Staate und der Gesell­schaft beanspruchen, aber für ein Mehr auf dem Gebiete der Bildung, der Rangstellung und der Genüsie müssen bann die Leistungen der einzelnen Menschen selbst sorgen, ba8 verlangt die Würde, Die Freiheit und Gerechtigkeit.

Halten wir nun diese Begrenzung der sozialen Frage fest, |o bleibt sie im Leben des Einzelnen wie ganzer Völker tut eine Pflicht der Humanität, die Unglücklichen und Not­leidenden Helsen und Verirrte auf den rechten Weg bringen soll. Da nun weiter eS in keinem Gemeinwesen an Per- (ontn fehlt, welche sich würdigen Armen, Unglücklichen und Elenden oder auch Verirrten stets annehmen würden, wenn nur immer die genügenden Mittel vorhanden wären, so ist wiederum in letzter Linie He soziale Frage eine Geldfrage,

Ein hochherziger Bürger der Stadt Leipzig, der kürzlich verstorbene Buchhändler Karl Tauchnttz, hat nun allen edeldenkendm Menschen gezeigt, waS viele von ihnen, sei eS im großen, sei eS im kleinen, zur Lösung der sozialen Frage beisteuern könnten. Der edle Tauchnttz hat nach Azug einiger Legate für seine Verwandten, Freunde und treuen Dimer sein ganzer, mehr als vier Millionen Mark betragendes Vermögen der Stadt Leipzig mit drei Bedingungen vermacht, die den Verewigten in die Reihe der besten Menschen stellen. Die drei Bedingungen lauten, daß die Zinsen der gewaltigen Erb- schast nur für wohlthätige Zwecke verwandt werden sollen, daß der zehnte Teil derZtnsen zweihundert Iah re taug zum Kapital geschlagen «erden muß, und daß daS Vermächtnis und die Stiftung nicht einmal den Namen Tauchnitz tragen oars. Ermißt auS diesen Bestimmungen schon sofort jedermann die Seelengröße deS Verstorbenen, so haben doch He meisten keine richtige Vorstellung, was der ver­ewigte Tauchnitz für eine Weisheit durch die Bestimmung ostenbait hat, daß der zehnte Teil der Zinsen seines Ver­mächtnisses zweihundert Jahre lang zum Kapital geschlagen

werden soll. Dadurch wächst daS Kapital auf mehr als eineMilliarde und bringt jährlich mindestens 40 Millionen Zinsen. Nimmt man nun auch an, daß sich die Einwohnerschaft Leipzigs in zweihundert Jahren vervierfache und der Wert des Geldes um 50 Prozent sinke, so bleibt trotzdem der Stadtgemeinde Leipzigs aus der Touchnitzstiftung eine solche bedeutende Gel? quelle, daß sie wahrscheinlich die Bedürfnisse aller WohlthätigkeitS- und WohlfahrtSzwecke decken wird und die späteren Generationen der Leipziger Bürgerschaft nur noch für Verschönerungen, Künste und Wissenschaften Steuern zu zahlen brauchen. Was würden danach reiche und wohlhabende Leute, deren eS doch in allen Orten giebt, für die Lösung der sozialen Frage nicht alles zu thun vermögen, wenn sie sich an dem großen Wohlthäter Tauchnitz ein Beispiel nehmen I

Deutsche» Reich.

Berlin, 7. Mai. DeS heutigen Bußtags wegen sind keine Abendzeitungen erschienen. Das im BundeSrat ein­gebrachte Gesetz gegen den verbrecherischen und gemein­gefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen bestimmt im wesent­lichen: Die Herstellung, der Vertrieb und Besitz von Sprengstoffen, sowie die Einführung derselben aus dem Auslande Ist nur mit polizeilicher Genehmigung zulässig. Ueber die Menge der bergestellten und angeschafften Spreng­stoffe, die Bezugsquellen und den Verbleib davon ist ein Register zu führen und der Behörde jederzeit auf Verlangen vorzulegen. Wer vorsätzlich durch Sprengstoffe eine Gefahr für das Eigentum, die Gesundheit oder da« Leben anderer herbeiführt, oder in dieser Absicht oder unter Umständen, welche nicht erweisen, daß dies zu einem erlaubten Zwecke geschieht, Sprengstoffe herstellt, anschafft, bestellt, in Besitz hat, oder wer öffentlich vor einer Menschenmenge oder durch öffentlichen Anschlag oder in Schriften zur Begehung solcher strafbaren Handlung auffordert, wird mit Zuchthaus bestraft. Ist durch eine derartige Handlung der Tod her­beigeführt und hat der Thäter diesen Erfolg vorauSschen können, so tritt die Todesstrafe ein. Die übrigen Be­stimmungen betreffen die Teilnahme an Verbrechen mit Sprengstoffen, die Bestrafung derer, die ohne polizeiliche Erlaubnis Sprengstoffe Herstellen, einführen, besitzen oder feilhalten, die Gesuche um die polizeiliche Erlaubnis und andere Details. Der Abg. WIndthorst hat feine in der Kom­mission gestellten AbänderungSanträge zum Sozialistengesetz zur zweiten Beratung im Plenum wieder eingebracht. DaS Herrenhaus wird die nächsten Plenarsitzungen am Frei­tag, den 16. d. M., und an den folgenden Tagen halten. Die Steuerkommisston deS Abgeordnetenhauses trat am Montag abend wieder zu einer Sitzung zusammen und verhandelte über den § 53 der Einkommensteuervorlage, welcher In der ersten Lesung bisher zurückgestellt worden war und die durch den Entwurf zu verschiebende Wahl­

berechtigung regeln soll. Zunächst entspann sich, wie die Nat.-Ztg." berichtet, eine sehr eingehende Debatte dar­über, ob die Wahlrechtsfrage aus dem Steuergesetz aus- zuscheiden und einem besonderen Gesetze, welches allerdings mit den Steuergesetzen gleichzeitig in Kraft treten müßte, vorzubehalten sei, oder ob die materielle Regelung der Wahlrechtsfrage in dem Steuergesetz selbst erfolgen solle. Die erste Ansicht wurde von den Mitgliedern des Zentrums unv den Konservativen vertreten, die zweite von den Abgg. Büchtemann, Dirichlet und Dr. Myer (Breslau). Der Vertreter der StaatSregierung sprach den dringenden Wunsch auS, daß in die materielle Beratung des $ 53 eingelretm werde, während Abgeordneter von Zedlitz beantragte, die Diskussion über den § 53 auSzusetzen und der zweiten Lesung vorzubehalten. Dieser Antrag wurde abgelehnt und in die materielle Diskussion eingetreten, In welcher die von deutsch-freistnntger Seite und vom Zentrum gestellten An­träge abgelehnt wurden und ebenso die Fassung der Re­gierungsvorlage. Dagegen gelangte folgender Antrag des Abg. Herwig (freikonservativ) zur Annahme:SBo nach den bestehenden Bestimmungen in Stadt- und Landgemeinden daS Bürgerrecht, bezw. das Stimm- und Wahlrecht an die Bedingung eines Klaffensteuerbetrages von 6 Mark ge­knüpft ist, tritt bis zur anderweiten gesetzlichen Regelung des Gemeindewahlrechts der Einkommensteuersatz von 4 Mk. Auch können in Denjenigen Gemeinden, wo nach den be­stehenden Verfaffungen das Wahlrecht an bestimmte Klafsen- steucrfätze geknüpft werden darf, durch Abänderung deS Statuts die bisherigen Sätze durch den Einkommensteuer­betrag von 4 bis 30 Mk. erhöht werden." Die vor­jährige Ausstellung auf dem Gebiete der Hygiene und des RettunqSwesenS hat, insoweit sie sich auf MllltärsanltätS- wesen bezog, einen Abschluß gefunden, der zur allgemeinen Befriedigung gereichen wird. Am 3. Mai hat nämlich die von unS bei ihrem Zusammentritt bereits erwähnte Konferenz von chirurgischen Autoritäten, höheren Militär­ärzten und Vertretern der freiwilligen Krankenpflege ge­endet, welche auf Anregung Ihrer Majestät der Kaiserin durch daS Kriegsministerium zum 21. April zusammenbe­rufen war, um zu beraten, wie wett die Ergebnlffe der gedachten Ausstellung für das SanltätSwefen der Armee im Felde nutzbar gemacht werden könnten. Den Vorsitz in der Konferenz führte Se. Exzellenz der Wirkt. Geh. Rat v. Langenbeck. Aus der Zahl der Teilnehmer nennen wir die Generalärzte i la suite und Professoren Bardeleben, v. Bergmann, Esmarch, Volkmann, die Generalärzte Roth (Sachsen), Wegner, v. Fichte (Württemberg), Mehlhausen, Wenzel, Friedrich (Baiern); ven kaiserlichen Kommissar und Militär-Inspektor der freiwilligen Krankenpflege Fürsten v. Pleß Durchlaucht, den Vorsitzenden deS Zentralkomitees der Vereine vom Roten Kreuz, SenatSprästoenten v. Hol­leben, den Oberstabsarzt 1. Klaffe, Direktor des ReichS-

84. . llichts. eston.

* Die Reife znm Herrn Vetter.

Aus dem Tajjkbnche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.

Eben wurde d-aS Lied angestiwmt:

Ich gehe meinen Schlendrian, Und trinke meinen Wein.

I

urg, i.

Und wenn ich nicht bezahlen kann, Dann ist die Sorge mein.

schlüg ich gleich mein GlaS Zu hunderttausend Trümmern, So hat sich doch, so hat sich doch, Kein Mensch darum ,u kümmern!

«MW

>U

da ertönte ein Klopfen an der Thüre. Auf da«Herein!" Kat der Briefträger in daS Zimmer.

Ich habe für Sie eine Postanweisung über achtzig Haler. Bitte den Schein auf der Rückseite zu quittieren",

Fl 671

6i 761

2 3031

$1 1

11

971

221

128

Ml 13 ui

>2|

<j i2 «I 7

8 2$

108» 102 103 1A 771 98

10S 99

>»andte er sich an mich.

Achtzig Thaler?! Alle Wetter, daS kommt dick! Nun braucht kein Ochsenstall mehr einzustürzen und kein freund­licher Bäckermeister zur Okularinspektion daS erforderliche bieisegeld vorzuschießen!" schrie Wolf, während Alle wie elektrisiert aufsprangen und den Briefträger und mich ver- gnügt umringten.

1Das ist Hilfe in der Not!" tief ich aufatmend. -Alter, ich bitte Dir feierlichst hier angesichts dieser edlen Aid erlauchten Herren ab, waS ich vorhin im UebermaßS AeineS Unmuts auf Dich räsonniert habe! Kommilitonen, Är seid deffen Zeuge!"

Wir sind es!" tönte eS unisono, während der Post- ®6te sich lachend entfernte.

Beim nächsten Briefe werde ich mich für Hute ab- sivden, ich habe gerade kein kleines Gelv bei der Handl" ich ihm nach.

9, I

71 77|

O bitte, inkommodieren Sie sich nicht, das geht einem bisweilen so 1" rief er mit einem eigentümlichen Lächeln zurück.

Malitiöser Satan!" murmelte ich. Ich fühlte, raß ich rot wurde.

Wir begleiten Dich zur Post, Du Glückspilz! Heute mußt Du etwas Gehöriges zum Besten geben l" rief Weiß­pflock mit förmlich verklärter Miene.

Gemach, Ihr Herren, gemach!" entgegnete ich.Erst will ich sehen, was mein Herr Papa schreibt!"

Gut! Schön! Hören wir zuerst, waS der Herr Papa schreibt!" repetierte der Chor.

Behutsam schnitt ich mit einer Scheere daS Kouvert mit den bekannten lieben feften Schriftzügen und dem alten Familienwappen auf dem großm Siegel auf, setzte mich im Lehnstuhl zurecht und laS:

.Mein lieber Sohn!'

.Mein lieber Sohn?!' Ha, daS ist günstig! Der Alte ist entschieden bei guter Laune gewesen!" rief Wolf.

Nicht unterbrechen!" bemerkte mißbilligend der Chor.

Also nochmals":

Mein lieber Sohn!

Anbei sende ich Dir auf Deine letzte Jeremiade daS gewünschte Geld. ES find aber nicht bloS 50 Thaler, wie Du verlangt hast, sondern 80. Mit den 50 Thalern ent­ledige Dich Deiner Verbindlichkeiten re., die 30 Thaler dagegen sollen Dir als Reisegeld bienen. Ich wünsche nämlich, daß Du bei Beginn der großen Ferien eine Reise nach O .... am nordwestlichen Zipfel der Provinz Sachsen, zu meinem Vetter, dem Setfenfabrikbesitzer Schaffner unter­nimmst. Wir haben uns seit unseren Jugendjahren nicht gesehen und möchte ich daher gern einmal wissen, wie eS ihm geht.1 ich vor Jahren zufällig erfuhr, soll er sich

in glänzenden Verhältnissen befinden. Für mich alten Mann ist die weile Reise zu beschwerlich, sonst würde ich mich selbst zu einem Besuche aufgemacht haben. Für Dich aber ist eS eine herrliche Erholung. Ich habe ihm Deine in etwa acht Tagen bevorstehende Ankunft bereits mitge- teilt. Er schreibt mit, daß er sich sehr freuen würde, den Sohn seines Vetters und Jugendfreundes bei sich zu sehen. Merkwürdigerweise schreibt er von feiner Familie gar nichts. Ich weiß nicht einmal, ob er solche hat ober nicht.

Befolge also meinen Wunsch und teile mit nach Deiner Ankunft an Ort und Stelle sogleich nähere- mit.

Schließlich kann ich nicht umhin, sehr mißfällig zu be­merken, daß Du in letzter Zelt wieder ganz entsetzlich viel Geld brauchst. WaS machst Du denn eigentlich mit all den beträchtlichen Summen? So viel kannst Du doch un­möglich bei einer sparsamen und geordneten Lebensweise brauchen! Als ich studierte, bin ich mit dem vierten Teile davon ausgekommen.

Mutter und Geschwister laffen Dich herzlich grüßen und Erstere Dir sagen, Du möchtest doch ja recht fleißig, ordentlich und sparsam fein. Gesund sind wir, Gott fei Dank. Dein treuer Vater."

Andächtig hatten Alle der Vorlesung gelauscht.

Dein Alter soll leben, vlvat hoch!" rief Horst.Da­ist ja ein ganzer Prachtmann 1 Schickt Dir nicht nur die verlangte Summe, sondern sogar noch ein anständiges Reise­geld, damit Du Dich während der Ferien unter ben Fleisch­töpfen Deine« reichen Vetters herumtummeln kannst. Ich sehe Dich schon mit einem mächtigen Bäuchlein, verursacht durch die schöne, fette, dicke Milch, die gelbe Kräuterbutter und den vortrefflichen alten Käse, zu uns »zurückkehren; denn Vieh wird ja der Herr Vetter sichet auch besitzen!"