XU. Jahrgang
JRarÖUtg, Mittwoch, 7. Mai 1884.
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9 Uhr
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II 1884.
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eine bessere Verbindung nach Kiel herzustellen. Aber dieselbe sei auch von militärischer Bedeutung. WaS die angeregte Frage der Organisation anlange, insbesondere die Frage, ob die Eisenbahndirektion in Hamburg oder Altona domizilieren werde, könne er sich beute darüber noch nicht erklären; jedenfalls werde der Sitz an die untere Elbe gelegt werden muffen. Sein preußisches Herz würde sich allerdings auch für Altona entscheiden, indes seien doch auch die Hamburger Interessen zu berücksichtigen; er hoste indes, auch diesbezüglich eine befriedigende Lösung zu finden, welche den verschiedenen Jnteresten entspricht. Bezüglich der Frage, was mit dem Bahnhofsgebäude in Berlin geschehen solle, könne er heute ebensowenig eine definitive Erklärung abgeben, da bekanntlich über die Verwendung des Lehrter Bahnhofsgebäudes zu Ausstellungszwecken noch nicht endgültige Entscheidung getroffen worden ist. Er hoffe indes, daß im nächsten Jahre, wo ein allgemeiner Plan über die Organisation und die Betriebseinrichtung an das HauS werde gelangen können, auch diese Frage ihre Erledigmtg finden werde. — Jedenfalls werde die gegenwärtige Erweiterung des Staatsbahnnetzes unser Staatsbahnsystem noch fruchtbarer machen, als dies bereits geschehen, und er sei überzeugt, daß wir die weitere Verstaatlichung nicht zu bereuen haben werden.
Abg. B ü ch t e m a n n wünscht, daß der Berlin-Stettiner Bahnverkehr mit dem Hamburger Bahnhof vereinigt werden möge. Bezüglich der Lauenburg-OldeSloer Bahn bedauert er, daß der Herr Minister nicht entschiedener den sekundären Eharakter dieser Bahnlinie betont habe. Ferner bedauert er, daß die anderweiten Grundsätze für die Berech nm-g der Dienstzeit bezw. Festsetzung der Anziennität der Büreaudiätarien gemäß der erneuten Zusage deS Herrn Ministers noch immer nicht festgesetzt seien; auch halte er eS unbillig, von den Büreaudiätarien, welche von den verstaatlichten Bahnen übernommen worden, jetzt nachträglich die Ablegung einer Prüfung für den Dienst als Betriebssekretäre zu fordern. . _ ,
Regterungskommistar, Ministerialdirektor Bref eld: Ueber die erste Angelegenheit seien Erhebungen angeordnet und auch bereits Berichte eingegangen; dieselben machten aber noch weitere Recherchen notwendig. WaS die Prüfungen anlange, so brauchten dieselben nicht geleistet zu werden, sobald die Beamten mindestens zwei Jahre von ihrem Uebertritt in den unmittelbaren Staats mst in einer Stellung beschästigt worden sind, die als die Vorstufe derjenigen Stellung anzusehen ist, für welche die Prüfung abzu-
Abg. Warburg (Altona) spricht für die Verlegung der Eisenbahn irektion nach Altona.
Bbg. Franckc betont daö dringende Jntereffe SchleS-
Die Reise zum Herr« Vetter.
Aus dem Tagebnche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.
vom Landtag.
Berlin, den 5. Mai.
82. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. Aus M Tagesordnung steht der Gesetzentwurf, betreffend den xtiteren Erwerb von Eisenbahnen für den Staat in zweiter
Die Kommission empfiehlt die unveränderte Annahme tef Vorlage. Bei der Debatte über § 1 erklärte Abg. gSchtemann, daß er aus den schon mehrfach angeführten «rünren gegen die Vorlage stimmen würde. Seine Freunde Mcn stch auch durch die bisherigen finanziellen Resultate dHStaalsbahnsystems nicht davon überzeugen können, daß >je Verstaatlichung im wirtschaftlichen Interesse des Landes
Was die Vorlage selbst anlange, so halte er die Ver- ßaatlichung der in derselben erscheinenden kleineren Bahu- linlen besonders bedenklich (Tilsit - Jnsterburger und OelS- Svescner Bahn). Jrn übrigen kann er nach dem Erwerb tit Berlin - Hamburger Bahn eS in keinem Falle mehr gerechtfertigt halten, die Bahnlinie Lauenburg Oldesloe als Vollbahn auSzusühren.
Abg. Dr. Hammacher erwidert, daß schon tn der «Mmisfion gegen den Ausbau dieser Bahn dieselben Gründe geltend gemacht worden seien, daß der Widerspruch aber Wien gelassen worden, nachdem mau stch überzeugt habe, taß diese Bahn im wirtschaftlichen, wie im strategischen Interesse notwendig sei. Seinerseits wünscht er Auskunft drüber, ob die betreffende Eisenbahndirektion in Hamburg ober in Altona ihren Sitz haben werde; persönlich erklärt « sich zu gunsten der Stadt Altona, weil dies eine preußische Stadt sei. Ebenso regt er die Beseitigung des Hamburger Bahnhofs in Berlin an und empfiehlt die Vereinigung desselben mit dem Lehrter Bahnhofe. Was die finanziellen Wirkungen der Verstaatlichung der Berlin Hamburger Bahn anlange, so seien dieselben in der Kommission überaus günstig beurteilt worden und auch er sei überzeugt, daß unter allen großen, vom Staate erworbenen Bahnen keine ein so günstiges finanzielles Ergebnis bieten werde, als gerade die Berlin-Hamburger Bahn. Er könne also nur die Annahme der Vorlage empfehlen.
Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach hält eS sür zweifellos, daß das Haus der Vorlage seine Zustimmung nicht versagen werte, zumal selbst Herr Büchtemann in der SBorlage nur eine richtige Konsequenz des einmal angenommenen Prinzips anerkannt haoe. Die Tilstt - Jnsterburger Bahn sei ein Mittelglied zwischen der Tilstt-Memeler Bahn und der Ostbahn, und die Bahn von Oels nach Gnesen liege inmitten eineS bereits verstaatlichten Komplexes von Eisenbahnen. Die Bahn von Lauenburg nach Olveöloe sei nicht lediglich sür sekundäre Zwecke bestimmt. Dieselbe habe die Aufgabe, einen wichtigen Landesteil zu erschließen,
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eingestürzt und hätte alle Ochsen drin tvtgeschlogen!" erwiderte Wolf ärgerlich.
„Und nur die Esel wären lebendig davongckommen", bemerkte Klein, der vierte, trocken.
„Oho, nur keine malitiösen Anspielungen!" lachte Wolf.
, Bravo I DaS kannst Du sagen! Phantastevoll erschlagene Ochsen können mein Gewissen nicht belasten. Wenn nur der gute Bäckermeister auch auf diesen Leim geht l* sagte ich.
„DaS laß nur meine Sorge sein! Ich denke, Du kennst meine Verstellungskunst. Ich schneide ihm ein Gesicht vor, daß ihm vor Rührung und Mitleid ganz teigig zu Mute wird und ihm die Thaler auS der Tasche fliegen, wie kleine Stollen aus dem Backofen!"
„Wohlan, Du reisiger ReiterSmaun, wohlan, so brich nun auf!' deklamierte Horst.
„Na, doch jetzt noch nicht. Die Uhr ist ja kaum neun und vor elf kann ich doch unmöglich schicklicherweise hingehen.'
„Gut. Warten wir also bis um elf Uhr. Unterbeffen wird wohl auch Dein Knappe Enderlein angelangt sein, ritterlicher Wirt, um unS einen guten, kühlen Trunk zu besorgen.'
„Ist schon da, ist schon dal Unterthänigster serviteur, meine geehrten Herren, domini honoratissimi, wie der Lateiner sagt. Darf ich mir die gehorsamste Frage erlaubens wie die werten Herrschaften vergangene Nacht zu mhen geruht haben?'
„Ha, ha, ha, ha, der Enderlein ist dal' jubelte alles und begrüßte mit einem aufrichtigen, freundlichen „Guten Morgen' einen kleinen, unscheinbaren Mann, der nunmehr in die Stube getreten war und mit seinen lebhaften, gutmütigen , blauen Augen unter unzähligen Bücklingen die kleine Gesellschaft von der hinter stch geschloffenen Thüre auS, an der er Posto gefaßt hatte, überschaute.
(Fortsetzung folgt.)
billigstes em. (137 ii lagen Idelberg«1 etem be- lustrirt von Maqueti erg.
I Berechnen grell«.
„Beim Zeus, die Sache ist nicht übel!" rief Horst, stch die Dränen aus den Augen wischend.
Wir sind nämlich sämtlich hier ebenso abgebrannt wie Du "und kamen gerade deshalb zu Dir, weil wir bei Dir MooS vermuteten, um uns von Dir traktieren zu lasten.
Solamen miseris, locios habuisse maloruml“ deklamierte ich pathetisch, indem ich dann in das Gelächter über diesen famosen Reinfall herzlich mit einstimmte.
Ja, du lieber Gott, was fangen wir denn da an? beaann endlich Weißflok kleinlaut.
8 Wa« w? anfangen?' erwiderte Wolf. „Nichts fangen wir "an Wir bleiben zuvörderst einfach hier beim Spund auf per Bude. Er hat, wie ich sehe, noch einen halben Saften voll Tabak. Pfeifen sind ja auch vorhanden, ergo glimmen wir uns zunächst eine an. Dabei überlegt sich- am besten, was zu thun ist. Apropos, alter Junge, hast Du Stoff zu Haufe?"
„Augenblicklich nicht", entgegnete ich.
„Aber besorgen kannst Du ihn doch?
„Werte sehen, sobald Enderlein kommt, ob er noch im Stande ist, auS der Niederlage ein paar Dutzend Flaschen ^^“Sr^fei* zwiefach dafür gesegnet! Nun ist doch wenigstens Land und — kommt Zeit, kommt Rat! rief Horst, sich behaglich in den alten Polsterlehnstuhl vor meinem Schreibtische nieverlastend und die Beine weit auseinander spreizend. . ..
Bald waren die Pfeifen gestopft und in Brand gesetz und da« Gespräch »ahm seinen munteren Fortgang. Allerlei Pläne wurden entworfen, um ans irgend eine Weise Moneten
aufzutreiben, ober alle wurden schließlich wieder als nn- praktifch und unausführbar verworfen.
„Jetzt hab ichs!" schrie plötzlich Wolf emporspringmd.
^Schieß loS!" rief der Chor.
„Hier um die Ecke herum wohnt, wie Ihr wißt, der reiche Böcker Kleber, bet dem ich jede Woche einen Freitisch habe und dessen Sohn ich lateinische und griechische Lektionen gebe. Zu dem gebe ich hin und sage ihm, daß — daß — mein Onkel z. B. den Hals gebrochen habe, ober, daß — die Tante vom Dache gestürzt sei und stch die Hüsten au«- gerenkt habe, oder sonst etwas dergleichen. Ich hätte eben das bezügliche Telegramm erhalten. Ich müßte daher schleunigst nach Hause reisen; in der Aufregung wahr- cheinlich habe man aber vergeffen, mir das nötige Reisegeld mitzuschicken; ich selbst sei momentan nicht bei Kaffe und möchte er mir daher freundlichst fünfzehn bis zwanzig Thaler sür die Reife vorschießen, ich würde sie ihm bei meiner Rückkehr mit dem größten Danke zurückerstatten."
„Mensch, bist Du denn ganz deS Teufels?!' rief ich. Wie kannst Du blos solch einen Gedanken fasten und das Schicksal über Deine Verwandten so leichtsinnig heraufbeschwören!"
Ach was, Paperlapap, Du abergläubischer Moralist! Sei "versichert, Onkel und Tante bleiben deshalb auch nicht um eines Haares Breite weniger wohl und gesund als bisher, wir aber haben wenigstens dadurch so viel gewonnen, daß wir heute nicht trocken zu sitzen brauchen."
Nein, Wolf, das darfst Du nicht. Von dem Gelbe was Du auf solche Weise erlangst, rühre ich keinen Pfennig an. ES würde stL mir jeder Schluck Bier und jeder Bisten Esten, der damit bezahlt würde, wie siedende- Blei im Munve herumdrehen!" rief Horst.
„(gut, dann sage ich, der Biehstall wäre über Nacht
iwig-HolsteinS an dem baldigen Ausbau der Bahnlinien Hagenow-OldeSloe. Darauf wird $ 1 der Vorlage mit -großer Majorität angenommen.
Im 8 5 wird der Finauzminister ermächtigt, die bischer begebenen und etwa noch zu begebenden Anleihen der -betreffenden Eisenbahnunternehmungen zur Rückzahlung zu kündigen.
Abg. v. Strombeck wiederholte seinen früheren Antrag, wonach diese Kündigung nur durch Gesetz soll erfolgen können.
Abg. v. Wedell-Malcho» erklärt sich gegen diesen Antrag, die Frage sei wiederholt legislatorisch angeregt worden, sei aber stets im Sinne der Regierungsvorlage «entschieden worden; da es gerade das StaatSiutereffe ver« lange, lediglich von dem Ermessen deS Finanzministers, der nach Zeit und Umständen urteilen müsse, die Kündigung abhängig zu machen.
8 5 wird hierauf unter Ablehnung deS Amendements v. Strombeck unverändert genehmidt. — Dasselbe geschieht i debatteloS mit dem Rest des Gesetzes.
DaS HauS setzt darauf die Beratung über das Kom« i munalsteuer-Notgesetz fort.
Dieselbe beginnt bet 8 9, welcher von der Besteuerung i bet gorenfen handelt; derselbe wird unter Zustimmung deS Regierungskommissars, UnterstaatSsekretär H e r r f N r t, mit folgendem Zusätze nach dem Anträge Schmidt (Sagau)« Zelle angenommen: „Hat der Abgabepflichtige einen mehr- i fachen Wohnsitz, so ist diese Quote (ein volles Viertel deS Gesamteinkommens der Forensen) nach Maßgabe des 810 i zu verteilen."
Hinter 8 9 hat die Kommission folgenden neuen 8 9» i eingesetzt:
„Diejenigen Personen, welche bei den in Gemäßheit deS 8 1, Absatz 1 abgabepflichtigen Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Berggewerkschasten, ein« । getragenen Genossenschaften und Konsumvereinen, als Ak« i tionäre, Gewerken, Genossen ober Mitglieder beteiligt sind, i können verlangen, daß ihr aus ihrer deSfallsigen Beteiligung ! fließendes Einkommen bei der Einschätzung zu den Ge« i metndeabgaben in ihrer Wohnsttzgemeinde außer Berechnung I gelassen wird.
Zur Begründung diese« Anspruch« wird erfordert, daß l die betreffende Person mindestens während deS ganzen dem ! Bbgabejahr vorausgehenden Jahres unausgesetzt Eigentümer i oder Nutznießer der Beteiligung war.
Der Absatz 2 deS 8 9 findet hierbei gleichmäßig An- i Wendung.
Abg. Frhr. v. Zedlitz-Neukirch (Mühlhausen) 6e« s antragt, dem letzten Absatz folgende Fassung zu geben: „Der Absatz 2 deS 8 9 findet hierbei mit der Maßnahme
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: Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux JSgersche Buchhandlung in Frankfurts«. Hermann- fih»Buchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendanl in Berlin, > Dresden und „Leipzig;
g.: Bärrk u. Co'in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
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