HX. Jahrgang
Marburg, Dienstag, 6. Mai 1884.
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gesetz fort. Eine längere Debatte knüpfte sich zunächst an den § 7, welcher von der Verteilung des der Einkommenbesteuerung unterliegenden Einkommens aus einem fich über mehrere Gemeinden erstreckenden Unternehmens unter die beteiligten Gemeinden handelt. Insofern nicht zwischen den Gemeinden und den Abgabepflichtigen ein anderweitiger BerteilungSmaßstab vereinbart wird, soll daS Einkommen bei Versicherung?-, Bank- und Kreditgeschäften nach Verhältnis der in den einzelnen Gemeinden erzielten Bruttoeinnahmen verteilt werden; in allen übrigen Fällen soll daS Verhältnis der in den einzelnen Gemeinden erzielten Bruttoeinnahme zu Grunde gelegt werden. Die Debatte bewegte sich um daS Prinzip der Vorlage, soweit dasselbe auch auf die Eisenbahnen Anwendung finden soll. Ein von dem Abg. Hammacher diesbezüglicher gestellter Antrag, die ganze Materie, welche auf die Heranziehung der Eisenbahnen zu den Gemetndeabgaben und deren Beteiligung Bezug hat, auS dem Rahmen des Gesetzes auszuscheiden, fand nicht die Zustimmung des Hauses, es wurde vielmehr $ 7 mit einigen Aenderungen in bezug auf die Ueber- gangSfrist nach den Beschlüsien der Kommission angenommen. I« 8 7a hat die Kommission eine Ergänzung der Vorlage dahin angenommen, daß Gemeinden, welchen nach 8 2 ein Besteuerungsrecht nicht zusteht, wenn eine erhebliche Steigerung ihrer Gemeindeabgaben durch den in einer anderen Gemeinde stattfindenden Betrieb von Berg-, Hütten-, Salzwerken, Fabriken oder Eisenbahnen verursacht wird, beanspruchen können, daß ihnen ein angemesiener Teil der in der letzteren Gemeinde erhobenen Steuer überwiesen werde. — Allgemein, und namentlich von feiten des Vertreters der Regierung, wurde in der Debatte die Schwierigkeit der Durchführung einer derartigen Maßregel betont. Indes gewann die Auff ffung von der Notwendigkeit einer gesetzlichen Bestimmung mit Rücksicht auf die großen Uebelstände, die in einzelnen Landesteilen in dieser Beziehung vorherrschen, die Mehrheit; daS HauS schloß sich demgemäß dem Vorschläge der Kommission mit erheblicher Majorität an. — Am Montag kommt die Eisenbahn- Vorlage in zweiter Beratung zur Verhandlung, außerdem soll die Beratung der Kommunalsteuer Novelle fortgesetzt werden.
lieber der Serben für ng spiel« gelange»
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Narren gemacht zu haben. DaS aber schwöre ich, daß mein Geist ruhelos als Gespenst..."
Ein Poltern auf der Treppe, dem unmittelbar hinterdrein ein heftiges Klopfen an der Thüre folgte, unterbrach meinen tragischen Monolog. Die Thüre wurde aufgerisien und eS spie das doppelt geöffnete Haus zwar nicht zwei Leoparden auf einmal aus, wohl aber vier Kommilitonen.
„Guten Morgen, altes HauS, wie geht DirS? Potz Tausend, Du siehst ja aus, als hättest Du zehn Spitzbuben verschluckt und der elfte stecke Dir noch im Schlunde! Wa» fehlt Dir, Mensch?" rief der Vorderste, ein baumlanger Neo-Boruffe.
„Horst hat Recht! Du schneidest ja ein reine« Armsündergesicht. Entweder hast Du Katzenjammer oder Du bist unglücklich verliebt!" lachte der Zweite, sich auf den Stuhl am Fenster werfend.
„Wir kommen, um Dich zu fragen, ob Du mit nach dem Felsenburgkeller kommst. Wir könnten ja von da auS eine Partie auf der Saale nach der Bergschenks oder auch nach Trotha machen und uns dort bei dem köstlichen Morgen an den ebenso köstlichen Eierkuchen mit Salat dick effeo. Was meinst Du?" fragte der Dritte.
„Wenn Ihr mich frei haltet, Kinder, so habe ich durchaus nichts dagegen und bin von Herzen gern bei der Partie. So aber--*
Dabei zog ich mit wehmütigem Lächeln meine beiden leeren Hosentaschen hervor, um an ihnen den horror vacui so recht mit seiner ganzen Gewalt ad oculos zu demonstrieren.
Wie auf ein gegebene» ^Kommando platzten alle vier in
sNachdruck verboten-!
Die Reise z«m Herr« Vetter.
Aus dem Tagebuche eines alten Hallenser Studenten von Albert Jaenich.
An ter Saale kühlem Strande Stehen Burgen stolz und kühn; Ihre Dächer sind zerfallen Und der Wind streicht durch die Hallen, Wollen ziehen drüber hin. —
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pelle.
Zur Parteibetveguug.
Der „Hannov. Cour." polemisiert in starken Ausdrücken Mtn das neulich von uns erwähnte Schreiben eine« oational- ^eralen Abgeordneten in der „Magdeb. Ztg.", aus welchem A, freisinnigen Blätter Schlüffe auf einen Zwiespalt Inner« tato der netionalltberalen Partei ziehen. Indem der „Han- Wersche Cour." dies widerlegen will, liefert er dafür eine M- thatsächliche Bestätigung. Der „Hannov. Cour." schreibt:
Wir wollen annehmen, schreibt er, daß ein Abgeord- gije* den Artikel geschrieben hat, der auf Grund seines Bekenntnisses zu dem nationalliberalen Programm von fationalliberalen Wählern ein Mandat erhalten hat, aber nationalliberal" ist er nicht mehr, der — wenn man mischen den Zeilen des betreffenden Artikels deffcn beab- ßchligten Inhalt liest — so schroff den Nationalliberalen die Berechtigung absprechen will, der zusammengefloffenen Partei von Sezcssionisten und Fortschrittlern gegenüber eine jeste, selbständige Stellung einzunehmen. ES mag ja immer noch einen oder zwei Abgeordnete geben, die auS Anhänglichkeit an ihr nattvnalliberaleS Mandat dem Zuge ihres Herzens nach Seiten des Fortschritts hin Zügel anlegen mid ihren inneren Zwiespalt durch allerlei Sophismen zu chloroformieren suchen. Daran liegt auch wenig; nur dem Glauben sollen sie entsagen, durch diese Sophismen auf den sich neu belebenden Geist des Nationalliberalismus in ganz Deutschland ebenfalls einige narkotische Tropfen träufeln m können. Der zu neuer und begeisterter Thatkraft an- gefachte Nationalliberalismus wird sich nicht wieder ein- schläfern lasten und dafür wird jener Abgeordnete und mit ihm noch mancher andere, so hoffen wir zuversichtlich, auf dem Berliner Parteitage einen kräftigen Beweis geliefert erhalten."
Worin die Neuheit dieses Geistes bestehen soll, ist un« bis jetzt noch nicht ersichtlich gewesen; denn überall versichern unS die Herren, da« Heidelberger Programm sei mit dem Programm vom 29. Mai 1881 gleichbedeutend, md daS letztere sei nach wie vor die Grundlage der Partei, und das bestätigt auch die Haltung der Nationalliberalen in dem Parlament wie in der Preffe; der „Hannov. Cour." selbst ist heute genau so liberal wie früher. Der „neue Geist" scheint unS lediglich in der neu erwachten Lust, wieder Regierungspartei zu werden, zu bestehen. Zu diesem Zweck hat man einige gutklingende Phrasen über die Sozialresorm gemacht, hinter denen abw auch nicht der Schatten von wirklich sozialreformatorischem Inhalt steckt. Der „Schwäb. Merkur" rief neulich au«:
Die nationalliberale Partei hat sich in den Dienst einer neuen und großen Idee gestellt; sie besitzt wieder ein Ideal: darin liegt die Bedeutung der jüngsten Parteitage. E« ist ein Ideal, der Begeisterung wert. So mächtig und erhaben als die nationale Einheitsidee wird flck auch die soziale Woblfabrtsidee erweisen. Sie ist berufen, der deutichen
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Deutscher Reich.
Berlin, 3. Mai. Die Abreise de« Kaisers nach Wiesbaden ist nunmehr auf den 12. Mat festgesetzt, die Ankunft auf den 13. Mai morgens 10 Uhr. Zur großen Parade des Gardekorps am 27. Mat gedenken Se. Majestät wieder in Berlin zurück zu fein. — Der „Reichsanzeiger" publiziert das Gesetz über den Zinsfuß für die nach den einzelnen Gesetzen auszugebenden Staatsschuld - Verschreibungen. — Der Justizminister bringt eine Ueberstcht über die Z chl der Rechtsanwälte in Preußen mit Einschluß des
-„„iaen nimmt entgegen: »Äbition d. Blattes, J* ie'c Annoncen-Bureauk ^H-asenst-i" und Vogler Ätfurt a M . Ham- Magdeburg u. Wien; Kl M°ffe in Frankfurt Berlin, München und ‘Av. ® L. Daube und "w Frankfurt a. M, ^lin, Hannover u.Parr».
Halle an der Saale, du ehrwürdige alte Musenstadt, wie schlägt mir noch heute daS Herz vor Freude und Rührung bei dem Gedanken an dich! — Mit welchen Gefühlen, mit welchen Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen zog ich, der Jüngling, einst, vom beengenden Schulzwange befreit, in dich ein, ein freier, unabhängiger, mit Sonderrechten und Pitvileaien au«gestatteter Mensch l Und liebevoll nahm mich die alma mater, die Pflanzstätte der Wiffen- schaft, auf und bot mir alle die reichen und herrlichen Früchte, die dort für eine Ewigkeit reifen. Sei drum du liebe, traute, schwarze, verräucherte zweite Heimatsstadt, Halle, tausendmal gepriesen und gesegnet alle Zeit l
ES war an einem herrlichen Sonntagmorgen des Jahre» 18 . ., al» ich In meinem in der zweiten Etage de» Hause» Schul- und Mittelgaffen-Ecke gelegenen Stübchen am offenen Fenster saß und meine Blicke über da» auf dem Bürge steige hinetlenoe, bereit» sonntäglich rein gewaschene und geputzte Publikum schweifen ließ.
Meine Stimmung war indeflen gerade keine sonntaguche und auch wein äußerer Mensch verriet durch nicht», daß der Tag de» Herrn angebrochen sei. Ungewaschen noch und unfrisiert, in inen alten Schlafrock gehüllt, sag ich da. Finstere, trübe Gedanken erfüllten weine Seele; denn unaufhörlich summte In meinen Ohren da» in seinen ersteren
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Jugend, welcher der Nationalstaat als eine reife Frucht in den Schoß fiel, ein ebenso heiliges Lebenselement einzuflößen, • als ein solches ihre Väter an dem Streben für die deutsche Einheit und Freiheit besaßen. In Heidelberg ist aber erst der Grund zu einer sozial-liberalen Partei gelegt worden.
Die Macht der sozialen „Wohlfahrtsidee' hat sich ja auch darin bewiesen, daß sie sich angeblich der Nationalliberalen bemächtigt, welche bisher diese Idee, die von den Konservativen vertreten wird, bekämpften und unS gerade wegen dieser Idee als „Reaktionäre", „Zünftler", „Staatssozialisten", „halbe Sozialdemokraten" u. s. w. beschimpften. Jedenfalls scheinen die Nationalliberalen in Süddeutfchland eingesehen zu haben, daß die Opposition gegen die soziale Reform unnütz ist, und nun sucht man sich derselben zu bemächtigen, um aus den Flügeln ihrer Schwungkraft sich wieder oben hin zu bringen und namentlich die Herzen der Jugend wieder für sich zu erwärmen.
Niemand würde sich mehr freuen als wir, wenn die Bekehrung wirklich ernsthaft zu nehmen wäre. Allein alles andere, Worte wie Thatfachen, sprechen bis jetzt dagegen und auch die obigen Worte des „Schwäb. Merkur" reichen über den Wert einer gutklingenden Phrase nicht hinaus; denn auch nicht mit einem Wort ist gesagt, was sich das Blatt unter dem Worte „WohlfahrtSidee" denkt. Die Wohlfahrt de» deutschen Volke« wollten die National- liberalen ja bekanntlich auch durch die von ihnen gemachte sogenannte „Gewerbeordnung" mit ihrer Gewerbe-, Aktien- und Wucherfreiheit erzielen, und als in der Gründer-Aera die faulen Gründungen wie Pilze aufschossen, fioffen die nationalliberalen Zeitungen über von den Lobgesängen auf die „kolvffale Hebung des NatioualwohlstandcS". Eine Partei mit solcher Vergangenheit muß mehr bieten, als ein paar Redensarten, wenn sie will, daß wir an ihre Be- kehrung von den liberalen wirtschaftlichen und sozialen Grundsätzen zu konservativen, christlich sozialen Anschauungen und Zielen glauben sollen. Die Fortführung der Soztal- reform auf die nationalliberale Partei zu stützen, daS wird wohl keinem ernsthaften Politiker einfallen. Wem eS damit ernst ist, der fetzt alle Hebel in Bewegung, um bei den nächsten Reichstagswahlen soviel wahrhaft konservative Männer in den Reichstag zu bringen, als nur irgend möglich ist. Wo aber kein konservativer Mann durchzubringen ist, da werden die Konservativen einem Neu-Fort- schrittler gegenüber gern die nationalliberalen Kandidaten unterstützen, wenn er sonst ein braver Mann ist und die Nationalltberalen bereit sind, ihre Hilse den Konservativen in anderen Kreisen zu Gebote zu stellen.
Bern Landtag.
Berlin, den 3. Mai.
DaS Abgeordnetenhaus setzte heute in seiner 81. Sitzung die Beratung über daS Kommunalsteuer-Not- Worten an mir zur schrecklichen Wahrheit gewordene Lied: „'S Geld iS weg, 'S Mädel iS weg rc."
Ja, ja, ich mochte meine unglückliche Börse drücken wie ich wollte, mochte die Ringe von einer Seite zur andern schieben, eS fiel kein gebogener Heller heraus. Dazu kam der gräßliche Umstand, daß auch der Tabakkasten bis auf wenige Pfeifen leer, der Kredit aber bereits bis aufs Aeußerste angespannt war.
Ingrimmig betrachtete ich den zierlich auSgelegten Kasten, ein WtihnachtSgeschenk meiner Schwester; wie Hohn kamen mir die Worte des bekannten Liedes, daS ich so oft schon mit Begeisterung mitgesungen hatte, heute vor:
Knaster, den gelben, Hat unS Apolda präpariert Und uns denselben Rekommandiert.
„Nein, eS ist nicht länger auszuhalten! rief ich endlich laut aus, vom Stuhle aufspringend und mit langen Schritten da» Zimmer durchmeffend. „Seit acht Tagen schon ohne einen"Pfennig Geld und obendrein noch von den verdammten Manichäern geplagt! Länger als vierzehn Tage schon habe ich dem Alten in dem rührendsten Briefe von der Welt, wie ihn nur die erfinderische Not zu diktieren im Stande ist, mein Bedrängnis mltgetetlt und ihn um eine außerordentliche Subvention ersucht, und noch immer habe ich weder eine Antwort noch den ersehnten Mammon! Wie lange schon ist es her, daß ich krumm liege und keinen vernünftigen Schluck Bier getrunken habe außer der Flaschen- Schlempe, die mit mein Wichsier auf Pump aus der Niederlage holt. Wenn da» noch länger so fortgeht, dann ist» auS mit mir, bann werde ich entschieden verrückt und mein Vater kann sich Z it seine« Leben» den Vorwurf machen, au» übei angebrachter Sparsamkeit au» seinem einzige« Sohne einen