.Marburg, Freitag, 2. Mai 1884.
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Der Diensberg »«weit Metze«.
Es gibt wohl im alten Kattenlande keinen zweiten Berg, W dessen NamenSherlritung so diele verschiedene Ansichten aufgetaucht stad, wie die« bet dem DienSberge unweit Gießen der Fall ist. Da dieser Berg, abgesehen von seinen ver. schiedenen NamenSdeutungen und den dadurch herbeigeführten mancherlei Aufschlüssen, hauptsächlich auch bezüglich der auf »«»selben vorhandenen altgermanischen BesesttgungSwerke «ine besondere Beachtung verdient, so erscheint rS angemesicn, demselben in den nachstehenden Zeilen die verdiente Würdigung angedeihen zu lassen.
In westlicher Richtung von der Stadt Gießen, von dieser kaum zwei Stunden rntsernt, erhebt sich in Gestalt eine« nach oben abgerundeten Kegel« ein hoher, bewaldeter Berg, der über alle in seiner Umgegend liegenden Berge weit hervorrugt. E« ist die« der DienSberg, der eine Höhe von 1592 rheinische Fuß über der Nordsee hat, die jedoch nach W a lt h e e, „das Großherzogtum Hessen", auf 2016 groß- herzoglich hessische Fuß angegeben wird. Bon seinem Gipsel hat man eine nach allen Himmelsgegenden hin, bis an 12 Meilen Entfernung sich erstreckende, prachtvolle Fernsicht, weshalb er zuweilen, gleich dem hohen Donnersberge in der linksrheinischen Pfalz, als ein «einer deutscher Rigi (Rigi), bekanntlich ein berühmter AuSsichtSberg in der Schweiz, bezeichnet worden ist. Den Besuchern der Sptegelslust bei Ma-bmg zeigt er sich im Gesichtskreise in süd-Iübwest- kicher Richtung al« bläulicher Berg in halbkugelsormiger Gestalt. ..
Die Herleitung und Abstammung de« Namen« dieses Berges hat zu verschiedenen Ansichten und Meinungen Veranlassung gegeben, und deshalb auch verschiedene Schreib» Skten dieses Namen» herbrtgrführt.
Parteibeweg««g.
Es wird sehr viel über die neuesten Bewegungen in dm politischen Parteien geredet und gefabelt, und dabet sprechen so viele Wünsche und Hoffnungen mit, daß vielen der Kopf warm und damit manche irrige Vorstellung wachgerufen wird. Wenn wir die Dinge einfach betrachten Wiste heute liegen und zwar von dem Standpunkte der Männer, welche Handel und Industrie, Handwerk und Landwirtschaft schützen und emporbringen, welche den Staat und das Reich stark und mächtig erhalten wollen, mit einem Worte vom konservativen Standpunkte aus — dann können wir mit den neuesten Wandlungen nur zufrieden sein. Sehr günstig ist eö zunächst, daß fich Fortschrittler und Linksliberale in das Korps der „Freisinnigen" zu- sammengeschlosien und offen bekannt haben, daß sie alles das nicht wollen, waS der Reichskanzler als Vertreter der Wirtschafte- und Sozialpolitik will. Der Kreis der Leute, welche noch niemanden gesagt haben, waS sie eigentlich schaffen wollen, die nur alles bekämpfen, was die Konservativen beabsichtigen, ist damit geschloffen und auch vom Bolle erkannt. Unser Volk will in seiner großen Mehrzahl den Schutzzoll, die indirekten Steuern, den Schutz für die weniger Wohlhabenden und die Arbeiter — da» alle« wollen die „Freisinnigen" nicht und darum ist eS gut, daß die Sache jetzt mit der neuen Partei klargestellt ist. Run hat stch in den letzten Jahren die Erkenntnis dieser Dinge immer mehr auSgebreitet und man hat stch immer mehr uns in weiten Kreisen den Männern angeschlvffen, welche stch der Verlretung dieser Richtung in unseren Parlamenten gewidmet haben. Die neue Parteibildung hat aber auch den großen Vorteil gehabt, daß diejenigen Liberalen, welche seither mit den Freisinnigen Hand in Hand gingen, zur
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, fetoicb. Annoncen-Bmeaux JSgersche Buchhandlung in Frankfurt!». M; Hermann» scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barst u. Co. in Halle; W. ThieneS in Elberfeld,
EickenntniS gekommen sind und die Richtigkeit der konservativen Forderungen und Anstchten einsehen. Die Führer der Rationalliberalen erkennen neuerdings, daß der letzte Wähler ihnen abhanden kommt, wenn sie ferner mit jenen Männern der Verneinung Hand in Hand gingen und darum haben sie in Reden und Wahlschriften angefangen, sich im wesentlichen zu den Grundsätzen zu bekennen, welche wir Konservativen seither vertreten haben. Wir hoffen, daß sie damit recht viele, die seither noch meinten, zu einem „freisinnigen" Führer schwören zu müssen, von der Notwendigkeit überzeugen, diesen Standpunkt aufzugeben und mit frischem Mute für die Wirtschaftspolitik deS Reichskanzlers einzutreten. Wenn das in erheblichem Maße gelingt, so ist das eine Frucht der konservativen Arbeit, wie ste erwünschter nicht hervorgebracht werden kann.
Allerdings aber kann und darf es nicht bei diesen gehaltenen Reden sein Bewenden haben. Wenn die nationalliberale Vertretung in den Parlamenten in jeder Frage mit den Freistnnigen geht, wenn ste statt einer kräftigen Realpolitik sich der nörgelnden Kritik einer bloßen Theorie hin- giebt — dann kann unS das so wenig helfen, als die frühere nationalliberale Aera.
Wenn eS nur schöne Redensarten sind, um seither beseitigte Führer wieder in die Parlamente zu bringen, wenn man ruft: „So geht eS nicht mehrI" bloß um einige Konservative au« ihren Sitzen zu drängen, dann ist die ganze Bewegung ein resultatloser Lärm — will man aber offen und ehrlich für die großen Ziele unseres Volke« eintreten, so können wir nur hoffen, daß der konservative Gedanke stch ein neue« Feld erobert.
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Reichstag.
Berlin, den 30. April.
20. Plenarsitzung. Zur Beratung gelangt zunächst der von den Abgg. Dr. Phillips-Lenzmann eingebrachte Gesetzentwurf, betreffend die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungs- und Strafhaft. Abg. Phillips rechtfertigt seinen Antrag, indem er vorauSschickt, daß er sich mit den Prinzipienfragen heute nicht weiter beschäftigen wolle, weil dieselben schon in der vorjährigen Kommission erschöpfend erörtert worden. Er wolle nur die neuesten Vorgänge auf diesem Gebiete einer Besprechung unterziehen. Die der Kommisston vorgelegte Nachweisung derjenigen Fälle, in welchen seit dem 1 Oktober 1879 nach voraufgegangener Verurteilung nachträglich Freisprechungen erfolgt (den, sei zwar nicht ganz vollständig; daS einfache Fazit derselben sei aber erschreckend genug, ste laste den Schluß zu, daß nicht eine einzige Woche vorübergehe, in der nicht eine unschuldige Verurteilung erfolgte. DaS Bild, daS in dieser Statistik entrollt werde, sei ein derartige«, daß Abhilfe geschaffen werden müsse, mehr noch durch Maßregeln
Nach Einigen soll der Name de« Berge« von einem, hierorts wohl unbekannten Heiligen, namens Dinu« oder auch Dino herrühren, ohne daß man jedoch eine deSfallstge besondere Beziehung dieses vermeintlichen Heiligen zu dem Berge angegeben findet.
Andere wollen den Namen de« Berge» von Dionystu», dem angeblichen Schutzheiligen Frankreichs, herleiten, weil wahrscheinlich einmal in der Nähe de« Berge« ein dem gedachten Dionystu«, dem Lobpreiser und Verherrliche deS Mönchtums, geweihtes Kloster gestanden, daS seinen vielen Holzbedarf au« den Wäldern de« Berge« bezogm habe. Ein solche« Kloster hat sich j-doch bi« jetzt nicht nachweisen lasten 1
Nach einer anderen Ansicht soll der Name de« Berge« daher entstanden sein, well au« seiner starken Bewaldung häufig Dünste emporstiegen, welche den Bewohnern der Umgegmd al« Wetterverkünder dienten. Man wird hier an den, bei Luzern in der Schweiz liegenden hohen Berg Pilatu« erinnert, besten höchste Spitzen öfter« durch Nebel bedeckt sind und deshalb zu folgendem Berschen Veranlastung gegeben haben:
Hat der PilatuS einen Hut, so wird das Wetter gut, Hat et einen Strich, wie einen Degen, so gwt eS Jiegen.
Qb die« mehr oder weniger auch von dem DienSberge angenommen werden kann, lasten wir dahin gestellt.
Indem wir alle diese NamenSerklärungen durchaus für unzutreffend halten, gehen wir nunmehr zu andern, mehr zu beachtenden über.
Nach I. Grimm ist der Name unseres Berge» von dem uralten Worte „Dun“ herzuleiten, welches Berg bedeutet. Wir bemerken hierzu: Wenn auch diese» alte keltische Wort unter andern auch die angegebene Bedmtung hat, so kommt hier doch in Betracht, daß untet^)un“ nur niedrige Berge,
zur Beseitigung deS UebelstandeS al» durch die Zuwendung von Entschädigungen.
Abg. Kayser führt aus, daß unschuldige Verurteilungen unter allen Rechtsformen vorkommen und er behaupte, daß auch heute noch eine Menge von unschuldig Verurteilten in den Gefängniffen schmachten. Er führt diese Verurteilungen auf den Dünkel und Hochmut unsere» Richterstandes — für welche Aeußerung er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen wird — und auf die schablonenmäßigen ResumsS der Vorsitzenden der Schwurgerichte zurück. Ueber- haupt sei unser Rtchterstand mehr und mehr im Niedergange begriffen, hervorgerusen durch die zahlreichen politischen Prozesse, welche sich alljährlich in Deutschland abspielen. Der Antrag selbst geht dem Redner nicht wett genug, man müßte nicht bloS der Staatskasse die Ent- schädigungSpflicht auferlegen, sondern den Richter persönlich haftbar machen. Er exemplifiziert auf mehrere Beispiele au« der sächsischen Justizpflege, in denen angeblich Mißgriffe vorgekommen 'sein sollen und behauptet, daß die Untersuchungshaft in einzelnen Fällen mit Rücksicht auf die Wahlzeit beschlossen worden. Eine vollständige Reform unserer Rechtspflege sei unerläßlich.
Sächsischer Bundesbevollmächtigter, Geheimer Rat Held erwidert zunächst dem Vorredner, daß die von ihm in bezug auf die sächsische richterliche Praxis ausgestellten Behauptungen vielleicht Musik in den Ohren seiner Gesinnungsgenossen sein möge, doch wolle er auf dieselben vorläufig nicht eingehen, denn über Musik lasse sich nicht streiten. Dagegen stellte der Herr Bevollmächtigte den Verlauf deS Falles Müller richtig, auf welchen der Abg. Phillips bezug genommen hatte.
Abg. Dr. Hartmann erklärt stch für kommissarische Beratung deS Anträge«. Derselbe bedürfe einer eingehenden Erörterung, zumal er weit hinausgehe über die vorjährigen Kommissionsbeschlüsse. Die Fälle unschuldiger Verurteilungen, auf welche Vorredner bezug genommen, ließen stch nicht kontrolieren, aber wa« die Angriffe auf die Integrität des sächsischen Richterstandes anlange, so müsse er dieselben als unbegründet zurückweisen.
Bundeskommissar, Geh. Rat v. Lenthe macht gegenüber den statistischen Zahlen deS Antragstellers darauf aufmerksam, daß unter den in der bezeichneten Nachweisung aufgeführten 258 Fällen, in denen nach Wiederaufnahme deS Verfahrens Freisprechungen früher verurteilter Personen erfolgt sind, auch diejenigen enthalten seien, in denen die Schuld nicht als erwiesen angenommen wurde. Ferner seien darin diejenigen Fälle enthalten, die in Abwesenheit der Angeklagten verhandelt worden. Die Zahl der unschuldig Verurteilten werde danach sehr bedeutend herabgemindert, dieselbe sei also keineswegs so erschreckend, wie der Abg. Philipps angenommen habe.
Hügel, zu verstehen sind, wie die» zuweilen die Sandhügel in der Nähe des MeereSstrandeS sind und die deshalb auch Dünen genannt werden. Es würde nach I. Grimm der Name unseres Berges nur „Berg" bedeuten und eS wäre überflüssig, diesem Worte nochmals die Silbe „berg" zuzufügen. Der Berg hätte dann nur „Dün" heißen müssen. Hiervon auch abgesehen, kommt noch in Betracht, daß unser Berg im Vergleich mit den in seiner Nähe liegenden Bergen bet weitem der höchste «stund weithin als hervorragender Punkt die dortige Gegend beherrscht, demnach aber durchaus nicht als eine niedrige Erhöhung, ein Hügel, gleich einer Düne aufgefaßt werden kann. —
Der Verfasser einer Abhandlung über den Büdinger Wald, der frühere Professor Dr. W i p p e r m a n n zu Gießen, hat, gestützt auf eine deshalbige frühere Ausführung Knapps im Archiv für hessische Geschichte rc. die Ansicht zur Geltung zu bringen gesucht, daß der Name „Diensberg" auSDing«- berg entstanden, da dieser Berg Ringwälle habe und solche die heiligen Haine der alten Germanen umgeben hätten, in diesen Hainen aber die Volks- und GertchtSversammlungen abgehalten worden seien. Hiergegen ist einzuwenden: DingS- berg bedeutet allerdings einen Ort, auf welchem die alten Deutschen Gerichtsversammlungen abhielten. Einen solchen DingSberg findet man jetzt noch am Fuße deS Berge« Altkönig am TaunuSgebirge, während jedoch dieser Berg selbst erst unter seinem Gipfel einen doppelten, au« großen Felsstücken zusammengesetzten starken Ringwall hat. Ebenso hat unser Diensberg an seinem Fuße einen besonderen DingSberg, der hier den Namen Weddeberg führt, wo dem Richter gewissermaßen über die Strafe und Buße deS Ange-
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Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.
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