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Marburg, Sonntag, 27. April 1884.

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finnigen* Blätter, gelangten Ergebnis brauchssteuern für führen will, daß

welcher aus dem soeben zum Abschluß der Einnahmen aus Zöllen und Ver- daS Etatsjahr 1883/84 den Nachweis die neue Wirtschaftepolitik* für dieses

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Das Stiftsfräulein.

Historische Novelle von F. Stöcker t.

Nicht ohne innere Genugthunng bemerkte der Baron ein leichtes Erblassen der Prinzessin, als er Gertrud diese Mitteilungen machte und es schmeichelte seiner Eitelkeit »ngcmein, daß sie eS nicht gleichgültig mit anzuhören Der«

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lunn.

Die Reichseiuuahmeu und die Wirtschass-oltttk.

Die Versuche der Freihändler und Freisinnler, der neuen Wirtschaftspolitik etwas am Zeuge zu flicken, werden obwohl über die letztere schon längst die Akten in der öffentlichen Meinung geschlosien sind mit unermüdlichem Eifer, aber auch mit merkwürdigem Ungeschick fortgesetzt.

Gegenwärtig geht ein Aufsatz durch die sog.fret-

Jahrein wenig erfreuliches Resultat* gehabt habe und ein ebenso wenig erfreuliches Resultatin Aussicht stelle*. G folgert wird dies aus den Thatsachen, daß die Zölle um etwa eine halbe Million Mark gegen den Etatsanschlag zurückgeblieben sind, daß die Tabaksteuer hinter der vor- jihrigcn Einnahme um etwa 3Va Millionen Mark und hinter dem Voranschlag um fast 7 Millionen Mark im Rückstände ist, daß die Rübe, steuer 8V2 Millionen Mark weniger als im Jahre 1882/83, und 672 Million weniger, a!S für das Jahr 1883/84 im Etat veranschlagt war, er­geben hat und daß auch bei der Branntweinsteuer stch ein Minderergebnis von fast 2 Mill. Mark gegen das Vorjahr uns Den fast IV2 Millionen Mark gegen den Voranschlag herausgestellt hat.

Die Thatsachen sind allerdings richtig, nicht aber die Schluß olgerungen. Denn diese Ziffern beweisen nichts zu «ngunsten, andere weiter unten angeführte Ziffern aber für jeden Einsichtigen sehr viel zu gunsten der neuen Wirtschaftspolitik. Zweck der letzteren war e», durch Er- hihung der Eingangsabgaben die finanziellen Erträgrriffe des Reichs zu vermehren, anderseits durch Einführung von

Schutzzöllen die nationale Produktion zu schützen und zu stärken und durch diese beiden Mittel den Gesamtwohlstand deS Volk» zu heben, leistungs- und konsumtionSfähiger zu machen.

Aus den angeführten Zahlen läßt sich nun aber keines­wegs das Gegenteil beweisen. Ein teilweiser Rückgang der Zolleinnahmen an sich ist jedenfalls kein Beweis für einen Rückgang der wirtschaftlichen Thätigkeit und des Wohlstandes, sondern kann unter Umständen dafür sprechen, daß daS Inland durch eigene Produkte und Fabrikate seinen Bedarf bester, als in einem Jahre mit höheren Zolleinnahmen ge­deckt hat. Thatsächlich aber sei bemerkt, daß der erwähnte Rückgang nur auf die im vorigen Jahre durch die erwähnten Handelsverträge mit Italien und Spanien herbeigeführten Zollermäßigungen zurückzuführen ist; im übrigen haben die Zölle der Reichskaste auch im Jahre 1883/84 die erwünschten Mehrerträge gebracht und damit auch den einen Zweck der Wirtschaftspolitik erfüllt, indem sie stch gegen das Vorjahr um 2 Millionen Mark entsprechend dem Wachstum der Bevölkerung erhöht haben.

Was ferner den Rückgang der Tabakssteuer anbetrifft, so ist dieser ebensowenig daS Zeichen einer Verminderung der Konsumtionsfähigkeit; derselbe ist vielmehr aus der Thatsache zu erklären, daß der TabakSbau, nachdem in den letzten Jahren trotz Erhöhung der Steuer bei guten Ernten eine große Überproduktion und Herabminderung der Preise stattgefunden, erheblich eingeschränkt worden ist, wie dies aus einer jüngst veröffentlichten Statistik des statistischen Amtes hervorgeht. Damit ist aber der Konsum an Tabak an stch nicht zurückgegangen.

Die Branntwein- und Rübensteuer endlich sind ihrer­seits wesentlich von dem Ausfall der Ernten, von der FabrikationStechnik, von dem Verhältnis zwischen Roh­material und Fabrikat, und von dem Verhältnis zwischen Steuer und Ansführvergütung bedingt. Gerade von der Rübenindustrie wiffen wir, daß sie in außerordentlicher Blüte steht. Ein Rückgang in der Rübensteuer beweist nicht den Niedergang der Industrie, sondern nur einen Mangel in der Art der Besteuerung, den zu beseitigen, wie man weiß, in der Absicht liegt.

Die gedachten Ziffern lassen stch also nicht als ein Zeugnis für einen Rückgang ter wirtschaftlichen Lage ver­werten. Wohl aber beweisen die höheren Erträge ans der Brausteuer, der Wechselstempelsteuer und den Reichsstempel­abgaben das Gegenteil. Die Brausteuer weist eine Stei­gerung von fast einer Million gegen daS Vorjahr und von über I1/2 Million gegen den Voranschlag; die Wechsel­stempelsteuer hat sich um 109000 Mk., die Reichsstempel­abgabe auf Wertpapiere um mehr als 2 Millionen Mark vermehrt; auch der Spielkartenstempel hatte im Jahre 1883/84 20000 Mk. Mehrertrag gegenüber dem Vorjahr. Diese Abgaben sind als direkte Gradmeffer der Konsum-

Herrschaften aus Deffau stch darauf ergötzten. Um 11 Uhr begab stch der Hof ans Deffau nebst Gefolge nach dem Elbeufer. Der Chronist Beckmann schildert die Festlich­keiten der Brückeneinweihung folgendermaßen:

ES erhoben stch nehmlich S. Hochfürstl. Durchlaucht Fürst Johann Georg II. gemelveten Tage« gegen 11 Uhr zu Mittag auS dero Residenz Dessau in Begleitung Ihrer beiderseits Hoheiten der Frau Hertzogin Maria zu Simmern und Fürstin Albertine zu Nassau, nebst dero Prinzessin Tochter Amalia, der Fran Hertzogin Charlotte zu Schleswig- Holstein, Fr. Aebtisfin El. Albertine zu Herford, dem Durch!. Prinzen Leopoldo, Prinzeß Amalia Maria Eleonora, Prin- zesstn Agne«, auch beider Herren Gebrüder Grafen von Dobna und vielen andern fremden Cavalieren und dero eigenen Räthen und Dienern. Und als sie über die ob­gedachte Mild-Brücke passiert und ben an beiden Seiten mit lustigen Obst Bäumen besetzten Elbdamm zu Ende ge­fahren, erblickten sie bereits die von Zerbst angelangte und auf jener Seite der Elbe auf der Höhe haltende, des Tage« zuvor aber durch Absendung eines Kammer-JunkerS einge­ladene Fürst!. Herrschaft. Welche zu compllmentieren und noch mahls herüber zu laden schickten S. Hoch-FürsU. Dnrchl. dero Landeshauptmann nebst dem Kanzler und dero Kammerrath und Jägermeister hinüber auf bereu noch mahlige abgelegte Jnvttiernng S. Hoch-Fürstl. Durchlaucht Fürst Karl Wilhelm zu Anhalt nebst dero Frau Gemahlln Herren Brüder, Printz Anton Günthern und Johann Adolphen auch Prinzessin Schwester in Gesellschaft Herrn HertzogS Heinrich zu Sachsen, Dom-Propste» zu Magde­burg, Hochwürd. in der neuen Gierbrücke sich herüber begaben.

(Fortsetzung folgt.)

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von dem Fürsten und seinem Vater in fortwährender Thätigkeit gehalten. Unzählige Aufträge, die alle daS Arrangement de« morgenden Festes, die Brückeneinweihung, betrafen, wurden ihm zu teil. Da waren Zelte zu errichten, Tafeln aufzuschlaqen draußen am Elbufer; auch die Brücke mußte zu ihrem Weihetage geschmückt werden mit Guirlanden von grünem Laub. Der Fürst schien jetzt erst die Entdeckung gemacht zu haben, daß Junker Georg von Wülknitz stch zu solchen Dingen vortrefflich eigne. Der ehrliche Junker war denn auch unermüdlich, alle Aufträge deS Fürsten gewissen­haft auszurichten. Er ritt fröhlich hin und her, nagelte eigenhändig die Guirlanden an den Brückeripfosten fest und hoffte alle« Glück und Heil von dem nächsten Tage. Spät am Abend, al« er ganz erschöpft von seiner Thätigkeit noch einmal zu dem Fürsten befohlen wurde, da war eS ihm endlich vergönnt, Gertrude von weitem zu schauen und al« ihre sehnenden Blicke stch begegneten, zog er eilends seinen Tabaksbeutel heraus und drückte ihn mit vielsagenver Geberde an sein Herz. Gertrud aber war sehr betroffen, was für ein mißfarbenes, unansehnliches, verblichenes Ding aus dem, in den strahlendsten Farben aus ihren Händen hervorge- gangenen Kunstwerk geworden. Dem Fürsten war dieser Vorgang nicht entgangen, trotzdem er mit seiner Tochter, der Aebtisstn, in einer ziemlich ernsten Unterhaltung be­griffen war. Er lächelte belustigt vor sich hin, als er den ihm wohlbekannten Tabaksbeutel erblickte und die holde Gertrude jo betroffen und fast zornig dreinschaute. Am andern Tage war schon in aller Früh halb Dessau ans den Beinen und wallfahrtcte nach dem Elbeufer, um zunächst den von Georg von Wülknitz mit großer Gewissenhaftigkeit, aber nicht allzu großem Geschmack arrangierten Festplatz in Augenschein zu nehmen, ehe die fürstlichm und adligen

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0'vchte, !vle er sich einer andern Schönen zugewendet. Ahnte iie Aebllfstn seine Gedanken? Sie richtete stch plötzlich knjengcrade in die Höhe und wünschte dem Baron mit loljcr Miene viel Glück zu seinen Bewerbungen. Dabei "bei legte es sich wie Eiseskälte auf das junge Antlitz und «iS sie nun die Heimat erreicht und die Equipage durch die Thore von Dessau fuhren, wo die Bewohner der Residenz 8)r Fürstenkind mit Hellem Jubel begrüßten, da fand man Egemetn, daß die Prinzessin sehr ernst und kalt geworden.

Sie sieht auS, als hätte sie daS Lachen verlernt*, sagte alte Hvfprediger Magister Johann Brandl und sah fast ^uüg in oaS ernste Antlitz seines Beichtkindes, das einst das Lachen so gut ve standen, fast so gut wie Gertrude Jon Wülknitz, deren strahlendes Gesicht einen eigenen Kontrast *°t, dem blassen, traurigen der Prinzessin gegenüber I Sie We und nickte fröhlich von ihrem hohen Kutschensitz Drunter und freute sich über jedes bekannte Gesicht. Als 8e aber unter der Menschenmenge Georg von Wülknitz jntteckte, der hochrot vor Aufregung, sich vergeben» Bahn Arch dieselbe zu brechen bemühte, da kannte ihr Jubel keine wkenzen mehr. Am liebsten wäre sie au« dem Wagen ge- Iprungen uns hätte ihn vor Aller Augen umarmt. Mit i- 1Umarmen sollte es jedoch noch lange Wege haben, eS al« üb sich alle Welt verschworen hätte, die Liebenden INN von einander zu haften. Georg von Wülknitz wurde

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Die Beratung wird bei § 33 fortgesetzt, wo sie bekanntlich wegen Beschlußunfähigkeit deS Hauses kürzlich unterbrochen werden mußte

Ohne Debatte wird der § 33 mit einigen Aenderungen nach der Kommissionsfaffung angenommen.

Zu § 34 deS Kommissionsbeschlusses beantragt Abg. Freiherr Hammerstein (d.-kons.) folgenden Zusatz:

Die Leiter von Generalversammlungen, sowie von Mit- gliebertierlammlungen (§ 19b, § 21 Ibf. 2 und 3) werden mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark bestraft, wenn sie in der Generalversammlung oder in der Mitgliederversamm­lung Erörterungen über öffentliche Angelegenheiten, welche mit der Organisation oder Verwaltung der Kasse nicht in unmittelbarem Zusammen­hänge stehen, zulassen oder nicht verhindern, wenn deren Erörterung unter die Landesgesetze über das Verein«, und Versammlungsrecht fällt.*

In der sich hieran schließenden Debatte erklären sich die Sbf*

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen- Bureaux Jägersche Buchhandlung in Franksurtfa. M; Hermann» sch,Buchhandluna daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. ThieneS in Elberfeld.

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tionSsähigkelt und des steigenden Wohlstandes de« Volke« zu bezeichnen.

Wenn die Mehreinnahmen jene Ausfälle nicht decken, so ist das zwar für die Reichskasse nicht erfreulich, aber dieses finanzielle Resultat weist nicht auf mangelhafte wirt­schaftliche Leistungsfähigkeit des Volkes noch weniger auf ein schlechte« Ergebnis der Wirtschaftspolitik hin.

Retchrtaz.

Berlin, den 26. April.

18. Plenarsitzung. Haus und Tribünen sind gut besetzt. Am Bundesratstische: Staatsminister von Bötticher, KriegS» minister Bronsart v. Schellendorff, Minister v. Schol, und mehrere Bundeskommiffarien-

Präsident v Levetzow eröffnet die Sitzung um 2V, Uhr.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung de« Gesetzentwurfs, betr. die Fürsorge für die Witwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und der Kaisers. Marine.

Abg- vr. Meyer-Jena (nat-lib.) bedauert, daß die Kom- nnssionsbeschlüffe der vorjährigen Beratung in der Vorlage unbe­rücksichtigt geblieben seien, und beantragt die Ueberweisung des Gesetzentwurfs zur Vorberatung an dieselbe Kommission, welche mit der Vorberatung des Militärpensionsgesetzes betraut ist.

Kriegsminister Bronsart von Schellendorff tritt der Anschauung entgegen, als habe die Regierung mit der Richtberück- sichtigung der vorjährigen Kommissionsbeschlüffe den Reichstag verletzen wollen. Die Regierung habe eS vielmehr für ihre Pflicht gehalten, die rückwirkende Pflicht des Gesetzes ohne einen Plena» beschluß nicht in die Vorlage auszunehmen.

Abg. Richter-Hagen (d.-freis.) behauptet diesen Ausfüh- rungen gegenüber, daß nicht einmal geringe redaktionelle Aende­rungen in der diesjährigen Vorlage Aufnahme gefunden, während die Abgg. vr. Windthorst (Zentr.), v. Koeller (d.-kons.) und Frhr. v. Manteuffel (d.-kons.) gerade in dem Umstande, daß die verbündeten Regierungen nicht ohne einen Plenarbeschluß deS Reichstags vorgehen wollten, eine Rücksicht auf das hohe Hau» erblickten

Darauf wird die Vorlage, entsprechend dem Anträge Meyer- Jena, an die erwähnte Kommission zur Vorberatung überwiesen.

Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetz- entwurfs, betr. die Abänderung deS Gesetzes vom 7. April 1876 über die eingeschriebenen Hilsskaffen, auf Grund des Berichts der VII. Kommission.