Marburg, Freitag, 18. April 1884.
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r« ,u längerem Aufenthalt nach Petersburg begiebt. Nach- -- mittags machte der Kaiser abermals eine Ausfahrt. — Der
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Das Stiftsfräuleiu.
Historische Novelle von F. Stöckert.
Verlt«, 16. April. Dem Kaiser ist die Ausfahrt, «Me er gestern nachmittag in einem geschloffenen Wagen «achte recht gut bekommen. Der Kaiser empfing vor- mittaas eine Deputation deS ostpreußtschen Grenadierregi- ments Nr. 3,. welche sich abends nach Wien begiebt, um " Erzherzoge Albrecht die Glückwünsche deS Regiments in dem 25jährigen Jubiläum als Chef deS Regiments dar- lubringen. Hierauf arbeitete Se. Majestät mit dem Chef des Zivilkabinetts und empfing sovann den Herzog sodann Albrecht von Mecklenburg - Schwerin, welcher fich
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In Georgs Augen blitzte eS zornig auf, als er sein gelebtes BäSchen in solcher Trostlofigkeit vor sich stehen sah. .Der alte Drache', murmelte er sehr unehrerbtetig und meinte damit Gertruds Tante. „Hätte ich es nur vorhin gewußt, ich hätte ihr bei Gott die Suppe in die Perrücke SegefsenI'
.Wird denn die Prinzessin auch gezwungen? Sie ist doch jung unv lebenslustig wie Du! Sie hat echte« Fürsten- blut in den Adern und läßt sich keinen Streich spielen von ihrem H?rzen, das, wenn e« nicht eben ein Prinzesstnherz, !° gut wie ein arme« schwaches Ding von Herzen der Liebe bestallen wäre.'
Ich will es Dir anvrrtrauen, Georg', fügte sie leiser hinzu; „Sie flüchtet in die Einsamkeit des Stift«, der Liebe i» entfliehen l'
Georg ritz die Augen weit auf. „Wen liebt sie denn? Aich rych nicht etwa?' *
Jetzt flog es doch wie ein verlorene« Lächeln über Gertruds trauriges Antlitz. „Nein, Dich nicht, Georg, Du bist ja für mich schön und gut genug, aber nimm es «it nicht übel, eine Prinzessin hat einen feineren Geschmack. Tieh dort den schlanken eleganten Franzosen, der erst vor kurzem an den Hof gekommm, der ist eS l O, der weiß die $otte so fein und so gewandt zu setzm und seine Augen stnd so feurig! Dazu der reiche, geschmackvolle Anzug I
„Er ist aber doch nur ein fader Geck und hat gar kitte Waden', sagte Georg geringschätzig und blickte wohlgefällig auf seine strammen Beine herunter.
„Aber Geist hat er, oder esprit, wir e« dir Franzosen
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Reichsanzeiger" meldet: Die Kaiserin leidet seit einigen Tagen an einem ErkältungSzustande, welcher normal verläuft, jedoch große Schonung auferlegt. — E« heißt, die Abreise des Kaisers nach Wiesbaden werde am Sonntag Abend erfolgen. — Die „Germania' schreibt: „Die Nachricht von cer Resignation er» Herrn Kardinal-Erzbischof» LecochowSki kommt gerade am zehnten Jahrestage des Urteil« lu,_be< kirchlichen Gerichtshofes, welcher ihn seine« Amte« für aaen e verlustig erklären wollte. Am 15. April 1874 wurde diese« " Urteil gefällt, welche« dir Erzviözese Gnesen - Posen der
SffiMiichen und regelmäßigen bischöflichen Verwaltung beraubte. Die Kirche hat ein schwere« Opfer bringen müffen, um die Wirkungen de« anerkanntermaßen ihr zugefügten Unrechts für die Erzdiözese Gnesen-Posen wieder aufzuheben. Wird nun der Staat wenigstens für die Erzdiözese Köln jeinersetts das Mittel anwenden, welche« der BischofSpara- graph des Ultimo-Gesetze« ihm in die Hand gtebt? Wir kennen die landesvälerlichen Gesinnungen Sr. Majestät zu gut, um nicht zu wiffen, daß die Erfüllung diese« Wunsche« ______nur durch Entschlüsse deS Ministeriums bisher verzögert sin bräß morden ist. Die Regierung hat die Vollmachten de« Juli- zcfktzes erlöschen lassen, ohne für rechtzeitige Verlängerung derselben zu sorgen. So ist denn auch die Vollmacht zur Dispens von dem gesetzlich geforderten, aber zur Zeit kirchlich unzuläffigen G-horsamSeide der BiStumSverwefer jetzt nicht mehr in Kraft. Bestände diese Vollmacht noch, so könnten die Domkapitel von Gnesen und Posen jetzt sofort einen staatlich anerkannten Verweser einsetzen, der die Anstellungen aus Grund deS letzten NotgesetzeS, soweit die Ne DiSpenSpraxiS deS Kultusministers die spärlichen Stätte zügel assen hat, alsbald vornehmen könnte. Jetzt aber mutz diese für die vorläufige Hebung eine« Teil« der geistlichen Not wichtige Maßregel hinauSgejchoben bleiben, bis die Gesetzgebung ein neues kirchenpolitische» Gesetz vereinbart hat oder bi» die Ernennung eines neuen Erzbischof« erfolgt ist." Letztere wird der heilige Stuhl gewiß^bewirken können, falls er e« ersprießlich findet. — Gegenüber dem Dementi des „Kuryer PoznanSki" (f. unten Pofen) bezüg-
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lich de» Verzichts de» Grafen LedochowSki auf das Erzbistum Posen sagt die „Germania", die Nachricht über den Verzicht stamme au» so zuverlässiger Quelle, daß sie (die „Germania") da» Dementi de» „Kuryer PoznanSki" nicht verstehe. — Die „Nordd. Allg. Ztg.", indem sie die Angaben der ultramontanrn Blätter über die Zahl der nicht dispensierten Geistlichen nochmals richtigstellt, weist den Versuch der „Germania" zurück, in dieser Sache den Kultusminister von der Staatsregierung und dem Träger der Krone zu trennen. Nach der Kirchengesetz Novelle seien die Grundsätze für die DiSPenSerteilung vom Staatsministerium mit der königlichen Genehmigung festzusetzen. Der Kultus-. Minister habe nur auSzuführen, was das Ministerium festgestellt und der König genehmigt habe. — Bezüglich der Resolution des rheinischen Katholikentags zu Köln sagt die „Nordd. Allg. Ztg.": Wenn der Katholikentag die Rückkehr deS Status quo ante 1840 wünsche, so werde daS bei der Regierung auf keinen Widerstand stoßen. Die Regierung sei zu einer solchen Rückkehr gerne bereit, nur die Kurie habe sich dazu stets ablehnend verhalten. — In bezug auf die „amtliche Berichtigung", welche der Reichskanzler der „Germania" zugehen ließ, schreibt der römische Korrespondent der „Germania" folgendes: „Ich bestätige nochmals, daß Herr Depretis am Tage vor dem Geburtsfeste deS Kaisers, also am 21. März, zum Botschafter v. Keudell gefahren ist. Am selben Abend ging von der deutschen Botschaft angehörigen Diplomaten daS Gerücht auS, welches ich Ihnen mitteilte. ES hieß, daß Depretis zu den von mir mitgeteilten AuSlaffungen noch hinzugefügt habe, die Verhängung des angedrohten Belagerungszustandes in Triest würde die Macht der Jrre- denta noch erhöhen und Italiens innere Lage erschweren. Das amtliche Dementi wirkte hier überraschend, weil man allerseits von der Unterredung überzeugt war." — Gerüchtweise verlautet, daß ein bekannter deutscher Afrikaretsender, e« wird Herr Dr. Nachtigall genannt, im Auftrage der Reichsregierung nach Westafrika entsandt werden solle, nicht sowohl wegen der Congofrage, als m t Rücksicht auf den etwaigen Schutz der deutschen Jntereffen an der westafrikanischen Küste im allgemeinen durch später zu errichtende Konsulate oder in anderem Wege. ES hieß sogar schon, aber ebenfalls in unverbürgter Weise, Dr. Nachtigall werde sich von Tunis nach Liffabon begeben und dort ein für ihn bestimmtes Schiff erwarten. Doch bedarf daS alles näherer Feststellung. ES würde sich dabei, wie die „Ä- Ztg." zu dieser Mitteilung bemerkt, nur um den erwähnten Schutz deutscher Interessen und die entsprechenden Berichte, nicht etwa um Kvlonialzwecke handeln. Aus dem portugiesischen sogenannten amtlichen Weißen Buch über die Congofrage geht hervor, daß Deutschland der Kolonialfrage fern bleiben und in den Streit zwischen England und Portugal nicht eingreifen wollte. — Der „ReichSanz."
nennen, und das ist in den Augen einer Prinzessin mehr wert als Aeußerlichkeiten."
Unter diesem Gespräch hatte sich daS junge Paar wieder langsam dem Festplatz genähert und sah sich jetzt umringt von mehreren Damm und Kavalieren deS Hofes.
„Fräulein Gertrud wird e» wiffen", tönte da des Fürsten Stimme schalkhaft an da« Ohr der jungen Dame und ließ diese betroffen aufschauen.
„Was soll ich wiffen, Durchlaucht?" fragte ste ver- wundert.
„Wann die Elbbrücke zerstört ist, holdes Kind."
„Die Elbbrücke? Durchlaucht, da« weiß ich nicht, da« habe ich noch nicht erlebt!"
„Nun, da hört doch alle« auf!" tief der Fürst. „Ein Deffauer Kind und weiß nicht, wann die Elbbrücke zerstört ist. Komm einmal her, Leopold, und sage dem Fräulein, daß die Elbbrücke am 10. Mat 1631 von den Kaiserlichen durch den Hauptmann Ntedrun in Brand gesetzt und zerstört wurde.'
Der Erbprinz Leopold stellte fich gravitätisch vor Gertrude hin und wiederholte mit großem Patho» die Worte seines Vater«, und wohl ahnend, daß daS Fräulein blamiert worden, fügte er aus eigener Machtvollkommenheit ein sehr despektierliches Etsch hinzu. Ein leiseS Kichern entstand; Georg v. Wülknitz aber ballte ingrimmig die Faust und hätte den kleinen naseweisen Prinzen am liebsten geohrfeigt.
„Merken Sie sich da«, mein Fräulein", nahm der Fürst jetzt wieder das Wort. „In der Einsamkeit deS Stift« zu Herford, denke ich, werden Sie Zeit und Muße haben, die großen Lücken Ihres WiffenS auszufüllen. Ich aber, Fürst Johann Georg, werce die Elbbrücke wieder aufbauen und damit meinem geliebten Lande Anhalt einen neuen Handels«
meldet: Unter 52 Preisbewerbungen für die Bebauung der MufeumSinfel erhielten Preise von 5000 Mark vier Entwürfe und zwar die von Alfred Hauschtld in Dresden, Fritz Wolff in Berlin, Edgar Giesenberg in Berlin, sowie der von Profeffor Raschdorf und Baumeister Raschdors in Berlin. Außerdem wurden, dem Vorschläge de« Preisgerichts entsprechend, sechs andere Entwürfe angekauft.
Pose«, 16. April. Der „Kuryer PoznanSky" wider-, spricht nach einer ihm aus Rom zugegangenen Meldung der Nachricht der „Schles. Volks-Ztg." von der Resignation deS Grafen LedochowSki.
Leipzig, 14. April. Der Maurer- und Zimmerer- strlke befindet sich noch auf dem alten Platze; neu ist nur die Erklärung der Strikenden, unter keinerlei Umständen die Arbeit wieder aufzunehmen, dafern die Meister auf ihrem Willen beharren. Letztere dagegen haben jetzt eine Erklärung erlassen, daß sie weiter, als zur Erhöhung deS Lohnes auf 30 Pfg. per Stunde (den bisher nur befonderS tüchtige Gesellen bezogen) nicht geben würden. Die Hoffnung der Strikenden, den von ihnen allerdings befürchteten Zuzug von auswärts durch Posten an den Bahnhöfen u. f. w. abzuhalten oder für ihre Sache zu gewinnen, dürste zufolge dem „Dr. I." eine fehr zweifelhafte fein, da die Behörde den Aufstchtsorganen die strenge Handhabung des $ 153 der Reichsgewerbeordnung zur Pflicht macht.
Karlsruhe, 15. April. Hinsichtlich der Besteuerung der Konsumvereine findet in Baden gegenwärtig eine ziemlich lebhafte Agitation statt. Es handelt sich darum, auch denjenigen Teil deS Betriebes der Besteuerung zu unterwerfen, welcher lediglich den Absatz an die Vereinsmitglieder umfaßt; der Betrieb mit Vereinskunden, welche nicht zugleich Vereinsmitglieder sind, ist von der Erwerbssteuer bereits betroffen. — Bel uns in Preußen sperren sich die Konsumvereine bekanntlich selbst in letzterer Beziehung gegen die Heranziehung zur Steuer.
Stuttgart, 15. April. Mit besonderer Ausführlichkeit und Gründlichkeit hat die volkswirtschaftliche Kommtsfion unserer Abgeordnetenkammer bezw. ihr Referent, der Abg. Luz, den Regierungsentwurf eines AnSsührungsgesetzeS zum Reichsgesetz vom 15. Juni v. I. betreffend die Kranken- Verstcherung der Arbeiter behandelt. Auf Grund längerer Ausführungen, in welchen in erster Linie eingehend daS Wefen der württembergifchen Krankenkaffen gegenüber dem neuen RetchSgefetze besprochen wird, erklärt sich die Kom« misston mit dem Vorschläge der Regierung einverstanden, nach welchem die landesgesetzliche Regelung nur für Dienstboten und für diejenigen Arbeiter, Gehilfen und Lehrlinge stattfinden solle, welche von den beiden ersten Paragraphen deS Reichsgesetzes nicht getroffen werden. Was die oben erwähnten württembergifchen Krankenkaffen anbetrifft, so ist zu bemerken, daß in den früheren württembergifchen Gewerbeordnungen die Verpflichtung der Zunftvereinskaffen
weg geben. Wir find schon dieserhalb mit einem Baumeister in Unterhandlung getreten. Wenn die Brücke dann vollendet, werden wir ein großes Fest zur Einweihung veranstalten, wozu wir unsere theuren Verwandten in Zerbst entbieten werden. Auch die Aebtlsfin von Herford und vielleicht eine ihrer Stiftfräulein wollen wir dazu einladen", fügte er mit einem freundlichen Blick auf die schöne Un« wiffende hinzu.
Gertrude machte eine ehrfurchtsvolle Verbeugung, in ihren Augen leuchtete eS freundlich auf. „Eine Hoffnung", flüsterte sie, sich verstohlen dem Geliebten zuwendend.
Eine schöne Hoffnung, dachte auch noch ein Anderer, der Franzose Baron v. Chalezae. Der junge Franzose stand allein und seine Augen ruhten unverwandt auf Prinzessin Elisabeth Albertine, der ältesten Tochter deS Fürsten Johann Georg, die, umgeben von einigen Kavalieren, in lebhafter Unterhaltung begriffen war. Bei den Worten deS Fürsten schien eS, als ob ihr Blick verstohlen zu Chalezae herüber flog. Wurde ihr die Trennung doch schwer und dünkte ihr ein Wiedersehen süß und willkommen? fragte sich dieser, während da« Blut ihm heiß zum Herzen strömte. Und als jetzt der Kreis der Kavaliere auseinander trat und die Prinzessin dicht an ihm vorüberstreifte, trat er zu ihr heran.
„Prinzessin, eS ist vielleicht das letzte Mal, daß wir uns sehen, sprechen!" rief er leidenschaftlich. „Bleiben Sie! Gönnen Sie wir nur einige Augenblicke!"
Zögernd blieb Prinzessin Elisabeth stehen.
Eine alte Elche wölbte sich über ihr und durch die grünen Zweige brachen sich grün-golden die Sonnenstrahlen und umwoben die zarte jugendliche Gestalt mit wundersamem Schimmer. (Fortsetzung folgt.)