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Är. S*.

Jltaröurg, Sonntag, 13. April 1884.

XU. Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: U'Expedition d. Blatte-, sowie d Annoncen-Bureaux vonHaasenstem und Vogler n Frankfurt a M , Ham­burg, Magdeburg u. Men; Rudolf Masse in Frankfurt u M, Berlin, München und Hxin G L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., gerlin, Hannover u. Pan-.

WerlicUchk Zitmiz

Anzeigen nimmt entgegen: dituExpedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurtia. M; Hermann- ftheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2A Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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Oster«!

Das zweite, größte und bedeutungsvollste Fest der Christenheit hat nach der weihevollen Vorwoche wiederum feinen Einzug gehalten und alle, welche die hehre Bedeutung bc8 Osterfestes zu erfassen vermögen, werden einstimmen in ten Triumph des Erhabenen, Unsterblichen über das Irdische, Vergängliche-, wie ihn der göttliche Stifter der christlichen Religion aller Bosheit zum Trotz davon trug und der Menschheit als ein leuchtendes Vorbild hinterließ.

Mit germanischer Innigkeit feiert daS deutsche Volk dieses christliche Sieges- und Triumphfest, tief im deutschen Gemüte wurzelt der Sinn für dar Erhabene, Ernste, Wahr­haftige , Schöne und Gute, war Religion und Poesie al- untrügliche Wahrzeichen für die Zukunft de« Menschen­geschlechts schufen. Deshalb sind in Deutschland die großen christlichen Feste nicht nur mit dem Nimbus relgiöser Weihe und Ehrfurcht, sondern auch mit dem duftigen Glanze der Poesie und Sage geschmückt. Mit dem AuferstehungSseste des Heilandes fiel in altersgrauer Vorzeit in den germa­nischen Ländern auch daS erste Frühlingsfest, das Auf- erstehungSfest der Natur, zusammen. Nach altgermanischer Sage stieg um jene Zeit die Frühlingsgötttn Ostara vom Himmel auf die Erde herab und brachte nach dem starren Winterschlafe neues Leben in die tote Natur. Es mußte deshalb dem Gemüte der zum Christentum bekehrten Ger­manen sehr nahe liegen, einige uralte Ueberlieferungen ihres OstarafesteS mit dem christlichen Auferstehungsfeste zu ver­einigen, wie e« bekanntlich auch bet dem Weihnachtsfeste durch die Sitte des immergrünen Tannenbaums, des ger­manischen Symbols des ewigen Lebens, geschehen ist. Diese glückliche Vereinigung uralter, bedeutsamer Sitten und Bräuche mit den größten, christlichen Festen hat zumal auch der Ofterseter diesen hervorragenden Platz in der deutschen Volksseele gesichert und wird diesem Fest seine erhabene Bedeutung bewahren, auch wenn trügerische Lehren und Geistesrichtungen noch mehr als es bisher der Fall war, die religiöse Gesinnung im Volke antasten sollten.

Aber nicht nur für die religiöse Befreiung und Weihe des Gemüts von irdischen Verirrungen und Anfechtungen steht das Osterfest als Rettungsanker da, sondern dasselbe ist auch ein hochbeoeutsamrö Familienfest. Jedes Jahr um die Osterzeit ist es, wo Tausende und aber Tausende junger, den Kinderjahren entwachsener Christen nach gehörigem Unterrichte in Schule unv Kirche die christliche Weihe er­halten und dann sich weiter bilden müssen für das eigent­liche, praktische Berufsleben. WaS find dies für bedeu­tungsvolle Abschnitte im Menschenleben für Eltern und Kinder, Lehrer und Vormünder 1 Und wie viel Mahnungen treten um diese Zeit nicht an alt und jung heran und wie viel Hoffnungen erfüllen die Herzen l Die junge Saat ist herangewachscn und soll nun weiter gedeihen, blühen

und Früchte tragen. Und wie wird dereinst die Ernte aus­fallen?! Mächten doch alle jungen Seelen, die nun wieder hinausziehen auf den stürmischen und klippenreichen Ozean des Lebens, niemals vergessen, was wahrhaft not­wendig ist für ein glückliches Leben: ein sittlicher Charakter und ein auf Glaube, Liebe und Hoffnung bauendes Gemüt. Dann werden sich auch alle jene Verheißungen erfüllen, welche Gottes Sohn in seinen erhabenen Lehren der Mensch­heit versprach und zu dessen Gedächtnisse wir abermals das Osterfest feiern! _________

Deutscher Reich.

Berlin, 10. April. Der Kaiser ist gestern bis x/ilO Uhr abends aufgebliebcn und hatte dann eine gute Nacht. Das Befinden ist heute recht befriedigend. Der Kaiser stand heute früh um 8 Uhr auf und nahm, wie alljährlich, gemeinsam mit den hier anwesenden Mitgliedern der könig­lichen Familie das Abendmahl im Palais. Der Kaiser nahm nachmittags um 5 Uhr gemeinsam mit der Kaiserin mit gutem Appetit ein Diner ein und empfing darauf den Besuch des Prinzen Heinrich. Er brachte die späteren Stunden im Arbeitszimmer zu unv begab sich erst um 10 Uhr zur Ruhe. Polizeipräsident v. Madai hat eine Verfügung an den Dirigenten der hiesigen politischen Polizei gerichtet, worin es heißt: Die Exekutivbeamten der politischen Polizei seien in jüngster Zeit seitens einzelner Redner im Reichstage und hieran anschließend in der sozialdemo­kratischen und der mit der Sozialdemokratie sympathisieren­den Tagespreise in den gehässigsten Ausdrücken öffentlich angegriffen und verdächtigt worden. Polizeipräsident v. Madai bedauert, mit Rücksicht auf die verfassungsmäßige Redefreiheit der Reichstagsabgeordneten außer Stande zu sein, den Schutz des Strafgesetzbuchs für die Betroffenen in Anspruch zu nehmen. Umsomehr finde er aber Ver­anlassung, die gedachten Beamten seiner besonderen Zu­friedenheit mit ihrem Verhalten und ihrer dienstlichen Thätigkeit ausdrücklich zu versichern. Der Geheime Oberpostrat Hake übernahm heute die Geschäfte als Direktor der zweiten Abteilung des Reichspostamts (Telegraphie). Den Abendblättern zufolge wurde in der Hauptkasse der Stadtvoigtei gestern ein Defizit von achtzigtausend Mark entdeckt. In der Wohnung des Kaffenrendanten, der seit mehreren Tagen daS Bureau nicht besucht hatte, wurden fünfundfiebzigtausend Mark in Baar vorgefunden. Der Rendant ist flüchtig geworden. In der am vergangenen Sonntag stattgefundmen Sitzung des Staatsministeriums soll auch die Frage der Reaktivierung und Umgestaltung des preußischen Staatörats zu eingehender Erörterung ge­langt sein. Ein offiziöser Berichterstatter meldet über diese Frage: Die seit Jahr und Tag in Angriff genommene Wiederbelebung des preußischen Staatsrates tritt gegen­

wärtig ihrer Ausführung nahe. Abgesehen von den Be­fugnissen dieser Korporation, scheint, wie verlautet, die Art ihrer Zusammensetzung jetzt zu den Hauptberatungsgegen­ständen zu gehören. Der Staatsrat dürfte nach seiner Um­gestaltung eine wesentlich andere Mitgliedschaft ausweisen, als sie jetzt nach den früheren Ernennungen vorhanden ist.; denn Fürst Bismarck wünscht vor allem Personen ohne bureaukratische Erziehung darin zu sehen. Der Reichs­kanzler, der sich außerhalb de« bureaukratischen Schematis­mus gebildet, hat stets den allzu großen Einfluß desselben bekämpft und scheint auch hier eine Institution schaffen zu wollen, welche, mit Ausnahme der Staatsminister, bureaukratische Elemente nur zum geringeren Teile ent­hält. Vor einigen Tagen hatte dieRöp. srany." über die augenblickliche friedliche Lage geschrieben:Der allge­meine Friede ist gesichert; da« ist wunderschön; aber zum Aerger der Allianz der drei Kaiser sprießen die Keime de- Mißtrauens zwischen den drei Kaiserreichen empor. Sie werden ihre Frucht tragen. Zu welcher Zeit? das ist'S, wonach man, nicht ohne Grund, fragt." Auf diese hämischeFrage" erteilt nun das offiziöseJournal de St. PöterSbourg" die folgende energische Antwort:Be­halten wir daS Bekenntnis im Sinn, daß der allgemeine Friede gesichert ist. Es hat dem Pariser Blatt schwer fallen müssen, es zu machen. Was die Keime des Miß­trauens anlangt, die eS sprießen steht, so möge es sich be­ruhigen. Man wird sich mit der Bitte, sie auszureißen, nicht gerade an dieRvpublique frantzaise" wenden. Die drei Kaiserreiche fühlen sich stark genug, um dieses Geschäft, falls cS not thut, selbst zu einem guten Ende zu führen. Es ist wahr, daß daS Pariser Blatt nicht verlangt, daß man sie auSjäte, diese unglückseligen Keime; im Gegenteil, eS ist ungeduldig, sie Frucht tragen zu sehen. Für ein Organ, welches allerlei Ansprüche erhebt, demokratisch und Friedens­freund zu sein, ist das ein recht mildherziger Wunsch. Wir sagen ihm indes, daß die Zukunft in Gottes Hand steht waS dem Organ des Herrn Paul Bert ohne Zweifel recht altmodisch vorkommen mag daß aber die Herrscher und ihre Regierungen fest entschlossen sind, darüber zu wachen, daß die Früchte, die unser Kollege so unge­duldig erwartet, nicht zur Reife gedeihen." Der Pariser Korrespondent desStandard" meldet unterm 8. dieses Monats:Von glaubwürdiger Seite höre ich, daß Fürst Bismarck in einer Unterredung mit einem Mitgliede des deutschen Parlaments die Gründe auSeinandergesetzt hat, aus welchen er sich von der Leitung der preußischen An­gelegenheiten zurückziehen will. Er sagte: ,Jch bin 70 Jahre alt, meine Nerven sind schlecht und ich habe keine Zeit mich zu pflegen. Wie kann ich an gekränkte Gefühle und kleine partikularistische Eifersüchteleien denken, wenn ich verpflichtet bin, den Gong der Ereignisse überall zu be­

46 Die Schützlinge des Ärotzeu Kurfürsten. Historische Erzählung von Max Ring.

Mit Bangigkeit sah daher AgneS dem Augenblick ent­gegen, mit welchem Raoul seine täglichen Besuche einstellen muhte, da jeder Vorwand für dieselben fehlte, sobald sie ihre frühere Gesundheit wieder erlangt hatte und voll­kommen hergestellt war.

WaS sollen wir anfangen?" klagte sie besorgt.Eine neue Trennung von Dir überlebe ich nicht."

Ich werde morgen mit Deinem Vater reden", ent­gegnete Raoul, sie beruhigend,und um Deine Hand bei ihm anhalten."

Er wird nimmermehr uns seine Einwilligung geben."

Vielleicht läßt er sich bewegen, da ich sein Wort habe. Als Du noch In höchster G-fahr schwebtest, versprach er, mir alles zu gewähren, was ihm lieb und teuer, wenn ich Dich Herstellen würde."

Damit hat er nur sein Vermögen gemeint, daß Du das höchste Honorar von ihm fordern darfst."

Tas ist mir gleichgiltig. Ich verlange Deine Hand, die er mir nicht abschlagen kann, da ich sein Wort habe, tote mir Deine Mutter mn HanS bezeugen werden."

Dazu wird er aber nie seine Zustimmung geben."

Dann bleibt mir nichts übrig, als Dich zu entführen und ihn zu zwingen."

Nein, nein!" entgegnete sie fest.So sehr ich Dich auch liebe, kann ich ohne seinen Segen nicht Tein Weib werden. Es steht geschrieben: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß eS Dir wohl ergehe."

Aber die heilige Schrift sagt auch: Da« Weib muß seine Eltern verlassen und dem Manne seiner Wahl folgen.

Ich weiß nicht", erwiderte sie schwankend und mit sich kämpfend,waS ich thun soll I"

Eine Französin", versetzte er finster,würde sich nicht besinnen, aber Du bist kalt und spröd wie eine Deutsche."

Du thust unS Deutschen unrecht. Wir lieben nicht mit den Sinnen, sondern mit dem Herzen, nicht für die Zeit, sondern für die Ewigkeit. Höher als da« irdische Glück schützen wir die himmlische Wonne einer wahrhaft christlich n Ehe, die des elterlichen Segen« nicht entbehren kann. Darum wollen auch wir alle« dem Herrn anheim- stellen, der e« zu unserem Besten wenden wird. Was aber auch kommen mag, ich bleibe Dir treu bis in den Tod und mein Herz gehört Dir allein. Nie werde ich einen anderen Mann nehmen, selbst wenn ein Fürst mich begehrte. Da« schwöre ich Dir bei meiner Seligkeit!"

Am nächsten Morgen, der auf einen Sonntag fiel, er­schien Raoul nach beendetem Gottesdienst in dem Hause de« Zunftmeisters, um seine förmliche Werbung vorzubringen. Auf seinen Wunsch, den Hof-Goldschmied allein zu sprechen, wurde er von der Magd nach dem besonderen Gemach des Hausherrn geführt, daS dicht an das gemeinsame Familien- zimmer stieß.

Hier saß bereits Agne« mit HanS und ihrer Mutter voll banger Erwartung, da sie von der Ankunft des Ge­liebten unterrichtet war und um sein Vorhaben wußte. Laut schlug ihr Herz vor Aufregung und ängstlicher Span­nung, von Furcht und Hoffnung wie ein zitterndes Blatt im Winde bewegt.

UnterdeS begrüßte daneben der Zunftmeister Raoul mit erzwungener Freundlichkeit und bot ihm mit gemessener Höflichkeit einen hohen Lehnstuhl an, sichtlich überrascht von dem unerwarteten Besuch und dem ernsten, feierlichen Aussehen de« erregten ArzteS.

Nun", sagte er nach einer Pause,waS bringt Ihr mir Herr Rat? Ihr wünscht mich allein, ohne Zeugen zu

sprechen. ES ist doch nichts BöseS mit meiner Tochter passiert, keine Verschlimmerung ihrer Krankheit zu erwarten?"

Im Gegenteil!" erwiderte Raoul.Unserer Patientin geht e« so gut, daß sie des ArzteS nicht mehr bedarf und meine Besuche nicht mehr nötig hat."

DaS freut mich. Ich wollte sagen, e« ist mir lieb, eine so gute Nachricht von Euch zu vernehmen, Ihr habt wirklich eine Wunderkur an meiner Agnes gemacht und gezeigt, daß Ihr trotz Eurer Jugend ein fürtrefslicher und gelahrter Arzt seid."

Ihr beschämt mich", versetzte Raoul,und überschätzt meine geringen Verdienste, Herr Zunftmeister 1*

Nein! entgegnete dieser freundlich.Alles, wa« wahr ist, meine Tochter verdankt Euch das Leben. Ich muß ge­stehen, daß ich Euch Unrecht gethan, derweil ich Euch für einen französischen Windbeutel hielt, obschon Ihr mehr wißt und gescheuter seid, als unsere Berliner Doktoren. Ich bin Euch noch großen Dank schuldig."

Dann darf ich hoffen", versetzte Raoul ermutigt, daß Ihr mir ein geneigtes Gehör schenken und meine Bitte er­füllen werdet."

So eS in meiner Macht liegt, könnt Ihr sicher dar­auf rechnen. Ich stehe Euch gern zu Diensten mit meinem ganzen Vermögen. Wenn eS Euch an Geld fehlen sollte, so braucht Ihr nur ein Wort zu sagen. Ihr dürft jede Summe, selbst da« höchste Honorar, von mit fordern. WaS Ich besitze, steht zu Eurer Verfügung."

Ihr seid zu gütig, aber ich verlange kein Geld von Euch, Herr Zunftmeister I Der einzige Lohn, den ich be­gehre, ist Eure Tochter AgneS, die ich von Hetzen liebe und die mir teurer ist, als alles Gold der Welt."

(Schluß folgt)