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JTlacBurg, Dienstag, 8. April 1884.

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«„eigen nimmt entgegen: die Ekpedition d. Blatte-, („gjic d Annoncen-Bureaux Lfiaafenftein und Vogler Frankfurt a M , Ham- wt8, Magdeburg u. Wien; «üdolf Moffe in Frankfurt M-, Berlin, München und Mn; G L. Daube und go, in Frankfurt a. M., Kerlin, Hannover u. Pari-.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt!«. M; Hermann- schrBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; SB. Thienes in Elberfeld.

q " Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

Unsere Leser ersuchen wir fteundlichst M Erneuerung des Postabonnements aus das mit dem 1. April begonnene zweite Quartal.

5 Exped. der Oberh. Ztg.

Deutsche- Reich.

Berlin, 5. April. Der Kaiser war heute nachmittag mehrere Stunden außerhalb de» Bettes und empfing den Grafen Perponcher. — Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser brachte am gestrigen Nachmittag mehrere Stunden außer Bett zu; die vorhandenen UnterlcibSbeschwerden haben sich vermindert, sind aber noch nicht vollständig beseitigt. — Der „Reichsanzeiger" meldet: In der unter dem Vorsitz des StaatSmiuisters v. Bötticher am 5. April abgehaltenen Plenarsitzung des BundeSratS wurde in den Meinungs­austausch über die Erklärungen Sachsens und Württembergs betreffend die Parteibestrebungen zur Errichtung eines ver­antwortlichen RetchöministeriumS eingetreten. Namens der königlich preußischen Regierung wurde hierbei nachstehende Aeußerung abgegeben: Indem die königlich preußische Re­gierung auf den von der königlich sächsischen unter dem Datum deS 24. o. M. angeregten Meinungsaustausch etn- tritt, teilt sie den prinzipiellen Standpunkt der königlich sächsischen Regierung dahin, daß eS sich empfiehlt, keinen Zweifel darüber aufkommen zu lasten, daß die verbündeten Regierungen ohne Ausnahme entschlosten find, die Verträge, auf welchen unsere Reichsinstituttonen beruhen, in unver­brüchlicher Treue aufrecht zu erhalten und sie in dem Geiste zu handhaben, in welchem sie nach den Worten der Reichs- verfastung zum Schutze des innerhalb des Bundesgebietes gültigen Rechtes geschlossen sind. Jede Verminderung der Zuversicht, mit welcher die verbündeten Regierungen auf die Festigkeit der unter ihnen geschlostenen Verträge bauen, würde Zweifel über die Zuverlässigkeit der Verträge her­beiführen, auf denen der Bund der deutschen Staaten be­ruht. ' Wenn solche Zweifel auch unter friedlichen Verhält- nisten vielleicht keine für jedermann erkennbare Gefahren im Gefolge haben, so würde doch in Zeiten politischer Krisen jede Abschwächung deS Vertrauen» auf die Sicherheit der Bundesverträge von bedenklicher Wirkung sein können. Je mehr die Regierung Sr. Majestät des Königs sich bewußt ist, unter schweren Kämpfen und Gefahren erfolgreich dafür ringet» eten zu sein, daß dem deutschen Volke da» für seine nationale Geltung erforderliche Maß von Einheit gewonnen wurde, um so sorgfältiger ist sie darauf bedacht, zu bet» hüten, daß dieser Gewinn durch politische Mißgriffe wieder in Frage gestellt werde. Einen solchen Mißgriff würde sie in jeder Ueberschreitung der Bedürfnisgrenze in unitärischer

Richtung erblicken. Die Einrichtung verantwortlicher Mini­sterien im deutschen Reich ist nicht anders möglich, als auf Kosten der Summe von vertragsmäßigen Rechten, welche die verbündeten Regierungen gegenwärtig im Bundesrat üben. Die wesentlichsten Regierungsrechte der Bundesstaaten würden von einem Reichs-Ministerium absorbiert werden, deffen Thättgkeit durch die Art der ihm auferlegten Ver­antwortlichkeit dem maßgebenden Einfiuffe der jedesmaligen Majorität des Reichstags unterliegen müßte. Man wird nicht fehl gehen, wenn man in der von der neuen fort­schrittlichen Partei erstrebten Einrichtung eines solchen Mini­steriums ein Mittel zur Unterwerfung der RegierungSgewalt im Reiche unter die Mehrheitsbefchlüffe des Reichstags er­blickt. Die königlich preußische Regierung würde in einer derartigen Verschiebung deS Schwerpunktes der Regierungs­gewalt eine große Gefahr für die Dauer der neugeborenen Einheit Deutschlands erblicken. Selbst wenn es gelänge, feste Majoritäten aus dem heute im Reichstage vorhandenen Parteien zu bilden, würde die königliche Regierung doch die Herstellung eines parlamentarischen Regiments für eine sichere Einleitung zum Verfall und zur Wiederauflösung des deutschen Reiches halten. Die Regierung eines großen Volkes durch die Mehrheit einer gewählten Versammlung ist untrenn­bar von all den Schäden und Gefahren, an welchen ein jedes Wahlreich nach den Erfahrungen der «beschichte zu Grunde geht. Die Regierungsgewalt, geübt von Parlamenten, welche aus allgemeinen Wahlen heroorgehen, unterliegt derselben Gefahr, die Bedürfnisse des Landes dem Bedürfnisse deS Gewählt­werdens unterzuordnen, durch welche bisher jeves Wahl­reich seinem Verfall und seinem Untergang entgegengeführt worden ist. Der Gedanke an die Errichtung eines ver­antwortlichen Reichsministeriums, wie er nicht bloS in Ge­stalt eines Programms, sondern in den Verhandlungen des Reichstages von den Jahren 1869 und 1878 zu Tage ge- treten ist, ist deshalb nach Ueberzeuqung der Königlichen Regierung überall da, wo er im Reichstage und bei den Wahlen geltend gemacht wird, im Jntereffe des Reiche», seiner Verfaffung und der Sicherheit seines Fortbestandes zu bekämpfen, einmal, weil er sich nicht verwirklichen läßt, ohne die vertragsmäßigen Rechte der Reichsglieder und das Vertrauen auf die Sicherheit der Bundesverträge zu schä­digen, dann aber auch, weil er eins von den Mitteln bil­det, durch welche der Schwerpunkt der Reichsregierung in wechselnde Majoritäten des Reichstages hinübergeleitet werden soll und weil diese Ueberleitung, wenn sie gelänge, die Wiederauflösung der deutschen Einheit nach der Ueber- zeugung der Regierung im Gefolge haben würde." Nach­dem r urch die weiter von den Bevollmächtigten abgegebenen Aeußerungen die Uebereinstimmung sämtlicher Regierungen in der Sache konstatiert war, einigte man sich dahin, diese Uebereinstimmung durch den Anschluß an die Königlich preußische Erklärung kundzugeben. — Der Antrag Bremens,

betreffend den Anschluß Bremens an das deutsche Zollge­biet wurde den zuständigen Ausschüffen zur Vorberatung überwiesen. Schließlich schritt die Versammlung zur Be­setzung von mehreren bei den DiSziplinarkammern erledigten Stellen. — Wie mitgeteilt wird, hat der Königlich baye­rische Bevollmächtige in der heute abgehaltenen Plenar­sitzung deö Bundesrats bet der Zustimmung zu der von der preußischen Regierung abgegebenen Erklärung betr. die Parteibestrebungen zur Errichtung eines verantwortlichen Reichsministeriums sich wie folgt geäußert: Die königlich bayerische Regierung befinde stch mit der Aeußerung der königlich preußischen Regierung in vollkommenem Einver­ständnisse und er sei in der Lage, sich jeder Form anzu­schließen, in welche dieses Einverständnis zum Ausdruck gebracht werden wolle. Die königlich bayerische Regierung sei zu thätiger Mitwirkung an der nationalen Entwickelung auf föderativer Grundlage jederzeit bereit, eine Fortbildung der Reichsverhältnisse in unitarischer Richtung aber werde sie stets mit Nachdruck bekämpfen. Aus diesem Grunde stehe sie dem Gedanken der Errichtung eines verantwort­lichen Reichsministeriums durchaus ablehnend gegenüber, und zwar sowohl mit Rücksicht auf die Stellung des Bun­desrats und die durch die Grundverträge gewährleisteten Rechte der Etnzelstaaten, als auch mit Rücksicht auf die zukünffige Entwickelung und den gesicherten Fortbestand de» Reiches. — Die Einnahmen der Post- und Telegraphen- Verwaltung haben vom Beginn des Etatsjahres bis zum «Schluffe deS Monats Februar 1884 144165692 Mark (im Etatsjahre 1883/84 mehr 6855915 Mark) betragen, die der ReichSeisenbahn-Verwaltung 41756 200 M. (mehr 1067241 Mark).

Heidelberg, 5. April. Die Kaiserin von Oesterreich ist heute nachmittag von Wiesbaden hier eingetroffen.

Karlsruhe, 5. April. Die Kaiserin von Oesterreich ist um 4 Uhr von Heidelberg incognito eingetroffen und hat hier Wohnung für längere Zeit im Schloßhotel ge­nommen.

München, 5. April. Die Kammer der ReichSräte beriet den von der Abgeordnetenkammer abgelehnten Antrag der Regierung betreffend die Aufbefferung der Beamten- gehälter und beschloß einstimmig, die hierfür geforderten 1171270 Mk. in den Etat einzustellen. Den Beschlüsten der Abgeordnetenkammer bezüglich der Kulturrentenbank, der Feuerversicherung, des HoslheaterS, der Ablösung der Baupfiicht für die Annenkirche, der Zuschüsse zu den Kirchen­bauten in München und Nürnberg, sowie bezüglich deS Aus­baues des Hafens in Ludwigshafen erteilte die Kammer der Reichsräte ihre Zustimmung.

Nürnberg, 3. April. Der hiesige „Kurier" meldet, an der Versammlung, in der Rickert, Hänel und Richter gesprochen, hätten 6000 Wähler teilgenommen, und gewiß werden alle fortschrittlichen Blätter die Lüge nachdrucken

42 Die Schützlinge des «rotze» Kurfürsten.

Historische Erzählung von Max Ring.

„Euer Hoheit können und werden mit GotteS Hilfe noch" lange zum Glück Ihrer Untertanen und zum Heil der Welt leben, wenn ich auch nicht verschweigen kann,

Gebt Euch keine Mühe", unterbrach ihn der Kurfürst mit "schmerzlichem Lächeln. „Ich fürchte nicht den Tod, wenn er mir nur so viel Zett noch läßt, mein HauS zu bestellen und meine Schulden abzutragen. Auch für Euch will ich sorgen, so lange ich noch am Leben bin. Vorläufig sollt Ihr hier in Potsdam in meiner Nähe bleiben und als ^ofarzt angestellt werden, da ich meinem alten guten Doktor MartinuS Weiße nicht zumute« kann, die ganzen Nächte bei mir zu wachen. Daneben könnt Ihr meine Korrespondenz mit dem Grafen Schömberg fortführen, wie Ihr die- bisher gethan, so daß wir nicht nötig haben, noch einen Dritten In unser Geheimnis zu ziehen. Sobald der Graf hergrstellt sein wird, kehrt Ihr nach Potsdam zurück und tretet Euren Dienst bei uns an."

Mit einer gnädigen Handbewegung entlasten, kehrte Raoul in Begleitung de» treuen HanS nach Berlin zurück, das Herz von den widersprechendsten Empfindungen, von Freude und Trauer, von Hoffnung und Furcht bewegt.

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Obgleich die Krankheit deS Kurfürsten, ungeachtet aller angewmketen Mittel, stch fast täglich verschlimmerte und seine Kräfte immer mehr abnahmen, arbeitete er eben so fleißig mit seinen Räten, wie in gesunde« Tagen, als ob er sich doppelt beeilen wollte, seine großen Pläne noch vor dem nahen Tode auszuführen.

Vor allem aber beschäftigte ihn die Angelegenheit deS englischen Volkes, die Sache des Protestantismus, welche seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm und ihm wie eine heilige Pflicht am Herzen lag. Oft, wenn Raoul, der seit einiger Zeit als Hofarzt in Potsdam lebte, deS Nachts an dem Lager des Kranken wachte, hörte er, wie der Kur- fürst im Schlaf die Namen Oranien, Jakob, Ludwig murmelte und die ihm in seinen Traumen erscheinenden Truppen mit bewegliche Stimme ermahnte, ihre Pflicht zu thun und mutig für die Freiheit zu kämpfen.

Vergebens bat und beschwor ihn dann Raoul, sein teures Beben zu schonen und Rücksicht auf seine ange­griffene Gesundheit zu nehmen.

„Was ist an mir gelegen", versetzte der Kurfürst, „wenn nur unser Unternehmen gelingt. Ist noch keine neue Nachricht von Schömberg eingelaufen, keine Depescke an« dem Haag angekommen? Hat der Erzbischof von Canterbury nicht geschrieben? ES muß sogleich ein Kourier an Oranien abgescdickt werden."

Mit fieberhaiter Ungeduld betrieb der Kurfürst die diplomatischen Unterhandlungen und Rüstungen für die be­absichtigte Landung und gönnte sich keine Ruhe, bis er alles angeordnet hatte. Stundenlang diktierte er Raoul seine Befehle, der eben so sehr die eherne Willenskraft wie den alle- umfastenden Genius de» unsterblichen Helden be­wunderte.

Raoul selbst vergaß in der Nähe dieses RiesengeisteS alle seine Sorgen, nur darauf bedacht, das Leben seines hohen Patienten zu fristen und die Aufträge destelben aus­zuführen. Nur zuweilen erhielt er von HanS und Gabrielle Nachrichten anS Berlin, die ihn beunruhigten, da er daraus

erfah, daß Agnes schwer unter dem Eigensinn ihres VaterS litt und langsam dahinstechte. Gern wäre Raoul zu ihr nach Berlin geeilt, aber die Pflicht und Dankbarkeit fesselte ihn an das Lager des kranken Kurfürsten, den er nicht zu verlassen wagte.

So vergingen Tage und Wochen in banger, qualvoller Erwartung, bis die von Raoul längst gefürchtete Katastrophe eintrat. Am Charfreitag deS Jahres 1688 nahm der Kurfürst mit feiner Familie das heilige Abendmahl. Nach demselben führte er ein ernstes Gespräch über den Text der gehörten Predigt, wobei et äußerte, er erkenne es als die höchste Pflicht des Menschen, zu wirken, so lange eS Tag sei, ehe die Nacht komme, da niemand mehr wirken könne.

Eine Woche darauf, wieder an einem Freitag, dem eine schlaflose Nacht vorangegangen, ließ er sich trotz deS Wider­spruchs seiner Aerzte unter den heftigsten Schmerzen, welche er energisch überwand, des Morgens früh um 7 Uhr in seinem Bette ankleiden. Zugleich befahl er den an diesem Tag gewöhnlich zusammenkommendcn Geheimen Rat früher als sonst sich zu versammeln, und da einige Räte wegen der frühen Stunde fäumten, schickte er zu ihnen, damit sie stch beeilen sollten.

Er selbst ließ sich mühsam in da» Versammln gSzimmer führen; dort saß der kranke Kurfürst, daS mächtige Haupt mit bet schwarzen Allongeperrücke bedeckt, mit dem ge­stickten Staatsrock von blauem Sammet bekleidet, darüber das Wehrgehänge und die Schärpe von schwarzer und weißer Seide. Um den Hals trug er einen weißen, eng anliegen­den Kragen bis über die Brust hinunter, dessen Ende und Säume mit kostbaren holländischen Spitzen besetzt waren.

(Fortsetzung folgt)