Marburg, Freitag, 4. April 1884.
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Fluch zu Boden sank.
(Fortsetzung folgt)
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der allgemeinen kirchenpolitischen Lage zu identifizieren und dadurch die ersterbende Glut des kirchlichen Haders neu anzufachen. Die Vermutung, daß ein bezügliches Bedürfnis vorhanden fei, wird durch den Umstand verstärkt, daß aus der Nichtgewährung eines einzelnen Wunsches sofort die Notwendigkeit einer von der Zentrumspartei zu befolgenden AngriffSpolttik hergeleitet wurde. Die Beurteilung dieses Verfahrens darf dem Lande, insbesondere den katholischen Teilen desselben, ohne weiteres überlasten bleiben. Ueberall da, wo man den kirchlichen Frieden will, wird man sich unschwer die Frage beantworten, auf wen die Verantwortung dafür fällt, daß eine mit politischen Jnteresten der greifbarsten Art zusammenhängende einzelne und besondere Angelegenheit zur Wiederbelebung des gesamten, in ein ruhigere« Fahrwasser gebrachten kirchenpolitischen Streites benutzt morsen ist. Das seit Jahren beobachtete Verhalten der Staatsregierung liefert den Beweis dafür, daß die Gründe, welche der Aufhebung der Sperre für die Erzdiözese Posen und Gnesen entgegenstehen, mit einem etwaigen Mangel an Wohlwollen für die katholische Bevölkerung der Provinz nichts zu schaffen haben. — Wie wir hören, find die preußischen Staatskasten angewiesen worden, die bei denselben eingehenden Reichskastenscheine vom 11. Juli 1874 nicht wieder auszugeben, sondern durch Vermittelung der Generalstaatskaste und der RegierungS-, bezw. Bezirks- Hauptlasten in angemestenen Partieen an die königlich preußische Kontrolle der Staatspaptere zum Umtausch gegen Scheine neuer Ausgabe vom 10. Januar 1882 abzuliefern.
Berlin, 2. April. Der 12. deutsche Handelstag wurde heute vormittags durch Geheimcrat Delbrück eröffnet. — Staatsminister Bötticher heißt den HandelStag namens der Regierung willkommen. Die Hoffnungen, welche er letztmals ausgesprochen, seien in Handel und Industrie, dank den Segnungen deS Friedens, großenteils verwirklicht. Dem Gewerbefleiß und dem Unternehmungsgeist eröffneten sich weitere Bahnen. Die deutschen Leistungen werden auch vom AuSlande anerkannt. Er begrüßte freudig, daß der Handelstag auch mit dem Aktiengesetz sich beschäftige. Es werde für die Regierung von hohem Werte sein, die Meinung des deutschen HandelStagS hierüber kennen zu lernen. Der Minister bittet aber, den Vorvurf fallen zu laffen, daß die Vorlage vom Mißtrauen gegen die Träger des Handels diktiert fei. Dies fei keineswegs richtig. Den Vorwurf kleinlicher Rückstchten verdiene die Regierung nicht. DaS Unkraut, welches der Unternehmungsgeist hervorgebracht habe, solle entfernt, daö Gute aber gefördert werden. Der Minister wünscht, daß die Arbeiten des Handelstags dem Vaterlande zum Segen gereichen und schließt: „Gott segne deutsche Arbeit." — Die Versammlung konstituiert sich, nachdem ein dreimaliges begeistertes Hoch auf den Kaiser auSgebracht ist. Das vorige Büreau wird wieder- gewShlt. — Ruffel (Diskontogesellschaft) referiert über den
Unsere Leser ersuchen wir freundlichst um Erneuerung des Postabonnements auf das mit dem 1. April begonnene 6 Exped. der Oberh. Ztg.
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Deutscher Reich.
Berlin, 2. April. Der Kaiser ist seit gestern erkältet. Er wird infolge dieser Erkältung einige Tage anS Zimmer geslffklt fein, erledigte jesoch die gewohnten RegterungS- geschäfte und Vorträge und empfing die Besuche mehrerer Mitglieder der königlichen Familie. — Der Kronprinz ist heute früh 7s/4 Uhr nach London abgereist. — Zur Interpellation JazdzewSki und deren Diskussion im Abgeord- nctenhause äußert die „Prov.-Korrefp." sich an der Spitze ihrer dieswöchentlichen Nummer in folgender Weise: Die der Staatöregierung durch da» Gesetz vom 31. Mai 1882 eingeräumten außerordentlichen Befugnisse haben bekanntlich mit dem 31. März d. IS. ihr Ende erreicht. Daß einer wenige Tage vor Ablauf dieser Frist angemeldcten Erkundigung, ob an der Hand dieses Gesetze» die Wiederaufnahme der eingestellten Staatsleistungen für den Umfang der Erzdiözese Gnesen und Posen beabsichtigt werde, keine andere als eine agitatorische Absicht zu Grunde liegen konnte, lag danach auf der Hand. Ebensowenig konnte ein Zweifel darüber obwalten, daß, wenn in der Diözese Gnesen und Posen anders verfahren worden, wie in der Diözese Köln, die schwerwiegendsten Gründe dafür vorhanden sein mußten. Diese Gründe, wie e» der Interpellant verlangte, mitzuteilen und dadurch eine Erörterung derselben herbei- zusühren, konnte um so weniger angezeigt erscheinen, als nach vielfachen Erfahrungen derartige prinzipielle Auseinandersetzungen auf die Gestaltung der ktrchenpolittschen Beziehungen nur ungünstig rtnwirken. Getreu dem Vorsätze, alles zu vermeiden, was zu einer Verschärfung der auf diesem Gebiete bestehenden Gegensätze Anlaß zu geben vermag, hat sich daher die Staatsregierung aus eine kurze ablehnende Beantwortung der gestellten Anfragen beschränkt. Wenn man dies seitens der polnischen Fraktion nicht verstehen wollte, so mag die Erklärung hierfür darin zu finden sein, daß für diese Fraktion gewisse kirchenpolitische Interessen mit den nationalen zusammenfallen. Für das Verhalten der Zentrumsfraktion und für die von feiten derselben be- thätigle Leidenschaftlichkeit de» Vorgehen» trifft diese Erklärung dagegen nicht zu. ES bleibt nur die andere Er- klärung übrig, daß man angesichts de» durch daS versöhnliche Verhalten der Staatsregierung verursachten Mangels an sonstigen Klagepunkten für zweckmäßig hielt, die besonderen Verhältnisse der Erzdiözese Gnesen und Posen mit
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39 Die Schützlinge de- Große« Kurfürsten.
Historische Erzählung von Max Ring.
„Aber die Frau Kurfürstin hält große Stücke auf ihn und auch der Kurprinz ist ihm wohl geneigt. Pern mag sein, wie ihm wolle. Heute hat mir der Ohm mit sauersüßem Gesicht gesagt, daß er keinen Prozeß mit mir anfangen und auf seine Forderung verzichten wolle, wenn ich bei ihm bleibe und das Geld in seinem Geschäft stehen lasse. Auch stellte er mir frei, Deine Schwester zu heiraten, nachdem ihm Agnes noch einmal entschieden erklärt hat, daß sie mich eben sv wenig wie einen anderen Mann haben mag."
„Aber wa» soll au» uns Beiden werden", seufzte Raoul, »wenn der Zunftmeister un» seine Einwilligung versagt?"
„Ein glückliche» Ehepaar. Du wirst sehen, daß alle» uvch gut enden wird."
„Da» kann ich nicht glauben. Agne» liebt mich nicht, sonst würde sie schon längst eine Gelegenheit gefunden haben, wich im Geheimen zu sehen."
„Du kennst sie nicht, sonst würdest Du nicht so töricht teben und an ihrer Liebe zweifeln. Sie liebt Dich, wie ein deutsches Mädchen liebt, treu und innig, nicht mit wilder, sich schnell verzehrender Glut, sondern mit sanfter, anhaltender Wärme, nicht mit irdisch vergänglicher Leidenschaft, sondern mit himmlischer, ewige, Neigung. Fromm und geduldig vertraut sie dem Himmel, achtet fie den Willen ihrer Eltern und hofft, daß sie eine» Tage- den harten Sinn ihre« Vater» rühren wird. So sitzt sie in ihrem Kämmerlein, denkt an Dich, betet für Dich und lebt nur in Dir und ihrer Liebe."
„Sie ist eine Heilige", versetzte Raoul bewegt, „und
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ich bin nicht wert, sie zu besitzen. Darum wird sie auch nie die Meine werden."
„Kommt Zeit, kommt Rat", tröstete HanS den traurigen Gefährten. „Auch der Ohm ist nicht so böse, wie er auS- fieht und thut. Agnes ist sein Herzblatt, sein Stolz und seine Freude; wenn er sehen wird, wie sie sich Deinetwegen härmt und abzehrt, wie sie immer bleicher und elender wird, so wird er auch nicht länger widerstehen könne», ein solcher Dickkopf er auch ist. Schon jetzt möchte er nach- geben und nur sein verwünschter Stolz und Eigensinn hält ihn ab, den ersten Schritt zu thun und die Hand zur Versöhnung zu reichen. Du wirst sehen, daß wir noch an einem Tage Hochzeit machen."
„Das gebe Gott. Ich habe keinen anderen Wunsch, als Agnes so glücklich zu machen, als sie e» verdient."
Unter solchen und ähnlichen Gesprächen erreichten die Freunde die sogenannte Kohlhasenbrücke, unter der, wie HanS jetzt seinem Begleiter erzählte, der kühne Roßtäuscher Kohlhas die dem kurfürstlichen Zolleinnehmer geraubten ManSfelder Silberbarren im Wasser versenkt haben sollte.
Mit Staunen und Teilnahme hörte Raoul die wunderbare Geschichte von dem Berliner Bürger, der aus gekränktem und verirrtem Rechtsgefühl ein gefährlicher Wegelagerer geworden war und den Kurfürsten von Sachsen, selbst seinen eigenen Herrn befehdete, Dörfer verbrannte und Städte plünderte, bis er seine Verbrechen durch einen schrecklichen Tod von Henkershand büßte.
„Eine traurige G-schichtel" sagte Raoul, der sich eines leichten Schauers nicht erwehren konnte. „Es muß eine wüste Zeit gewesen sein, wo solche Unthaten geschehen konnten."
„Wie rie Leute meinen, soll der Kohlhase zur Strafe für seine Sünden an der Brücke hier Herumspuken."
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in 8rantfurt|a.3Jl.; Hennann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. ThieneS in Elberfeld.
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Gesetzentwurf bezüglich der Kommanditgesellschaften auf Aktien. Er bezeichnet die Vorschriften bezüglich der Gründung von Gesellschaften bezw. der Beschränkung der Vorrechte der Gründer und bezüglich des Reservefonds als wesentliche Verbesserungen; die Bestimmungen über die Organe der Gesellschaft zeugten aber von Mißtrauen, welche», wenn es gesetzlich legitimiirt werde, eine bedenkliche Lähmung des Unternehmungsgeistes herbeiführen müsse. Gerade die besten Männer würden von der Teilnahme an der Verwaltung der Aktiengesellschaften zurückgeschreckt werden. Er beantragt eine Resolution, worin anerkannt wird, daß eine Reform der gegenwärtigen Miengesetzgebung dahin angezeigt sei, daß für die Gesellschaftsgründung eine rechtlich scharf umgrenzte Verantwortlichkeit geschaffen werde, worin eS für bedenklich erachtet wird, daß der Gesetzentwurf bezüglich der Verwaltung der Aktiengesellschaften vom Geiste deS Mißtrauens gegen bereit Organe (Vorstand, Aufsichtsrat und Generalversammlung) geleitet sei, worin endlich eine Umarbeitung des Entwurfs für erforderlich erklärt wird. Von dem Gesetz, wie eS vorliege, müsse eine bedenkliche Lähmung des Unternehmungsgeistes und des gesamten Volkswohlstandes, besonders eine wesentliche Verschlechterung der Lage der arbeitenden und erwerbenden Klassen befürchtet werden. Geheimrat Hagens, Verfasser des Gesetzentwurfs, versichert namens deS Staatssekretärs Schelling, jedes Mißtrauen gegen den Handelsstand habe fern gelegen; sofern irgendwie der Nachweis erbracht werde, daß die Vorschläge des Entwurfs lähmend wirken könnten, würden sie von der Regierung sofort fallen gelassen werden. Die vorgeschlagenen Strafbestimmungen seien keineswegs drakonisch; bei unbefangener Prüfung werde der Handelsstand erkennen, daß der Entwurf seinen Interessen sehr wohl entspreche. Redner hofft, der HandelStag werde die Resolution ablehnen. — Nach einstündiger Mittagspause sprach Generalsekretär Bueck gegen die Ausführungen HagenS und bat um möglichst zahlreiche Zustimmung zu der Resolution. Geheimer Finanzrat Schmidt verwahrte die verbündeten Regierungen gegen den Vorwurf, daß die Vorlage durch Mißtrauen gegen den Handelsstand diktiert sei. Die Association deS Kapitals solle nicht gehindert, aber daS Zuviel der Gründungen gemäßigt werden und ein langsameres Tempo herbeigeführt werden. Durch Umwandlung vieler Geschäfte in Aktiengesellschaften, welche nicht dazu geeignet waren, sei oft infolge der Höhe der verursachten Betriebskosten eine Reduktion der Löhne herbeigeführt worden, was mit zur Förderung der Solzialdemvkratie beigetragen. Er bitte um wohlwollende Beurteilung der Vorlage, die Resolution entspreche einer solchen nicht. Geheimrat Mendelssohn beantragt im Anschluß an die Ausführungen des Vorredners die zweite Nummer und den Schlußsatz der dritten Nummer dem Ausschüsse zur abermaligen Redaktion zuzustellen. Die Versammlung ist hiermit einverstanden. Nächste Sitzung morgen 10 Uhr.
„Ich glaube nicht an Gespenster. Solche Märchen —* „Horch! Was war das?" unterbrach ihn HanS plötzlich. „Hast Du nichts gehört?"
„Der Wind rauscht in den Bäumen."
„DaS klingt eher wie Pferdewiehern. Mir kommt eS nicht geheuer vor. Siehst Du nicht hinter dem Busch die grauen Gestalten?"
„ES werden die Schatten der Bäume fein."
„Nein, n in! Das sind Landstreicher oder Wegelagerer." In diesem Augenblick trat der bisher gefüllte Mond blutrot aus dem dunklen Gewölk und beleuchtete mit seinem schwankenden Schein zwei berittene, bis zu den Zähnen bewaffnete Strolche, deren wilde Gesichter und verdächtige Haltung nichts Gute» verrieten, so daß die beiden Freunde unwillkürlich nach ihren Pistolen griffen und ihre Pferde zur Eile spornten.
„Halt", geboten die Räuber, sich ihnen entgegenroerfenb, „ober Ihr seid des Todes!"
Zugleich schoß der Nächste seinen ftarabkner ab, dessen Kugel Raoul leicht die Stirn streifte, so daß da» warme Blut Über seine Wange tropfte. Unerschrocken feuerte der Verwundete seine Pistole ab, doch von dem strömenden Blut geblendet, fehlte er mit seiner Kugel den Mörder, welcher seinen Pallasch zog und einen wuchtigen Hieb führte, dem Raoul nur durch einen Seitensprung seine- sich hoch auf« bäumenden Rosses entging.
Unterdessen wartete Hans nicht den Angriff seine- Gegner« ab, sondern stürzte sich mutig auf den Feind, dessen Kugel an ihm vorüberpfiff, während sein Schuß den Strolch in die Brust traf, daß er taumelte und mit einem gräßlichen
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