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XIX. Jahrgang.

Marburg, Mittwoch, 2. April 1884.

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den Verdacht der Spione, von denen ich umgeben bin, erregen kann, so laß daS Geheimnis in Euren Händen am sichersten gewchrl bleiben dürfte, da niemand in Euch meinen @e« heimsekretär vermuten oder suchen wird.*

Euer Excellenz können versichert fein, daß ich mich stets bemühen werde, daS mir geschenkte Vertrauen in jeder Hinsicht zu rechtfertigen.*

Nachdem der Graf nochmals Raoul die höchste Vorsicht und die strengste Verschwiegenheit eingeschärst hatte, hän­digte er ihm das wichtige Dokument ein, welches die näheren Bedingungen des zwischen dem Kurfürsten und Wilhelm von Oranien beabsichtigten Bündnisses, genaue Angaben über die zu einer Landung in England nötige Truppen­zahl und noch andere Bestimmungen enthielt, die der Marschall mit seinen Bemerkungen, Zusätzen und Abän- derungen versehen hatte.

Dieses ganze Material ordncte und bearbeitete Raoul unter den Augen des Grafen in wenigen Tagen mit sol­chem Eifer und Geschick, daß dieser wiederholt seine vollste Zufriedenheit auSsprach und ihm von feiten deS Kurfürsten eine glänzende Belohnung in Aussicht stellte.

So geheim aber auch alle diese Verhandlungen und Rüstungen betrieben und gehalten wurden, so konnten sie doch nicht dem französischen Gesandten ganz verborgen bleiben, da er, wie schon der Marschall mit Recht bemerkt hatte, sowohl am Hofe wie in der Umgebung des Grafen Schömberg ein Heer von teuer erkauften Spionen unter der Dienerschaft unterhielt, zahlreiche diplomatische Agenten und verwegene Abenteurer aus aller Herren Ländern, welche er reich besoldete.

Die Berufung deS Grafen Schömberg nach Berlin und desien Ernennung zum Attführer deS brandenburgische«

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gesetzten Manöver geben in ihrer Gesamtheit ein charakte­ristisches Bild desien, was in dieser Athmosphäre als Loyalität gilt; als Typus dieser Auffasiungen verdienen aber vor allem die Bemerkungen niedriger gehängt zu werden, mit denen daSBerl Tageblatt*, ohne Zweifel eines der eif­rigsten Organe derFreisinnigkeit" die ersten Andeutungen über die Worte des Kaisers kommentierte:Es wird ab- zuwartcn bleiben, ob diese Worte wirklich in der hier an­gegebenen Weise gesprochen worden sind. Zunächst glauben wir daS deshalb nicht recht, weil nicht zugleich gemeldet wird, was der ReichstagSprästdent darauf erwidert hat. Denn daß er die Freiheit der Entschließungen deS Reichs­tags nicht wenigstens als Möglichkeit hingestellt haben sollte, bei welcher die Unterstellung der Bedeutung, die der Kaiser angeblich diesen Entschlüflen beilegen will, gänzlich auS- geschlosien wäre, daS vermögen wir doch kaum anzunehmen.* Wir überlasten es gerne jedem Einzelnen unserer Leser, die angemestene Bezeichnung für vorstehende Bemerkung auS der Jerusalemer Straße zu finden. In ihrer Tendenz reiht die­selbe stch ganz unv gar ebenbürtig der dreisten Verwegenheit an, welche dem 2. Nov. 1848 und Herrn Johann Jacoby zu einer traurigen historischen Berühmtheit verholfen hat. Die Steuerkommisston des Abgeordnetenhauses trat am Freitag abend in die Beratung der beiden letzten Para­graphen des Kapitalrentensteuer - Gesetzes ein. § 12 (die Bestimmungen über Veranlagung, Erhebung, Steuer­perioden rc. für die Einkommensteuer gelten auch für die Kapitalrentensteuer) wurde, wie dieBerl. Börsen-Ztg.* berichtet, unverändert angenommen. Ein vom Abg. Dr. Meyer (Breslau) beantragter § 12a:Die Erhebung von Zuschlägen zur Kapitalrentensteuer seitens der Gemeinden und weiteren Kommunalverbände ist unstatthaft", fand nicht den Beifall der Mehrheit. Dagegen wurde § 12a in folgender von den Abge. v. Wedell-Malchow, v. Rauch­haupt und Jmwalle vorgeschlagenen Fastung angenommen: Die Kapitalrentensteuerpflichtigen unterliegen mit dieser Steuer den Kommunal-, Kirche >- und Schulsteuern in gleichem Verhältnis, wie solche auf die Grund- und Ge­bäudesteuer gelegt werden. Bei Aufbringung der KretS- abgaben bleibt die Kapitalrentensteuer mit den nach 8 12 der Kreisordnung vorgesehenen Präzipual^Beiträgen zu den Verkehrsabgaben außer Ansatz." § 13 (das Gesetz tritt am 1. April in Kraft) wurde ohne Debatte angenommen. Damit ist in der Kommission die erste Lesung deS Ent­wurfs über die Kapitalrentensteuer beendigt. Die Absicht des Reichskanzlers, sich von den preußischen Geschäften ganz zurückzuziehen und nur die Oberleitung der ReichS- angelegcnheiten zu behalten, wird mehrfach bestätigt, wenn ein formeller Beschluß auch noch nicht gefaßt worden ist. Daß dies den Anstoß zu tief gehenden Umgestaltungen dcS grfamten RcgiernngSorganiSmuS geben muß, liegt auf der Hand. Mehr läßt sich vor der Hand nicht sagen, weil

Heeres, der ununterbrochen Depeschenwechsel zwischen dem Erbstatthalter und dem Kurfürsten mußten natürlich dm Argwohn der französischen Regierung anregen, welche ihrm Gesandten anspornte, um jeden Preis die verborgenen Absichten und Pläne der beiden befreundeten Höfe zu erkunden.

Dieser bot jedoch vergeblich alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel auf, daS sorgsam behütete Geheimnis zu entdecken, bis es ihm mit Hilfe seines schlauen Agenten, eines verkappten Jesuiten, gelang, den Kammerdiener deS Marschalls, einen geborenen Portugiesen, mit einer be­deutenden Summe zu bestechen."

Bald auch brachte der Jesuit dem Gesandten die Nachricht, daß der Graf Schömberg eine wichtige Staats- schrift aus dem Haag erhalten und diese seinem Arzt, dem Doktor und Regimentschirurgen der Grands MouSquetaireS, Raoul Rousiel, zum Uebersetzen und Bearbeiten anver­traut habe.

Kennt Ihr diesen Mann?" fragte der Gesandte.

Nur dem Namen nach", erwiderte der Agent.Derselbe ist ein Refugiö, ein Ketzer aus NimeS, sonst, wie ich höre, ein geschickter Arzt, der stch der besonderen Gunst deS Marschalls erfreut."

Sollte eS nicht möglich fein, von ihm den Inhalt jener Schrift zu erfahren,, wenn man ihm für seine Mit­teilungen einen angemessenen Preis bietet?*

DaS halte ich für höchst bedenklich. Der junge Mann ist ein verstockter Kalvinist und hat allen Drohungen und Versprechungen deS ihm sonst wohlg stnnten Intendanten Baville mit einer echt hugenottischen Halsstarrigkeit wider­standen. Deshalb glaube ich auch nicht, daß er selbst für eine große Summe uns das Geheimnis überlasien dürfte."

(Fortsetzung folgt.)

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die politischen Pläne deS Fürsten Bismarck in ihrem Ent­wicklungsgänge nie in die hergebrachte Schablone pasicn, soiwern immer in der einen ober anderen Weise Heber- raschendeS bringen. Wir enthalten uns deshalb aller Ver­mutungen, obwohl es vom rein publizistischen Standpunkt betrachtet, nichts dankbareres geben kann als eben das, wie denn auch schon eine Unmasse derartigen Lesestoffes ver­breitet ist. Natürlich steht die spezifische Opposition-« Presie hier vorne. Demgeistreichen Geplauder* ohne allen greifbaren Inhalt, wie eS die starke Seite dieser Preßerzeugnisie ist, kann nichts in der Welt so viel Ma­terial bieten, als dievoraussichtlichen" Entschließungen eines Mannes wie Fürst Bismarck diewahrscheinlichen* Absichten, von denen er stch dabei leiten läßt und die leicht zu übersehenden Folgen*, die eS für die Zukunft Deutschlands und Europas haben muß. Daraus läßt sich noch immer ein Ragout bereiten, das selbst dem Börsianer ein gewisieS Interesse abgewinnt, ob sich auch nur ein Titelchen von dem bewährt, waSgar nichts anders fein kann", kommt nicht in Betracht. Geschieht das Gegenteil, so heißt eS unverfroren:daS haben wir gesagt". Keinem Menschen aber fällt es ein, nachzusehen, obwir* daS wirklich gethan haben. Wie wir hören, wird der Abg. Dr. v. Heyvebrand und der Lasa demnächst als Hilfsarbeiter in das Ministerium für Landwirtschaft eintreten.

Witte«, 30. März. Die Kommunalsteuer unserer Stadl wird pro 1884/85 400 Prozent der direkten StaaiS- steuern betragen und auf die ganze klassifizierte Einkommen­steuer, auf die ganze Klassensteuer, aus V« der Gebäude­steuer, auf die Forensensteuer und auf Vs der Gewerbe­steuer umgelegt werben. Von den zur 1. Klasiensteuer- stufe Eingeschätzten kommen jedoch nur 300 Prozent Kom- munalsteuer zur Erhebung.

Müuchm, 31. März. Die Abgeordnetenkammer ge­nehmigte die von den ReichSräten in den Etat eingestellte Professur der Anatomie an der Universität Würzburg und die von Marquardsen beantragte Erbauung von Baracken für Pockenkranke in Erlangen. Bei dem Gesetz betreffend die Verehelichung nahmen die Abgeordneten mit 102 gegen 2 Stimmen die von den ReichSräten getroffene Modifi­kation an. Bei Beratung des ForstetatS erklärte der Finanzminister, daß die Regierung beim Bundesrate für die Erhöhung der Holzzölle eintreten werbe. Der Reichs­rat nahm baS Gesetz, betreffend dir provisorische Steuer­erhebung, den Mstitäretat für 1884/85 und den Gesetz­entwurf, betreffend die Herstellung von Lokalbahnen, mit großer Majorität in der Fassung des Abgeordnetenhauses an. Die bei den Lokalbahnen von dem Abgeordnetenhaus abgelehnte Strecke Pasing - Hersching wurde wieder ein­gestellt.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie b. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurtia.M; Hermann» scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie b Annoncen-Bureaux Lnöaafenfteiit und Vogler in Frankfurt a M, Ham­burg, Magdeburg u. Wien; Rudolf 'Hoffe in Frantfurt , M.,B^lin, München und «Sln: O L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin/Hannover u. Paris.

f Unsere Leser ersuchen wir freundlichst um Erneuerung des Postabonnements auf das mit dem 1. April begonnene zweite Quartal.

Exped. der Oberh. Ztg.

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lrscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageZlluftrirteS Ionntagößlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 3*/* Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) Jnscrtionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Deutsche- Reich.

Berlin, 31. März. Der Kronprinz wirb morgen abend nach London abreisen, um der Beisetzung deS Herzogs von Albany beizuwohnen. Die Glückwünsche, welche Sr. Majestät dem Kaiser und König in Telegrammen und Gratulationsschreiben zum Geburtstage bargebracht «erden, nehmen an Zahl von Jahr zu Jahr zu. Sie rechnen nach Tausenben, so baß es erst nach unb nach möglich ist, baS aufgehäufte Material zu sichten. Darunter fand stch in diesem Jahre bcr Glückwunsch eines ElsafferS, welcher, in einem kleinen Stäbtchen im Ober - Elsaß wohnhaft, am 22. März 1796 geboren, mithin gerade ein Jahr älter ist, als der Kaiser. Auch ein vom Nieberwald herrührenbeS gepreßtes Eichenblatt, auf dem baS Bildnis beS Kaisers beullich erkennbar herauSgearbeitet war, wurde eingereicht. Se. Majestät sollen stch über diese Aufmerksamkeiten herzlich gefreut haben. DiePost* sagt anläßlich des morgigen Geburtstages des Fürsten Bismarck: Die zweiund- zwanzigjährige ununterbrochene Führung eines so ungeheuren GeschästskreiseS mit einer ebenso ungeheueren Fülle von Initiative und Erfolgen ist ohne Beispiel. Da« Blatt hebt hervor, daß Fürst Bismarck in der Richtung seiner Politik auf dem Boden der öffentlichen Meinung überall siegreich vorgedrungen sei, waS stch auS einem Vergleiche der öffent­lichen Meinung von 1875 und der heutigen bezüglichen Sozialreform und der Steuerreform ergebe. Wenn aber die Stellung Deutschlands auf Generationen befestigt werden solle, so müßten dem Wirken des Kanzlers weniger Hindet« niffe bereitet werden. In einem Schreiben des Ober- prästdcnten Achenbach an den Stadtverordnetenvorsteher Straßmann wirb bei 300 Mark Strafe untersagt, den Antrag Singer wegen einer Petition um Vermehrung der Abgeordnetenzahl Berlins auf die Tagesordnung der Stadt- verordneten-Bersammlung zu setzen. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: ES ist vom Standpunkte der sogenannten freisinnigen Presie uns ganz verständlich, daß die Blätter dieser Richtung die bekannten Worte des Kaisers an das Präsidium deS Reichstags über den parlamentarischen Wider­stand gegen die Verlängerung deS Sozialistengesetzes nach Möglichkeit zu verschleiern und in ihrer Bedeutung abzu« schwächen suchen, während sie andererseits die unverbürgtesten Gerüchte im Parteiinteresie anSzunützen beflisien sind. Die nach der einen wie nach der anberen Richtung in Szene

37 Die Schützlinge des Große« Kurfürsten.

Historische Erzählung von Max Sing.

Mit dieser Arbeit mar der Graf so zufrieden, daß er ihm bald darauf eine größere Staatsschrift in derselben Sprache übergab, die Raoul nicht nur übersetzen, sondern nach den Angaben des Grafen bearbeiten sollte, nachdem dieser ihm das feierliche Ehrenwort abgenommen hatte, über den Inhalt mit keinem Menschen zu sprechen.

Ihr werdet dadurch*, sagte der Graf wohlwollend, nicht nur mir, sondern auch dem Kurfürsten einen großen Dienst leisten und dürft seines Dankes gewiß sein.*

Desien bedarf es nicht*, erwiderte Raoul,da ich und meine Angehörigen dem hoben Herrn für die un» erwiesenen Wohlthaten so sehr verpflichtet fl d, daß ich mit Freuden mein Leben für ihn lasien würde.'

Vor allem fordere ich von Euch die strengste Ver­schwiegenheit, da eS stch um ein höchst wichtiges Staatsge­heimnis handelt, durch desien Veröffentlichung oder gar Verrat Ihr Euch des Todes schuldig machen würdet.'

Weder Versprechungen noch Drohungen sollen mir das anvertraute Geheimnis entreißen. DaS schwüre ich bei unserem heiligen Glauben, bei meiner Ehre. Mügm mich die grausamsten Strafen treffen, wenn ich mein Wort breche.'

Ich halte Euch auch keiner solchen Schlechtigkeit fähig. Seid Ihr doch ein RefugiS, der allen Versuchungen wider­standen und trotz Gefängnis und Galeere treu geblieben ist. Ich weiß, daß ich mich auf Euch verlassen kann und daß Ihr nicht nur die nötigen Kenntnisse, sondern auch die unumgängliche Zuverlässigkeit besitzt. Außerdem kenne ich keinen Menschen in Berlin, der ein so elegante- Franzöfisch schreibt und meine Gedanken so klar wteverzugeben versteht. Dazu kommt «och, daß Eure Stellung als Arzt am wenigsten