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Geschz« Un,eigen nimmt entgegen: hl,“1 Expedition d. Blattes, ' sowie d Annoncen-Bureaux ämmtlH ' -saasensteil, und Vogler in Frankfurt a M , Ham- t bürg, Magdeburg u.Wien; \ m Lbolf Moffe in Frankfurt , bei Poft, Berlin, München und ' nsln- G L. Daube und £ in Frankfurt a M, Berlin, Hannover u. ParrS.
Marburg, Mittwoch, 26. März 1884.
HX. Jahrgang.
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Anzeigen nimmt entgegen: die, Expedition d. Blattes, sowie d. Annvncm-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurtsa. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i.Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
Reichstag
Präsident von Levetzow eröffnet die Sitzung um
laut gewordenen Bedenken bei der sich ausgleichen lassen. Von den
lich ausgearbeitet sei. die heute im Hause Kommisstonöberatung Ausstellungen, die er
stimmungen derselben im einzelnen besprechend, äußert Redner zunächst eine Reihe formeller Bedenken und bezweifelt es, ob schon jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, daß der Reichstag sich mit der Regelung dieser schwierigen Materie beschäftigen könne. Demnächst seine sachlichen Bedenken entwickelnd, bemängelt Redner die Sonderbehandlung der Kommanditgesellschaften, und bezweifelt die Behauptung, daß das Gesetz aus der Fürsorge für den kleinen Mann entsprungen, mit dem Hinweis auf den Umstand, daß gerade gegenwärtig alle Staatsweisheit aufgeboten werde, um das Lotteriespiel zu rechtfertigen. Man möge diese Bedenken in einer besonderen Kommission auf ihren Gehalt prüfen, vor allem aber ohne Voreingenommenheit gegen den ehrenwerten Handelsstand. Er beantrage demgemäß die Ueberweisung der Vorlage zur Vorberatung an eine Kommission von 28 Mitgliedern.
Abg. Büsing (nat.-lib.) erklärt, daß sein und seiner Freunde Standpunkt sich im wesentlichen mit dem des Vorredners decke. Obwohl die Regelung der Frage am zweckmäßigsten durch das in der Ausarbeitung begriffene deutsche Zivilrecht in Angriff zu nehmen sei, so werden seine Freunde doch bereit sein, die Regierung in dem jetzt schon unternommenen Versuche zu unterstützen, ein brauchbares Spezialgesetz zu schaffen. Die Gesellschaft auf Aktien sei eine wirtschaftlich unentbehrliche Unternehmungsform. Komme die Vorlage in ihrer jetzigen Fassung zu stände, so werde nicht nur die Gründung neuer Aktiengesellschaften unmöglich, sondern auch die Existenz der bereits bestehenden in Frage gestellt. Es werde daher eines nicht geringen Entgegenkommens seitens der Reichsregierung bedürfen, um ein Gesetz zu stände zu bringen, welches für die Geschäftswelt brauchbar und für daö Publikum nützlich sei. Bei dem Mangel an Fachleuten im Hause beantrage er, die Kommission, für deren Beratung auch er ist, auf 21 Mitglieder zu beschränken. (Beifall links.)
Abg. Dr. Reichensperger- Olpe (Zentr.) spricht sich grundsätzlich für die Vorlage aus. Dieselbe sei zwar in einzelnen Teilen verbesserungsbedürftig, ihrem Kerne nach aber gehe sie dahin, die Wiederkehr solcher Zustände möglichst abzuhalten, welche in der sogenannten Gründer- Periode in der verderblichsten Weise in die Erscheinung getreten. An der Vorlage selbst tadelt Redner, daß dieselbe sich zu sehr auf den formalen Standpunkt stelle und die materielle Seite nicht genügend berücksichtige. Seine Destderien im einzelnen vorbringend, schließt auch er sich der Ueberweisung des Entwurfs an eine Kommission an, der er gern mit einschlägigem Material an die Hand gehen will. (Beifall.)
Abg. Hartmann (deutschkons.) ist mit seinen Freunden für die Vorlage, in der er besonders die streng formulierte Verantwortlichkeit mit Genugthuung begrüßt hat. Die traurigen Ereignisse der sogenannten Gründerperiode seien vor allem aus die Mängel des Gesetzes vom Jahre
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,)llustrirteS SmmtagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/* Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
der modernen Kulturentwicklung unentbehrlich seien. Man spanne daher die Ideale für die Reform nicht zu hoch und schütte daS Kind nicht mit dem Bade aus, indem man den Aktiengesellschaften in einer Weife zu Leibe geht, daß sie überhaupt unmöglich werden. Zur Vorberatung empfehle sich die größere Kommission von 28 Mitgliedern, für die auch er stimme.
Staatssekretär Dr. v. S ch e l l i n g konstatierte dankend, daß die Vorlage der verbündeten Regierungen eine allgemein freundliche Aufnahme im Hause gefunden. Mit Rücksicht auf die als gewiß anzunehmende Kommission«- beratung wolle er auf die einzelnen laut gewordenen Ausstellungen nicht eingehen, schon deshalb nicht, um keine Verschärfung der Gegensätze herbeizuführen. Mit Entschiedenheit aber müsse er die Vorlage gegen den Vorwurf verteidigen, der von gewiffer Seite als Stichwort in das Land geschleudert werde: daß nämlich die Vorlage einem Argwohn gegen den Handelsstand entsprungen fei. WaS die sehr bemängelte Heranziehung der Aufstchtsräte zur Verantwortung betreffe, so statuiere die Vorlage keine andere Verantwortlichkeit, als sie von jedem anderen Verwalter fremden Vermögens verlangt werden müffe. Freilich haben sich manche Verwaltungsräte daran gewöhnt, die Aktionäre lediglich als die misera contribuens plebs zu behandeln. Dem gegenüber fei in die Vorlage eine Art Warnungstafel hineingebracht, welche erkennen laffe, in wie weit die Verwaltungsräte ihrer Pflicht Nachkommen. DaS reelle Geschäft werde durch die Vorlage nicht betroffen, sondern
welche ebenso gewiffenhaft wie sach- Bei allseitigem guten Willen dürften
12 Vi Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen.
Se. Majestät der Kaiser und König hat am Sonnabend die Glückwünsche des Reichstages zu seinem Geburtstage huldreichst entgegen genommen.
Eingegangen ist: eine Uebereinkunft mit Belgien wegen gegenseitigen Schutzes von Werken der Litteratur und Kunst; sowie eine Uebereinkunft mit demselben Staate, betr. den Schutz gewerblicher Muster und Modelle. — Ferner sind von in verschiedenen auswärtigen Ländern lebenden Deutschen noch Geldspenden für die Rheinüberschwemmten eingelausen.
Der Präsident wird den Dank des Hauses dafür übermitteln.
Ferner konstatiert der Präsident im Anschluß an seine in der jüngsten Sitzung abgegebene Erklärung, daß im Verlaufe derselben Geheimpolizisten auf der Journaltsten- tribüne nicht anwesend gewesen.
In die Tagesordnung eintretend, genehmigt das HauS debattclos in dritter Lesung die mit der Schweiz wegen gegenseitiger Zulaffung der in der Nähe der Grenze wohnhaften Medizinalperfonen zur Ausübung der Praxis am 29. Februar 1884 abgeschlossene Uebereinkunft, sowie den Gesetzentwurf, betr. die Kontrolle des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen für vaS EtatS- jahr 1883/84, auf Grund der in zweiter Beratung unverändert angenommenen Vorlagen.
Es folgt die erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes, betr. die Kommanditgesellschaften auf Aktien und die Aktiengesellschaften.
Abg. Dr. Perrot (deutsch-kons.) zur Geschäftsordnung: Bei der Wichtigkeit der Vorlage einerseits und der großen Leere des Hauses andererseits erscheint eS nicht unbedenklich, in die Beratung der Angelegenheit einzutreten.
Präsident v. Levetzow: Wir stehen nicht vor einer Abstimmung, eine Auszählung ves Hauses erscheint daher nicht angezeigt.
DaS HauS tritt in die erste Beratung ein.
Abg. Dr. Horwitz (D. frei,.) vertritt lediglich seinen persönlichen Standpunkt der Vorlage gegenüber. Die Be-
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Exped. d. Oberh. Zeitung.
1870 zurückzuführen, welches den Behörden nicht die geringste Handhabe geboten, den Schwindlern wirksam entgegen zu treten. Der Zustand verhältnismäßiger Ruhe, der zur Zeit obwalte, ermögliche gewiß eine vorurteilsfreie Prüfung der Vorlage, i
_ . und seine Freunde gegen den Entwurf vorzubringen haben, sei ein Teil bereits in der heutigen Debatte berührt worden. Im einzelnen darauf einzugehen, behalte er sich für die Kommission vor, für die auch er ebenfalls stimme. (Beifall rechts.)
Abg. Dr. Bamberger (deutsch-freis.) betrachtet das vorliegende Gesetz nicht sowohl als ein solches, welches ander Initiative der verbündeten Regierungen, als vielmehr aus der Initiative des Reichstages hervorgegangen sei, welcher zuerst auf die Notwendigkeit einer bezüglichen Reform hingewiesen habe. Bet der Schwierigkeit deö Gegenstandes dürfte indes ein befriedigendes Gesetz niemals zu stände kommen, denn die Erbsünde liege in der Natur der Aktiengesellschaften selbst. Wenn er demgemäß gegen die Vorlage fei, so geschehe dies nicht etwa aus einer Vorliebe für die Aktiengesellschaften, sondern weil er dieselben für ein notwendiges Uebel halte, da die Aktiengesellfchaften in
~~ Berlin, den 24. März.
oyuurn 11. Plenarsitzung. HauS und Tribünen sind spärlich 1 tn i*6 besetzt. Am Bundesratstische Staatsminister v. Bötticher, . .'T?01 Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. von Schelling ri978 und mehrere Kommissarten zum Bundesrat.
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Die Schützlinge des Grotzeu Kurfürstea.
Historische Erzählung von Max Ring.
Obgleich eö Raoul bei seiner nur mangelhaften Kenntnis der deutschen Sprache schwer fiel, den Sinn des Gedichtes sogleich zu erfassen, so ging ihm nach und nach daS Ver- ständniS der herrlichen Verse auf. Zugleich überkam ihn eine Ahnung von der Tiefe und jungfräulichen Reinheit einer Liebe, die er bisher nicht gekannt und die ihn mit einer unbeschreiblichen Seligkeit erfüllte, so daß auch er mit Vertrauen der Zukunft entgegensah.
Nicht so resigniert und ruhig wie Agnes und Raoul ertrugen Hans und Gabrielle die Hindernisse, welche sich ihrer Verbindung entgegenstelltm. Die lebhafte und praktische Französin wollte nicht ein so großes Opfer annehmen und zugeben, daß der Geliebte ihre Hand mit dem Verlust seines halben Vermögens erkaufen sollte. Nicht minder bekümmerten sie die Schwierigkeiten, auf welche seine beabstchtigte.Nieder- laffung stieß, indem die Zunft auf feine wiederholten Gesuche ihn abschläglich beschieden hatte.
Keck und resolut, als eine echte Französin, faßte Gabrielle de« Plan, die ihr versprochene Gnade des Kurfürsten an« jurafen und sich seinen hohen Beistand persönlich zu erbitten. $bne Hans davon zu sagen oder ihre Eltern zu fragen, lraf sie die nötigen Vorbereitungen zu dem von ihr beab- fichtigten Gang.
Zu diesem Zweck nahm sie die schönsten und größten Arliichocken aus ihrem Garten und legte sie sauber in ein zierliches Körbchen, welches sie mit frischen Weinblättern bedeckte. Eie selbst zog ihr bestes Kleid von blauer Seide u«t silbernen Schleifen an und hüllte sich in den dunklen
Mantel, aus deffcn Kapuzze ihr liebliches Gesicht wie der helle Mond aus nächtigen Wolken hervorschaute.
So ging sie frisch und dreist nach dem alten, später vielfach umgebauten Schlöffe, vorüber an der Trabantcn- wache, welche das Mädchen für eine der kurfürstlichen Kammerfrauen hielt und darum nicht weiter aufhielt. Leicht und behend schlüpfte sie durch die hohen Gänge und Galerien die breite Steintreppe hinauf, bis sie in einen prächtigen Saal trat, wo der alte Kammerdiener Kunkel fie nach ihrem Begehren fragte.
„Ich bringe dem Herrn Kurfürsten frische Artischocken", versetzte sie, auf ihr Körbchen zeigend.
„Gebt sie nur her, ich werde sie hineintragen."
„Das geht nicht. Ich muß ihn selbst sprechen."
„WaS fällt Euch ein! Man spricht nicht so mir nichts dir nichts mit dem hohen Herrn."
„Sagt ihm nur, daß ich die Tochter de» französischen Goldschmieds Pierre Rouffel bin. Der Herr Kurfürst kennt mich schon und wird mich vorlaffen."
Ihr resolutes Wesen und ihre Schönheit, besonders aber der Umstand, daß sie eine Französin war, imponierte dem allen Kammerdiener dermaßen, daß er dem Kurfürsten ihre Ankunst meldete.
„Draußen steht ein französisches Mädchen, die Tochter des Golkschmieds Rouffel, die Eurer kurfürstlichen Gnaden einen Korb mit Artischocken bringt und durchaus Eure Hoheit selbst sprechen will."
»Laß sic nur eintreten", erwiederte der Kurfürst lächelnd. „Ich kenne sie."
Mit vor Aufregung pochendem Herzen folgte Gabrielle dem Kammerdiener in oa» anstoßende Gemach, in welchem
der Kurfürst in einem hohen, braunen Lehnstuhl faß. Vor ihm stand ein großer Stuhl, der mit verschiedenen toftbaren Seidenstoffen, Hüten, Handschuhen und gewirkten Strümpfen bedeckt war, welche der Kurfürst mit sichtlichem Vergnügen zu betrachten und aufmerksam zu prüfen schien.
Es waren dies die Erzeugnisse der ersten französischen Fabriken, welche die RefugisS in Berlin mit Hilfe des Kurfürsten gegründet und deren gelungene Probm fie ihm gerade heute gebracht hatten, worüber er im höchsten Grade erfreut war, so daß er sich augenblicklich in bester Stimmung befand.
„Tritt näher, mein Kind, nur näher!" sagte der Kurfürst zu Gabrielle, die schüchtern in der Nähe der Thür stand.
„Ich freut wich, daß Du die Artischocken mir selbst gebracht und Dein Versprechen gehalten hast. Setze den Korb nut auf den Tisch zu den schönen Sachen, die mir heute Deine Landsleute überreicht haben. Ich danke Die und als Revanche sollst Du Dir hier den Stoff zu einem Kleide wählen. Was meinst Du zu dem weißen Atlas mit dem rosa Streifen oder gefällt Dir der geblümte Sammt mit den Goldfäden bester?"
„O!" erwiederte Gabrielle. „Das ist viel zu prichsig für mich und paßt nicht für die Tochter eines. Goldschmieds, sondern für eine vornehme Dame."
„So nimm es zu Deinem Hochzeitstage und trage es bei Deiner Trauung."
„Da müßte ich noch lange warten", versetzte fie traurig lächelnd, „wenn Eure Kurfürstliche Gnaden mir nicht helfen."
„Mein Gott!" scherzte dieser. „Ich kann Dir doch keinen Mann verschaffen, den mußt Du Dir schon selbst besorgen." (Fortsetzung folgt )